Digitalisierung mit der Potentialberatung gestalten

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Digitalisierung und Arbeit 4.0: Technologieberatung und Organisationsentwicklung zusammendenken

4. Informations- und Erfahrungsaustausch zum ESF-geförderten Programm Potentialberatung in Essen

Immer stärker prägt die Digitalisierung die Arbeitswelt. Die ESF-geförderte Potentialberatung bringt Technologieberatung mit Organisations- und Personalentwicklung zusammen und ist ein bewährtes Angebot, damit Unternehmen und ihre Beschäftigen erfolgreich arbeiten können. Wie das in Zeiten der digitalen Transformation gelingen kann, diskutierten beim 4. Erfahrungsaustausch in Essen die Beratungsstellen zur Potentialberatung.

4. Informations- und Erfahrungsaustausch zum Förderprogramm Potentialberatung in Essen

Die Potentialberatung ist ein bewährtes, mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziertes Förderangebot des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit ihr unterstützt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Unternehmen und ihre Beschäftigten, erfolgreich zu arbeiten - auch in Zeiten der digitalen Transformation. Wie das am besten gelingt, war Thema beim 4. Informations- und Erfahrungsaustausch der Beratungsstellen zum Förderprogramm Potentialberatung am 19. November 2019 in Essen.

Immer stärker prägt die Digitalisierung die Arbeitswelt. Bei deren Gestaltung aber kommt es darauf an, nicht nur die technische Seite zu betrachten, sondern auch die humane: „Die Menschen müssen mitgenommen werden bei der digitalen Transformation! “ Das sagte Peter Schäffer, Abteilungsleiter der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.), in seiner Begrüßungsrede vor den rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus den unterschiedlichen Beratungsstellen zur Potentialberatung.

„Die Potentialberatung bleibt auch in einer digitalisierten Arbeitswelt ein Evergreen!“

„Menschen mitnehmen“ heißt: Beschäftigte an der Gestaltung betrieblicher Veränderungsprozesse beteiligen. Genau das ist ein unverzichtbares Kernelement der Potentialberatung. So konstant die Beteiligung der Beschäftigten bei der Potentialberatung ist - die Einsatzmöglichkeiten des Instruments sind enorm flexibel. Darauf wies Dr. Wiebke Lang vom Ministerium für Arbeit und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen in ihrem Einführungsvortrag hin.

So eignet sich die Potentialberatung hervorragend bei anstehenden Digitalisierungsprozessen. Sie garantiert ein ganzheitliches, sozio-technisches Verständnis von Digitalisierung, das soziale, betriebliche und technische Aspekte verbindet, also Technologieberatung sowie Organisations- und Personalentwicklung zusammendenkt.

Wegen ihrer erfolgreichen Wirkung ist die Potentialberatung sowohl im Koalitionsvertrag der Landesregierung wie auch in der Digitalisierungsstrategie des Landes als Förderinstrument festgeschrieben. Dort wird als Ziel angestrebt, dass ungefähr ein Drittel der Beratungen Digitalisierung zum Gegenstand haben sollen. Im kommenden Jahr ist zudem eine Richtlinienänderung vorgesehen, insbesondere um das Zusammenspiel mit dem Bundesprogramm UnternehmensWert:Mensch besser zu regeln. „Die Potentialberatung“, versicherte Wiebke Lang, „bleibt jedenfalls auch in einer digitalisierten Arbeitswelt ein Evergreen!“

Geplant ist zudem eine Evaluation der Potentialberatung. Deren Ergebnisse könnten dazu beitragen, „das Instrument zu modernisieren, damit wir weiterhin für bessere Arbeit in Nordrhein-Westfalen sorgen können.“

„Paradigmenwechsel in der Arbeitskultur“

Wie sich die Belastungen in einer digitalisierten Arbeitswelt ändern, dazu referierte Dr. Peter Krauss-Hoffmann vom Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA NRW). Zunächst jedoch konstatierte er einen „Paradigmenwechsel in der Arbeitskultur“: Sowohl Arbeitsort wie auch Arbeitszeit werden flexibler; Netzwerke lösen Betriebshierarchien ab; nicht Anweisung und Kontrolle, sondern Vertrauen und selbstregulierte Arbeit bestimmen das Führungskonzept.

Laut einer Beschäftigtenbefragung des Landesinstituts ergeben Zeitdruck und Multitasking, das Arbeiten mit Computern, Umstrukturierungsmaßnahmen und Routineaufgaben sowie körperliche und soziale Beanspruchungen ein „multifaktorielles Belastungsgefüge“.

Spannend ist vor allem ein Befragungsergebnis: Als die mit Abstand intensivste Belastung und Beanspruchung bezeichnen die Beschäftigten aller Branchen die Arbeitsorganisation - Hinweis auf die Bedeutung der „Potentialberatungs-Philosophie“, wonach bei technologischen Veränderungen immer auch die Organisationsentwicklung in den Blick zu nehmen ist.  

Ein Fazit des LIA-Mitarbeiters: Alten Belastungen wie zum Beispiel Muskel-Skelett-Erkrankungen und neuen Belastungen wie etwa die Zunahme psychischer Belastungen durch Digitalisierung ist mit verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen der Prävention und Arbeitsgestaltung entgegenzuwirken.

Innovations- und Technologieberatung sowie Fördermöglichkeiten

Dr. Mark Kaspers vom Zentrum für Innovation und Technik in Nordrhein-Westfalen, kurz ZENIT GmbH, empfahl in seinem Vortrag auch kleinen und mittleren Unternehmen intensives „Technologie-Scouting“, also eine strukturierte Beobachtung und damit das frühzeitige Erkennen technologischer Entwicklungen und ihrer Potentiale.

Nur dann lassen sich Fehleinschätzungen vermeiden wie etwa die des damaligen IBM-Chefs Thomas Watson, der 1943 prognostizierte, „dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.“ Hilfreich kann dabei die vom Land Nordrhein-Westfalen mitfinanzierte Innovations- und Technologieberatung der ZENIT GmbH sein. Sie lässt sich nach Ansicht von Dr. Mark Kaspers, „gut durch eine vor- oder nachgelagerte Potentialberatung ergänzen.“

Digitalisierungsprozesse indes sind immer mit Kosten verbunden. Umso besser für die Unternehmen und ihre Beschäftigten, dass es die Initiative „NRW.Innovationspartner“ gibt. Sie unterstützt kleine und mittlere Unternehmen bei ihren Innovations- und Digitalisierungsvorhaben genauso wie die „Digitalisierungsförderung für den Mittelstand“, finanziert unter anderem über das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Dr. Kai Pflanz von der NRW.BANK führte die Fördermöglichkeiten im Einzelnen auf. Darunter der „NRW.BANK.Digitalisierungskredit“ für Freiberufler und gewerbliche Unternehmen. Zu den förderfähigen Investitionsvorhaben zählen zum Beispiel die Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie oder die Einführung digitaler Vertriebskanäle. Auch hier gibt es Kombinationsmöglichkeiten mit der Potentialberatung.

Leitmotiv: „Beteiligung der Beschäftigten von Beginn an“

Nach den Vorträgen diskutierten die in Gruppen aufgeteilten 100 Teilnehmenden der Veranstaltung unter anderem, welche zusätzlichen Dienstleistungen die Beratungsstellen zur Verfügung stellen können. So will der Akteur einer Region zukünftig sein Angebot um eine „aufsuchende Beratungsarbeit“ ergänzen und gemeinsam mit regionalen Partnern Technologieförderprogramme mit der Potentialberatung und der für sie charakteristischen Beteiligungsorientierung kombinieren.

In der von Dr. Katja Nink und Andreas Bendig von der G.I.B. moderierten abschließenden Podiumsdiskussion waren gleich zwei Landesministerien und beide Sozialpartner vertreten. Das korrespondierte mit dem Grundgedanken, Digitalisierungsprozesse ganzheitlich zu sehen.

Für Achim Vanselow vom DGB NRW war klar, dass bei innerbetrieblichen Veränderungsprozessen „eine Beteiligung der Beschäftigten über die verfasste Mitbestimmung auf Augenhöhe mit den Arbeitgebern“ unverzichtbar ist. Er plädierte für die Schaffung eines „Kompetenzzentrums Arbeit und Weiterbildung 4.0, um passgenaue Lösungen für die Qualifizierung von Beschäftigten zu finden.“

Auch Johannes Pöttering, stellvertretender Hauptgeschäftsführer von unternehmer nrw, sprach der verfassten Mitbestimmung prozessvereinfachende Wirkung bei der Digitalisierung zu: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind näher an den Prozessen als die Geschäftsführung. Ihre Ideen aufzugreifen zahlt sich für die Unternehmen aus. Aber auch die Beschäftigten müssen ihrerseits offen sein für Veränderungen.“

Angesichts der großen Zahl von rund 750.000 Unternehmen in Nordrhein-Westfalen empfahl Dr. Michael Henze vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie NRW, bei der Beratung und Förderung zielgenau vor allem die „early followers“ in den Blick zu nehmen, die oft nur „kleiner Impulse bedürfen, um digitale Strategien zu entwickeln“.

Christina Ramb, Leiterin der Abteilung Arbeit und Qualifizierung im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW, regte an, den Austausch zwischen den Unternehmen zu forcieren. Zugleich versprach sie, die Angebote des Landes Nordrhein-Westfalen und die der Bundesagentur für Arbeit für eine lebensbegleitende Beratung der Beschäftigten und Arbeit suchenden Menschen gemeinsam aufeinander abzustimmen. Keinen Zweifel ließ sie an der Bedeutung von Partizipation im Zuge der Digitalisierung: „Die Beteiligung der Beschäftigten von Beginn an ist für uns ein Leitmotiv!“ 

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