Interview mit Gabriel Spitzner, Regionalagentur NiederRhein

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Porträt Gabriel Spitzner, im Hintergrund großer Arbeitstisch, Stühle und  Monitor
Interview

„Wir sehen uns als Transferstelle und wollen zeigen, wie Inklusion durch Digitalisierung gelingen kann“ – Veranstaltung der Regionalagentur NiederRhein

Interview mit Gabriel Spitzner, Leiter der Regionalagentur NiederRhein, zur ESF-geförderten Veranstaltung "Barrieren überwinden! Inklusion durch Digitalisierung" im FabLab Kamp-Lintfort der Hochschule Rhein-Waal.

ARBEIT.NRW:

"Barrieren überwinden! Inklusion durch Digitalisierung" lautete der Titel der Veranstaltung, das klingt anspruchsvoll. Herr Spitzner, wie bringt man die unterschiedlichen Welten Inklusion und Digitalisierung zusammen?

Gabriel Spitzner:

Mit dem Thema haben wir vor allem eine Frage aufgegriffen, die beim ersten Ideenlabor im Kontext von NRW 4.0 zur Digitalisierung in der Region Niederrhein unbeantwortet blieb, nämlich: Wie kann mit Hilfe digitaler Techniken ermöglicht werden, Menschen, die einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt haben, besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Mit unserer Veranstaltung, die übrigens am zehnten Jahrestag des Inkrafttretens der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland stattfand, wollten wir ganz bewusst das soziale Thema Inklusion und das technische Thema Digitalisierung zusammenbringen. Am Beispiel von Projekten wollten wir zeigen, wie es gelingen kann, Barrieren durch Digitalisierung zu überwinden.

Dafür haben wir auch einen besonderen Veranstaltungsort gewählt, das FabLab Kamp-Lintfort der Hochschule Rhein-Waal. Für die meisten Teilnehmenden, darunter Expertinnen und Experten der Arbeitsverwaltung, des Landesarbeitsministeriums und der kommunalen Inklusionsstellen sowie sozialer Träger, war das ein ungewohnter und dafür umso überraschenderer Ort.
So ein FabLab (fabrication laboratory) oder Fabrikationslabor ist eine offene und weltweit vernetze Werkstatt, in der z.B. Studierende mit Hilfe von digitalen Fabrikationsgeräten wie 3D-Druckern experimentieren und Produkte herstellen können. Hier wird also ein neues Lernformat etabliert und der Zugang zu neuen Produktionstechnologien und Produktionswissen im Prinzip allen ermöglicht, auch denen, die aus Gründen von z.B. Bildung oder Lebensalter ihn sonst nicht haben.

Zudem konnten wir mit Rainer Schmidt einen Moderator engagieren, der nicht nur aufgrund seiner Fachkenntnis, sondern auch aufgrund seines eigenen Handicaps einen ausgesprochen kenntnisreichen Zugang zu Inklusion hat. Er wurde ohne Unterarme geboren und ist mit dieser Einschränkung als Referent, Pfarrer und Kabarettist und Leistungssportler im Tischtennis seinen Lebensweg gegangen.

ARBEIT.NRW:

Welche Beispiele aus der Praxis haben Sie auf der Veranstaltung vorgestellt?

Gabriel Spitzner:

Da ist zunächst das ESF-geförderte Projekt „in&aut“, das wir als Regionalagentur begleiten. Das Projekt ermöglicht die Integration in Ausbildung von Menschen im autistischen Spektrum. Es nutzt digitale Hilfsmittel wie Avatare in virtuellen Räumen, um Menschen aus dem autistischen Spektrum zu aktivieren bzw. es ihnen zu erleichtern, sozialen Kontakt aufzunehmen.
In der abschließenden Podiumsdiskussion hat ein junger Mann aus dem Projekt dazu von seiner Ausbildung bei einem Dienstleister im Bereich der Digital- und Printmedien berichtet.

Wir haben natürlich auch den Veranstaltungsort selbst einbezogen und als besonderen Lernort für kooperatives und experimentierendes Lernen vorgestellt. Das sinnstiftende Motto lautet hier: make – learn – share (Machen - Lernen – Teilen), und dies lässt sich durchaus auch auf das Zusammenspiel von Inklusion und Digitalisierung beziehen.

Zudem haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Fakultät Kommunikation und Umwelt der Hochschule Rhein-Waal, die gerade mit ihrem FabLab Kamp-Lintfort beispielgebend Barrieren überwindet. So gibt es seit 2017 regelmäßig einen offenen Hackathon (Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“, kollaborative Soft- und Hardwareentwicklungsveranstaltung) zum Thema Barrierefreiheit.
Unter dem Codenamen ACCESSATHON (Accessibility + Hackathon) wird dabei mehrere Tage am Stück gearbeitet, um Ideen und Lösungen zu entwickeln, die das Leben von Personen mit Einschränkungen erleichtern.

ARBEIT.NRW:

Digitalisierung und Inklusion werden Sie also weiterhin als zentrale Themen der Regionalagentur bearbeiten?

Gabriel Spitzner:

Für uns stehen die beiden Themen weiterhin oben auf der Agenda. Wie können die Entwicklungen in der Digitalisierung helfen, soziale Systeme zu erneuern und zu verbessern, das bleibt eine große Frage und ist eine wichtige Zukunftsaufgabe.

Nicht zuletzt sehen wir uns als Regionalagentur, zumal als ESF-geförderte Einrichtung und Umsetzerin der Landesarbeitspolitik, als eine Transferstelle für technische und soziale Innnovationen. Wir wollen Impulse und Anregungen geben, insbesondere mit Blick auf Fachkräftegewinnung und -sicherung.

Mit dieser Veranstaltung, finde ich, ist uns eine gute Ouvertüre gelungen.