Der neue Bildungsscheck NRW - Informationsveranstaltung

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Weiterentwicklung des Bildungsschecks NRW - Informationsveranstaltung schafft Transparenz

Informationsveranstaltung in Essen, der Bildungsscheck NRW wird ausgeweitet - Information für Beratende

Der Bildungsscheck NRW, ein bewährtes Instrument der Landesarbeitspolitik, wird weiterentwickelt. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Arbeitsministeriums NRW und der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) informierten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der "Beratungsstellen Bildungsscheck" über die Neuerungen. Die Veranstaltung fand am 19. April 2018 in der IHK Essen statt.

Erfolgreiches Förderprogramm wird ausgeweitet: Bildungsscheck NRW

Seit 2006 gibt es in Nordrhein-Westfalen das mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderte Programm "Bildungsscheck". Mit ihm fördert das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordthein-Westfalen die Beteiligung an beruflicher Weiterbildung. Jetzt wird der Bildungsscheck NRW weiterentwickelt.

Der Grund: Die Veränderungen am Arbeitsplatz und im Betrieb stellen Beschäftigte, Berufsrückkehrende und Selbständige vor große Herausforderungen. Von zentraler Bedeutung ist hier die beschleunigte technische Entwicklung, vor allem die Digitalisierung.

Das hat Auswirkungen auf die berufliche Weiterbildung. Sie muss in immer mehr Fällen arbeitsplatznah erfolgen, obgleich klassische Kursangebote nach wie vor wichtig bleiben.

Aber auch die Inhalte der beruflichen Weiterbildung unterliegen einem schnellen Wandel: Hochspezialisierte digitale Inhalte in Form von Software wie zum Beispiel die „eAkte“ und „weiche“ Qualifikationen wie Kommunikation, Konfliktfähigkeit und Führung gewinnen an Bedeutung.

Zudem entwickeln sich die Formen beruflicher Weiterbildung immer mehr in Richtung selbstgesteuerter Ansätze wie E-Learning und Blended Learning, also einer Verbindung von Präsenz- und Online-Lernen.

Kompetente Beratungsstellen

Das alles wurde bei der Neugestaltung der Förderbedingungen für den Bildungsscheck NRW berücksichtigt. Mit ihr entstehen zugleich neue Anforderungen an die Beratungsstellen, die autorisiert sind, den Bildungsscheck NRW auszugeben.

Zurzeit gibt es 249 Beratungsstellen flächendeckend in ganz Nordrhein-Westfalen - in kommunalen Weiterbildungseinrichtungen wie der Volkshochschule, aber auch in den Industrie- und Handelskammern, den Handwerkskammern und den Regionalagenturen. Von den hier tätigen rund 500 Beraterinnen und Berater waren weit mehr als 100 in Essen vertreten, um sich über die geänderten Förderkonditionen zu informieren und - genauso wichtig - darüber zu diskutieren.

„Wir hätten Sie auch im Internet über die Neuerungen informieren können“, sagte Heike Ruelle von der Gesellschaft für innovative Beschäftigung (G.I.B.) gleich zu Beginn, „aber uns war die persönliche Ansprache wichtig und wir wollten Ihr Feedback einholen.“

Eine Aussage, die Reinhard Völzke vom MAGS NRW in seinem Einleitungsvortrag bekräftigte: „Uns ist wichtig, aus welcher Haltung heraus beraten wird. Wir setzen auf Qualität in der Beratung. Ohne Sie“, richtete er sich direkt an die Anwesenden, „wäre der Bildungsscheck NRW nicht so erfolgreich, wie er es seit mehr als zehn Jahren ist.“ Kein anderes Bundesland, so Reinhard Völzke, stelle in diesem Handlungsfeld ein so hoch entwickeltes Beratungsangebot zur Verfügung wie Nordrhein-Westfalen.

Gleich anschließend stellte Sarah Weidemann vom MAGS NRW die Neuerungen vor. Sie erläuterte jeweils unter den Rubriken „Öffnung“, „Ausbau“ und „Flexibilisierung“, was unverändert bleibt - der doppelte Zugang zum Beispiel, also der betriebliche und der individuelle -, und was sich ändert.

Lebhafte Diskussion

Nicht nur auf dem Podium - zeigte der weitere Veranstaltungsverlauf -, sondern auch im Auditorium  saßen ausgewiesene Expertinnen und Experten. Das bewies gleich im Anschluss an die Vorträge die von Heike Ruelle moderierte Diskussion zu speziellen Fragestellungen zum E-Learning, zu den Inhouse-Schulungen sowie zur Definition des Begriffs „Selbständige“.

Kaum eine vergleichbar große Veranstaltung, in der sich so viele der Anwesenden mit kompetenten Beiträgen beteiligten, wie hier in Essen - sei es in Form von Fragen, Anregungen oder Erfahrungsberichten. So begrüßte ein Mitarbeiter aus einer Beratungsstelle nachdrücklich die neu geschaffene Möglichkeit der Förderung von Inhouse-Schulungen: „Oft kamen die Chefs kleinerer Betriebe zu uns und bekundeten Interesse am Bildungsscheck. Allerdings sahen sie keine Möglichkeit, gleich mehrere ihrer Beschäftigten für eine Fortbildung außer Haus freizustellen. Machbar sei die Fortbildung nur innerhalb des Betriebs. Also konnten wir keinen Bildungsscheck ausstellen und die Fortbildung unterblieb. Das wird sich zukünftig ändern und das nutzt vor allem den kleinen Betrieben und ihren Beschäftigten.“

Andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Beratungsstellen wiederum fürchteten Mehraufwand in Folge der Neuerungen: „Wie können wir beurteilen, ob ein E-Learning-Angebot tatsächlich den hohen Qualitätsansprüchen des Bildungsschecks NRW genügt? Reichen unseren zeitlichen und personellen Kapazitäten aus, uns in das neue Wissensgebiet einarbeiten zu können?“

Kurzum: Eine Fülle spezifischer, mitunter spitzfindig diskutierter Fragen kam zur Sprache - und fand Antworten. Antworten lieferten indes nicht nur Reinhard Völzke und Sarah Weidemann vom MAGS NRW sowie Heike Ruelle von der G.I.B., sondern oft auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstellen selbst. Im Sinne kollegialer Unterstützung profitierten sie gegenseitig von ihrer Sachkompetenz und ihrem Erfahrungsschatz.

Vielfältige Unterstützung

Diskussionsthema war auch die anstehende Öffentlichkeitsarbeit. Unterstützung bieten hier das MAGS NRW, die G.I.B., aber auch die Regionalagenturen, deren Aufgabe es ist, die Beratungsnetzwerke weiterzuentwickeln und zumindest in bestimmten Regionen oder Städten zusätzliche Beratungsstellen zu gewinnen.

Unterstützung findet die Beratungsinfrastruktur darüber hinaus bei den Runden Tischen, die weitergeführt werden sollen, beim „FAQ Bildungsscheck NRW“ und bei einer Hotline, die im internen Bereich sowohl den Trägern der Beratungsstellen, den Beraterinnen und Beratern sowie Weiterbildungsanbietern zur Verfügung steht, die etwa Fragen zur Annahme und Abrechnung des Bildungsschecks haben.

Praktisch verwertbar dürften auch die aktuell konzipierten Handlungshilfen sowie das Fortbildungsangebot der G.I.B. sein, das zum Beispiel einen Überblick über die „digitale Lernwelt“ bieten soll. Professionell aufbereitete Hilfestellungen also für die Beraterinnen und Berater, damit der Bildungsscheck NRW weiterhin so erfolgreich bleibt wie bisher.

Rund 464.000 Beschäftigte aus 75.000 kleinen und mittleren Unternehmen haben den Bildungsscheck bisher genutzt; kein anderes Programm erreicht so viele Menschen im Bereich der beruflichen Weiterbildung. Ein Erfolg, der wesentlich auf der Arbeit der Beratungsstellen basiert.

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