Beratungsstelle Arbeit in Mönchengladbach

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Beratungsstelle Arbeit in Mönchengladbach

Offen für Menschen ohne sonstige Lobby

Beratungsangebot in Nordrhein-Westfalen, gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds

Die Beratungsstelle Arbeit (BSA) ist in Mönchengladbach beim Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach e.V. angesiedelt - in der Region ein Lichtblick für viele Arbeitslose und Menschen im Niedriglohnsektor. Die Beratungsstellen Arbeit, gefördert aus Mitteln des ESF, unterstützen arbeitslose und prekär beschäftigte Menschen. Zugleich sind sie Teil eines landesweiten Netzwerks gegen Arbeitsausbeutung.

Für die überdurchschnittlich vielen Arbeitslosen in Mönchengladbach sowie für Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten und am Rand des Existenzminimums leben, ist sie ein Lichtblick: die landesgeförderte Beratungsstelle Arbeit. Hier finden sie exakt das, worauf sie dringend angewiesen sind: professionellen Rat und praktische Hilfe. Absolut vertraulich und kostenfrei. Rund 1.700 Beratungen verzeichnete die Beratungsstelle Arbeit allein im vergangenen Jahr.  

Diverse Problemlagen, vielseitiges Angebot

Angesiedelt ist die Beratungsstelle Arbeit im Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach e.V. Dessen Leiterin, Justine Krause, kennt aus langer Erfahrung das breite Spektrum an Personen, die in der Beratungsstelle Unterstützung suchen: "Im Grunde sind es alle Problemgruppen des Arbeitsmarkts", sagt sie.

 

Dazu zählt die Leiterin Justine Krause unter anderem Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte, Beschäftigte in Zeit- und Leiharbeit, geflüchtete Menschen, aber auch Personen, die nach längerer Pause in den Beruf zurückkehren wollen sowie gering bezahlte Beschäftigte, die als so genannte Aufstocker auf Leistungen nach dem SGB II angewiesen sind. Kurzum: "Menschen in prekären Beschäftigungs- und Lebenslagen sowie in ungesicherten materiellen Verhältnissen."

Der Vielzahl unterschiedlicher Personengruppen entspricht das umfassende Beratungs- und Hilfeangebot der Institution. Da ist zunächst die Beratung zur wirtschaftlichen und psychosozialen Situation der Ratsuchenden. Deren Klärung ist oft die Grundvoraussetzung für eine spätere Integration in den Arbeitsmarkt. In diesen Fällen übernimmt die Beratungsstelle auch eine Lotsenfunktion. Das heißt: Sie führt die Ratsuchenden gezielt zu den Angeboten spezialisierter Träger. Dazu gehören etwa die Drogen-, die Wohnungslosen-, die Schwangerschafts- oder die Erziehungsberatung.

Erstes Ziel jeglicher Beratung ist laut Justine Krause die Existenzsicherung: "Oft entstehen Probleme, wenn das Jobcenter Leistungen wegen mangelnder Mitwirkung oder fehlender Unterlagen nicht auszahlt. Daraus folgen schnell Miet- oder Stromschulden, weil Rechnungen nicht bezahlt werden können. Manche priorisieren auch einfach falsch und zahlen eher ihren Handyvertrag als die Rechnung ihres Stromversorgers Viele Ratsuchende kommen dann im letzten Augenblick mit der zweiten Mahnung und vor der unmittelbaren Sperre zu uns."

Justine Krause weiß, was dann zu tun ist: Zunächst geht es darum, alles zu tun, um die Wohnung halten zu können, da eine fristlose Kündigung droht. Die Beratungsstelle Arbeit nimmt auch Kontakt zu den Vermietern oder Vermieterinnen auf. "Gleichzeitig schau ich mir gründlich den Bescheid des Jobcenters an und studiere den zurückliegenden Schriftverkehr."

Bewerbungshilfe als erster Schritt in den Arbeitsmarkt

Auch wenn die Existenzsicherung im Mittelpunkt der Alltagsarbeit steht, hat die Beratungsstelle - Stichwort Nachhaltigkeit - immer auch die weitere berufliche Entwicklung der Ratsuchenden im Blick.

Direkt auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet sind die Informationen zu Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie die Bewerbungshilfe. Justine Krause: "Häufig verfügen die zu Unterstützenden über keinen eigenen PC oder können einen Computer nicht bedienen. Oft sind es auch sprachliche Probleme in Wort und Schrift, die sie motiviert, die Bewerbungshilfe in Anspruch zu nehmen."

Zur Recherche von Stellenangeboten im Internet und für die selbständige Erstellung von Bewerbungsunterlagen oder die Online-Bewerbung steht Arbeitsuchenden ein PC zur Verfügung. Unter denen, die die Beratung und Bewerbungshilfe nutzen, ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund mit 70 Prozent überdurchschnittlich hoch. Äußerst nützlich also, dass die Beratungsstelle über das Kommunale Integrationszentrum oder den Sprachmittlerpool für die Beratungsstellen Arbeit, der vom MAGS bereitgestellt wird, auf Dolmetscherinnen und Dolmetscher zurückgreifen kann.

Zugute kommt der Beratungsstelle darüber hinaus ein langjährig gepflegtes Netzwerk an Kooperationsbeziehungen. Dazu zählen neben dem Jobcenter das Amt für Soziales und Wohnen, das Amt für Grundversorgung oder auch der Integrationsrat der Stadt. Nicht minder wichtig die Arbeitsbeziehungen zu einer Vielzahl freier Träger.

Vereinte Kräfte: Netzwerk gegen Arbeitsausbeutung

Seit 2021 ist die "Bekämpfung ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse" ein Schwerpunkt der Beratungsstellen Arbeit.

Völlig berechtigt und notwendig nach Ansicht von Justine Krause: "Wegen des großen Angebots an unqualifizierten Arbeitskräften in der Stadt siedeln sich Anbieter von Arbeitsplätzen mit geringen fachlichen Anforderungen verstärkt in Mönchengladbach an. Zeitarbeit, ein geringes Lohnniveau und sachgrundlose Befristungen prägen solche Arbeitsverhältnisse, besonders die in der Logistikbranche. Betriebliche Mitbestimmung und gewerkschaftliche Interessenvertretung sind eher selten anzutreffen. Hoch ist auch hier der Anteil von Beschäftigten mit einem Flucht- oder Migrationshintergrund."

Um Ratsuchenden zu helfen, die von Arbeitsausbeutung und schwierigen Arbeitssituationen betroffen sind, hatte die Beratungsstelle unverzüglich Kontakt zum Projekt "Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten" und seinem Träger Arbeit und Leben DGB/VHS NRW e.V. aufgenommen. Gemeinsam unterzeichneten sie eine Kooperationsvereinbarung. Ziel ist, die Umgehung des Mindestlohns, Scheinarbeitsverhältnisse oder andere Formen ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse zu bekämpfen.

 

Pagonis Pagonakis, Bildungsreferent und Koordinator des Projekts "Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten" bewertet die Beratungsstelle Arbeit als "sehr willkommene Ergänzung" zur Arbeit seines Projekts wie auch des DGB insgesamt: "Die Beratungsstelle ist in ihrer Stadt und Umgebung exzellent vernetzt, sie ist immer direkt vor Ort. Mit vereinten Kräften können wir viel mehr bewirken als jeweils allein. Das hat sich bei unserem gemeinsamen Einsatz für Erntehelfer aus osteuropäischen Ländern gezeigt, die widerrechtlich vom Hof gejagt werden sollten und in die Obdachlosigkeit zu geraten drohten."

 

Bündnis Fair Fahren

Mittlerweile besteht ein breiter aufgestelltes "Bündnis Fair Fahren", zu dem neben den beiden genannten Akteuren sechs weitere Partner gehören: die Betriebsseelsorge Mönchengladbach, der Deutsche Gewerkschaftsbund Stadtverband Mönchengladbach, das IQ-Projekt Faire Integration beim DGB Bildungswerk, Faire Mobilität Beratungsnetzwerk, Förderverein Stiftung Volksverein Mönchengladbach e.V. und der ver.di-Bezirk Linker Niederrhein.

Der Name des Bündnisses resultiert aus seiner Konzentration auf die stadtweit dominierende Logistikbranche und hier speziell auf die Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer. Deren Arbeitsbedingungen hatte sich das Bündnis in einer Gemeinschaftsaktion direkt vor Ort im Gewerbegebiet angeschaut und mit den Betroffenen gesprochen. Justine Krause: „Wir konnten erkennen und nachweisen, dass ihnen viele Arbeitsrechte vorenthalten werden. Der Mindestlohn wird oft systematisch unterlaufen, von Mitbestimmung keine Spur und auch die Sanitäranlagen vor Ort entsprachen in keiner Weise den gesetzlichen Vorschriften.“

Die angetroffenen Beschäftigten wurden detailliert über ihre Arbeitsrechte informiert. Zugute kam der Beratungsstelle dabei ihre vorherige Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) beispielsweise zum Aufenthaltsrecht oder zum Thema "Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel - Erkennen und Reagieren". Aber auch der von der G.I.B. aufgebaute und aus ESF-Mitteln des Landes finanzierte Pool an Rechtsberaterinnen und Rechtsberatern ist ein Gewinn. Justine Krause: "Wenn wir im Rahmen unserer Arbeit erkennen, dass eine spezifische arbeitsrechtliche Beratung nötig ist, können wir jederzeit eine Anwältin oder einen Anwalt konsultieren, die uns unterstützen."

Längst hat das "Bündnis Fair Fahren" einen Katalog mit Missständen und Forderungen formuliert. Über Pressebererichte gelangten die dort dokumentierten Zustände an die Öffentlichkeit.

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