Zusammen im Quartier (ZIQ) – Theater machen, Mobbing verhindern

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Theaterprobe - Schülerinnen und Schüler auf der Bühne

Mobbing mit den Mitteln des Theaters bekämpfen - ZIQ-Projekt stärkt Kinder und Jugendliche im Quartier

Gute Praxis in Köln - mit dem Programm "Zusammen im Quartier - Kinder stärken - Zukunft sichern“ (ZiQ) werden zahlreiche Projekte mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes gefördert

Mit dem Baustein „gesundes Aufwachsen im Quartier“ unterstützt das ESF-geförderte Programm ZIQ gezielt Kinder und Jugendliche in sozial besonders benachteiligten Quartieren. Im Kölner Veedel Porz - Finkenberg zeigt das Theater ImPuls, wie Kinder und Jugendliche sich mit den Mitteln des Theaters gegen Mobbing wehren können. Die Projektwochen an Schulen und Jugendzentren finden großes Interesse, nicht nur im Quartier.

ZIQ-Projekt „Mobbing verhindern - Freundschaften stärken - Gesundheit fördern“ – Wie Theater präventiv wirken kann

Das Kölner Theater ImPuls e.V. ist im Rahmen des ESF-geförderten Programms „Zusammen im Quartier - Kinder stärken - Zukunft sichern“ (ZIQ) ein kleiner und eher ungewöhnlicher Projektträger. Die Chance, sich am Programm zu beteiligen haben die Theater-Leute gleichwohl gerne genutzt, um ihren theaterpädagogischen Ansatz im Sinne eines „lebenswerten Veedels“ einzubringen.

Als Mitglied der Sozialraumkonferenz Porz-Finkenberg und Gremberghoven - zwei ausgewiesenen sozialen Brennpunkten mit Trabanten-Hochhaussiedlungen und prekären Wohnverhältnissen – ist das Theater ImPuls gut vernetzt und durch die regelmäßigen Theaterprojekte in Porzer Schulen und Jugendzentren ein bekannter und anerkannter Akteur.
Mit dem Projekt „Mobbing verhindern - Freundschaften stärken - Gesundheit fördern“ beteiligt sich der Projektträger zum zweiten Mal am ZIQ-Programm, eine Verlängerung für 2022 ist anvisiert.

„Wie der Projekttitel sagt, haben wir einen präventiven Fokus. Mit den Kindern und Jugendlichen und ausgehend von ihren jeweiligen Konflikten und Erfahrungen entwickeln wir gemeinsam und niederschwellig Lösungswege für ein respektvolles und wertschätzendes Verhalten“, beschreibt Projektleiter Fred Gimpel das theaterpädagogische Konzept.
„Freundschaften - und das meint auch eine gute Klassengemeinschaft – bieten Schutz vor Übergriffen. Insofern wollen wir Gesundheit fördern, indem wir Wege aufzeigen, wie Mobbing und Gewalt entgegengewirkt und wie ein stress- und angstfreier Lern- und Lebensort Schule oder Jugendzentrum gestaltet werden kann.“

Am Ende steht immer eine Aufführung – Theaterübungen für wertschätzende Kommunikation

Insgesamt sieben Theater-Projekte an Porzer Förder-, Haupt-, Gesamt- und Grundschulen und in Jugendzentren sind in der diesjährigen Förderrunde geplant. Nach der Schulöffnung im Frühjahr konnten bereits vier Projekte realisiert werden: Während der Projektwoche erarbeiten die Kinder und Jugendlichen, die meisten zwischen 9 und 17 Jahre alt, das Theaterstück. Dazu gehören tägliche Theaterübungen wie Rollenspiel, Körperwahrnehmung und Gruppenübungen, in denen wertschätzende Kommunikation geübt und das eigene Verhalten, aber auch die Gruppenatmosphäre und die geleistete Theaterarbeit reflektiert werden.

Am Ende der Woche steht immer eine öffentliche, halbstündige Aufführung, zu der neben Eltern und Verwandten auch andere Klassen und deren Lehrkräfte eingeladen werden. Jedem Klassenverband wird abschließend eine Videoaufnahme der Aufführung zur Verfügung gestellt und alle Teilnehmenden erhalten ein Abschluss-Zertifikat.

Gespräche mit dem Publikum zur Sensibilisierung

Nicht immer einfach, aber wertvoller Bestandteil sind die Publikumsgespräche, die nach jeder Aufführung stattfinden. „Die Antworten fallen oft knapp aus und wir müssen schon zum Erzählen ermutigen. Wir finden diese Gespräche aber wichtig, um das Publikum noch mehr für das Thema zu sensibilisieren“, erläutert die Theaterpädagogin Conny Buchheit. Zusammen mit ihrer Kollegin Tuba Tekin leitet sie die Theaterprojekte vor Ort in den Schulen und Jugendzentren an.

„Jeder Klassenkosmos ist anders“, sagt sie und jede Gruppe und auch jede Schulform habe ihre „eigenen Herausforderungen, aus denen wir die Theatergeschichten entwickeln.“ Gerade an Förderschulen sei es besonders wichtig, sehr strukturiert und mit einem klaren Ablauf vorzugehen, um die Aufmerksamkeit und Spielfreude der Schülerinnen und Schüler zu halten.

Auch wenn man am Anfang total fies zu anderen ist, kann man sich ändern und nett sein.

So kommen insgesamt erstaunliche Aufführungen zustande, die auch über die Projektwoche hinaus wirken. Etwa wenn eine Schülerin als zentrale Erkenntnis festhält: „Auch wenn man am Anfang total fies zu anderen ist, kann man sich ändern und nett sein.“

Konzept für Sozialtraining gegen Mobbing

Während des Corona-Lockdowns musste die Projektarbeit in der ersten Projektrunde zeitweise eingestellt und Mitarbeitende in Kurzarbeit geschickt werden. Aufgrund des großen Interesses hat der Projektträger jedoch einen kreativen Weg gefunden, um das Theaterkonzept weiteren Interessierten und Schulen aus anderen Kölner Stadtteilen zur Verfügung zu stellen. Erarbeitet wurde ein videobasiertes, theaterpädagogisches Konzept für Sozialtraining gegen Mobbing, inklusive Leitfaden zur eigenständigen Umsetzung. Das Konzept umfasst vier Schulstunden und kann über die Homepage des Theaters angefragt werden.

„Mit theaterpädagogischem Ansatz schwierige Themen bearbeiten“

Lisa Bartling begleitet als G.I.B.-Beraterin die Umsetzung der ZIQ-Projekte. Das Kölner Projekt eröffne mit seinem theaterpädagogischen Ansatz eine besondere Chance, schwierige Themen wie Mobbing aufzugreifen und auf verschiedenen Ebenen zu bearbeiten. „Es gibt nicht nur das Gespräch wie im sozialarbeiterischen Kontext üblich, ermöglicht wird auch ein Lernen in einem ganz anderen Setting. Das macht aus meiner Sicht das Projekt interessant und beispielhaft im Rahmen des ZIQ-Programms.“

Von dem besonderen Ansatz ließen sich kürzlich auch Vertreterinnen des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) überzeugen und besuchten die Abschluss- Aufführung einer Klasse der Förderschule Thymianweg – Außenstelle Porz-Finkenberg. Der Applaus bestätigte: Ein voller Erfolg!

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