Wirkung Öffentlich geförderte Beschäftigung

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Was hat es gebracht? Die Wirkung von ÖGB NRW

Das mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderte Landesprogramm „Öffentlich geförderte Beschäftigung“ ist vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) und vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) in zwei Teilen mit unterschiedlichen Schwerpunkten evaluiert worden. Das Fazit der Wissenschaft fällt positiv aus.

Die Evaluation gliederte sich in zwei Teile. Im ersten Teil sind die Wissenschaftler Fragen zur Auswahl der Geförderten, zu Lock-in-Effekten (Einsperreffekten) während der Förderung, zur pädagogischen Begleitung sowie zur Entwicklung der gesellschaftlichen Teilhabe unter den Geförderten nachgegangen. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, ob mit der Förderung tatsächlich besonders arbeitsmarktferne Menschen erreicht werden konnten. Da das Coaching in dem Förderansatz eine besondere Rolle spielte, waren auch die Rahmenbedingungen der sozialpädagogischen Begleitung in den Betrieben von Interesse.

Die Forschungsinstitute nutzten für die Evaluation unterschiedliche Instrumente. Neben der Auswertung der integrierten Erwerbsbiografien der Bundesagentur für Arbeit zu allen Geförderten und einer Vergleichsgruppe von rund 10.000 erwerbsfähigen Leistungsbeziehern, wurden weitere Elemente, wie Interviews mit Geförderten, Jobcoaches, Anleitern und standardisierte Befragungen in die Evaluation integriert. Darüber hinaus erfolgte ein Rückgriff auf die Monitoring-Datenbank der landeseigenen Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) mit Daten zum Projektverlauf aller Geförderten.

Die Ergebnisse des ersten Teils der Evaluation zeigen, dass die vorgesehene Zielgruppe mit der Förderung erreicht wurde. Die Teilnehmenden sind deutlich arbeitsmarktferner als die im Rahmen der Untersuchung ausgewählte Vergleichsgruppe. Bemerkenswert ist vor allem, dass es bei der Förderung keine nennenswerten Lock-in-Effekte gibt. Diese liegen vor, wenn sich die Personen während oder vor der Teilnahme an der Maßnahme weniger um die Arbeitssuche bemühen, sie also von der Aufnahme einer ungeförderten Beschäftigung abgehalten werden. Das ist umso bemerkenswerter, da frühere Studien den Maßnahmen der öffentlich geförderten Beschäftigung regelmäßig einen deutlichen Lock-in-Effekt bescheinigten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt und ein sehr positives Ergebnis sind die Teilhabeeffekte der Geförderten. Die Evaluation kommt zu dem Ergebnis, dass die Maßnahme durch die sozialversicherungspflichtige Entlohnung und die fordernden Tätigkeiten erhebliche subjektive Teilhabeeffekte vermittelt. Das bedeutet, dass sich die ehemaligen Langzeitarbeitslosen gesellschaftlich zugehöriger fühlen als z. B. Personen, die weiterhin Arbeitslosengeld II beziehen oder neben ihrem Arbeitslosengeld II-Bezug zusätzlich erwerbstätig sind. Damit konnte ein wichtiges Ziel der Förderung erreicht werden. Zurückführen lässt sich dieses positive Ergebnis auch auf das Jobcoaching, das durch die jederzeitige Ansprechbarkeit des Coaches zur sozialen Integration der Teilnehmenden beiträgt.

Im zweiten Teil der Evaluation sind die Beschäftigungseffekte, also die Chance auf Übergang in eine ungeförderte Beschäftigung, sechs Monate nach Ende der Maßnahme untersucht worden. 28 % der Teilnehmenden haben nach Abschluss der Maßnahme eine ungeförderte, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. Diesem Brutto-Beschäftigungseffekt muss jedoch der Netto-Beschäftigungseffekt gegenübergestellt werden. Denn interessanter ist die Frage, ob die Teilnehmenden nach der Maßnahme eine Beschäftigung gefunden haben, die sie ohne Maßnahme nicht gehabt hätten. Hierfür haben die Forscher in den Daten der Arbeitsmarktstatistik eine geeignete Vergleichsgruppe identifiziert, um die Beschäftigungschancen der Geförderten mit möglichst ähnlichen Nicht-Geförderten, sog. statistischen Zwillingen, zu vergleichen.

Die Netto-Beschäftigungseffekte sind im Durchschnitt aller Geförderten gering und liegen zwischen 1 bis 3 Prozentpunkten über denen der Vergleichsgruppe. Die Beschäftigungseffekte variieren jedoch sehr deutlich bei einem Blick auf die unterschiedlichen Personengruppen. Besonders profitieren konnten Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen sowie männliche Geförderte, denen es überproportional häufig gelungen ist, eine ungeförderte, sozialversicherungspflichtige Anschlussbeschäftigung zu finden. Die Netto-Beschäftigungseffekte liegen bei Männern, deren Anteil im Programm bei rund 60 % liegt, zwischen 5 und 9 Prozentpunkten und bei Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen (welche rund ein Viertel der geförderten Personen ausmachen) zwischen 8 und 17 Prozentpunkten über denen der vergleichbaren Nicht-Geförderten.

Die Beschäftigungseffekte der PAT-Förderung in Baden-Württemberg, einem ähnlich gelagerten Projekt, welches zeitgleich durchgeführt wurde, waren mit 5 bis 7 Prozentpunkten im Durchschnitt etwas höher. Die Wissenschaftler führen diese Unterschiede im VergleiACch zu ÖGB NRW auf die Programmgestaltung und die Beschaffenheit der regionalen Arbeitsmärkte zurück. Während die PAT Förderung auch in der Privatwirtschaft möglich war und hier die Chancen für einen Klebeeffekt deutlich ausgeprägter sind, konnte die ÖGB Förderung nur in gemeinnützigen Betrieben umgesetzt werden. Die Rahmenbedingungen des regionalen Arbeitsmarkts sind für den Beschäftigungserfolg der Geförderten ebenfalls ein sehr wichtiger Faktor.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Förderung ein Erfolg war. Besonders arbeitsmarktferne Menschen konnten von der Förderung profitieren. Die guten Ansätze aus ÖGB, wie Coaching und Qualifizierung, sind Bestandteil der neuen Fördermöglichkeiten des Teilhabechancengesetzes, welches zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist und seitdem in den Jobcentern erfolgreich umgesetzt wird.

Die Berichte zur Evaluation von ÖGB NRW stehen zum Herunterladen bereit.

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