Beratungsstelle Arbeit in Dortmund

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Gespeichert von Arbeit.Meding am 15. März 2022
Frau steht vor einem Gebäude

„Die Dunkelziffer ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse dürfte beträchtlich sein“

Beratungsangebot in Nordrhein-Westfalen, gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds

Die Beratungsstelle Arbeit (BSA) ist in Dortmund bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) angesiedelt, das Beratungsangebot wird hier intensiv in Anspruch genommen. Die Beratungsstellen Arbeit unterstützen arbeitslose und prekär beschäftigte Menschen. Zugleich sind sie Teil eines landesweiten Netzwerks gegen Arbeitsausbeutung. Gefördert werden sie vom Land Nordrhein-Westfalen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

"Da sein für Menschen, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder die sich in schwierigen Arbeitsverhältnissen befinden, besonders für Menschen, die sich nicht so gut organisieren und artikulieren können." So beschreibt Yulia Stevenson, Leiterin der Beratungsstelle Arbeit (BSA) in Dortmund, Aufgabe und Funktion ihrer Einrichtung, die bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Unterbezirk Dortmund angesiedelt ist.

Für diese Menschen da zu sein, das heißt zum Beispiel, ihnen bei der Beantragung von Arbeitslosengeld oder Grundsicherung zu helfen, Bescheide zu erklären oder ihnen gute Tipps zu geben bei der Arbeitssuche und bei der beruflichen Weiterbildung. Des Weiteren gehört dazu die Unterstützung von Menschen in schwierigen psycho-sozialen Lebenslagen sowie - bei Bedarf - deren Weiterleitung an professionell helfende Institutionen.  

Doch damit ist die Liste der Aktivitäten noch längst nicht erschöpft: Die Beratungsstelle Arbeit bietet mittwochs ein wöchentliches Bewerbercafé an. Hier können Ratsuchende kostenlos IT-Infrastruktur wie Computer, Drucker oder Scanner nutzen, um nach passenden Stellen zu recherchieren und ihre Bewerbungen fertigzustellen. Dabei steht ihnen eine erfahrene Mitarbeiterin zur Seite, die sie beim Formulieren des Anschreibens oder der Anpassung des Lebenslaufs unterstützt. Wenn die Pandemie es wieder zulässt, sollen in Kooperation mit weiteren Institutionen in der Beratungsstelle Arbeit auch wieder Veranstaltungen angeboten werden - zum Beispiel zum Thema "Miete, Nebenkosten, Umzugsaufforderungen bei SGB II".

Kompetenz und Beratungsangebot der BSA sind stark nachgefragt: Das beweisen ca. 2.200 Beratungsfälle in nur einem Jahr! Der Anteil von Frauen darunter beträgt mehr als die Hälfte: exakt 57 Prozent!

Für die Zukunft rechnet Yulia Stevenson mit einem weiteren Anstieg der Fallzahlen. Der Grund: Die Bekämpfung von Arbeitsausbeutung ist seit 2021 ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit. Arbeitsausbeuterisch sind Beschäftigungsverhältnisse dann, wenn zum Beispiel der gesetzliche Mindestlohn nicht gezahlt oder gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen wird.

Kommunale und interkommunale Kooperation

Die Bewältigung der jetzt schon vielen Beratungsfälle gelingt auch deshalb, weil die Beratungsstelle Arbeit der AWO über ein professionelles Netzwerk an Kooperationspartnerinnen und -partnern verfügt.

 

Im neuen Handlungsfeld "Bekämpfung von Arbeitsausbeutung" kooperieren zudem die drei Beratungsstellen Arbeit in Dortmund, Bochum und Hamm. Das ist nach Ansicht von Yulia Stevenson auch deshalb vorteilhaft, "weil ausbeuterische Unternehmen oft über kommunale Grenzen hinweg agieren."

Ebenfalls von hoher Bedeutung ist für Yulia Stevenson die enge Kooperation mit der eigenen Kommune: "Sie verfügt über viel weitergehende Interventionsmöglichkeiten und -rechte. Zudem sind Behörden untereinander sehr gut vernetzt, besteht enger Kontakt zu Polizei, Zoll, Jobcenter und Arbeitsagentur. Letztere kann zum Beispiel im Fall ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse einer Zeitarbeitsfirma die Zulassung entziehen." Schon bald wird in der Stadt ein runder Tisch zu diesen Themen installiert, an dem auch die Beratungsstelle sitzen wird.

Höchste Anerkennung erhält die Beratungsstelle Arbeit ihrerseits von der Stadt: "Sie kennt einerseits die Menschen und hat andererseits immer auch den Arbeitsmarkt im Blick. Sie ist eine unverzichtbare Brücke zwischen beiden Polen", sagt Christiane Certa, Leiterin der strategischen Sozialplanung der Stadt. "Zudem ist sie zentrale Partnerin im Rahmen unserer ‚Gesamtstrategie Neuzuwanderung‘ sowie bei der Umsetzung des ESF-geförderten Projekts ‚Pandemiefolgen überwinden – Integration in faire Arbeit in Dortmund (InfADo)‘".

Dass sich die Stadt besonders um neu zugewanderte Menschen kümmert, ist für Yulia Stevenson absolut gerechtfertigt: "Sie sind für habgierige Unternehmen oft leichte Beute, weil sie die deutsche Sprache nicht sprechen und ihre Rechte nicht kennen." Hier zahlt sich die Zusammenarbeit der BSA mit Sprachdiensten aus, aber auch die Kooperation mit der ‚NRW Servicestelle Faire Zeitarbeit und Werkverträge‘ beim DGB, dem NRW-Projekt ‚Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten‘ sowie den bundesweiten Angeboten ‚Faire Mobilität‘ und ‚Faire Integration‘, die gemeinsam mit der Aktion Würde und Gerechtigkeit das Netzwerk gegen Arbeitsausbeutung bilden.

Neue Hotline für Frauen in Minijobs

Im ersten Jahr des neuen Beratungsschwerpunktes "Bekämpfung von Arbeitsausbeutung" hat die BSA schon 68 eindeutige Fälle von Arbeitsausbeutung identifiziert. "Das ist gar nicht so einfach", sagt Yulia Stevenson, "denn viele Menschen in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, erst recht, wenn sie aus anderen Ländern zu uns kommen, erkennen gar nicht, dass etwa gesetzliche Arbeitszeitregelungen oder Vorschriften zu Arbeits- und Gesundheitsschutz nicht eingehalten werden. Zudem haben sie Angst, ihren Job zu verlieren, wenn sie sich beschweren. Die Dunkelziffer ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse dürfte also beträchtlich sein."

Was viele nicht wissen: Das Phänomen Arbeitsausbeutung findet sich nicht nur in Schlachthöfen oder im Baugewerbe, sondern auch in Branchen, in denen viele Frauen in Minijobs beschäftigt sind oder Arbeit auf Abruf leisten. Zum Weltfrauentag fand im Rahmen der Veranstaltung des Gleichstellungsbüros der Stadt Dortmund ein Workshop statt, an dem die Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Frauenverbände, die Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet, das Frauenzentrum und die Beratungsstelle der AWO teilnahmen. An dem Tag nutzte Yulia Stevenson die Chance, einen mit Beispielen illustrierten Vortrag über ihre Erkenntnisse im Kontext prekär beschäftigter Frauen zu halten.

Zusätzlich will die Beratungsstelle Arbeit zusammen mit dem Frauenzentrum, dem Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund, mit Jobcenter und DGB eine Hotline speziell für Frauen zu Fragen rund um das Thema Minijob einrichten. "Hier erfahren sie alles über ihre Rechte in diesem Arbeitsverhältnis", sagt Yulia Stevenson. "Das ist ein weiterer Baustein in unserem Kampf gegen Arbeitsausbeutung."

Neue Impulse für ihre Arbeit bekommt die BSA übrigens nicht zuletzt über ihre Teilnahme an verschiedenen Fortbildungsformaten. Darunter Schulungen der AWO sowie der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.): "Die Angebote der G.I.B. sind fachlich ausgezeichnet und bringen uns wirklich weiter. Vor allem reagiert die G.I.B. mit ihren Fortbildungen zu arbeitsrechtlichen und sozialrechtlichen Themen höchst flexibel auf gesetzliche Änderungen, so dass wir hier immer auf dem neusten Wissensstand sind."

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