NRW. Das machen WIR! Erfolgsgeschichten vom Niederrhein

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Minister Karl-Josef Laumann am Mikrofon, im Hintergrund Logo der landesaktion "NRW. Das machen wir!"

"Viel ist schon geschafft. Viel ist noch zu tun" - Geflüchtete Menschen in Arbeit und Ausbildung bringen

Regionalveranstaltung der ESF-geförderten Landesaktion in Duisburg - Minister Laumann würdigt Engagement der Akteure bei der Integration

Zum Neustart der ESF-geförderten Landesaktion "NRW. Das machen WIR!" besuchte Minister Karl-Josef Laumann die Region Niederrhein. Auf der Duisburger Regionalveranstaltung wurden Aktionen und Erfolgsgeschichten vom Niederrhein präsentiert, die zeigen, wie geflüchtete Menschen in Ausbildung und Arbeit erfolgreich integriert werden. Fazit des Ministers: "Viel ist schon geschafft. Viel ist noch zu tun."

Im Rahmen der ESF-geförderten Landesaktion „NRW. Das machen WIR!“ präsentierten Unternehmen, Institutionen und engagierte Menschen auf der Veranstaltung am 6. Juni 2018  ihre Aktivitäten und Erfolgsgeschichten zur Integration von geflüchteten Menschen in Arbeit und Ausbildung. Auf der Regionalveranstaltung in der Liebfrauen-Kulturkirche in Duisburg würdigte Arbeitsminister Karl-Josef Laumann das Engagement der am Integrationsprozess Beteiligten und kam dabei mit den Geflüchteten selbst ins Gespräch.

Was wäre ein passenderer Ort, um mit Menschen zu sprechen, die zu uns geflüchtet sind, als Duisburg, fragte Stadtdirektorin Prof. Dr. Dörte Diemert in ihrer Begrüßungsrede rhetorisch und lieferte die Antwort gleich mit: „Duisburg ist in seiner Geschichte und Stadtentwicklung eng mit Migration und Integration verknüpft.“ In der von Bergbau und Stahl geprägten Stadt, so die Stadtdirektorin, seien Betriebe „nach wie vor Stätten der Integration“. Integration bleibe aber „für uns alle“ eine Gestaltungsaufgabe: für die Stadt, den Staat, die Wirtschaft, die Kammern, die Jobcenter „und nicht zuletzt für die Zivilgesellschaft“. Dazu zähle auch, geflüchteten Menschen „Arbeit und Ausbildung zu geben und so auch Heimat zu schaffen.“

„Integration muss in Erwerbsarbeit münden“

Worte, denen Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann uneingeschränkt zustimmte. Er dankte allen, „die sich gekümmert haben, seit rund 230.000 Menschen aus existenziellen Gründen aus ihren Heimatländern geflohen und in kurzer Zeit zu uns nach Nordrhein-Westfalen gekommen sind.“

„Darauf waren wir nicht ausreichend vorbereitet“, räumte der Minister ein, „doch „Katastrophen kündigen sich nun mal meist nicht an. Aber dafür, dass wir nicht ausreichend vorbereitet waren“, fuhr er fort „haben wir viel geschafft, haben wir dafür gesorgt, dass die Menschen zumindest ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen haben.“ Zu verdanken sei das nicht zuletzt den vorhandenen Strukturen: „Ohne das Engagement der Wohlfahrtsverbände und Ehrenamtlichen wäre das nicht gelungen.“

Doch Integration, stellte der Minister sofort klar, sei nicht gelungen, wenn sie nicht in Erwerbsarbeit münde. Immerhin rund 20.000 geflüchtete Menschen haben im letzten Jahr in Nordrhein-Westfalen einen Arbeitsplatz und weitere 5.000 einen Ausbildungsplatz gefunden.

Umdenken erforderlich

Jenen, „die schon immer hier gelebt haben“, empfahl er, „geduldig und zu Kompromissen bereit zu sein“. Etwa dann, wenn es um das Anforderungsniveau bei Sprachkursen geht oder um formale Voraussetzungen für den Beginn einer Berufsausbildung.

Seine Vorstellungen konkretisierte der Minister an einem Beispiel: Voraussetzung für den Beginn einer Ausbildung zum Helfer oder zur Helferin in der Gesundheits- und Krankenpflege ist ein Hauptschulabschluss oder eine vergleichbare Schulbildung. Viele Geflüchtete aber können den Nachweis nicht erbringen. Warum, fragte der Minister, sollten diese jungen Menschen nicht eine solche Ausbildung beginnen und mit ihrem Abschluss zugleich den Hauptschulabschluss erwerben?

Vor dem Hintergrund eines eklatanten Fachkräftemangels nicht nur in der Pflege sei ein Umdenken erforderlich: „Selbstverständlich brauchen Menschen in ihrem Beruf profunde Qualifikationen, aber ob die immer so formal sein müssen, ist eine andere Frage.“ Staat und Kammern empfahl er, in dieser Sache „entspannter“ zu sein und bei der Anerkennung nicht formeller Qualifikationen großzügiger zu werden: „Wir werden darüber nicht nur nachdenken, sondern auch Lösungen finden.“

Vielfältiges Engagement

Dem Vortrag des Ministers folgte der Diskurs - mit geflüchteten Menschen wie auch mit jenen, die sich um sie kümmern. In der Region Niederrhein, dem Schauplatz der von der Regionalagentur NiederRhein in Kooperation mit der landeseigenen Beratungsgesellschaft G.I.B. und dem MAGS NRW durchgeführten Veranstaltung, hatte sich bei einem Integrationsgipfel schon früh ein Zusammenschluss regionaler Akteure konstituiert. Dazu zählen die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve, Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Duisburg, der Kreise Wesel und Kleve, Unternehmerverbände, Gewerkschaften, Arbeitsagenturen und Jobcenter sowie die Regionalagentur NiederRhein, die sich gemeinsam für die Integration von Geflüchteten in Arbeit und Ausbildung engagieren.

In Duisburg präsentierten Kammern, Handwerksbetriebe, Bildungsträger und private Initiativen im Rahmen eines Bühnenprogramms ihre Aktivitäten und Projekte. Dabei kamen sie, aber auch die betroffenen Menschen selbst, die nach ihrer Flucht in Nordrhein-Westfalen Arbeit und Heimat gefunden haben, mit dem Minister ins Gespräch.

Deutlich wurde hier, dass die Akteure ihre Aktivitäten auch als Beitrag zur Fachkräftesicherung sehen. Zu Recht, gab Minister Laumann zu verstehen, denn in den nächsten fünf, sechs Jahren gehen allein dem Handwerk 500.000 Fachkräfte verloren, weil ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Rente gehen: „Überall fehlen Maurer, Tischler, Klempner.“ Hier können spezielle Speed-Datings, in der Region Niederrhein praktiziert, Betriebe und geflüchtete Menschen zusammenbringen, wobei - darin bestand Einvernehmen - auch die Neigungen und Interessen der Flüchtlinge zu beachten sind.

Herausforderungen und praktische Lösungen

Neben dem Wunsch nach mehr berufsbezogenen Sprachförderangeboten beschäftigt viele Betriebe die „Frage der Statusklärung“ geflüchteter Menschen. Unklarheiten beim Status, sagten sie wie auch die geflüchteten Menschen, die bei ihnen einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz gefunden haben, tragen zur Verunsicherung bei. Hier verwies der Minister auf die geltende „3+2-Regelung“. Sie besagt, dass ein Flüchtling, der eine Ausbildung in Deutschland begonnen hat und die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, auch dann die Ausbildung abschließen und eine zweijährige Anschlussbeschäftigung ausüben kann, wenn sein Asylantrag abgelehnt wird. Unabdingbare Voraussetzung dafür ist jedoch ein Ausbildungsvertrag.

Thematisiert wurde darüber hinaus die Wohnsitzauflage in Nordrhein-Westfalen. Für geflüchtete Jugendliche, die eine Ausbildung absolvieren, bedeutet das oft weite Anfahrtswege zum Ausbildungsbetrieb. Minister Laumann verteidigte die Regelung mit dem Hinweis, dass sie Flüchtlingen bessere Chancen auf Integration gebe und dafür sorgen soll, der Konzentration von Flüchtlingen in bestimmten Großstädten entgegenzuwirken.

Bemerkenswert die Vielfalt an ganz praktischen Hilfsangeboten für geflüchtete Menschen, die in Duisburg zur Sprache kam: die Begleitung bei Behördengängen, die Unterstützung bei der Wohnungssuche, die unkomplizierten Absprachen zwischen Berufskolleg und Kammer bei der Organisation von Sprachkursen, die unmittelbare kollegiale Hilfe am Arbeitsplatz für Menschen, die noch nicht über alle erforderlichen Qualifikationen verfügen - für den Minister „ein uraltes Element der Arbeiterbewegung“ - oder gemeinsame Aktionen in der Freizeit wie etwa Fußballturniere, denn, wie der Vertreter eines Bildungsträgers sagte, „Arbeit ist nicht das ganze Leben“.

Das Fazit der Veranstaltung brachte Minister Karl-Josef Laumann auf den Punkt: „Viel ist schon geschafft. Viel ist noch zu tun.

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