Dual studieren – Integrationshelfende mit Schwerpunkt Armut und (Flüchtlings-)Migration

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Gespeichert von Arbeit.Meding am 14. Juli 2018
Studierende und Leiter der Caritas imm Büro Dortmunder Nordstadt

ESF-Projekt unterstützt studentische Integrationshelferinnen und -helfer. Bundesweit einmaliger Studiengang in Dortmund

Berufsbegleitendes Studium professionalisiert Soziale Arbeit im Bereich Armut und (Flüchtlings-)Migration - viele Studierende mit Migrationshintergrund. Träger bieten Arbeitsplätze für die Dauer des Studiums (und darüber hinaus)

Der Studiengang "Soziale Arbeit, Schwerpunkt Armut und (Flüchtlings-)Migration" an der FH Dortmund ist bundesweit einmalig, im kommenden Wintersemester startet er zum fünften Mal - als nunmehr dauerhaftes Studienangebot der Fachhochschule. Das Besondere: Theorie und Praxis sind eng verknüpft und die Studierenden sind als Integrationshelfende bei Trägern der Sozialen Arbeit beschäftigt. Die Förderung durch den ESF hat das Erfolgsmodell ermöglicht.

Berufsbegleitend studieren - Integrationsfachkräfte praxisnah und qualifiziert ausbilden

Armutszuwanderung vor allem aus Südosteuropa, aber auch die aktuelle Flüchtlingsentwicklung stellen wachsende Anforderungen an die kommunale Integrationsarbeit. Neu Zugewanderte leben nicht selten in prekären Verhältnissen, der Zugang ist schwierig oder scheitert an fehlender interkultureller und sprachlicher Kompetenz. In Nordrhein-Westfalen sind einige Städte, darunter vor allem Kommunen im Ruhrgebiet, besonders betroffen. Für die soziale Arbeit sind neue Wege gefragt.

Das ESF-geförderte Projekt "studentische Integrationshelferinnen und -helfer" hat dafür einen wichtigen Anschub geleistet und einen bundesweit einmaligen Studiengang mit auf den Weg gebracht: das vierjährige duale Bachelor-Studium Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Armut und (Flüchtlings-)Migration. Nach der mehrjährigen Pilotphase ab 2014 ist das Studium nun ein dauerhaftes berufsbegleitendes Studienangebot der Fachhochschule Dortmund, im kommenden Wintersemester 2018/19 geht es in die fünfte Runde.

Das Besondere: Theorie und Praxis sind eng verknüpft, die Studierenden sind als Integrationshelfende bei Trägern der Sozialen Arbeit angestellt und wechseln regelmäßig zwischen Hörsaal und Arbeitsplatz. Von den insgesamt 35 Studienplätzen pro Jahr konnten in den vergangenen Jahren jeweils 28 Studienplätze aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert werden, um die Beschäftigung und fachliche Begleitung der Studierenden bei den Trägern sicherzustellen.

„Ohne die Förderung durch den Europäischen Sozialfonds würde es diesen Studiengang nicht geben."

Am Aufbau des dualen Studiengangs haben sich vor allem die Stadt Dortmund und Dortmunder Träger im Rahmen von Projekten zur Armutszuwanderung aus Südosteuropa engagiert. Beteiligt sind insgesamt sieben Kommunen: neben Dortmund die Städte Duisburg, Gelsenkirchen, Essen, Hamm, Wuppertal und Köln.

„Ohne die Förderung durch den Europäischen Sozialfonds würde es diesen Studiengang nicht geben“, sagt Studienkoordinator Michel Boße von der FH Dortmund. Die finanzielle Unterstützung habe es den Trägern ermöglicht, sich zu beteiligen und die Studierenden als studentische Integrationshelfende mit einem Monatsgehalt von rund 950 Euro zu beschäftigen. „Dieser Aspekt der finanziellen Absicherung war von Anfang wichtig, weil wir insbesondere Studierende aus Zuwanderungsfamilien ansprechen und ihnen den Zugang zum Studium ermöglichen wollten.“

Tatsächlich haben drei Viertel der Studierenden einen Migrations- oder Fluchthintergrund und können ihre besonderen kulturellen und sprachlichen Kompetenzen nun in Studium und Arbeit einbringen. Bemerkenswert sind die niedrige Abbruchquote im Studiengang, das vergleichsweise „hohe“ Durchschnittsalter von 29 Jahren sowie das aktive ehrenamtliche Engagement von vielen Studierenden in Migrationsinitiativen.

„Wir haben uns mit dem Studienkonzept etabliert, das bestätigen die positiven Rückmeldungen“, so Koordinator Michel Boße. Besonders erfreulich ist für ihn, dass die Träger die Arbeit mit den Integrationshelfenden als „starke Bereicherung“ wahrnehmen. „Beide Seiten profitieren und gute Nachwuchsfachkräfte werden ausgebildet.“

Caritasverband Dortmund – „ideale Möglichkeit, Beruf und Studium in Einklang zu bringen“

Der Caritasverband Dortmund ist von Anfang an dabei und bietet in Kooperation mit der Fachhochschule Dortmund in jedem Jahr einen Arbeitsplatz im Rahmen des dualen Studiums an. Olja Alexandre, mittlerweile Studierende im sechsten Semester, ist hier als studentische Integrationshelferin beschäftigt.

Die gebürtige Mazedonierin kam 2005 zum Studium nach Dortmund, musste aber wegen einer schweren Erkrankung das Studium aufgeben. Seither war sie bei der Caritas in Migrations-Projekten wie etwa der EU-Anlaufstelle "Willkommen Europa" tätig - als (ungelernte) Honorarkraft und Sprachmittlerin für Balkansprachen wie Serbisch, Bulgarisch oder eben Mazedonisch. Das duale Studium bot ihr die Möglichkeit, sich als Fachkraft der sozialen Arbeit zu qualifizieren, noch dazu in einem Themenfeld, für das sie einschlägige Projekterfahrungen und vielfache sprachliche Kompetenzen mitbringt.

„Das Studium ist für mich die ideale Möglichkeit, Beruf und Studium in Einklang zu bringen. Arbeitszeit und Vorlesungszeit sind fest geregelt und miteinander abgestimmt. Die Kombination aus Theorie und Praxis passt perfekt und die Gruppe der Studierenden ist sehr bunt gemischt. Das macht das Studium zu etwas Besonderem und hat für mich eine ganz eigene Qualität“, beschreibt die 33-Jährige ihre Erfahrungen.

"Für uns als Träger sind die studentischen Integrationshelfenden ein echter Zugewinn. Wir möchten sie nicht verlieren."

Bei der Caritas sind für Olja Alexandre weiterführende Perspektiven nicht ausgeschlossen. „Es ist erstaunlich, wie sehr sie sich professionalisiert hat. Sie ist wirklich eine sehr gute Mitarbeiterin, die wir nicht verlieren möchten“, sagt Frank Merkel, ihr Vorgesetzter und Leiter Soziale Fachberatung im Bernhard-März-Haus der Caritas in der Dortmunder Nordstadt. Nach dem Bachelor-Abschluss würde er ihr gerne eine Festanstellung anbieten. „Unser Ziel ist es, möglichst alle, die über das duale Studium bei uns beschäftigt sind, als Fachkraft zu übernehmen. Für uns als Träger ist das ein echter Zugewinn.“

Arbeiterwohlfahrt – „Die studentischen Integrationshelfenden sind eine Bereicherung für unsere Arbeit“

Die Arbeiterwohlfahrt zählt ebenfalls zu den Trägern, die sich seit dem Start als Kooperationspartner am dualen Studiengang der Fachhochschule Dortmund beteiligen und studentische Integrationshelfende beschäftigen.

Admir Bulic leitet die Integrationsagentur der AWO Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop. Die studentischen Mitarbeitenden, hier kurzerhand die „Dualis“ genannt, sieht er als „Riesenbereicherung“ für die Arbeit in den multikulturellen Teams, aber auch für die Weiterentwicklung der sozialen Arbeit mit Blick auf Migration und interkulturelle Kompetenzen. „Wir beschäftigten insgesamt drei Dualis und alle sind sehr engagierte Leute. Mit ihrem frischen Wissen bereichern sie unsere Arbeit. Umgekehrt verfügt die AWO über eine jahrzehntelange Erfahrung im Integrationsbereich und wir bieten die Möglichkeit, soziale Arbeit qualifiziert und praxisnah kennenzulernen.“

Die studentischen Integrationshelfenden wechseln nach spätestens zwei Semestern den Einsatzbereich und werden in den Teams fachlich begleitet. Leiter Admir Bulic: „Wir wollen dass die Studierenden ein möglichst breites Spektrum der Sozialarbeit kennenlernen, um sich am Ende gezielt entscheiden zu können, welcher Arbeitsbereich am besten passt.“ Den dualen Studiengang findet er schlichtweg „Klasse“ und sagt: „Wir sind sehr froh, dass wir schon am Pilotprojekt dabei sein konnten. Gerade am Anfang war auch der Austausch mit der FH Dortmund hilfreich, die uns als Arbeitgeber beraten hat.“

"Ich war von Anfang sehr herzlich willkommen und es wird viel getan, dass ich mein Studium wirklich gut abschließen kann.“

Karim Ahmed zählt mit 23 Jahren eher zu den jüngeren Studierenden. Der Gelsenkirchener ist im zweiten Semester und zweisprachig, deutsch-arabisch, aufgewachsen. Nach dem Fachabitur engagierte er sich zunächst als Sprachmittler in der Flüchtlingsberatung der AWO, mit seinen arabischen Sprach- und Kulturkenntnissen fand er schnell Zugang zu den Geflüchteten. Auf die ausgeschriebene Stelle als studentischer Integrationshelfer hat er sich dann erfolgreich beworben und auch den gewünschten dualen Studienplatz in Dortmund bekommen.

Mit Studium und Arbeitsplatz ist er hoch zufrieden und weiß sich auf dem richtigen Weg am richtigen Ort. „Dass man Geld verdient und für die vier Studienjahre abgesichert ist, war mit ein Anreiz, mich zu bewerben“, sagt Karim Ahmed. Seine Erfahrungen sind durchweg positiv. „Soziale Arbeit so praxisnah kennenzulernen, ist für mich sehr lehrreich. Wenn ich später als Fachkraft einen Vertrag bei der AWO bekommen würde, wäre das Top. Ich war von Anfang sehr herzlich willkommen und es wird viel getan, dass ich mein Studium erfolgreich abschließen kann.“ Die Chancen stehen gut, davon ist auch sein Chef überzeugt.

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