Deutscher Weiterbildungstag 2018 im Bergischen Städtedreieck

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Foto: Organisator und Organisatorin, Referentinnen und Referenten sowie der Moderator auf dem Podium

"Alle müssen ihre Fähigkeiten optimal entwickeln können!" Weiterbildungstag 2018 im Bergischen Städtedreieck

Die Zukunft der Weiterbildung - Veranstaltung der Regionalagentur Bergisches Städtedreieck in Wuppertal mit 200 Teilnehmenden

Zum Deutschen Weiterbildungstag 2018 organisierte die Regionalagentur Bergisches Städtedreieck eine Veranstaltung unter dem Titel "Die Zukunft der Weiterbildung". Im Mittelpunkt standen Unternehmen, die sich auf die Arbeit der Zukunft vorbereiten wollen. Weiterbildung und Qualifizierung seien der Schlüssel für eine erfolgreiche Gestaltung des digitalen Wandels, betonte Christina Ramb, Abteilungsleiterin im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW.

Deutscher Weiterbildungstag 2018 - Veranstaltung der Regionalagentur Bergisches Städtedreieck

"Weiter bilden, Gesellschaft stärken"“ – das war das Motto des Deutschen Weiterbildungstags 2018. Zum bundesweiten Aktionstag am 26. September 2018 fanden überall in Deutschland Aktionen statt – eine ganz besonders phantasievolle Jahrmarktsveranstaltung in Wuppertal: Die Regionalagentur Bergisches Städtedreieck hatte zu einer der regionalen Schwerpunktveranstaltungen eingeladen mit dem Titel "Die Zukunft der Weiterbildung" – und bot ein buntes Angebot aus zukunftsweisenden Technologien zum Anschauen und Ausprobieren, spannenden Podiumsdiskussionen sowie eine live Abfrage per Smartphone. Im Mittelpunkt standen dabei Unternehmen, die sich auf die Arbeit der Zukunft vorbereiten wollen und in der Jahrmarktsatmosphäre auch gleichzeitig Spaß haben konnten. Mehr als 200 Interessierte nahmen teil, davon rund zwei Drittel Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen.

Was ist die Digitalisierung - Schreckgespenst oder Chance? Christina Ramb sprach sich in Wuppertal deutlich dafür aus, die Digitalisierung der Arbeitswelt vor allem als Chance zu begreifen, aber auch als Herausforderung - für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und für jeden Einzelnen.
Die Leiterin der Abteilung Arbeit und Qualifizierung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen sieht in Weiterbildung und Qualifizierung den Schlüssel für eine erfolgreiche Gestaltung des digitalen Wandels. Beschäftigten legte sie nahe, sich auf ein lebensbegleitendes Lernen einzustellen. Arbeitgeber ermunterte sie, nicht nur an eine arbeitsplatzbezogene Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu denken, sondern auch strategisch angelegte Weiterbildungsaktivitäten ihrer Beschäftigten zu unterstützen sowie gering Qualifizierte in betriebliche Weiterbildungsplanungen einzubeziehen und zur Teilnahme zu motivieren. Von der Bundesagentur für Arbeit wiederum erwartete sie „passgenaue Qualifizierungsangebote und niederschwellige Zugänge“.

Gerade weil die Digitalisierung Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor große Herausforderungen stellt, hat die Landesregierung jüngst die Fördermittel für den Bildungsscheck NRW deutlich erhöht. Nützlich ist für Unternehmen und ihre Beschäftigten im Themenfeld Digitalisierung auch ein anderes Förderinstrument des Landes: die Potentialberatung: Das an die Digitalisierung neu ausgerichtete Beratungsprogramm bietet die Chance, die Entwicklung der Arbeitsorganisation und die Kompetenzentwicklung der Beschäftigten im Kontext neuer Technologien zu unterstützen und unter Beteiligung der Beschäftigten konkrete maßgeschneiderte betriebliche Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen.

Verstärkte Berücksichtigung findet die Digitalisierung darüber hinaus bei der Beratung beruflicher Entwicklung, wobei Christina Ramb für eine „lebensbegleitende Berufsberatung“ plädierte, „damit alle ihre Fähigkeiten optimal entwickeln können. Niemand“, ergänzte sie, „darf zurückgelassen werden! Jeder einzelne wird gebraucht!“

"Selbstorganisiertes, selbstbestimmtes Lernen"

Als „Expertin für globale Transformation“ stellte sich anschließend Dr. Anja C. Wagner vor. Dass sie sich zugleich offen als „Bildungsquerulantin“ etikettierte, ließ eine kritische Sicht auf gegenwärtige Verhältnisse erahnen. Tatsächlich sah sie nicht die Behäbigkeit einzelner Menschen in ihrem Weiterbildungsverhalten als Problem, sondern vielmehr „Institutionen und Infrastruktur“, die eine digitalisierungsangemessene Weiterbildung verhindern oder zumindest hemmen. Ein Großteil der Menschen, so Anja C. Wagner, sei bereit, Zeit in die private Weiterbildung zu investieren, aber es fehle ihnen an institutioneller Unterstützung sowie an geeigneter Infrastruktur. Beispiel: die langsamen Netze vor allem in ländlichen Regionen.

Die Disruptionswellen der Digitalisierung, zeigte sich die Sozialwissenschaftlerin überzeugt, kommen immer schneller: „Wer heute als junger Mensch in den Arbeitsmarkt startet, wird im Lauf seines Lebens sieben Mal den Job wechseln müssen und das wird jedes Mal eine grundlegende, eine komplett neue Veränderung sein.“

Heute, so die Bildungswissenschaftlerin, sei „das Netz“ das neue Bildungssystem: „Wir leben in einer globalen Netzwerkgesellschaft, alle sind über das Internet miteinander verbunden, die allermeisten Menschen nutzen Social Media.“ Gute Voraussetzungen in ihren Augen für „selbstorganisiertes, selbstbestimmtes Lernen“ statt standardisierter Weiterbildung.
Von den Unternehmen verlangte sie, „mehr Vertrauen“ in ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu setzen, denn „die kennen ihre Talente am besten“. Doch ein Top-down-Denken im Handlungsfeld „Weiterbildung“ im Sinne von: „der Chef weiß schon, welche Qualifizierung nötig ist“, sei noch allzu weit verbreitet. Eine Umkehrung zu Bottom-up sei überfällig. Anja C. Wagner: „Die Menschen sind „change-fähig, aber sie brauchen mehr Freiräume, um sich entfalten zu können für eine Weiterbildung am Puls der Zeit“.

Nötig sei zudem „kollaboratives Arbeiten“ ganz unterschiedlicher Personen und Berufsgruppen. Daraus könnten sich ganz zufällig radikale Innovationen ergeben, „doch diese „Zufälle“, so Anja C. Wagner, „kann man generieren“. Als beispielhaft nannte sie erste gute Ansätze wie etwa die „Digi Hubs“, die „maker spaces“, die „Bar- und Themencamps“ sowie „vernetzte Bildungsclouds“, die auch in Nordrhein-Westfalen zu finden sind.

"Lernen kann auch Spaß machen"

Bei allem Verständnis für das Plädoyer der Referentin, die Freiräume der Individuen bei der Gestaltung ihrer Weiterbildung zu erweitern, ließ Dr. Jens Stuhldreier, Referatsleiter im MAGS NRW, in der abschließenden Podiumsdiskussion keinen Zweifel daran, dass angesichts des überwältigenden Angebotspluralismus bei den Weiterbildungsangeboten eine Orientierung im Rahmen der Weiterbildungsberatung durchaus nützlich sei.

Zugleich erinnerte er an die rund 7,5 Millionen  funktionalen Analphabeten in Deutschland. Sie zu motivieren, an Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen, sei eine wichtige Aufgabe für alle Institutionen und Betriebe. Noch viel zu wenig genutzt wird nach seinen Erkenntnissen das Recht eines jeden auf Bildungsurlaub und statt der Formulierung vom „lebenslangen Lernen“ wünschte er sich er sich „eine sensiblere Wortwahl“, bei der deutlich würde, „dass Lernen auch Spaß machen kann.“

Wie wichtig es ist, im Kontext von „Weiterbildung in der Digitalisierung“ nicht nur an die innovative Elite unter den Beschäftigten zu denken, unterstrich Martin Klebe. Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal und Vertreter des Bergischen Fachkräftebündnisses. Er wusste zu berichten, dass die stärkste Wachstumsgruppe im gegenwärtigen Beschäftigungsaufbau in der Region die der ungelernten Kräfte ist. Grund genug für ihn, bei Weiterbildungsangeboten auch an diesen Personenkreis zu denken.

In „gesellschaftlichen Umbruchphasen“ wie den heutigen stärker auch die Weiterbildungsanbieter einzubeziehen, dafür setzte sich Michael Sengstmann vom Vorstand der „Quallianz“ ein. Längst arbeiteten die Träger an neuen Lernkonzepten und bezögen dabei selbstverständlich moderne Medien mit ein.

Asal Tayouri und Oliver Francke von der Regionalagentur Bergisches Städtedreieck als Veranstalter des Deutschen Weiterbildungstags in Wuppertal hatten es schon früh auf den Punkt gebracht: „Die Herausforderungen an Unternehmen und Beschäftigte wachsen stetig und sind in ihrer Struktur mehr individualisiert und divers. Ein wichtiger Baustein in der Lösungsstrategie ist die Weiterbildung aller am Wertschöpfungsprozess Beteiligten.“

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