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Welttag für menschenwürdige Arbeit - Aktionen in NRW

Mann bei einem Parkour in der Fußgängerzone

Welttag für menschenwürdige Arbeit – NRW setzte starkes Zeichen für faire Arbeit

EU-geförderte Beratungsstellen Arbeit unterstützten die Initiative des Arbeitsministeriums zum Welttag für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober 2025

Auf Initiative des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums fanden landesweit vielfältige Aktionen zum Welttag für menschenwürdige Arbeit statt. Gemeinsam mit dem Ministerium setzten die Beratungsstellen für Arbeit und ihre Netzwerkpartner ein deutliches Zeichen gegen prekäre Beschäftigung und für bessere Arbeitsbedingungen. 

„Gute und faire Arbeitsbedingungen sind das Fundament einer starken und stabilen Sozialen Marktwirtschaft“ – Aktionen gegen Ausbeutung und prekäre Beschäftigung

Die Woche vom 6. Oktober bis zum 10. Oktober 2025 stand in Nordrhein-Westfalen ganz im Zeichen guter und fairer Arbeitsbedingungen. Auf Initiative des Arbeitsministeriums und mit Unterstützung der landes- und ESF-geförderten Beratungsstellen Arbeit und den spezialisierten Beratungsprojekten fanden anlässlich des Welttags am 7. Oktober für menschenwürdige Arbeit im ganzen Land zahlreiche Aktionen statt – von Informationsständen über kreative Mitmachformate bis hin zu öffentlichen Diskussionen. Das gemeinsame Ziel: Ein klares Zeichen gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse und für menschenwürdige Beschäftigung.

„Gute und faire Arbeitsbedingungen sind das Fundament einer starken und stabilen Sozialen Marktwirtschaft“, betonte Arbeitsminister Karl-Josef Laumann.
„Doch in manchen Branchen fehlt es genau daran. Mit dem deutschlandweit einmaligen Beratungsnetzwerk verfügen wir über einen wichtigen Baustein, um diejenigen zu erreichen, die für Profite ausgebeutet werden. Diese Unterstützung kommt direkt bei den Menschen an. Die zahlreichen Aktivitäten, die die Beratungsstellen Arbeit und die Beratungsprojekte für diese Woche initiiert haben, sind ein starkes Zeichen für die Rechte von Beschäftigten und für gute und faire Arbeitsbedingungen.“

Landesweite Initiative mit Signalwirkung

Der Welttag für menschenwürdige Arbeit geht auf eine Initiative des Internationalen Gewerkschaftsbundes zurück. Weltweit fordern Organisationen an diesem Tag faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und Respekt am Arbeitsplatz.
In Nordrhein-Westfalen fiel die Resonanz in diesem Jahr besonders groß aus: In nahezu allen Regionen machten die Aktionen der Beratungsstellen Arbeit und ihrer Partner auf Missstände aufmerksam – und auf die Unterstützungsangebote des Landes und der Europäischen Union.

Aktionen mit Wirkung – und Kreativität

Von Informationsständen auf Rastplätzen über Hindernisparcours bis hin zu einem Poetry Slam – die Vielfalt der Aktionen spiegelte das Engagement im ganzen Land wider. Mit Flyern, Gesprächen und Informationsmaterial machten die Beratungsstellen deutlich:
Menschenwürdige Arbeit ist keine Selbstverständlichkeit – sie ist ein gemeinsamer Auftrag.

Hindernisparcours in Wanne-Eickel

Am 10. Oktober 2025 lud die Beratungsstelle Arbeit des Ev. Kirchenkreis Herne in Wanne-Eickel, zu einer Mitmach-Aktion in der Fußgängerzone ein. Mit einem Info-Café und einem Mitmach-Parcours vor der Christuskirche machte das Team auf die oft prekären Arbeitsbedingungen von Paketzustellern aufmerksam. Der Parcours ließ Passantinnen und Passanten erleben, wie körperlich fordernd und stressbelastet dieser Beruf sein kann – vom Zeitdruck über schwere Lasten bis zu fehlenden Pausen. Während der Aktion nutzten Mitarbeitende der Beratungsstelle Arbeit die Gelegenheit zum Gespräch über Arbeitnehmerrechte und menschenwürdige Arbeit.

Auch Betroffene aus Branchen wie Pflege, Sicherheit und Gastronomie suchten den Austausch und vereinbarten vor Ort Beratungstermine. Besonders erfreulich: Auch bei mehreren Schülergruppen einer benachbarten Schule kam der Parcours bestens an. Schülerinnen und Schüler eines 9. Jahrgangs interessierten sich aber auch für prekäre Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerrechte, während sie von ihren eigenen Plänen für ihre berufliche Zukunft berichteten. Die Aktion fand breite Zustimmung und setzte ein sichtbares Zeichen für faire Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit in der Region. „Der Mitmach-Parcours war für ein paar Stunden der „Hingucker“ in der Fußgängerzone in Wanne-Eickel und hat zu unserer Freude das wichtige Thema Arbeitnehmerrechte und menschenwürdige Arbeit in den Mittelpunkt gerückt“, fasst die Leiterin des Zeppelin-Zentrums, Dagmar Spangenberg-Mades, die Aktion zusammen.

Infostand in Bochumer Fußgängerzone

Ziel der Beratungsstelle Arbeit in Bochum war es, Passantinnen und Passanten die Themen prekäre Beschäftigung, Arbeitsausbeutung und Arbeitsgesundheit näher zu bringen. Gemeinsam mit dem Projekt „Faire Integration“ war sie dafür mit einem Infostand inmitten der Fußgängerzone vertreten. Durch ein Quiz kam das Team spielerisch mit den Menschen über das Thema menschenwürdige Arbeit ins Gespräch und konnte dabei feststellen: „Bei den Leuten ist nur ein sehr geringes Grundwissen über prekäre Beschäftigung, Arbeitsausbeutung und Arbeitsgesundheit vorhanden. Sie reagierten überrascht darauf, dass solche Zustände in Deutschland überhaupt vorkommen. Hier besteht ein großer Informationsnachholbedarf“, sagt Ralf Kleinfelder vom Träger bobeq gGmbH der Beratungsstelle Arbeit Bochum. Deshalb möchte das Team in Zukunft das Thema über Veranstaltungen noch stärker in die Öffentlichkeit rücken, um die Menschen dafür zu sensibilisieren.

Aufsuchende Beratung in Sprachkursen in Lünen

Anlässlich des Welttags für menschenwürdige Arbeit informierte das Team der Beratungsstelle Arbeit im Kreis Unna Teilnehmende von Sprach- bzw. Integrationskursen über ihre Rechte als Beschäftigte. Denn die meisten von ihnen haben einen Fluchthintergrund und sind häufig in Minijobs oder Zeitarbeit tätig. Im Anschluss an die rund 45-minütige Veranstaltung nutzten viele der über 30 Teilnehmenden aus 15 verschiedenen Ländern die Gelegenheit, in Einzelgesprächen persönliche Fragen zu erörtern und Beratungstermine zu vereinbaren.

Im Fokus standen Themen wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz und Arbeitszeiterfassung – Fragen, die zeigen, wie groß der Informationsbedarf unter Neuankommenden auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist. Die Resonanz war durchweg positiv, berichtet Bernd Wagener vom ausführenden Träger Multikulturelles Forum e.V. der BSA in Lünen: „Die Teilnehmenden waren sehr interessiert und aktiv, wir waren selbst überrascht von der Offenheit und dem Engagement“. Einen Grund dafür sieht er auch in den guten Deutschkenntnissen der Menschen aus dem Kurs, die kurz vor ihrer B1-Sprachniveau-Prüfung standen. Aufgrund der guten Resonanz planen die beiden Träger der BSA im Kreis Unna – Multikulturelles Forum e. V. und Werkstatt im Kreis Unna GmbH – regelmäßig in den jeweiligen Sprachkursen ab Sprachniveau B1 über Arbeitnehmerrechte zu informieren.

Unterstützung für Beschäftigte – Engagement für faire Arbeitsbedingungen

Trotz vieler Fortschritte sind Verstöße gegen Arbeitsrecht auch in NRW noch Realität: Umgehung des Mindestlohns, überlange Arbeitszeiten oder fehlende Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall kommen immer wieder vor – etwa in der Fleischverarbeitung, der Paket- oder Reinigungsbranche.
Die Beratungsstellen Arbeit sind wichtige Anlaufstellen für Betroffene: Sie informieren über Rechte, unterstützen bei Konflikten mit Arbeitgebern und helfen, unfaire Praktiken aufzudecken.

Die zahlreichen Aktivitäten wurden von Medien und Öffentlichkeit positiv aufgenommen. Nordrhein-Westfalen hat damit am Welttag für menschenwürdige Arbeit ein deutliches Signal gesendet: Faire Arbeitsbedingungen sind die Grundlage für eine starke, soziale und gerechte Gesellschaft und der Kern der Sozialen Marktwirtschaft.