Krebserzeugende Gefahrstoffe

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Krebserzeugende Gefahrstoffe

Besondere Stoffeigenschaften rufen besonders zu berücksichtigende Gefährdungen hervor. Bei krebserzeugenden Gefahrstoffen sind daher zusätzliche Maßnahmen umzusetzen. Hier reichen in der Regel die allgemeinen Schutzmaßnahmen wie Organisation- und Hygienemaßnahmen, freie Lüftung sowie sachgerechte Lagerung und Entsorgung nicht aus.

Die Gefährdungsbeurteilung wird häufig zusätzlich erschwert, da nicht alle Gefahrstoffe am Arbeitsplatz gekennzeichnet sind. Meist werden krebserzeugende Gefahrstoffe erst bei der Tätigkeit freigesetzt bzw. entstehen erst dort. Hierzu zählen vorwiegend Stäube, die bei bearbeitenden Arbeitsverfahren entstehen wie z. B. Quarzstaub, Hartholzstäube, Asbest, Nickel-, Cadmium-, Cobalt- und Berylliumstaub sowie Faserstaub künstlicher Mineralfasern. Andere typische krebserzeugende Gefahrstoffe sind z. B. Chrom(VI)-Verbindungen, Benzol, PAK, Formaldehyd, Ethylenoxid sowie Zytostatika. Forderungen der Gefahrstoffverordnung werden in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) konkretisiert. Während die am Arbeitsplatz einzuhaltenden Grenzwerte für diverse Gefahrstoffe in der TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“ (AGW) festgelegt sind, gibt es für den Umgang mit krebserzeugenden Stoffen in der Regel keine Wirkungsschwelle, d. h. es gibt keine Konzentration bei der der Stoff als völlig unbedenklich angesehen werden kann. Für solche Stoffe wurde folglich auch kein AGW festgelegt. Um einen sicheren Umgang dennoch zu gewährleisten, wurde vom Ausschuss für Gefahrstoffe das „Risikobezogene Maßnahmenkonzept für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen“ entwickelt und in der TRGS 910 konkretisiert.

Können Gefährdungen bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen nicht ausgeschlossen werden, sind betroffene Beschäftigte durch die Arbeitgeberin bzw. den Arbeitgeber in einem Verzeichnis gemäß § 14 der Gefahrstoffverordnung zu führen. Konkrete Kriterien, wann dieses Verzeichnis zu führen ist, wird in der Technischen Regel TRGS 410 „Expositionsverzeichnis bei Gefährdung gegenüber krebserzeugenden oder keimzellmutagenen Gefahrstoffen der Kategorien 1A oder 1B“ beschrieben. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung bietet als Dokumentationshilfe die „Zentrale Expositionsdatenbank – ZED“ an. Hier erhalten Arbeitgeberinnen bzw. Arbeitgeber weitere Unterstützung.

Weitere Informationen

Asbest

Ein besonders bekannter und weitverbreiteter krebserzeugender Gefahrstoff ist Asbest. Auch im Falle von Asbest, sind es biobeständige Fasern von gewisser Länge und Breite, die für die krebserzeugende Wirkung verantwortlich sind. Erst im Jahre 1993 wurde ein umfassendes Herstellungs- und Verwendungsverbot von Asbest beschlossen. Da die Latenzzeit zwischen beruflicher Exposition und Ausbruch der Krebserkrankung im Schnitt 30 Jahre beträgt, steigt die Anzahl der Neuerkrankungen nach wie vor kontinuierlich an. Bei allen Tätigkeiten in Gebäuden, die vor 1993 erbaut wurden, sollte zu Beginn die potentielle Gefährdung durch asbesthaltige Materialien beurteilt werden. Hier fasst das Merkblatt „Asbest im Haus? – (Sicher) Renovieren und Modernisieren.“ die wichtigsten Maßnahmen zusammen.

Sanierung von Asbestzementrohren

Es gibt ein allgemeines Verwendungsverbot für Asbest nach Paragraph 15 der GefStoffV. In Einzelfällen sind Ausnahmen unter ganz bestimmten Voraussetzungen möglich: Eine der ganz wenigen Ausnahmen von diesem Verwendungsverbot ist der Weiterbetrieb von Abwasserrohren aus Asbestzement (AZ) im Rahmen von Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten (ASI-Tätigkeiten). Bei notwendigen Tätigkeiten am Rohrleitungssystem ist daher vor Beginn der Arbeiten zu prüfen, ob mit AZ-Rohren umgegangen werden muss und welche besonderen Umgangsvorschriften zu beachten sind. Daher wurde ein Kriterienkatalog entwickelt, der dabei unterstützt, Abwasserrohre als mögliche Asbestzementrohre zu identifizieren, den sicheren Umgang fördert und bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung genutzt werden kann.

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