Öffentlich geförderte Beschäftigung – Studie bestätigt Wirkung

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Gespeichert von Arbeit.Meding am 17. Mai 2016
ÖgB Lohnhallengespräch: Veranstaltungshalleder G.I.B. und Teilnehmende

Langfristige Förderung und gezieltes Coaching machen Langzeitarbeitslose wieder fit für den Arbeitsmarkt

Jeder zweite Programmteilnehmende findet Anschlussbeschäftigung – Fachveranstaltung stellt Evaluation der Modellprojekte vor, die im Rahmen des Programms durchgeführt wurden

Das Programm „Öffentlich geförderte Beschäftigung“ (ÖgB) ist evaluiert worden. Beim Lohnhallengespräch der G.I.B. wurden die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. Arbeitsminister Rainer Schmeltzer erklärte: „Der Ansatz, den wir in NRW ausgewählt haben, funktioniert. Für viele Teilnehmende führt er zu mehr sozialer Teilhabe und zu besseren beruflichen Anschlussperspektiven.“ Bericht mit Downloads und Fotogalerie.

Obwohl der Arbeitsmarkt boomt - die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniert. 320.000 langzeitarbeitslose Männer und Frauen gibt es in Nordrhein-Westfalen. Für sie müssen offensichtlich andere Lösungen her. Eine davon ist „Öffentlich geförderte Beschäftigung NRW“, eine Kombination aus Arbeit, Qualifizierung und Coaching.

Eine wissenschaftliche Auswertung der Modellprojekte zeigt: Das Konzept funktioniert! Vorgestellt wurden die Ergebnisse der Untersuchung beim G.I.B.-Lohnhallengespräch in Bottrop. Minister Schmeltzer: „Für viele Teilnehmende führt der Ansatz zu mehr sozialer Teilhabe, zur Beendigung des Leistungsbezugs und zu besseren beruflichen Anschlussperspektiven."

Chance für die „Chancenlosen“

Nicht für alle Langzeitarbeitslosen kommt öffentlich geförderte Beschäftigung in Betracht. Gedacht ist sie für Menschen ohne realistische Chance auf eine ungeförderte Integration in Erwerbsarbeit. Das betrifft rund ein Fünftel aller Langzeitarbeitslosen, immerhin 50 bis 60.000 Menschen allein in NRW.

Vor diesem Hintergrund haben sich Dr. Frank Bauer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB Regional NRW) und Dr. Philipp Fuchs vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik die Resultate der Modellprojekte genauer angesehen. Ihre Befunde sind durchweg positiv.

So konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass die Modellprojekte tatsächlich die „Chancenlosen“ erreichen. Dr. Frank Bauer: „Mit den Modellprojekten ist es hervorragend gelungen, die richtigen Personen zu erreichen: Menschen ohne Berufsabschluss, mit Schwerbehinderung, mit gesundheitlichen oder sonstigen persönlichen Einschränkungen, aber auch Ältere, also Menschen, die wirklich Unterstützung brauchen.“

Soziale Teilhabe als Wert an sich

Gute Noten auch für das Konzept mit seiner Kombination aus Arbeit, Qualifizierung, Jobcoaching und sozialpädagogischer Begleitung. Mit ihr ließ sich die Beschäftigungsfähigkeit der Personen deutlich steigern. Dr. Philipp Fuchs. „Sie erfahren, dass sie mit ihrer Arbeit zur betrieblichen Wertschöpfung beitragen. Unabhängig davon ist für viele allein die soziale Teilhabe ein Wert an sich.“

Und noch eine wichtige Botschaft konnten die Wissenschaftler vermelden: „Im Unterschied zu früheren Evaluationsergebnissen öffentlich geförderter Beschäftigung zeigen sich hier infolge der  sorgfältigen Teilnehmerauswahl kaum Einsperreffekte.“ Das heißt: Die Geförderten wurden durch die Maßnahme nicht von der Aufnahme ungeförderter Beschäftigung abgehalten.

Was aber passiert nach der Förderung? Dazu stehen weitere Wirkungsanalysen aus. Erste Hinweise lieferte schon jetzt das G.I.B.-Monitoring der Modellprojekte. „Mit zunehmender Dauer der Beschäftigung in ÖgB“, referierte G.I.B.-Abteilungsleiter Georg Worthmann in Bottrop, „steigt die Zahl der Personen, die in eine Erwerbstätigkeit, in Ausbildung oder Qualifizierung wechseln.“ Ebenfalls positiv: 78 Prozent der Teilnehmenden haben an mindestens einer Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen.

Ruf nach Passiv-Aktiv-Transfer

Zu Beginn der Veranstaltung hatte G.I.B.-Geschäftsführer Bernward Brink einen Überblick über die verschiedenen Formen öffentlich geförderter Beschäftigung in den vergangenen 30 Jahren gegeben. Zum Schluss der Veranstaltung ging es um die Zukunft: Welche Schlussfolgerungen sind aus den Evaluationsergebnissen zu ziehen?

Eine Antwort lag auf der Hand: „Die sorgfältige Teilnehmerauswahl ist einer der zentralen Erfolgsparameter“. Und: Aufgrund der heterogenen Gruppe der Langzeitarbeitslosen sind „bedarfsgerechte“, also zeitlich flexible Rahmenbedingungen erforderlich. Wenn nicht flächendeckend, dann sollte ÖgB zumindest in den Regionen zum Einsatz kommen, „wo die Not am größten ist“. Angeregt wurde zudem, das Programm auch für private Arbeitgeber zu öffnen und nicht nur, wie bisher, für öffentliche und/oder gemeinnützige Träger.

Eins stellt Minister Rainer Schmeltzer zum Abschluss noch mal klar: Auch für Langzeitarbeitslose ist der reguläre Arbeitsmarkt immer die erste Wahl. Doch wo die persönlichen Probleme zu groß sind und der regionale Arbeitsmarkt nicht genug geeignete Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, ist es wichtig und richtig, in Arbeit zu investieren statt in Arbeitslosigkeit. Angesprochen war damit die Forderung nach einem Passiv-Aktiv-Transfer auf Bundesebene. Also weg von Modellen und Programmen, hin zu einer stetigen Finanzierung. Wie so ein Konzept aussehen könnte, dazu habe das Land NRW mit seinem Programm dem Bund eine Vorlage, eine „Blaupause“ geliefert. Nach einhelliger Meinung aller Diskutierenden ist das NRW-Programm „ein sehr attraktives Modell.“

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