Überbetriebliche Lehrgänge sichern Ausbildung in Corona-Zeiten

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Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie

„Corona-Lücke in der Ausbildung verhindern“ - ESF-Programm ermöglicht überbetriebliche Lehrgänge für gewerblich-technische Berufe

Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung für gewerblich-technische Berufe 2021 – Auszubildende in der Veranstaltungsbranche vom Corona-Shutdown besonders betroffen

Die Veranstaltungsbranche war vom Shutdown durch die Corona-Pandemie besonders hart getroffen und erschwerte vielen Auszubildenden die praktische Ausbildung. Das ESF-Programm unterstützt in dieser Notlage und öffnet die Türen zu überbetrieblichen Lehrgängen. Koordiniert vom Berufsförderungswerk der Bauindustrie setzen fünf Bildungszentren das Angebot um, darunter das Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie.

Ausbildung in der Veranstaltungsbranche – ESF-Programm als erfolgreiche Überbrückungsmaßnahme

Mit dem ESF-geförderten Programm „Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung für gewerblich-technische Berufe 2021“ unterstützt die Landesregierung die fachpraktische Ausbildung für Auszubildende in Betrieben, die von den Folgen des Shutdowns besonders betroffen sind, wie etwa in der Veranstaltungsbranche. Mit dem zusätzlichen Schulungsangebot können rund 400 Auszubildende in unterschiedlichen überbetrieblichen Lehrgängen unterwiesen werden.

Johannes Nebel, Prokurist beim Berufsförderungswerk der Bauindustrie, koordiniert das gemeinsam mit der IHK entwickelte Programm, das von fünf überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) umgesetzt wird. Die zusätzlichen Lehrgänge orientieren sich am Ausbildungsrahmenplan der Fachkraft für Veranstaltungstechnik, ein dritter überbetrieblicher Lernort ist dabei nicht vorgesehen. „Auf die Schnelle mussten wir zunächst Bildungseinrichtungen finden, die – angepasst an die Erfordernisse der Branche - geeignete Lehrgänge mit Fokus auf den elektrotechnischen Bereich entwickeln und anbieten konnten.“

In der damaligen Notlage, so Koordinator Johannes Nebel, seien alle beteiligten Bildungsstätten jedoch gerne bereit gewesen zu helfen und eine drohende „Corona-Lücke“ in der praktischen Ausbildung bei gewerblich-technischen Berufen zu verhindern. Das Schulungsangebot umfasse Grundlehrgänge und diene insbesondere auch der Prüfungsvorbereitung für Auszubildende im zweiten und dritten Lehrjahr.

„Mit der Maßnahme können wir auf hohem Niveau die Qualität der Ausbildung sichern und trotz Shutdown und leerer Konzertsäle solide Ausbildungsabschlüsse ermöglichen. Dass sich die Durchfallquote unter diesen Ausnahmebedingungen nicht erhöht hat, ist auf jeden Fall als Erfolg zu werten“, zieht Johannes Nebel eine erste positive Zwischenbilanz.

Auch die bislang durchweg positive Resonanz von teilnehmenden Betrieben und ihren Auszubildenden sieht er als Beleg für die Wirksamkeit des Programms.

Mit Blick auf den noch verbliebenen Förderzeitraum macht er deutlich: „Das Programm ist offen. Interessierte Betriebe und Unternehmen können jederzeit einsteigen und noch Lehrgänge für ihre Auszubildenden buchen!“

Lehrgangsangebot beim BZI Remscheid – große Nachfrage über die Region hinaus

Das Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie ist eine der fünf beteiligten überbetrieblichen Bildungsstätten, die sich an der Umsetzung des Programms beteiligen. Das BZI Remscheid kann fast alle der insgesamt zehn Ausbildungsmodule anbieten. Das Lehrgangsangebot umfasst bis zu 28 Wochenstunden und reicht vom stark nachgefragten „Schalten & Messen“ über IT-Netzwerktechnik bis hin zum komplett neu entwickelten Lehrgang „Virtuelle Veranstaltungen und Datentechnik“, ein Format, das in der Corona-Zeit stark an Bedeutung gewonnen hat und vermutlich auch künftig eine wichtige Rolle etwa als Hybrid-Veranstaltung spielen wird.

„Die Elektrotechnik ist auf dem Vormarsch und hat in viele Ausbildungspläne Eingang gefunden. Da wir darauf spezialisiert sind, waren wir schnell in der Lage, die Lehrgangsinhalte anzupassen und alle Module außer Bühnenaufbau anzubieten“, beschreiben Thomas Knipper, Ausbildungsleiter beim BZI, und Ausbilderin Julia Filiptzyk, Elektromeisterin beim BZI, die Ausgangslage. Zur Veranstaltungstechnik gebe es viele Schnittmengen, allerdings sei es schon eine Herausforderung gewesen, das neue Lehrgangsangebot „im laufenden Betrieb und innerhalb weniger Wochen auf die Beine zu stellen“.

Das Remscheider Angebot stößt auf große Nachfrage, auch über die Bergische Region hinaus. Rund 100 Auszubildende und knapp 60 Betriebe haben bislang partizipiert, berichten Thomas Knipper und Julia Filiptzyk. Die Teilnehmenden sind nach Einschätzung der Ausbilder außergewöhnlich hoch motiviert und nehmen auch lange Anfahrtszeiten aus dem Rheinland oder dem Ruhrgebiet in Kauf. Unter den beteiligten Betrieben sind viele Kleinstunternehmen, aber auch Großbetriebe oder Einrichtungen wie der WDR, die schon jetzt Interesse signalisieren, die Zusammenarbeit auch über den Förderzeitraum hinaus und auf eigene Kosten fortzusetzen.

„Die vielen positiven Rückmeldungen zeigen uns, dass wir mit dem überbetrieblichen Angebot richtig liegen und Defizite in der praktischen Ausbildung aufgrund der Pandemiesituation, aber vielleicht auch darüber hinaus erfolgreich abfedern können“, resümiert Thomas Knipper. Das neue Lehrgangsangebot werde das BZI daher auch nach Auslaufen der Förderung aufrechterhalten.

„Supergenial“ – Auszubildender von der Wissensvermittlung begeistert

Gene Messerschmidt ist im dritten Lehrjahr und will im kommenden Sommer die Abschlussprüfung zum Veranstaltungstechniker ablegen. Beim Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie hat er bereits mehrere Lehrgänge absolviert. Sein Chef betreibt in Remscheid ein Kleinstunternehmen zum Verleih und Betrieb von Licht, Ton und Videotechniktechnik. Seinen Auszubildenden hatte der Betriebsinhaber sofort angemeldet, als er über die IHK von dem Angebot erfahren hatte.

Im Corona-Shutdown haben sich für den jungen Mann die überbetrieblichen Lehrgänge als beste und nicht zuletzt einzige Chance zur fachpraktischen Ausbildung erwiesen. So konnte sein Chef zwar Kurzarbeit vermeiden, mit Inventur, umfangreichen Lagerarbeiten oder vereinzelten kleineren Aufträgen gab es immerhin genügend Beschäftigung. Doch mit Blick auf die anstehenden Prüfungsanforderungen hätte das keineswegs gereicht.

Von den Lehrgängen ist Gene Messerschmidt sehr begeistert und kann es anderen Auszubildenden nur weiterempfehlen. Die Verknüpfung von Theorie und intensiver fachpraktischer Unterweisung sei „supergenial“ und gerade mit Blick auf die Prüfungsvorbereitung „ganz besonders wertvoll“. „Wir können hier in Kleingruppen sehr intensiv lernen und bekommen Wissen vermittelt, was so im Berufsalltag oder in der Berufsschule oft nicht möglich gewesen wäre.“

Bereits jetzt sieht sich Gene Messerschmidt für die Abschlussprüfung „wirklich gut gerüstet“. „Gerade im Bereich Elektrotechnik und Netzwerktechnik verstehe ich viele Sachen endlich richtig und kann das in meinem Berufsalltag sehr gut anwenden.“ Das sei auch dem Chef nicht entgangen, berichtet der junge Auszubildende schmunzelnd. In der Firma sei er nun schon zum „Video- und Netzwerk-Spezialisten“ avanciert.

Der Ausbildungskonsens NRW unterstützt im Rahmen der Initiative "Ausbildung Jetzt!" das Förderprogramm „Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung für gewerblich-technische Berufe 2021“.

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