Sucht

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Gespeichert von HKP.Suchorski am 8. September 2017
Ein Zeigfinger stößt den ersten Stein einer Reihe Dominosteine an.

Sucht hat immer eine Geschichte

Präventionsmaßnahmen und Hilfe bei Suchterkrankungen

In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als vier Millionen Suchtkranke. Sie sind vor allem abhängig von Alkohol, Tabak oder Medikamenten. Weniger als ein Prozent der Suchtkranken sind von illegalen Drogen abhängig. "Sucht hat immer eine Geschichte!" – an diesem Leitsatz orientiert sich die Sucht- und Drogenpolitik des Landes. Diese Geschichte fängt nicht mit der ersten Einnahme einer süchtig machenden Substanz an und hört nicht mit deren Absetzen oder Ersetzen auf.

In der Vorbeugung liegt der Schwerpunkt der Arbeit daher auf der Förderung von Eigenverantwortung, Konfliktfähigkeit und sozialer Kompetenz. Die Hilfsangebote sind in erster Linie als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt – von der Gesundheits- und Überlebenshilfe bis zu Maßnahmen zur beruflichen und sozialen Integration.

Landeskonzept und Aktionsplan gegen Sucht

Sucht ist eine chronische Krankheit mit gravierenden gesundheitlichen und sozialen Folgen für die Suchtkranken selbst und deren unmittelbares Umfeld. Sucht hat in der Regel auch eine lange und individuelle Geschichte. Auf Grund der vielfältigen Faktoren, die Entstehung und Verlauf einer Abhängigkeitserkrankung bestimmen, bedarf es ebenso differenzierter Ansätze zur Prävention und Hilfe. Sucht hat nicht zuletzt auch eine gesamtgesellschaftliche Dimension; ein Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Kräfte ist deshalb unverzichtbar.

Das gemeinsam mit allen im Suchtbereich verantwortlichen Akteurinnen und Akteuren erstellte Landeskonzept gegen Sucht beschreibt Grundsätze und Handlungsrahmen für die Weiterentwicklung von Suchtprävention und Suchthilfe in Nordrhein-Westfalen. Vordringliche Handlungsbedarfe und Empfehlungen zur Umsetzung sind in einem ebenfalls von allen maßgeblichen Verantwortungsträgerinnen und -trägern entwickelten Aktionsplan gegen Sucht festgeschrieben.

Im Sinne einer Neuausrichtung der Sucht- und Drogenpolitik wird der Fokus stärker als früher auf Maßnahmen der Prävention und Hilfe gelegt, die sich an den speziellen Bedürfnissen und konkreten Problemlagen der betroffenen Menschen in ihrer jeweiligen Lebenswelt orientieren. Neben der Förderung von hilfesystemübergreifenden Strukturentwicklungs- und Vernetzungsprozessen ist die Stärkung der Suchtselbsthilfe ein besonderes Anliegen.

Eine vordringliche Aufgabe ist die Sicherstellung einer gleichberechtigten und selbstbestimmten Teilhabe suchtkranker Menschen am gesellschaftlichen Leben. Damit wird nicht nur den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention Rechnung getragen, sondern zugleich ein wichtiger Beitrag gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung der betroffenen Menschen in allen Lebensbereichen geleistet.

Gezielte Suchtprävention

Die Suchtprävention in Nordrhein-Westfalen setzt beim Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitsverhalten der Bevölkerung an und ist auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Suchtmitteln ausgerichtet. Sie zielt auf eine Stärkung der Persönlichkeit durch die

  • Förderung von Eigenverantwortung,
  • Konfliktfähigkeit und
  • sozialer Kompetenz.

GINKO, die Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung, befasst sich gezielt mit der Verbesserung und Weiterentwicklung der Suchtprävention in Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus wird die Präventionsarbeit der örtlichen Sucht- und Drogenberatungsstellen durch Prophylaxefachkräfte unterstützt.

"Sucht hat immer eine Geschichte"

Die örtlichen Präventionsmaßnahmen werden durch die mit Landesmitteln geförderte Kampagne "Sucht hat immer eine Geschichte" begleitet. Im Rahmen der Kampagne werden Sucht-Aktionswochen durchgeführt. In einer Vielzahl von Einzelveranstaltungen werden die unterschiedlichen Aspekte der Sucht den jeweiligen Zielgruppen – zum Beispiel Info-Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche und deren Bezugspersonen – nahe gebracht.

Vernetzte Hilfsangebote

Die Hilfen für Suchtgefährdete und Suchtkranke umfassen neben den Maßnahmen zur Beratung, Betreuung und Behandlung auch die berufliche und soziale Integration. Oberstes Ziel der Hilfen ist die Abstinenz.

Dieses Ziel ist häufig jedoch nicht unmittelbar, sondern nur in Schritten erreichbar. Erste Ansprechpartner bei Suchtproblemen sind die Sucht- und Drogenberatungsstellen, durch die auch in andere weiterführende Hilfen vermittelt werden kann.
 
Die verschiedenen Hilfeangebote müssen individuell angepasst und flexibel sein sowie zum frühest möglichen Zeitpunkt ansetzen. Um bei jeder Problemlage einen geeigneten Zugang zu den notwendigen Suchthilfeangeboten zu gewährleisten, müssen die Hilfen ferner ausreichend differenziert und zugleich miteinander vernetzt sein.

Nordrhein-Westfalen verfügt daher über ein differenziertes und qualifiziertes Netz von Hilfeangeboten. Dazu gehören:

  • Sucht- und Drogenberatungsstellen
  • Einrichtungen zur Behandlung (Landschaftsverbände LVR und LWL)
  • Niedrigschwellige Angebote (beispielsweise Straßensozialarbeit, Kontaktläden, Notschlafstellen)
  • Substitutionsgestützte Behandlungsangebote
  • Drogentherapeutische Ambulanzen
  • Drogenkonsumräume
  • Nachsorgemaßnahmen (Landschaftsverbände LVR und LWL)
  • Anerkannte Einrichtungen zur Behandlung betäubungsmittelabhängiger Straftäter
  • Wiedereingliederung in Arbeit, Beruf und Gesellschaft
  • Maßnahmen zu „Gender und Sucht"
  • Sucht-Selbsthilfe
Thema Alkohol

Mindestens zwei Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen haben Alkoholprobleme und etwa 400.000 gelten als alkoholabhängig. Besonders gefährdet sind Jugendliche – bereits bei 15-Jährigen kommt es nicht selten zu Alkoholmissbrauch. Vor dem Hintergrund der alarmierenden Zahlen hat das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium vor einigen Jahren die Kampagne „. . . danke, jetzt nicht!” ins Leben gerufen. Die Kampagne soll vor allem Menschen ansprechen, die zwar noch nicht abhängig, aber bereits gefährdet sind.

Kampagne "... danke, jetzt nicht!"

Alkohol ist – als Genussmittel – gesellschaftlich akzeptiert und im Alltag stets präsent. Jeder Versuch, die Menschen zu einem völligen Alkoholverzicht zu bewegen, wäre daher von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Im Mittelpunkt der Kampagne "... danke, jetzt nicht!" steht daher der Verzicht auf Alkohol in alltäglichen Situationen – von der kindlich-jugendlichen Mutprobe bis zur Party, von Freizeitsport bis zum festlichen Abendessen, vom Kneipenbesuch bis zum Betriebsfest.

Statt der unrealistischen Forderung nach absolutem Alkoholverzicht werden kleine Schritte zu erreichbaren Nahzielen vorgeschlagen. Kernbotschaft der Kampagne ist die Aussage:"Danke. Ich möchte (jetzt) nicht!"

Auf diese Weise soll die Bereitschaft zu einem maßvollen, verantwortungsbewussten und kontrollierten Umgang mit Alkohol geweckt werden, ohne ihn zugleich als Genussmittel zu ächten.
Die Kampagne betont zugleich, dass durch den Verzichts eine selbstbewusste Haltung zum Ausdruck gebracht wird – also keine Schwäche gezeigt wird, sondern Unabhängigkeit und Stärke.
 

Thema Illegale Drogen

Mehrere zehntausend Menschen in Nordrhein-Westfalen sind abhängig von illegalen Drogen. Darunter werden alle Suchtmittel gefasst, deren Herstellung, Anbau, Einfuhr, Besitz oder Verkauf nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten ist. Wer mit illegalen Drogen handelt, sie herstellt, anbaut, einführt oder besitzt, muss mit Geldstrafen – in schweren Fällen sogar mit Freiheitsstrafen – rechnen.

Im Gesetz werden über einhundert illegale Stoffe genannt, die aus pflanzlichen oder chemischen Grundstoffen gewonnen werden. Dazu gehören zum Beispiel:

Niedrigschwellige Angebote – Hilfe zum Überleben

Für das Überleben der Drogenabhängigen haben so genannten niedrigschwellige Angebote besondere Bedeutung. Sie sind eingebettet in ein Gesamtsystem, das von Kontaktstellen, Drogenkonsumräumen, über klassische Beratungsstellen bis zu Einrichtungen reicht, die Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung anbieten.

Der niedrigschwellige Bereich ist speziell für Abhängige konzipiert, die zunächst nicht in der Lage sind, weiterführende auf Abstinenz ausgerichtete Hilfen in Anspruch zu nehmen. Gerade diese Personengruppe ist besonders vom Drogentod bedroht.
 

Drogenkonsumräume

Ein wichtiger Baustein der Angebote zur Überlebenshilfe sind Drogenkonsumräume, in denen unter bestimmten gesetzlich geregelten Voraussetzungen Drogen unter hygienischen Bedingungen konsumiert werden können. Drogenkonsumräume gibt es in

  • Münster
  • Wuppertal
  • Köln
  • Essen
  • Dortmund
  • Bochum
  • Bonn
  • Bielefeld
  • Troisdorf
  • Düsseldorf

Durch schnelles Eingreifen des geschulten Personals können jährlich in mehreren hundert Fällen noch rechtzeitig lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden.

Und: Durch eine effektive Vernetzung gelingt es sehr oft, bis dahin für Hilfeangebote nicht erreichbare Abhängige in Drogenberatung, Substitutionsbehandlung, Qualifizierten Drogenentzug, oder andere weiter führende Hilfen zu vermitteln. Dieses Angebot soll gerade den schwer drogenabhängigen Menschen zugute kommen, die durch die bisher bestehenden Hilfeangebote aus unterschiedlichen Gründen nicht oder nur unzureichend erreicht werden.

Drogenkonsumräume sollen mit dazu beitragen, die Gesundheitsrisiken des Drogenkonsums zu senken und damit zugleich auch einen wirksamen Beitrag zur Reduzierung der Zahl der Drogentoten leisten; darüber hinaus sollen Drogenabhängige an weiterführende und ausstiegsorientierte Hilfeangebote herangeführt werden. Drogenkonsumräume sind daher integraler Bestandteil des örtlichen Drogenhilfesystems.

Spritzenautomaten

Einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Ansteckungsrisiken - insbesondere mit HIV - leistet das Spritzenautomatenprojekt der AIDS-Hilfe NRW. Rund um die Uhr können sich intravenös Drogenabhängige mit sterilen Einmalspritzen, aber auch mit Pflegesets und Kondomen versorgen und zugleich ihre gebrauchten Spritzen entsorgen.
 

Thema Glücksspiel

Der Traum vom großen Geld – was für die allermeisten Menschen eine kleine Alltagsflucht ist, erleben rund 30.000 Glücksspielsüchtige in Nordrhein-Westfalen als ständige Belastung. Roulettekugeln, einarmige Banditen und rotierende Automatenscheiben treten bei ihnen an die Stelle von Familie und Freunden. Das Glücksspiel wird zum Lebensinhalt – zur Sucht. Ein Teufelskreis von Verschuldung und Arbeitslosigkeit beginnt. Deshalb hat Nordrhein-Westfalen die Bekämpfung der Glücksspielsucht zu einem Schwerpunkt der Sucht- und Drogenpolitik gemacht.

"Ich mach das Spiel nicht mit!"

Im Mittelpunkt der Kampagne „Ich mach das Spiel nicht mit!” stehen Maßnahmen zur Prävention der Glücksspielsucht und Beratungs- und Hilfeangeboten für Glücksspielsüchtige und deren Angehörige. Die Bandbreite reicht von niedrigschwelligen Angeboten wie der telefonischen "Hotline Glücksspielsucht" über spezielle Beratungsangebote von Suchtberatungsstellen bis hin zu Angeboten der ambulanten Rehabilitation von Glücksspielsüchtigen.

Die kostenfreie "Hotline Glücksspielsucht" erreichen Sie unter 0800 0 77 66 11

Weiterführende Informationen

Die Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht unterstützt das Gesundheitsministerium NRW bei der Umsetzung glücksspielsuchtspezifischer Maßnahmen. Im Rahmen der landesweiten Koordinations- und Vernetzungsaufgaben leistet sie fachliche Beratung und Unterstützung von Einrichtungsträgern.

Informationen zum Glücksspielrecht – einschließlich der in Nordrhein-Westfalen geltenden Mindestanforderungen an Sozialkonzepte sowie der Ausführungsbestimmungen für Schulungen des Personals von Spielhallen und die Liste der anerkannten Schulungsträger – finden Sie auf der Internetseite des Ministeriums für Inneres und Kommunales NRW:

Glücksspielsucht bei Kindern und Jugendlichen

Eine Studie der Universität Mainz im Auftrag des Ministeriums zeigt, dass mehr als fünf Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen bereits ein problematisches Glücksspielverhalten zeigen.

Der Abschlussbericht der Studie liegt zum Herunterladen vor:

Außerdem hat das Ministerium eine Broschüre für Fachkräfte zum Thema veröffentlicht:
„Konsum von Glücksspielen bei Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen“.

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