Gute Praxis in Mönchengladbach

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Sozialer Arbeitsmarkt Mönchengladbach. Intensive Begleitung und Vermittlung für langjährig Arbeitslose

Einsatzfeld Wäscherei: Langzeitarbeitslose durch begleitendes Coaching auf den Arbeitsmarkt vorbereiten – Vermittlung gelingt

Die Neue Arbeit GmbH der Diakonie beteiligt sich als Verbundpartner am ÖgB-Projekt "Sozialer Arbeitsmarkt Mönchengladbach": In der hochmodernen Wäscherei haben ehemals langjährig arbeitslose Frauen und Männer neue reguläre Arbeit gefunden. Coaching unterstützt die Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt und verbessert die weiteren Vermittlungschancen.

Einsatzfeld Wäscherei: Langzeitarbeitslose durch begleitendes Coaching auf den Arbeitsmarkt vorbereiten – Vermittlung gelingt

In Mönchengladbach haben sich im Rahmen des ÖgB-Programms drei Träger zum Verbund zusammengeschlossen und bieten insgesamt knapp 70 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mit unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern an. Die Neue Arbeit GmbH der Diakonie ist als Verbundpartner am ÖgB-Projekt "Sozialer Arbeitsmarkt Mönchengladbach" beteiligt: In der hochmodernen Wäscherei haben ehemals langjährig arbeitslose Frauen und Männer neue reguläre Arbeit gefunden. Einige Teilnehmende konnten bereits erfolgreich in eine ungeförderte Beschäftigung vermittelt werden. Möglich wurde das durch intensive Begleitung und individuelles Coaching.

Hochmoderne Wäscherei – arbeitsmarktnahe Beschäftigung

Die Wäscherei, eine Tochterfirma der Neuen Arbeit - Diakonie Mönchengladbach, zählt bundesweit zu einer der größten und modernsten Wäschereien und bietet als sogenannter textiler Vollversorger für über 140 Kunden aus dem Krankenhaus- und Altenheimbereich umfassende Logistik- und Mietwäschedienstleistungen an. Unterstützt durch das ÖgB-Programm haben hier 14 Frauen und Männer erstmals wieder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden.

Der Träger erhält vom Jobcenter einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 75 Prozent (für maximal 24 Monate) und begleitet und qualifiziert die ehemals Arbeitslosen aus dem SGB II-Bezug. Ziel ist es, die zum Teil seit mehr als sieben Jahren arbeitslosen Menschen unter realistischen Erwerbsbedingungen in das Arbeitsleben zurückzuführen und durch intensives Coaching – bei beruflichen wie persönlichen Problemen – auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Sechs Teilnehmende konnten erfolgreich vermittelt werden, u.a. als Hausmeister, Bürohilfskraft und Reinigungskraft.

Eine aktuelle  Zwischenbilanz zeigt, dass das gelingen kann. Sechs Teilnehmende konnten erfolgreich vermittelt werden, u.a. als Hausmeister, Bürohilfskraft und Reinigungskraft. Zwei weitere Teilnehmer übernimmt die Neue Arbeit selbst, als neue, festangestellte Mitarbeiter in der Wäscherei.

Coaching und Unterstützung bei beruflichen und sozialen Problemen

"Im Rahmen unseres Modellprojekts haben wir es mit einen sehr arbeitsmarktfernen Personenkreis zu tun. Häufig kommen massive soziale Problemlagen hinzu wie Schulden, Sucht- oder Gewalterfahrung, die eine sehr individuelle Begleitung und Unterstützung notwendig machen", berichtet Marion Schaefer-Henze, Projektkoordinatorin und Leiterin des Sozialdienstes der Neuen Arbeit.

Vor der Einstellung haben alle Teilnehmenden daher zunächst nicht nur ein Profiling-Verfahren durchlaufen, sondern auch eine zweiwöchige, vom Jobcenter finanzierte Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung (MAG) absolviert – zum gegenseitigen Kennenlernen, aber auch zum ersten Praxistest.

"Im Arbeitsalltag geht es vor allem darum, die Beschäftigten unter realen Bedingungen wieder an grundlegende Arbeitstugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit heranzuführen und Durchhaltevermögen sowie Frustrationstoleranz und Teamfähigkeit am Arbeitsplatz zu trainieren", so Marion Schaefer-Henze. Ergänzendes Coaching sei daher unentbehrlich. Zugleich brauchen viele Teilnehmende Unterstützung bei persönlichen Problemen. Die Klärung einer stabilen Kinderbetreuung kann ebenso dazu gehören wie die Organisation von Arztbesuchen oder Hilfe bei Behördengängen. "Während der zweijährigen Beschäftigungsdauer versuchen wir tragfähige Lösungen zu finden, auch damit die Leute ihren Alltag wieder geregelt bekommen und so belastbar und arbeitsfähig bleiben."

Unterschiedliche Vermittlungschancen der Teilnehmenden

Trotz der Vermittlungserfolge schätzt die Projektkoordinatorin die beruflichen Perspektiven der ÖgB-Beschäftigten durchaus unterschiedlich ein. Während ein Drittel gute Chancen habe, nach der zweijährigen Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, werde ein weiteres Drittel zwei oder drei Jahre länger brauchen, um sich zu stabilisieren. Für die dritte Gruppe bleibe es langfristig schwierig. "Die Vermittlungshemmnisse sind hier zu tiefgreifend und machen eine Rückkehr in den allgemeinen Arbeitsmarkt wenig realistisch." Genau für diese Zielgruppe sei ein sozialer Arbeitsmarkt, "genau der richtige Ansatz", so Marion Schaefer-Henze.

Die Vermittlungshemmnisse sind oft tiefgreifend.  Für die Zielgruppe ist ein sozialer Arbeitsmarkt genau der richtige Ansatz.

Mit den Projekten will das Arbeitsministerium zeigen, dass ein Transfer passiver Mittel (z.B. Kosten für Unterkunft) in aktive Arbeitsmarktpolitik (ein sogenannter Passiv-Aktiv-Transfer) möglich und machbar ist. In Mönchengladbach gibt es dafür erste konkrete Berechnungen, mit positivem Ergebnis. "Durch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung konnten in vielen Fällen die Kosten für Unterkunft eingespart werden. In einer ersten Zwischenbilanz haben wir ein Plus von immerhin rund 100.000 Euro errechnet", so Marion Schaefer-Henze. Dieses Geld könne wieder in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Rahmen des ÖgB-Programms investiert werden. "Sinnvoll ist es, dabei insbesondere diejenigen zu berücksichtigen, die für die Integration mehr Zeit brauchen, aber dann gute Vermittlungsperspektiven haben."

Teilnahme am Arbeitsmarkt – Sprachkenntnisse verbessern Leistungsfähigkeit

Mehr Zeit für Arbeitserfahrung und Qualifizierung – für Elena Schuchard wäre das eine gute Lösung, um sich nachhaltig für den Arbeitsmarkt zu stärken. "Sie hat hier enorme Fortschritte gemacht, aber sie wird wohl noch ein, zwei Jahre brauchen, um für den ersten Arbeitsmarkt wirklich fit zu sein", sagt Jobcoach Dorothee Fliege.

Die Diplom-Sozialpädagogin hat die 42-jährige Aussiedlerin und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen bei der Arbeit in der Wäscherei intensiv begleitet und Arbeitsabläufe immer wieder geduldig erläutert. Denn - obwohl schon lange in Deutschland - sind die Sprachkenntnisse der Beschäftigten begrenzt und für den Arbeitsalltag kaum hinreichend. "Wir haben deshalb zusätzlich einen Deutschkurs organisiert, der drei Stunden wöchentlich stattfindet und sich direkt auf den Arbeitsplatz und das Arbeitsleben bezieht", so Dorothee Fliege. "Wir haben festgestellt, dass mit wachsendem Sprachverständnis auch die Leistungsfähigkeit steigt. Wenn es so weiter geht, hat Frau Schuchard mittelfristig gute Vermittlungschancen."

Auch Elena Schuchard ist das klar geworden: Sie möchte weiterhin beschäftigt sein, gerne auch in einer Wäscherei. Die Arbeit, sagt sie, "gefällt mir und ich verdiene eigenes Geld".

ÖgB-Modellprojekt "Sozialer Arbeitsmarkt Mönchengladbach"

Im ÖgB-Modellprojekt "Sozialer Arbeitsmarkt Mönchengladbach" kann durch den Verbund ein breites Spektrum von unterschiedlichen sozialversicherungspflichtigen Einfacharbeitsplätzen bereitgestellt werden: Neben Arbeitsplätzen in der Wäscherei gehören dazu haushaltsnahe Dienstleistungen, Pflege, Garten- und Landschaftsbau, Recycling oder Second-Hand-Bekleidung.

Alle drei Träger – die Neue Arbeit der Diakonie, die GAWO der Arbeiterwohlfahrt und der Volksverein Mönchengladbach – arbeiten eng mit dem Jobcenter und der Kommune zusammen, um Chancen und Grenzen eines sozialen Arbeitsmarkts auszuloten. Die Beschäftigten sind zwischen 25 und 48 Jahre alt, darunter insbesondere auch Alleinerziehende und Menschen aus kleineren Bedarfsgemeinschaften mit Kindern.

Das Programm "Öffentlich geförderte Beschäftigung" wird aus Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds unterstützt.


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