Ausbildung in Teilzeit - Minister Laumann besucht Betrieb

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Gespeichert von Arbeit.Meding am 26. März 2019

"Endlich hat es geklappt!" Berufswunsch erfüllen durch Ausbildung in Teilzeit - Minister Laumann vor Ort

ESF-Programm TEP unterstützt Teilzeitberufsausbildung zur Kauffrau für Büromanagement - AWO Berufsbildungszentrum gGmbH in Düsseldorf unterstützt Teilnehmende und Betriebe - Fachkräfte für die Region gewinnen

Mit Hilfe des ESF-geförderten Programms TEP absolviert eine alleinerziehende junge Frau eine Ausbildung in Teilzeit zur Kauffrau für Büromanagement. Der Ausbildungsbetrieb ist ein Metallbauunternehmen. Beim Einstieg wurde die TEP-Teilnehmerin vom AWO Berufsbildungszentrum in Düsseldorf unterstützt. In der Region arbeiten die Akteure eng zusammen, um die Teilzeitausbildung zu fördern. Minister Karl-Josef Laumann besuchte den ausbildenden Handwerksbetrieb.

TEP-Programm unterstützt Alleinerziehende - Ausbildung zur Kauffrau im Büromanagement

Junge Menschen mit Familienverantwortung haben es oft besonders schwer, ihren Wunsch nach einer Berufsausbildung zu realisieren. Damit der qualifizierte Berufseinstieg gelingen kann, gibt es seit zehn Jahren das Programm "Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen" (TEP), gefördert aus Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds. Die Bilanz ist durchweg positiv.

Schon lange wollte Lisa Graffe, heute 24 Jahre alt, nach ihrem Schulabschluss und einer vorübergehenden Tätigkeit als Serviceassistentin in einer Uni-Klinik eine Ausbildung beginnen. Als alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter aber war das unmöglich. Erst als sie für ihr Kind einen Platz in einer Tages-Kita fand und am Landesprogramm TEP teilnahm, konnte sie ihren Berufswunsch realisieren. Heute absolviert sie eine Teilzeitberufsausbildung zur Kauffrau im Büromanagement. Lisa Graffe: „Endlich hat es geklappt!“

Umfassende Unterstützung

Lisa Graffe ist kein Einzelfall. So wie ihr ergeht es vielen jungen Menschen, die kleine Kinder versorgen oder Familienangehörige pflegen müssen. Ihnen bleibt einfach keine Zeit, um eine Vollzeit-Berufsausbildung zu beginnen. Für sie hat das Land Nordrhein-Westfalen vor zehn Jahren das TEP-Programm gestartet, das junge Menschen mit Familienverantwortung bei der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz in Teilzeit unterstützt. Die Teilnehmenden werden gecoacht, qualifiziert, beruflich vorbereitet und während der ersten Ausbildungsmonate individuell begleitet.

Die Unterstützung obliegt bewährten Qualifizierungs- bzw. Bildungsträgern. Im Fall von Lisa Graffe war das die AWO Berufsbildungszentrum gGmbH in Düsseldorf. Mittlerweile nahmen oder nehmen rund 100 junge Erwachsene hier am Landesprogramm teil.

Gabriele Schmitz, Abteilungsleiterin im Berufsbildungszentrum der AWO, konkretisiert, wie umfassend die Unterstützung der Teilzeitberufsausbildenden durch den jeweiligen Träger ist: „In der maximal sechs Monate dauernden Vorbereitungsphase gehören etwa die Hilfe bei der Berufswahlorientierung, das Bewerbungstraining und die Suche nach einem Ausbildungsplatz dazu.“

Weiterer Bestandteil der Vorbereitungsphase ist die Qualifizierung. Dazu zählen EDV-Kurse, Trainings zur Verbesserung von Schlüsselkompetenzen, aber auch die Unterstützung bei der Frage, wie Teilzeitauszubildende ihre Lernarbeitszeit trotz Kinderbetreuung effektiv gestalten können. Im Fall von Lisa Graffe war keine zusätzliche Qualifizierung erforderlich. Als „sehr hilfreich“ aber bewertet sie vor allem das intensive Bewerbungscoaching, die simulierten Vorstellungsgespräche und die Hilfe bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz - eine der Kernkompetenzen des Trägers.

Gabriele Schmitz: „In unserer Betriebsdatenbank haben wir einen Stellenpool mit mehr als 3.000 Einträgen zu Unternehmen, zu denen wir Kontakt haben. Neben der Kontaktpflege spielt die Akquise immer neuer Unternehmen eine wichtige Rolle. Dazu ist das BBZ bei Jobbörsen, Ausbildungsmessen und den Job Speed Datings der IHK präsent“. Doch viele Betriebe sind zurückhaltend, weiß Gabriele Schmitz aus eigener Erfahrung: „Noch immer bilden weniger als ein Prozent aller Unternehmen in Teilzeit aus.“

Optimale Organisation

Vielen Unternehmen voraus ist hier die Gustav Herrmann & Sohn GmbH, ein Traditionsunternehmen mit den Geschäftsfeldern Niederspannungs- und Steueranlagen, Metallbau in Düsseldorf mit 20 Beschäftigten, davon sechs Auszubildende. Maike Herrmann, Geschäftsführerin, Elektromeisterin, Betriebswirtin des Handwerks und stellvertretende Obermeisterin der Elektro-Innung, hat viel Verständnis für die Schwierigkeiten junger Menschen mit Familienverantwortung beim Einstieg in den Beruf: „Ich habe selbst viele Freundinnen in dem Alter mit kleinen Kindern, die oft vergeblich versuchen, in den Beruf einzusteigen. Da habe ich gedacht: Wir bilden seit mehr als 30 Jahren aus. Also könnte ich doch einer jungen Frau mit Kind die Chance auf eine Teilzeitausbildung bieten.“  

Die Chance bekam TEP-Teilnehmerin Lisa Graffe. Sie ist jetzt im ersten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Ihre Arbeitszeit beginnt morgens eine Stunde später und endet am Nachmittag eine Stunde früher als regulär. Damit komm sie auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 30 Stunden. Für den Betrieb ist das kein Problem, versichert Maike Herrmann: „Sie lernt trotzdem alle im Ausbildungsrahmenplan vorgesehenen Arbeiten kennen. Der einzige Unterschied zu anderen Auszubildenden ist, dass ich die dazu gehörigen Hinweise und Erklärungen zeitlich ein bisschen verschiebe. Das lässt sich ohne Zusatzaufwand für den Betrieb leicht organisieren.“

Die reduzierte wöchentliche Arbeitszeit ist für manche anderen Betriebe ein Grund, nicht in Teilzeit auszubilden. AWO-Abteilungsleiterin Gabriele Schmitz: „Wenn Betriebe das Wort Teilzeit hören, denken sie, dass die jungen Leute nur 20 Stunden arbeiten und davon noch an zwei Tagen zur Berufsschule gehen. Tatsache aber ist, dass - genau wie bei Lisa Graff - die meisten Teilzeitauszubildenden zwischen 30 und 35 Stunden arbeiten.“ Und noch etwas stellt Gabriele Schmitz klar: „Teilzeitauszubildende sind meist ein bisschen älter als diejenigen, die direkt nach der Schule einen Ausbildungsplatz suchen. Aufgrund ihrer Verantwortung bei der Kinderbetreuung haben sie die Fähigkeit zu organisieren entwickelt, sind eindeutig verantwortungsbewusster und reifer.“

Für Arbeitgeber dürfte zudem wichtig sein, dass es seitens der Träger eine Nachbegleitung der jungen Menschen in der Anfangsphase ihrer Ausbildungszeit gibt, wozu bei Bedarf die Nachhilfe in berufsschulrelevanten Fächern gehört. Das ist vermutlich einer der Gründe dafür, dass die Zahl der Ausbildungsabbrüche bei den Teilzeitauszubildenden deutlich unter jener der Vollzeitauszubildenden liegt.

Gefragt, ob Lisa Graffe nach Abschluss ihrer Ausbildung die Chance auf Übernahme in ein Vollzeitarbeitsverhältnis hat, antwortet Geschäftsführerin Maike Hermann kurz und prägnant: „Selbstverständlich. Deshalb bilden wir ja aus.“ Das steht im Einklang mit den mittelfristigen Berufswünschen der Teilzeitauszubildenden: „Später in Vollzeit zu arbeiten, das wäre ideal!“

Mit dieser Einstellung ist Lisa Graffe keine Ausnahme. Das liefert AWO-Abteilungsleiterin Gabriele Schmitz bei ihren Kontakten zu Unternehmen ein überzeugendes Argument für die Teilzeitausbildung: „Die Teilzeitauszubildenden von heute sind die Vollzeitfachkräfte von morgen!“

Reservoir für die Fachkräfte der Zukunft

Gründe genug also, für die Ausbildung in Teilzeit bei den Unternehmen zu werben. Genau das macht auch die Regionalagentur Düsseldorf/Kreis Mettmann. Regionalagenturen unterstützen das Arbeitsministerium von Nordrhein-Westfalen u.a. bei der Förderung der Teilzeitberufsausbildung in allen Regionen - über das Internet, auf Ausbildungsmessen oder durch die Vernetzung der Akteure in der Region.

Ferdinand Nett, stellvertretender Leiter der Regionalagentur Düsseldorf/Kreis Mettmann: „Dabei kooperieren wir eng mit anderen wichtigen arbeitsmarktpolitischen Akteuren in der Region: mit den Kammern zum Beispiel, der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter und mit diversen Trägern. Sie alle wissen: Für Unternehmen gibt es nach den vorliegenden Erfahrungen und angesichts des Fachkräftemangels überhaupt keinen Grund, nicht in Teilzeit auszubilden - im Gegenteil. Die Teilzeitberufsausbildung ist für Unternehmen eine echte Chance, genauso wie für junge Menschen mit Familienverantwortung wie Lisa Graffe. Das haben die Betriebe offensichtlich verstanden: So ist zum Beispiel im IHK-Bezirk Düsseldorf/Kreis Mettmann die Zahl der Teilzeit-Ausbildungsverhältnisse im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent gestiegen.

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