Ausbildung und Beruf

Bild des Benutzers HKP.Suchorski
Gespeichert von HKP.Suchorski am 2. Januar 2018
Auszubildende misst die Größe eines Metallgewindes

Ausbildung und Beruf

Menschen mit Behinderungen stehen Erleichterungen an ihrem Arbeitsplatz zu: Kündigungsschutz und Zusatzurlaub, persönliche Hilfen und finanzielle Leistungen. Hilfen und finanzielle Leistungen können auch den Unternehmen gewährt werden, die einen Arbeitsplatz für schwerbehinderte Menschen anbieten.

Kündigungsschutz

Schwerbehinderte Menschen sind in besonderem Maße vor Kündigungen geschützt. Einem schwerbehinderten Arbeitnehmer in NRW kann nach dem Sozialgesetzbuch IX nur dann gekündigt werden, wenn zuvor das Integrationsamt des Landschaftsverbandes Rheinland oder Westfalen-Lippe zustimmt. Es sei denn, das Arbeitsverhältnis besteht weniger als sechs Monate.

Der besondere Kündigungsschutz besteht, wenn zum Zeitpunkt der beabsichtigten Kündigung

  • die Eigenschaft als schwerbehinderter Mensch nachgewiesen ist, weil

    • sie offenkundig ist oder
    • der kommunale Aufgabenträger, also die Stadt- bzw. Kreisverwaltung sie festgestellt hat oder
    • bei einem Personenkreis mit einem GdB von weniger als 50, aber wenigstens 30, die Gleichstellung durch Bescheid der Agentur für Arbeit erfolgte.
  • ein Verfahren auf Feststellung der Eigenschaft als schwerbehinderter Mensch zwar anhängig ist, die Stadt- bzw. Kreisverwaltung jedoch ohne Verschulden des Antragstellers nach Ablauf der Frist - in der Regel 3 Wochen - noch keine Entscheidung hat treffen können.

Der besondere Kündigungsschutz besteht nicht für Beschäftigte, deren Schwerbehinderung zum Zeitpunkt der Kündigung nicht nachgewiesen ist oder wenn die Stadt- bzw. Kreisverwaltung eine Feststellung wegen fehlender Mitwirkung des Antragstellers nicht treffen konnte.

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe: "Der besondere Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen nach dem SGB IX". Diese kann hier bestellt werden.

Persönliche Hilfen am Arbeitsplatz

Arbeitsassistenz

Für viele behinderte Menschen ist die Teilhabe am Arbeitsleben nur durch eine persönliche Arbeitsassistenz möglich, zum Beispiel Vorleser für sehbehinderte Menschen. Die Kosten für die Assistenz werden von den Rehabilitationsträgern oder von den Integrationsämtern getragen.

Begleitung

Um ihrem Beruf nachzugehen, brauchen manche behinderten Menschen die Hilfe einer Begleitperson. Reisekosten und Verpflegung der Begleitperson werden vom zuständigen Rehabilitationsträger erstattet.

Betriebliches Arbeitstraining

Das „Betriebliche Arbeitstraining“, bei dem die Betroffenen in ihrem Betrieb am Arbeitsplatz lernen und sich beruflich weiterbilden, kann die Beschäftigungschancen von Menschen mit Behinderung deutlich steigern. Beim Betrieblichen Arbeitstraining kommt ein Coach direkt an den Arbeitsplatz und leitet an, klärt auf und unterstützt bei der Kommunikation im Betrieb.
Mehr Informationen finden Sie hier

Finanzielle Hilfen am Arbeitsplatz

Finanzielle Hilfen an schwerbehinderte Menschen

  • Übernahme der Kosten für technische Arbeitshilfen,
  • Darlehen oder Zinszuschüsse zur Gründung und Erhaltung einer selbstständigen beruflichen Existenz,
  • Hilfen zur Beschaffung von behinderungsgerechtem Wohnraum, Anpassung und Ausstattung an behinderungsbedingte Bedürfnisse, Umzug in eine behinderungsgerechte oder erheblich verkehrsgünstiger zum Arbeitsplatz gelegene Wohnung,
  • Leistungen, um einen Führerschein zu erwerben, ein Fahrzeug zu kaufen oder behinderungsgerecht auszustatten,
  • Hilfen zur Erhaltung der Arbeitskraft und in besonderen behinderungsbedingten Lebenslagen
  • Hilfen zur Erhaltung und Erweiterung beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten,
  • Übernahme der Kosten für eine notwendige Arbeitsassistenz (s.o.)

Finanzielle Hilfen an Arbeitgeber

Arbeitgeber können Zuschüsse oder Darlehen erhalten, wenn

  • sie Arbeits- und Ausbildungsplätze für schwerbehinderte Menschen bereitstellen,
  • sie Arbeits- und Ausbildungsplätze behinderungsgerecht umgestalten,
  • schwerbehinderte Menschen am Arbeitsplatz besonders betreut werden oder
  • durch die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen außergewöhnliche Belastungen entstehen
  • sie im Bereich der Prävention bei der Einführung eines betrieblichen Eingliederungsmanagement tätig werden.

Die finanziellen Hilfen an schwerbehinderte Menschen und Arbeitgeber können auch Personen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 30 oder 40 erhalten, wenn sie den schwerbehinderten Menschen gleichgestellt worden sind. Die Gleichstellung ist möglich, wenn infolge der Behinderung ohne die Gleichstellung ein geeigneter Arbeitsplatz nicht erlangt oder behalten werden kann. Darüber informiert und entscheidet die Agentur für Arbeit.

Zusatzurlaub

Wer einen Schwerbehindertenausweis hat und seinem Arbeitgeber vorlegt, erhält Zusatzurlaub von einer Arbeitswoche. Der Arbeitgeber sollte über den Anspruch auf Zusatzurlaub unmittelbar nach Eintritt der Schwerbehinderung informiert werden.

Die Urlaubstage gibt es zusätzlich zum Grundurlaub, der den schwerbehinderten Beschäftigten laut Arbeits- oder Tarifvertrag bzw. nach den gesetzlichen Bestimmungen ohnehin zusteht. Die Länge des Zusatzurlaubs richtet sich nach den Arbeitstagen während der Woche – er beträgt beispielsweise fünf Tage, wenn die Arbeitszeit auf fünf Tage in der Woche verteilt ist, vier Tage bei vier Arbeitstagen in der Woche.

Den vollen Zusatzurlaub gibt es dann, wenn die Schwerbehinderung für das komplette Jahr anerkannt worden ist. Bei Eintritt oder Wegfall im Verlauf eines Kalenderjahres besteht ein Anspruch auf Zusatzurlaub nur anteilig. Die Regelung lautet: Für jeden vollen Kalendermonat als Schwerbehinderter besteht Anspruch auf ein Zwölftel des Zusatzurlaubs. Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, werden aufgerundet.

Ansprechpartner

Agenturen für Arbeit

Sie beraten behinderte und schwerbehinderte Jugendliche und Erwachsene in allen Fragen der Berufswahl, der beruflichen Entwicklung und des Berufswechsels, informieren über beruflich bedeutsame Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und sind für die Arbeits- und Ausbildungsvermittlung zuständig.
Informationen finden Sie hier

Integrationsämter

Die Integrationsämter der Landschaftsverbände sind für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen zuständig. Sie kooperieren mit den örtlichen Fürsorgestellen bei den Kreisen, kreisfreien und größeren Städten. Schwerbehinderte Menschen erhalten u.a. behinderungsgerechte Betreuung, technische Hilfen oder arbeitsbegleitende Fortbildung. Den Arbeitgebern finanziert das Integrationsamt beispielsweise behinderungsgerechte Arbeits- und Ausbildungsplätze.

Ansprechpersonen finden Sie hier

Fachdienste bei den Landschaftsverbänden

Bei den Integrationsämtern stehen spezielle Fachdienste behinderten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und deren Arbeitgebern beratend zur Verfügung:
Ingenieur-Fachdienst, Psychosozialer Fachdienst, Fachdienst für hörbehinderte Menschen, Fachdienst für sehbehinderte Menschen und der Fachdienst für betriebliche Suchtprävention.
Weitere Informationen unter: http://www.lwl.org/...

Integrationsfachdienste

Integrationsfachdienste beteiligen sich im Auftrag der Agenturen für Arbeit, der Rehabilitationsträger und der Integrationsämter an der Vermittlung und Betreuung behinderter Menschen und der Beratung der Arbeitgeber. Ein Verzeichnis der Integrationsfachdienste in Nordrhein-Westfalen finden Sie unter: http://www.integrationsaemter.de/...

Informationen zu Integrationsfachdiensten in Westfalen-Lippe auf der Seite des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe unter: http://www.lwl.org/...

Informationen zum Integrationsamt, zu Fachdiensten, Integrationsfachdiensten im Zuständigkeitsbereich des Landschaftsverbands Rheinland finden Sie hier: http://www.lvr.de/...

Technischer Beratungsdienst der Bundesagentur für Arbeit

Zu den Aufgaben des Technischen Beratungsdienstes gehören u.a: Beratung von Arbeitgebern über Arbeitsbedingungen und die behinderungsgerechte Gestaltung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, Beratung bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung und bei der Förderung von Einrichtungen zur beruflichen Eingliederung Behinderter. Technische Berater sind bei der Agentur für Arbeit, den Regionaldirektionen und der Hauptstelle der BA tätig.

Relevante

Pressemitteilungen

Weiteres

zum Thema