Interview Birgit Steuer, Regionalagentur Region Köln

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Interview

"In der Region sind wir die Expertinnen und Experten für die Fördermodalitäten des ESF"

Interview mit Birgit Steuer, Leiterin der Regionalagentur Region Köln, zu den Aktivitäten und Unterstützungsangeboten in der Region

Die Regionalagenturen unterstützen die Kommunen bei der Umsetzung des Programms „Starke Quartiere – starke Menschen“. Birgit Steuer, Leiterin der Regionalagentur Köln, erläutert im Interview Auftrag und Angebot der Regionalagentur. Klar ist: „Unsere Kernkompetenz liegt in der Beratung zum Europäischen Sozialfonds.“

ARBEIT.NRW:

Frau Steuer, die Entwicklung von Projektskizzen, integrierten Handlungskonzepten und Anträgen auf Projektbewilligung ist eine komplexe Angelegenheit. Welche Unterstützung bietet das Land NRW dabei den Kommunen?

Birgit Steuer:

Den Kommunen stehen neben der Bezirksregierung und den Ministerien drei Einrichtungen mit Rat und Tat zur Seite. Da ist zum einen die Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung (FSA). Sie hilft Städten, Gemeinden und Kreisen etwa bei der für das Programm obligatorischen Sozialraumanalyse. Zugleich unterstützt sie die Verantwortlichen, die richtigen Erkenntnisse aus der Analyse der Daten zu ziehen, um Handlungserfordernisse für das jeweilige Quartier zu generieren.

Eine beratende Funktion im Gesamtkonzept des Landesprogramms übernimmt die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.). Sie begleitet die Kommunen bei der Entwicklung eines Integrierten Handlungskonzepts und später bei der Konzeptionierung der Einzelmaßnahmen sowie bei der Antragstellung.

Dritte unterstützende Einrichtung ist die Regionalagentur. Unser Beratungsangebot reicht von der Initiierung über die Planung bis hin zur Umsetzung von Projekten im Kontext des Programms. Was uns charakterisiert: Wir sind nah dran am Geschehen, kennen die Region und sind bestens vertraut mit der sozialen, arbeitsmarktlichen und städtebaulichen Situation vor Ort. Zudem sind wir Expertinnen und Experten für die Fördermodalitäten.

Gerade beim Aufruf „Starke Quartiere – starke Menschen“ müssen ganz unterschiedliche Bereiche wie Soziales, Arbeit, Bauen und Umwelt zusammengedacht werden, denn das Denken in Säulen hat sich überholt. Die Komplexität nimmt also zu. Das kommt auch hier zum Ausdruck, wo gleich drei Förderprogramme der EU miteinander verbunden sind. Hier können die Kommunen von unserem Know-how und unseren Erfahrungen profitieren, wobei unsere Kernkompetenz in der Beratung zum Europäischen Sozialfonds liegt.

ARBEIT.NRW:

Wie sah und sieht die Beteiligung der Regionalagentur im Kontext von „Starke Quartiere – starke Menschen“ konkret im Oberbergischen Kreis aus?

Birgit Steuer:

Schon im Vorfeld des Aufrufs hatten uns die beteiligten Ministerien über den geplanten Aufruf in Kenntnis gesetzt. So konnten wir die relevanten Akteure in den Kommunen, darunter die Landräte, Kreisdirektoren, Bau- und Sozialdezernenten, die Regional- und Sozialplaner sowie die Gleichstellungsbeauftragten frühzeitig über die Pläne informieren und beraten. Dazu haben wir auch in kommunalpolitischen Gremien wie zum Beispiel dem Kreisentwicklungsausschuss referiert und auch unsere Gremien der regionalen arbeitsmarktlichen Akteure genutzt, wie zum Beispiel den Lenkungskreis und den Facharbeitskreis „Arbeitsmarktliche Projekte“.

Neben diesen Informations- und Beratungsgesprächen vor Ort haben wir in der Regionalagentur Beratungskonferenzen zu „Starke Quartiere – starke Menschen“ durchgeführt. Daran nahmen außer dem Arbeitsministerium NRW und der G.I.B. rund 30 Vertreterinnen und Vertreter des Kreises und der Kommune teil. Dazu zählten Expertinnen und Experten aus den Bereichen Soziales und Sozialplanung, Jugend und Gesundheit, Wirtschaft und Beschäftigungsförderung sowie Stadt- und Regionalentwicklung, aber auch Bildung und Schule, Ordnung und Sozialraumkoordination sowie Koordination Bürgerschaftliches Engagement und Kommunales Integrationszentrum.

Ziel war es zunächst, die handelnden Akteure vor Ort mit den programmberatenden und zuständigen Vertreterinnen und Vertretern des Landes zusammenzubringen, um zu informieren, aber auch um offene Fragen zu klären. Das sorgte früh für Planungssicherheit. Zudem konnten die Beteiligten rasch erkennen, welche Chancen konkret für ihre speziellen Herausforderungen in dem neuen Aufruf liegen.

Vorteile für die Kommunen gibt es viele. Da ist zum Beispiel die Möglichkeit der kommunalen Steuerung durch integrierte Handlungskonzepte für Quartiere mit besonderen Problemlagen oder etwa eine Fördermittelquote von bis zu 90 Prozent, was den Kommunen in Anbetracht knapper werdender Haushaltsmittel hinsichtlich der freiwilligen Leistungen mehr Handlungs- und Gestaltungsspielraum gibt. Das und anderes mehr stärkt die sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen sowie die Menschen im Quartier. Hervorzuheben ist, dass der Oberbergische Kreis im Rahmen der Kreis- und Regionalentwicklung eine zusätzliche halbe Stelle eingerichtet hat, besetzt mit einer Person, die eine koordinierende Funktion übernimmt und mit der ich eng kooperiere.

ARBEIT.NRW:

Wie sieht die weitere Unterstützung Ihrer Regionalagentur für den Oberbergischen Kreis in diesem Handlungsfeld aus?

Birgit Steuer:

Nach der anstehenden Bürgerversammlung werden wir uns zusammen mit den verantwortlichen Akteuren vor Ort genauer ansehen, welche Fortschritte die Sozialraumanalyse macht, wie das Integrierte Handlungskonzept aussehen sollte und welche Fragen hinsichtlich der Finanzierung zu klären sind. Später dann werden wir gemeinsam mit der G.I.B. an den Statusgesprächen zum weiteren Projektverlauf beteiligt sein.

Speziell unsere Regionalagentur ist für insgesamt fünf Teilregionen in der Gesamtregion Köln zuständig. So begleiten wir zum Beispiel die Stadt Köln in diesem Zusammenhang schon von Beginn an. Wir können den Kommunen klar machen, dass eine gute Vorbereitung die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Anträge bewilligt werden, aber auch, dass die Verfahren beschleunigt werden, wenn nicht erst noch mal nachjustiert werden muss. Dazu wollen wir unseren Beitrag leisten. „Starke Quartiere – starke Menschen“ zeichnet sich übrigens auch dadurch aus, dass die Kommunen sich auch direkt an das Ministerium wenden können. Es bleibt zu hoffen, dass sie das außergewöhnliche Angebot auch in Anspruch nehmen.