Praktische Beispiele für eine gute Ausbildung
Die Ausbildungszeit spielt eine entscheidende Rolle für die weitere individuelle (Karrie-re)Entwicklung
Es müssen insbesondere auch die Prozesse bereits vor dem Ausbildungsbeginn in den Blick genommen werden - so bspw. das Onboarding.
Ein weiteres grundlegendes Ziel der AG 2 „gute Ausbildung“ ist es, bereits bestehende Strukturen und Prozesse zu zentralisieren, damit sie berufsübergreifend und effektiver genutzt werden können.
Darüber hinaus soll das Selbstverständnis von Ausbildung als gemeinsame Team-Aufgabe „reaktiviert“ und die Ausbildung in den betrieblichen Fokus gerückt werden.
Auch das Thema Praxisanleitung wird im Hinblick auf die heterogenen Ausbildungsbedingungen aufgegriffen.
Damit Versorgung, Betreuung und Begleitung im Gesundheitswesen zukünftig sichergestellt werden können, wird eine ausreichende Anzahl an qualifizierten Beschäftigten in diesem Sektor benötigt. Um den Versorgungsbedarf zu decken, müssen die zukünftigen Fachkräfte gut ausgebildet sein, damit sie einen erfolgreichen Start ins Berufsleben haben und dort dauerhaft tätig sein wollen.
Mittel- bis langfristig wird jede Einrichtung sowie die Gesellschaft von gut ausgebildetem Personal profitieren. Dabei gilt zu beachten, dass gute Ausbildung nicht erst am ersten Ausbildungstag beginnt und alle an der Ausbildung Beteiligten ihren Beitrag dazu leisten, gute Ausbildungsbedingungen sicherzustellen. Den Praxisanleitungen bzw. die Mentorinnen und Mentoren kommen dabei eine besondere Bedeutung zu.
Gute Ausbildung bedeutet auch, dass die entsprechenden Ressourcen bereitgestellt werden müssen. In den diversen Berufsgruppen gelten hierfür sehr unterschiedliche rechtlichen Vorgaben, auch was die Refinanzierung betrifft (z. B. ausbildungsbegleitende Maßnahmen, Praxisanleitung).
Die Akteurinnen und Akteure im Zukunftsbündnis Pflege-, Betreuungs- und Gesundheitsfachberufe des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS NRW) haben daher für Praxiseinrichtungen Eckpunkte und weitergehende konkrete Ansätze zusammengestellt, die als Basis für gute Ausbildungsbedingungen aufgefasst werden können.
Die Kriterien und Eckpunkte können Sie unter folgendem Link downloaden.
Im Ausbildungskontext ist die reine Wissensvermittlung der Befähigung zum selbstgesteuerten und selbstorganisierten Lernen gewichen. Die Kompetenzentwicklung zum selbstständigen Aneignen, Reflektieren und Bewerten von Lerninhalten und Wissen spielt eine immer größere Rolle.
Allerdings stehen viele Lernende, insbesondere zu Beginn der Ausbildung, vor der großen Herausforderung, ihren bisherigen Lernprozess und bekannte Lernstrategien anpassen zu müssen.
Zudem sind sie – beruflich wie auch privat – oftmals starken, emotionalen und ethisch belastenden Situationen ausgesetzt. Während der Ausbildung können somit zunehmende Probleme und Widerstände entstehen, die die Lernenden beeinträchtigen und das Lernen blockieren können.
Diese Entwicklungen führten an der Pflegeschule Bocholt dazu, ein Konzept zu entwickeln, das die Lernberatung und Lernbegleitung an der Pflegeschule stärkt. Im Zentrum stand, entsprechende Situationen frühzeitig zu erkennen und die Lernenden auf dem Weg der Ausbildung passgenauer begleiten zu können. Ausbildungsabbrüche und Ausfälle während der Ausbildung sollten gezielter adressiert werden. Über diese direkte Arbeit mit den Auszubildenden hinaus, stehen die Beraterinnen und Berater eng im Austausch mit dem gesamten Lehrerteam, aber auch mit Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter, um einen möglichen Bedarf frühzeitig zu erkennen. Dabei ist von großer Bedeutung, dass die Teilnahme an Beratung oder inhaltlicher Lernförderung auf freiwilliger Basis stattfindet und nicht erzwungen, bzw. gefordert werden kann. Weiterhin koordinieren die Berater*innen die Zusammenarbeit mit außerschulischen Akteuren (wie der Kreishandwerkerschaft, Sprachschulen, Betriebsarzt) und stellen den Kontakt her.
Zu Beginn des Jahres 2025 wurde daher in der Schule mit dem Lernkompass ein Konzept implementiert, das die Begleitung der Auszubildenden verstärkt fokussiert und Zuständigkeiten differenziert.
Die enge Begleitung der Auszubildenden in allen Lebenslagen ist ein zentrales Anliegen am Alexianer Bildungszentrum Gesundheit und Soziales in Münster. Daher wurden zu Beginn des Jahres 2022 Schulsozialcoaching und Lerncoaching etabliert und agieren eng verzahnt miteinander.
Alexandra Jasper ist Schulsozialcoachin und sie ist bei allen Problemen vor Ort. Von der Beratung bei finanziellen Sorgen und Behördengängen bis hin zur Unterstützung bei administrativen und organisatorischen Fragen. Die Informationen und Themen werden vertraulich behandelt, da die Schulsozialcoachin unabhängig von Lehrerinnen und Lehrern sowie Schulleitung ist.
Lerncoachin Martina Harking ist Ansprechpartnerin, wenn es um Fragen rund um das Lernen geht. Denn mitunter gibt es Störungen in der zwischenmenschlichen Interaktion, Prüfungsängste oder Entscheidungskonflikte, die das Lernen behindern.
Auszubildende des Bildungszentrums haben die Möglichkeit, Supervision und Coaching in Anspruch nehmen, um den Lernprozess erfolgsversprechend zu gestalten. Dieses Angebot ist kostenlos und beruht auf den Prinzipien der Freiwilligkeit und Vertraulichkeit. In Einzel- oder Gruppensettings wird an den persönlichen Themen gearbeitet.
Weitergehende Informationen können der Präsentation von Frau Jasper und Frau Harking entnommen werden.
Das Universitätsklinikum in Münster (UKM) stellt einige Best-Practice-Beispiele zur Ausbildung neuen Pflegefachpersonals vor:
Welche Aufgaben hat das Team Praxisanleitung in der Pflege?
Die Praxisanleitung in der praktischen Pflegeausbildung braucht feste Strukturen, verlässliche Prozesse und ein gemeinsames Bildungsverständnis über alle beteiligten Bereiche hinweg. Um dieser Philosophie auch unter den Anforderungen des Pflegeberufegesetzes und den Rahmenbedingungen der stationären Akutpflege gerecht zu werden, wurde im Jahr 2021 die Praxisanleitung am Universitätsklinikum Münster (UKM) im Geschäftsbereich Pflegeentwicklung als eigenständige Abteilung neu organisiert und die Vernetzung aller an der Pflegeausbildung Beteiligen auf diese Weise optimiert.
Ziel der Neuorganisation der Praxisanleitung war die Entwicklung und Implementierung eines einheitlichen Konzepts zur zentralen Organisation und Durchführung von Praxisanleitung – von Beginn der Ausbildung bis zum Examen. Das PASE Konzept (Praxisanleitende im System mitdenken) basiert auf einem kollaborativen Arbeitsmodell, bei dem alle relevanten Stakeholder der Ausbildungsträger und Settings beteiligt sind. Die Praxisanleitung erfolgt kompetenzorientiert nach dem Anleitungsprozess nach Mamerow und berücksichtigt sowohl den Ausbildungsplan als auch die individuellen Lernbedarfe der Auszubildenden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem bereichsübergreifenden und flexiblen Denken – sowohl innerhalb der Stationen als auch im Zusammenspiel von Theorie und Praxis. Dadurch entsteht ein gemeinsames Bildungsverständnis, das nachhaltig zur Qualitätssicherung beiträgt.
Zu den Kernmaßnahmen gehören:
- Aufbau einer abteilungsübergreifenden Netzwerkstruktur mit definierten Aufgabenprofilen
- Zentrale Koordination und Dienstplanung der Bereichspraxisanleitenden (BPA) durch die Koordinatoren der Praxisanleitung (KoPA)
- Verankerung der Anleitung im Dienstplan mit gesicherter Freistellung
- Einführung verbindlicher Besprechungs-, Reflexions- und Planungsformate
- Schaffung räumlicher Ressourcen für Anleitung und Lernbegleitung
Die Bereichspraxisanleitenden (BPAs) führen unter anderem individuelle Lernstanderhebungen, Einsatzgespräche, Praxisanleitungen nach dem SAFE-Konzept, Praxisbesuche und Prüfungsabnahmen durch. Auch die aktive Mitwirkung an Simulations- und Skills-Trainings sowie an der Gestaltung praxisnaher Unterrichtskonzepte wie IpUK (Interprofessionelles Unterrichtskonzept) und MoPuK (Monoprofessionelles Unterrichtskonzept) gehört zum Aufgabenprofil, ebenso die Begleitung der praktischen Kenntnisprüfungen der internationalen Pflegefachpersonen in Zusammenarbeit mit den Berufspädagogen und Berufspädagoginnen der Abteilung für internationale Fachkräfte.
Dadurch sind am UKM erstmalig ein eigenes Team der Praxisanleitenden sowie einheitliche Strukturen innerhalb einer eigenen Abteilung entstanden. Die Abteilung ist organisatorisch in fünf Koordinationsbereiche aufgeteilt. Den einzelnen Koordinationsbereichen sind die Bereichspraxisanleitenden anteilig ihrer Stellenanteile zugeordnet. Die Dienstplansicherheit sowie die damit verbindlich stattfindenden Praxisanleitungen bilden mittlerweile eine sehr gute Basis der Sicherstellung der Praxisanleitung, die inhaltliche Ausgestaltung und Umsetzung der geplanten Praxisanleitungen wird nach dem SAFE Konzept umgesetzt. Seit der Gründung Ende 2021 und dem Start der Koordination im April 2022 zeigt: Die Etablierung einer zentralen Praxisanleitungsabteilung im Geschäftsbereich Pflegeentwicklung mit systemisch durchdachten Prozessen und Rollenprofilen führt zu mehr Verbindlichkeit, Sicherheit und Transparenz – in der praktischen Ausbildung ebenso wie im Arbeitsalltag der Pflege.
Weitere Informationen zum Team Praxisanleitung erhalten Sie auf der Internetseite des Uni-versitätsklinikum Münster (UKM) und kann hier abgerufen werden.
Das Quali4Care-Programm bietet neuen Mitarbeitenden in der Pflege eine ideale Ergänzung zur Einarbeitung durch Kolleginnen und Kollegen auf der Station
Das Qualifizierungsprogramm Quali4Care ist Ende 2024 am Universitätsklinikum Münster als fester Bestandteil der Abteilung für Praxisanleitung im Geschäftsbereich Pflegeentwicklung etabliert worden. Es bietet neuen Mitarbeitenden in der Pflege eine ideale Ergänzung zur bestehenden Einarbeitung in Form eines zentral gesteuerten betrieblichen Lernangebotes. Ziel des Quali4Care-Programms ist es, die neuen Kolleginnen und Kollegen im Pflegeberuf, besonders zum Berufsstart, aber auch zum Wiedereinstieg, optimal auf die komplexen Anforderungen des (neuen) Arbeitsumfeldes in der universitären Pflege und ihre verantwortungsvolle Rolle vorzubereiten und dadurch eine umfassende Wissens- und Kompetenzentwicklung und Karriereentwicklung sicherzustellen.
Das Programm Quali4Care ist ein Qualifizierungsprogramm für neue Pflegefachpersonen am Universitätsklinikum Münster.
Es unterstützt alle neuen Pflegefachpersonen in der beruflichen Entwicklung in ihrem neuen Aufgabenfeld und im Aufbau ihrer Fachexpertise.
Quali4Care unterteilt sich in unterschiedliche Settings der Kompetenzerweiterung:
- Stationäre Akutpflege
- Pädiatrie
- Psychiatrie
- ICU
Die Kernelemente des Quali4Care Programms sind:
- Individuelle Begleitung: Ein persönlicher Quali4Care-Lernkatalog sorgt dafür, dass zusätzlich zu der regelhaften Einarbeitung die individuellen Bedürfnisse und Vorkenntnisse sowie Lernbedarfe erfasst und entwickelt werden. Die Lernstandsanalyse und Bedarfserhebung findet im ersten Jahr während der Profilgespräche statt, ungefähr alle drei bis vier Monate.
- Modularer Aufbau: Flexibel gestaltete Inhalte decken alle relevanten Themen ab – von allgemeinen klinisch-pflegerischen Grundlagen bis hin zu tätigkeitsortspezifischen pflegerischen Herausforderungen, um einen spiralförmigen Kompetenzaufbau zu gewährleisten.
- Praxisnahe Wissensvermittlung: Das Programm umfasst bis zu 19 zentral gesteuerte Fortbildungstage, die über das erste Jahr als Pflegefachperson verteilt werden, um das Gelernte direkt in den Arbeitsalltag zu integrieren. Hierbei handelt es sich sowohl um Praxis- oder Theorietage.
- Flexibler Einstieg: Unabhängig vom Tätigkeitsbeginn ist ein Einstieg in das Quali4Care jederzeit möglich und es kann nach individuellem Tempo absolviert werden. Die Planung der jeweiligen Lernformate steuert der jeweilig neue Mitarbeitende gemeinsam mit der dienstplanverantwortlichen Person zusammen.
Der individuelle Lernkatalog wird gemeinsam mit den Mitarbeitenden und der zuständigen Leitung abgestimmt, die Planung erfolgt über die Quali4Care Koordinatorinnen und Koordinatoren. Diese sind darüber hinaus zuständig für die Evaluation, die gesamte Planung und Organisation sowie die bedürfnisorientieren Anpassungen im fortlaufenden Prozess.
Weiter Informationen zum Quali4Care Programms erhalten Sie auf der Internetseite des Universitätsklinikum Münster (UKM) und kann hier abgerufen werden.
Das Universitätsklinikum Münster informiert:
Im Team der Abteilung Praxisanleitung & Quali4Care am UKM entstand der Wunsch, die Umsetzung des Ausbildungsplans besser zu strukturieren und eine einheitliche Vorgehensweise in der Anleitung für alle Bereichspraxisanleitenden festzulegen.
Daraus entstand das SAFE-Konzept (SAFE = Strukturierte Pflegeausbildung und Anleitung für alle Beteiligte). Zentrales Ziel des Konzepts: Durch klare Strukturen eine Sicherheit in der Organisation und Durchführung von Praxisanleitungen zu bieten.
Ein wesentliches Kernelement ist die Etablierung wiederkehrender, definierter Anleitungstage, die eine verlässliche und planbare Struktur in der praktischen Ausbildung schaffen. Zudem umfasst das Konzept klare Zielsetzungen und vorgeplante Tagesstrukturen, welche nicht nur die Anleitungseinheiten, sondern auch die notwendigen Vor- und Nachbereitungszeiten für Praxisanleitende und Auszubildende berücksichtigt, um eine nachhaltige und effektive Lernbegleitung zu gewährleisten. Ergänzend dazu wurden für jeden Anleitungstag festgelegte Themenschwerpunkte definiert, die auf bestehenden Handreichungen des Ausbildungsplanes basieren und sicherstellen, dass alle relevanten Inhalte systematisch und umfassend vermittelt werden.
Kernelemente des SAFE-Konzepts mit hohem Wiedererkennungswert
Für die 1:1 Anleitungen wurden zwei und für die 1:5 Anleitungen drei Tagesstrukturen entwickelt, sodass jeder Einsatz und damit die gesamte Ausbildung mit insgesamt fünf wiederkehrenden Tagesstrukturen bzw. Elementen aufgebaut ist.
Für die 1:1-Anleitungen:
DOC = Day of Care: Die Auszubildenden begleiten ihren Praxisanleitenden bei der pflegerischen Versorgung eines Patienten bzw. einer Patientengruppe mit allen anfallenden Aufgaben.
DIY = Do it yourself: Die Rollen von Auszubildenden und Praxisanleitenden werden getauscht, sodass Auszubildende entsprechend der individuellen Kompetenzen Verantwortung bei der Versorgung einer Patientengruppe im Rahmen des Pflegeprozesses übernehmen.
Für die 1:5-Anleitungen:
Mix it: Die Auszubildenden können die Module an diesem Praxisanleitungs-Tag nach den individuellen Lernbedarfen mixen, daher der Titel des Tages „Mix it!“.
All inclusive: Diese Tage beinhalten zentrale, wiederkehrende Elemente und Strukturen der praktischen Pflegeausbildung. Im Kern geht es darum, verschiedene Perspektiven zu beleuchten: Die Perspektive des Arbeitgebers UKM, die Patientenperspektiven sowie die Perspektive als Pflegefachperson.
VIP = Very important Pflegediagnostik: Diese Tage stellen die Wichtigkeit der Pflegediagnostik im Rahmen des Pflegeprozesses dar. Inhaltlich wird anhand von ausgewählten Patienten der Einsatzstation des jeweiligen Auszubildenden der Prozess des Diagnostizierens geübt.
Für die 1:1 Anleitungen wurden zwei und für die 1:5 Anleitungen drei Praxisanleitertage mit Themenfeldern entwickelt, sodass jeder Einsatz und damit die gesamte Ausbildung mit insgesamt fünf wiederkehrenden Tagesstrukturen bzw. Elementen aufgebaut ist.
Literatur:
Icking, L., Bartelt, K. (2025). Strukturiert ausbilden – SAFE in der Praxisanleitung. Heilberufe: 05/25, 27-29.
Das Universitätsklinikum Münster informiert:
Das interprofessionelle Unterrichtskonzept (ipUK) ist ein Pilotprojekt, in dem Auszubildende in der Pflege und Medizinstudierende im Praktischen Jahr gemeinsam lernen
Innerhalb der Klinik für Allgemein‑, Viszeral‑ und Transplantationschirurgie wurde bereits im Jahr 2019 die Planung einer interdisziplinären Ausbildungsstation initiiert. Nach einer zweijährigen Pilotphase wurde das interprofessionelle Unterrichtskonzept „IpUK“ im Januar 2024 in den Regelbetrieb überführt.
Schon die Evaluation der Pilotphase konnten signifikante Fortschritte in den Bereichen Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und persönlicher Entwicklung dokumentiert werden. In einer erweiterten Evaluierung seit Januar 2025 können nun auch tiefgehende Einblicke in die Bereiche des Kompetenzerwerbs, Transferleistungen und langfristiger Verankerung interprofessioneller Handlungsmuster ausgewertet werden.
Die mittelfristige Ausweitung von ipUK auf weitere Fachkliniken und Funktionsbereiche bildet einen zentralen Baustein der strategischen Personalentwicklung am UKM. Denkbar ist die Integration des Konzepts z.B. in Bereiche wie Innere Medizin, Kinderchirurgie und Intensivpflege.
Pro Zyklus durchlaufen jeweils zwei Auszubildende zur Pflegefachperson und zwei Medizinstudierende im praktischen Jahr die Ausbildungsstation, um Versorgungsprozesse praktisch zu erlernen. Die Gestaltung fördert gezielt kooperative Handlungskompetenzen.
Ein zentrales Lernziel von ipUK ist die Förderung eines vertieften Berufsverständnisses sowie einer gegenseitigen Wertschätzung zwischen ärztlichem und pflegerischem Personal.
Durch strukturierte Teamreflexionen werden Kommunikation und Entscheidungsprozesse analysiert und optimiert.
Pflegerische Praxisanleiter und ein lehrbeauftragter Oberarzt begleiten die Teilnehmenden kontinuierlich, initiieren individuelle Lernsituationen und unterstützen die Entwicklung eigenverantwortlichen Handelns.
Weitere Informationen zum Projekt ipUK erhalten Sie auf der Internetseite des Universitätsklinikum Münster (UKM) und kann hier abgerufen werden.
Der Freiwilligendienst in der Pflege brachte Gewissheit
Goch. Er arbeitet gerne in der Pflege: Simon Janßen brachte das Freiwillige Jahr in der Tagespflege der Diakonie Gewissheit für den beruflichen Weg. 2023 begann der heute 20-Jährige nach seinem Abitur erstmal mit einem Jahr im Freiwilligendienst, um sich auszuprobieren. In der Tagespflege der Diakonie an der Parkstraße in Goch lernte er die Betreuung älterer Menschen und Gesundheitspflege als möglichen Berufszweig kennen. „Ich schaue nun anders auf pflegebedürftige Menschen“, sagt er. Das heißt zum Beispiel, dass er Pflegebedürftigen nicht automatisch bei allem hilft und ihnen alles abnimmt, was ein natürlicher Impuls bei vielen sei. „Ressourcenorientiert können und wollen sie manches noch selbst schaffen“, ist Janßens Erfahrung.
Das Jahr im Freiwilligendienst half Janßen dabei, eine berufliche Entscheidung zu treffen. „Die Zusammenarbeit mit und die Betreuung von den Tagespflegegästen hat mir sehr gefallen.“ Bei einem Einführungsseminar der Diakonie in Kaiserswerth hörte Janßen davon, dass es im Bereich Pflege Studiengänge gibt. „Ich fand es toll, dass der Diakonie-Geschäftsführer auf mich zukam und fragte, ob ein Studium etwas für mich wäre.“ Gefragt getan, seit Oktober studiert Janßen nun Gesundheit und Pflege mit dem Ziel Bachelorabschluss. „Danach kann ich mir vorstellen, auch den Master noch zu machen und im Pflegemanagement oder in einer anderen Spezialisierung der Pflege tätig zu sein.“ Zurzeit sei im Bereich Gesundheit und Pflege ja sehr viel in Bewegung, sagt der Gocher. Die große ausstehende Pflegereform, das Pflegekompetenzgesetz, um ein paar Sachen zu nennen.
Die Ausbildung an der Fliedner-Fachhochschule Düsseldorf ist dual aufgebaut, Janßen arbeitet also parallel weiter bei der Diakonie mit. „Ich mag es, dass jeder Tag anders ist, aber immer eine vorgegebene Struktur hat.“ Seit Janßen bei der Diakonie ist, hat sich mit der Zeit ein großer Respekt älteren Menschen gegenüber entwickelt, „unabhängig von den Einschränkungen, die Menschen haben.“ Menschen seien dankbar für seinen Dienst: „Ich habe das Gefühl, manche sind dankbar, weil ich früh morgens für sie aufgestanden bin.“ Im Bekanntenkreis trauten sich viele keinen Pflegejob zu, meint Janßen. „Sie finden es aber total gut, dass ich es mache.“
Info Studium Pflege:
https://www.fliedner-fachhochschule.de/pflege-studieren/
Schulsozialarbeit als stabilisierendes Element in der Pflegeausbildung
Best-Practice-Beispiel für erfolgreiche Begleitung und Unterstützung von Auszubildenden
Die Schulsozialarbeit an der Schule für Pflegefachberufe der Uniklinik Köln hat sich als wertvolle und wirksame Unterstützung für Auszubildende etabliert.
Der Einstieg in den Beruf bedeutet für viele junge Menschen eine Zeit des Umbruchs: neue Anforderungen, ein herausforderndes Lernumfeld und oftmals eine hohe psychische und soziale Belastung. Gerade in diesem sensiblen Lebensabschnitt ist es entscheidend, professionelle Unterstützung anbieten zu können – niedrigschwellig, vertraulich und bedarfsorientiert.
Schulsozialarbeit bietet ein umfassendes Unterstützungsangebot:
- Beratung bei Lernproblemen, Prüfungsängsten und psychischer Belastung
- Vermittlung in Konfliktsituationen innerhalb des Kurses oder im Praxisfeld
- Hilfestellung bei Anträgen, Behördenkontakten oder finanziellen Sorgen
- Unterstützung bei persönlichen Krisen, familiären Belastungen oder sozialen Konflikten
- Krisenintervention in akuten Notlagen oder nach traumatischen Erlebnissen
Erfolgsfaktor mit Systemrelevanz
Die feste Verankerung der Schulsozialarbeit im Ausbildungsalltag stärkt die Resilienz der Auszubildenden, senkt Ausbildungsabbrüche und fördert den langfristigen Verbleib im Pflegeberuf. Durch die enge Zusammenarbeit mit Lehrkräften, Praxisanleitungen und anderen Beratungsstellen entsteht ein tragfähiges Netz, das Auszubildende in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung begleitet.
Gute Praxis – einfach übertragbar
Das Konzept der Schulsozialarbeit lässt sich unkompliziert an anderen Pflegeschulen und Ausbildungseinrichtungen implementieren. Mit klaren Strukturen, festen Ansprechzeiten (z. B. werktags von 09:00 bis 15:00 Uhr) und einer offenen Beratungskultur können auch andere Einrichtungen von den positiven Effekten profitieren.
Fazit:
Schulsozialarbeit ist mehr als ein unterstützendes Zusatzangebot – sie ist ein zentraler Baustein einer gelingenden Pflegeausbildung und ein nachhaltiges Modell für Ausbildungsstabilität und Fachkräftesicherung im Gesundheitswesen.