Qualifizierte Ausbildung in Teilzeit für Menschen mit Familienverantwortung
Teilzeitberufsausbildung - Einstieg begleiten - Perspektiven öffnen (TEP): Förderangebot in allen Regionen des Landes
Menschen mit Familienverantwortung haben es oftmals besonders schwer, ihren Wunsch nach einer Berufsausbildung zu realisieren. Damit der Übergang in (Teilzeit)Ausbildung gelingen kann, gibt es das Programm "Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen" (TEP), gefördert aus Mitteln des Landes und der Europäischen Union.
Förderprogramm unterstützt beruflichen (Wieder-)Einstieg
Eine qualifizierte und abgeschlossene Berufsausbildung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Integration in den Arbeitsmarkt. Vor allem Menschen mit Familienverantwortung haben es aber oftmals besonders schwer, ihren Wunsch nach einer Berufsausbildung zu realisieren. In dieser Situation bietet eine Ausbildung in Teilzeit Erziehenden und pflegenden Angehörigen neue Wege, um erfolgreich in den Beruf einzusteigen. Die Ausbildungsform eröffnet auch Unternehmen die Chance, dem wachsenden Fachkräftebedarf zu begegnen und Auszubildende zu gewinnen.
Damit der Übergang in (Teilzeit)Ausbildung gelingen kann, hat das Land das Programm "Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen" (TEP) aufgelegt. Das Programm besteht aus einer Vorbereitungs- und Begleitphase und unterstützt die Teilnehmenden bis zu einem Jahr.
Das Landesprogramm ist 2009 gestartet und wird inzwischen beispielgebend in allen Regionen Nordrhein-Westfalens umgesetzt. Das TEP-Programm unterstützt Menschen mit Familienverantwortung bei der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz in Teilzeit und gibt Hilfestellung, um Familie und Ausbildung zu vereinbaren. Die Teilnehmenden werden gecoacht, qualifiziert und beruflich vorbereitet und während der ersten Ausbildungsmonate individuell begleitet.
Parallel zur Begleitung der TEP-Teilnehmenden werden Unternehmen über die Möglichkeiten der Berufsausbildung in Teilzeit informiert und bei der Umsetzung unterstützt.
Seit dem Start der Förderlinie im Jahr 2009 wurden bis Ende 2024 mehr als 10.000 Teilnahmen am Programm verzeichnet. Mit Start der neuen Förderrunde im Januar 2025 stehen derzeit jährlich bis zu 452 Plätze zur Verfügung, die von derzeit 39 Bildungsträgern landesweit angeboten werden. In den bisherigen Programmrunden konnte für mehr als die Hälfte der Teilnehmenden eine positive berufliche Entwicklung angestoßen und erfolgreich umgesetzt werden. Viele Teilnehmende haben eine betriebliche oder schulische Teilzeitausbildung begonnen oder konnten einen Ausbildungseinstieg in Vollzeit realisieren. Andere fanden z. B. durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, einer Weiterbildung oder dem Nachholen eines Schulabschlusses eine weiterführende Perspektive. Die Mehrheit der nahezu ausschließlich weiblichen Teilnehmenden ist alleinerziehend.
Eine Teilzeitausbildung ist bereits seit 2005 laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) möglich. Bis zum Ende des Jahres 2019 war dort geregelt, dass eine Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit bei Vorliegen eines berechtigten Interesses möglich ist. Ein berechtigtes Interesse bestand beispielsweise durch Familienpflichten der Auszubildenden.
Durch die Neuregelungen des BBiG sind seit dem 01.01.2020 die Rahmenbedingungen für eine Teilzeitausbildung verändert worden. Der § 7a des BBiG ermöglicht eine Ausweitung auf alle Interessierten. Der Nachweis eines berechtigten Interesses ist nicht mehr erforderlich. Voraussetzung ist lediglich der gemeinsame Antrag der Auszubildenden und Ausbildenden auf Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit.
Das novellierte Berufsbildungsgesetz legt für die tägliche und wöchentliche Reduzierung der Ausbildungszeit eine anteilige Untergrenze von 50 % fest.
Die Teilzeitberufsausbildung führt grundsätzlich zunächst zu einer entsprechenden Verlängerung der Gesamtausbildungsdauer, höchstens bis zum Eineinhalbfachen der regulären Ausbildungsdauer. Der Antrag auf Eintragung in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse für eine Teilzeitberufsausbildung kann jedoch direkt mit einem Antrag auf Verkürzung der Ausbildungsdauer nach § 8 Absatz 1 verbunden werden. Die Aufgaben der Familiensorge und damit oftmals der eigentliche Grund für eine Teilzeitberufsausbildung, ist hierbei ein eigenständiger Verkürzungsgrund.
Das landesweite Programm „Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ (TEP) unterstützt in allen Regionen von NRW Menschen mit Familienverantwortung bei der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz in Teilzeit –. Im Januar 2025 startete der neue Programmdurchgang. Das Landesprogramm blickt damit auf eine über 15-jährige Laufzeit zurück. Im aktuellen Programm fördert die Landesregierung mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes jährlich bis zu 452 Teilnahmeplätze. Am 08. April 2025 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Projektträger und der beteiligten Regionalagenturen anlässlich des 15-jährigen Programmjubiläums zu einem landesweiten Erfahrungsaustausch in Düsseldorf. Minister Laumann ließ es sich nicht nehmen, die Gäste persönlich in den Räumlichkeiten des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW zu begrüßen.
Herr Minister betonte in seinem Grußwort, welche Chancen eine Teilzeitberufsausbildung insbesondere für Menschen mit Erziehungs- oder Pflegeverantwortung eröffne. Sie biete Perspektiven für Ausbildungsinteressierte und ermögliche Unternehmen, neue Fachkräfte zu gewinnen. Jedoch seien gerade Menschen mit Erziehungsaufgaben oder mit pflegebedürftigen Angehörigen vor erschwerte Rahmenbedingungen gestellt. Da reiche es nicht aus, wenn nur die gesetzlichen Regelungen geschaffen werden, die eine Ausbildung in Teilzeit ermöglichen. Hier brauche es gemeinsame Lösungen und individuelle Unterstützungsangebote, die die Belange Erziehender und Pflegender berücksichtigen. An dieser Stelle biete das Landesprogramm TEP die richtige, bedarfsgerechte Unterstützung. TEP trage darüber hinaus auch wesentlich dazu bei, das Modell der Teilzeitberufsausbildung sowohl auf Seiten der Ausbildungsplatzsuchenden als auch bei den Ausbildungsbetrieben bekannter zu machen. Im Rahmen der Fachkräfteoffensive NRW besitze die Teilzeitberufsausbildung als flexibles Ausbildungsmodell einen hohen Stellenwert.
Welche Erfolge und Wirkung das Landesprogramm entfaltet hat, stellte Julia Mahler (G.I.B. - Gestaltung, Innovation und Beratung in der Arbeits- und Sozialpolitik GmbH) anhand der Evaluationsergebnisse aus 2024 vor. Im Rahmen der Evaluation des Programmdurchgangs 2022 – 2024 wurden sowohl die Träger als auch Teilnehmende befragt. 73 % der befragten Personen sind mit ihrer Teilnahme an TEP „sehr zufrieden“, 19 % sind „eher zufrieden“.
Die Mehrheit der TEP-Teilnehmenden ist weiblich, arbeitsmarktfern (66 % arbeitslos oder nicht erwerbstätig) und betreut meist ein bis zwei Kinder. Mit einem Durchschnittsalter von 32 Jahren liegt das Eintrittsalter weit über dem durchschnittlichen Eintrittsalter der jungen Menschen in NRW (2022: 20,5 Jahre) bei der Ausbildungsaufnahme.
Mehr als die Hälfte (56,1 %) ist alleinerziehend, viele beziehen Grundsicherung (62,9 %), innerhalb der Gruppe der Alleinerziehenden sind es sogar 82,2 %). Die Zielgruppe hat einen vergleichsweise hohen Bildungsstand: Jeweils ein Drittel der Teilnehmenden hat die mittlere Reife oder (Fach-)Hochschulreife. Rund 44 % besitzen keine deutsche Staatsangehörigkeit, 61,6 % haben einen Migrationshintergrund; dies entspricht einem deutlichen Anstieg im Vergleich zum vorausgehenden Programmdurchgang (damals hatten lediglich 20 % keine deutsche Staatsbürgerschaft und rd. 43 % einen Migrationshintergrund). Die Träger berichten von steigendem Sprachförderbedarf durch den höheren Anteil an Teilnehmenden mit Migrations- oder Fluchthintergrund.
Insgesamt konnten die Träger gemeinsam mit mehr als der Hälfte aller Teilnehmenden vier Wochen nach Projektende eine positive Anschlussperspektive realisieren – sei es in Form von (begleiteter) Ausbildung, Erwerbstätigkeit, Studium, Weiterbildung oder geringfügiger Beschäftigung.
Besonders kam in den Ergebnissen zum Ausdruck, dass die Zielgruppe durch die Programmteilnahme an Mut und Motivation gewonnen hat, sich eine Ausbildung zuzutrauen. Die Stärkung des Selbstbewusstseins, die maßgeblich zum Erfolg einer Ausbildungsmaßnahme beiträgt, wurde auch im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion betont. Dort diskutierte Eva Vanmarcke (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands, Bonn) gemeinsam mit Lena Clemens (Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit), Volker Stumpf-Exner (Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Westliches Westfalen e. V.) sowie Maren Behlau (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW) und Dr. Victoria Schnier (G.I.B. - Gestaltung, Innovation und Beratung in der Arbeits- und Sozialpolitik GmbH) über die Gelingensbedingungen, Unterstützungsleistungen und über die bundes- und landesweiten Entwicklungen, die eine Teilzeitberufsausbildung befördern könnten.
Im Anschluss wurden an fünf verschiedenen Thementischen unterschiedliche Perspektiven zum Landesprogramm und der Teilzeitberufsausbildung diskutiert. Die Leiter der Pflegeschule der Sana Kliniken Duisburg und zwei ihrer Auszubildenden sowie Friseurmeisterin Pawlenka-Viehweg und ihre Auszubildende berichteten aus der Praxis. Mit Vertreterinnen der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf und der Handwerkskammer Münster fand ein intensiver Austausch zur Frage statt, wie die Umsetzung des Ausbildungsmodells in Zusammenarbeit mit den Kammern gelingen kann. Darüber hinaus standen die erfahrenen TEP-Träger RE/init e.V. aus Recklinghausen und Berufsbildungsstätte Westmünsterland GmbH für Handwerk und Industrie aus Ahaus mit ihrem Erfahrungswissen für Fragen der Akteure zur Verfügung. Den Austausch rundeten Vertreterinnen und Vertreter der Regionalagenturen Köln und Aachen ab, in dem sie von ihrer Unterstützung für die Betriebe und Träger im Rahmen der Begleitung der Landesprogramme in den Regionen berichteten.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Teilzeitberufsausbildung, insbesondere für Erziehende eine sehr gute Möglichkeit darstellt, um auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Seit über 15 Jahren leistet das Programm TEP hierfür einen bedeutsamen Beitrag. Und dennoch besteht immer noch ein großes Informationsdefizit und Unsicherheit bei Ausbildungsinteressierten und Betrieben darüber, was Teilzeitberufsausbildung überhaupt ist und wie sie umgesetzt werden kann. Hier sind weitere Anstrengungen nötig, um diese Ausbildungsform bekannter zu machen und Stolpersteine und Vorurteile abzubauen. Die Erfolgsgeschichten in TEP zeigen aber, - und hierbei sind sich alle Akteure einig - dass sich die Anstrengungen lohnen und sich alle weiterhin gemeinsam für die Stärkung der Teilzeitberufsausbildung als flexibles Ausbildungsmodell einsetzen.
Landkarte / Übersicht TEP-Träger in NRW Regionen
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