Jugendliche im Übergang zwischen Schule und Arbeitswelt - Fachtagung

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Foto: Teilnehmende der Veranstaltung

Vielfältige Lebens- und Arbeitswelten von jungen Menschen.

Kooperationsveranstaltung der Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland und dem Kreis Soest zum Übergangssystem Schule-Beruf, Erkenntnisse der Sinus-Jugendstudie 2016

Welche Erkenntnisse und Empfehlungen liefern die aktuelle SINUS-Jugendstudie und der Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung, um den Übergang von der Schule in den Beruf zielführend zu gestalten? Zum Thema veranstaltete die Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland eine gut besuchte Fachtagung. Bericht mit Fotogalerie und Interview mit Regionalagentur und Kommunaler Koordinierung.

Die Fachtagung "Jugendliche im Übergang zwischen Schule und Arbeitswelt" fand am 22. Juni 2017 in Soest statt. Rund 230 Personen nahmen an der Kooperationsveranstaltung der Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland zusammen mit dem Kreis Soest teil.

Die Berufswahl ist für alle Jugendliche nach Abschluss der allgemeinbildenden Schule eine große Herausforderung. Unterstützung finden sie im landesweiten, verbindlichen Übergangssystem Schule – Beruf. "Kein Abschluss ohne Anschluss" lautet hier die Devise.

Seit dem Schuljahr 2016/17 gibt es auch im Kreis Soest für alle Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8 eine systematische Berufs- und Studienorientierung. Für die Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland und den Kreis Soest, bei dem die kommunale Koordinierungsstelle des Landesvorhabens angesiedelt ist, war das der Anlass, eine Fachtagung zum Thema zu organisieren: "Jugendliche im Übergang zwischen Schule und Arbeitswelt". Mitorganisiert wurde sie von den örtlichen Jugendämtern und dem Kreisjugendamt.

Attraktivität steigern

"Erreichen wir mit unseren Angeboten und Maßnahmen überhaupt die Zielgruppen?", fragte Maria Schulte-Kellinghaus, Dezernentin für Jugend, Schule und Gesundheit des Kreises Soest, gleich zu Beginn ihrer Begrüßungsrede selbstkritisch, und: "Fühlen sich die Jugendlichen damit angesprochen?"

Aufklärung versprach hier eine Studie des SINUS-Instituts: "Wie ticken Jugendliche? Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland".

Dr. Gabriele Schambach von der SINUS:akademie stellte zunächst die zentralen Ergebnisse der Untersuchung vor. Gleich mehrere Facetten der Alltagswirklichkeit wie etwa die soziale Lage der Jugendlichen hatten die Forscher in den Blick genommen, dazu deren Werte, Interessen und Lebensstile. Sieben unterschiedliche Lebenswelt-Modelle hatte SINUS so ausgemacht: Konservativ-Bürgerliche, Prekäre, materialistische Hedonisten, Adaptiv-Pragmatische, Sozialökologische, experimentalistische Hedonisten und Expeditive.

Zur Illustration hier nur zwei Beispiele, die zeigen, mit welch unterschiedlichen Einstellungen Jugendliche der verschiedenen Lebenswelten der Arbeitswelt begegnen. Die Konservativ-Bürgerlichen etwa stehen allem Neuen eher skeptisch-abwartend gegenüber. Sie erwarten vor allem Sicherheit. Entsprechend ist eine Beamtenlaufbahn bei ihnen beliebt. Über neue Ausbildungsberufe, die ebenfalls Sicherheit versprechen, sind sie jedoch meist nicht informiert. Ganz anders die Expeditiven. "Sie", so Dr. Gabriele Schambach, "suchen nach neuen Grenzen und unkonventionellen Erfahrungen. Sie wollen Karriere machen und heißen die Wettbewerbsgesellschaft gut".

So differenziert die Lebenswelten der Jugendlichen sind, folgerte die Referentin, so unterschiedlich sollten auch die Anspracheformen sein, mit denen Unternehmen in diesen Gruppen um Auszubildende werben. Hilfreich ist hier eine Zielgruppenstudie des SINUS-Instituts für die Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg: "Azubis gewinnen und fördern". Die Untersuchung weist präzise Handlungsempfehlungen auf, die sich auch auf die Arbeitsgestaltung beziehen: „mit weichen Faktoren die Attraktivität steigern“ heißt es da zum Beispiel oder "abwechslungsreiche Aufgaben offerieren".

Angesprochen, aber nicht abschließend geklärt wurde nach dem Vortrag etwa die Frage, inwieweit die Erkenntnisse der Studien relevant sind für eine Modifizierung von Potenzialanalysen in Klasse 8 im Rahmen von "Kein Abschluss ohne Anschluss" beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Jugendbegriff erweitern

Ein aktuelles Bild der Lebenslagen und des Alltagshandelns Jugendlicher und junger Erwachsener zeichnete auch der Vortrag von Prof. Klaus Schäfer. Er berichtete über die Ergebnisse des von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen 15. Kinder- und Jugendberichts.

Von den vielen Handlungsempfehlungen der Studie hier stellvertretend nur eine von weitreichender Bedeutung: Weil das Eintrittsalter von Jugendlichen in den Beruf sich im Zeitverlauf um Jahre verschoben hat, plädiert sie dafür, den Begriff "Jugend" weiter zu fassen als bisher und auch junge Menschen einzubeziehen, die bereits 27 oder 28 Jahre alt sind.

Beispielhaft dafür steht Jugend in Arbeit plus. Ziel des NRW-Landesprogramms ist, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich mit  dem Jobeinstieg besonders schwer tun, in eine passgenaue sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln. Koordiniert wird die deutschlandweit einzigartige Initiative in den einzelnen Regionen von der jeweiligen Regionalagentur.

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