Ausbildung durch Vermittlung - Praxisbeispiel aus Recklinghausen

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Gespeichert von Arbeit.Meding am 15. März 2022
Junger Mann auf einer Baustelle

Kurs auf Ausbildung. Wenn alles glatt läuft - Übernahmegarantie!

Das Programm wird gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus dem ESF-Programm „REACT-EU“

Um die coronabedingten Folgen für den Ausbildungsmarkt abzufedern, hat die Landesregierung das ESF-Programm "Kurs auf Ausbildung" ins Leben gerufen. Wie dabei mit individuellem, flankierendem Coaching junge Menschen angesprochen, begleitet und in Ausbildung vermittelt werden, zeigt ein Beispiel aus dem Bildungszentrum des Handels e.V. im Kreis Recklinghausen.

Schon früh stand für Jerome Benedict Döring fest: „Ich will Straßenbauer werden!“ Doch zwischen geäußertem und realisiertem Berufswunsch lag ein langer Weg. Im Rahmen von „Kurs auf Ausbildung“ hat er ihn jetzt erfolgreich hinter sich gebracht und sein Ziel trotz erschwerter Bedingungen in Coronazeiten endlich erreicht.

Das ging so: Nach Fachoberschulreife und Dienst bei der Bundeswehr hatte er viel Zeit mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz verbracht – während der Pandemie allerdings ein fast aussichtsloses Unterfangen. Über die Arbeitsagentur kam er zum Bildungszentrum des Handels e.V. im Kreis Recklinghausen und nahm am Projekt „Kurs auf Ausbildung“ teil.

Hier ist Dennis Fischer als Teamleiter aktiv. Er beschreibt die Anfangsphase des Projektverlaufs: „Zunächst laden wir die Ausbildungsplatzsuchenden zu einem Erstgespräch ein, das vor allem dem Kennenlernen dient. Dabei versuchen wir, den jungen Menschen die Angst zu nehmen, dass wir übermäßig viel ihrer Freizeit in Anspruch nehmen. Tatsächlich sind wir eher eine Art Ambulanz-Betreuung. Teilnehmende sollen ja weiter zur Berufsschule gehen und selbst nach Ausbildungsplätzen suchen, aber jetzt unterstützen wir sie dabei und das stößt immer auf positive Resonanz.“

Im weiteren Verlauf fanden ein Kompetenz-Check sowie ein Berufswahltest statt. Für deren Durchführung ist im Bildungszentrum des Handels e.V. Jeffrey Eaglestone zuständig. Als Bachelor of Arts in Audio Production war er ursprünglich in der Kulturbranche tätig, hat sich in Corona-Zeiten aber dem sozialen Bereich zugewandt und beim Bildungszentrum des Handels e.V. die Funktion des Jobcoachs übernommen.

Nach seiner Auskunft besteht der Kompetenz-Check aus mehr als 300 Fragen, deren Antworten ein Gesamtbild von Allgemeinwissen, Mathematikkenntnissen, Sprachverständnis sowie logischem und visuellem Denkvermögen des Teilnehmenden ergeben. Dem schließt sich ein kurzer Konzentrationstest an. Aufgrund der Pandemie fand das alles als Online-Test statt.

Das Resultat fasst der Jobcoach so zusammen: „In den Sparten ‚Logisches Denken‘ und ‚Visuelles Denkvermögen‘ hat Jerome Benedict Döring seine besonderen Stärken. Nach Vorliegen der Testergebnisse wurde er eindeutig als ausbildungsreif eingestuft.“

Beim nächsten Termin fand ein Berufswahltest statt. Er diente dazu, Interessen des Teilnehmers näher zu ermitteln und herauszufinden, welche Berufszweige dazu passen. Jeffrey Eaglestone: „Je nach Antwortkombinationen ergibt sich ein bestimmtes Berufsfeld. Zugleich werden konkreten Berufe vorgeschlagen, die am ehesten in Frage kommen. In diesem Fall ergab sich, dass der Getestete tatsächlich für einen Beruf im Straßenbau bestens geeignet ist.“

„Tag der Ausbildung“ bringt die Entscheidung

Aufgrund der engagierten Mitwirkung des Teilnehmers im parallelen Coaching-Verfahren erfolgte schon bald der nächste Schritt: die Bewerbungsphase. Zwar gibt es laut Teamleiter Dennis Fischer nicht viele Betriebe in der Region, die Straßenbauer ausbilden, aber aufgrund seiner eigenen langjährigen Arbeit im Bildungszentrum des Handels e.V.  kannte er ein Unternehmen, das als Ausbildungsbetrieb in Frage kam: die Tillmann & Co. Tiefbaugesellschaft mbH in Recklinghausen.

Da passte es, dass genau dieser Betrieb eine Woche später einen „Tag der Ausbildung“ veranstaltete. Sofort war klar: Jerome Benedict Döring nimmt daran teil, sein Jobcoach begleitet ihn.

Zuvor bereiteten sie den Termin sorgsam vor, erstellten eine individuell gestaltete Bewerbungsmappe, die der junge Mann direkt vor Ort einreichen konnte. Zur Vorbereitung gehörten aber auch simulierte Vorstellungsgespräche, die Recherche zu Basisinformationen über die Firma sowie Hinweise zum angemessenen Styling und dem Rat, „ausgeschlafen und mit innerer Ruhe“ den Termin wahrzunehmen.

Am „Tag der Ausbildung“ dann waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Auszubildende des Betriebs anwesend. Der Jobcoach: „Jerome hat viele von ihnen nach ihren konkreten praktischen Erfahrungen in ihrem Betrieb gefragt und wie die Ausbildung im Alltag abläuft. Zudem hat er sich ausführlich schildern lassen, wie ihre Arbeit auf den verschiedenen Baustellen in der Region konkret aussieht. Er hat einfach enorm viel Interesse gezeigt.“ Ein Verhalten, das – wie sich später herausstellte – aufmerksam auch vonseiten des Betriebs beobachtet worden war.

In diesem ungezwungenen Rahmen fand gleich ein offizielles Vorstellungsgespräch statt, an dessen Ende die Vereinbarung über ein Praktikum stand. Hier konnte er in der ersten Woche den Straßenbau und in der zweiten den Kanalbau kennenlernen und sich für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden. Jerome Benedict Döring blieb seiner persönlichen Präferenz treu: Straßenbau!

Ausgezeichnete Perspektiven

Sebastian Averkamp, kaufmännischer Leiter und Prokurist der Tillmann & Co. Tiefbaugesellschaft mbH mit rund hundert Beschäftigten sowie zwölf Auszubildenden, kann sich an den Eindruck, den Jerome Benedict Döring am „Tag der Ausbildung“ hinterließ, noch gut erinnern: „Sehr positiv! Der Tage der Ausbildung – ein Format übrigens, das wir gemeinsam mit der Stadt Recklinghausen initiiert haben – bietet jungen Menschen die Möglichkeit, ganz offen Fragen zu stellen, die zu stellen man in einem förmlichen Vorstellungsgespräch vielleicht Vorbehalte hätte. Jerome Benedict Döring hat sehr viele Fragen gestellt und außergewöhnliches Interesse gezeigt. Daraufhin haben wir ihm spontan ein Praktikum angeboten, um sicherzustellen, dass er auch das richtige Bild vom Beruf hat und es sich nicht noch mal anders überlegt.“

Andererseits, so Sebastian Averkamp, dient das Praktikum dem Betrieb dazu festzustellen, „wie sich der Kandidat anstellt, ob technisches Geschick und körperliche Leistungsfähigkeit vorhanden sind. Es muss ja für beide Seiten passen.“

Genau das war hier der Fall. Jetzt, in der ersten Ausbildungsphase, hat sich nach Erkenntnissen des kaufmännischen Leiters der positive Eindruck aus dem Praktikum bestätigt: „Ich kann nur Positives berichten. Er ist sehr aufgeweckt und nach wie vor sehr interessiert. Auch im Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen ist sein Verhalten einwandfrei.“

Dann war also die Vorauswahl des Bildungszentrums des Handels e.V. richtig gut? Sebastian Averkamp stimmt sofort zu: „Absolut! Der Jobcoach, Herr Eaglestone, war angenehm und unkompliziert im Umgang und hat hochprofessionell alles darangesetzt, damit das Projekt ‚Kurs auf Ausbildung‘ zum Erfolg wird. Auch da kann ich nur Positives berichten.“  

Bleibt noch eine letzte wichtige Frage: Wie sind die langfristigen beruflichen Perspektiven von Jerome Benedict Döring? „Bestens!“, lautet die Antwort des Prokuristen: „Uns ist von Beginn an daran gelegen, unsere Auszubildenden zu übernehmen. In der Region ist die hohe Qualität unserer Ausbildung bekannt, so dass wir wissen, was unsere Auszubildenden nach Ausbildungsabschluss können. Deshalb: Von wenigen Ausnahmen abgesehen übernehmen wir praktisch alle von ihnen. Uns ist immer an einem langfristigen Arbeitsverhältnis gelegen.

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