Sucht

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Gespeichert von HKP.Suchorski am 8. September 2017
Ein Zeigfinger stößt den ersten Stein einer Reihe Dominosteine an.

Sucht hat immer eine Geschichte

Präventionsmaßnahmen und Hilfe bei Suchterkrankungen

In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als vier Millionen Suchtkranke. Sie sind vor allem abhängig von Alkohol, Tabak oder Medikamenten. Weniger als ein Prozent der Suchtkranken sind von illegalen Drogen abhängig. Die bereits 1991 gestartete Landeskampagne „Sucht hat immer eine Geschichte" bildet den kommunikativen Kern der nordrhein-westfälischen Strategie zur Suchtvorbeugung.

Der Leitsatz "Sucht hat immer eine Geschichte!" steht für die ursachenorientierte Sucht- und Drogenpolitik des Landes, deren Ziel es ist, Suchtmittelmissbrauch zu verhindern und die Suchtentstehung zu vermeiden. Die damit verbundenen Präventionsmaßnahmen sollen dazu beitragen persönliche und soziale Kompetenzen zu stärken sowie gesundheitsförderliche Strukturen zu entwickeln und auszubauen.

Die Hilfsangebote sind in erster Linie als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt – von der Gesundheits- und Überlebenshilfe bis zu Maßnahmen zur beruflichen und sozialen Integration.

Landeskonzept und Aktionsplan gegen Sucht

Sucht ist eine chronische Krankheit mit gravierenden gesundheitlichen und sozialen Folgen für die Suchtkranken selbst und deren unmittelbares Umfeld. Sucht hat in der Regel auch eine lange und individuelle Geschichte. Auf Grund der vielfältigen Faktoren, die Entstehung und Verlauf einer Abhängigkeitserkrankung bestimmen, bedarf es ebenso differenzierter Ansätze zur Prävention und Hilfe. Sucht hat nicht zuletzt auch eine gesamtgesellschaftliche Dimension; ein Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Kräfte ist deshalb unverzichtbar.

Das gemeinsam mit allen im Suchtbereich verantwortlichen Akteurinnen und Akteuren erstellte Landeskonzept gegen Sucht beschreibt Grundsätze und einen Handlungsrahmen für die Weiterentwicklung von Suchtprävention und Suchthilfe in Nordrhein-Westfalen. Vordringliche Handlungsbedarfe und Empfehlungen zur Umsetzung sind in einem ebenfalls von allen maßgeblichen Verantwortungsträgerinnen und -trägern entwickelten Aktionsplan gegen Sucht festgeschrieben.

Im Sinne einer Neuausrichtung der Sucht- und Drogenpolitik wird der Fokus stärker als früher auf Maßnahmen der Prävention und Hilfe gelegt, die sich an den speziellen Bedürfnissen und konkreten Problemlagen der betroffenen Menschen in ihrer jeweiligen Lebenswelt orientieren. Neben der Förderung von hilfesystemübergreifenden Strukturentwicklungs- und Vernetzungsprozessen ist die Stärkung der Suchtselbsthilfe ein besonderes Anliegen.

Eine vordringliche Aufgabe ist die Sicherstellung einer gleichberechtigten und selbstbestimmten Teilhabe suchtkranker Menschen am gesellschaftlichen Leben. Damit wird nicht nur den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention Rechnung getragen, sondern zugleich ein wichtiger Beitrag gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung der betroffenen Menschen in allen Lebensbereichen geleistet.

Gezielte Suchtprävention

Die Suchtprävention in Nordrhein-Westfalen setzt beim Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitsverhalten der Bevölkerung an und ist auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Suchtmitteln ausgerichtet. Sie zielt auf eine Stärkung der Persönlichkeit durch die

  • Förderung von Eigenverantwortung,
  • Konfliktfähigkeit und
  • sozialer Kompetenz.

GINKO, die Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung, befasst sich gezielt mit der Verbesserung und Weiterentwicklung der Suchtprävention in Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus wird die Präventionsarbeit der örtlichen Sucht- und Drogenberatungsstellen durch Prophylaxefachkräfte unterstützt.

"Sucht hat immer eine Geschichte"

Hauptzielgruppen der Landeskampagne "Sucht hat immer eine Geschichte" sind Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene sowie deren Bezugspersonen, aber auch ältere Menschen. Darüber hinaus wendet sich die Kampagne an Fachleute, die in der Präventionsarbeit tätig sind.

Im Rahmen der Kampagne werden Sucht-Aktionswochen durchgeführt und örtliche Präventionsmaßnahmen unterstützt. Neben den zahlreichen regionalen Vor-Ort-Angeboten spielen auch die Internetseiten der Kampagne eine zentrale Rolle in der Kommunikation des Themas. Neben Informationen, die sich auf bestimmte Suchtmittel konzentrieren (z. B. Alkohol, Cannabis, Tabak), erhalten Sie Informationen für die bestimmten Zielgruppen.

Vernetzte Hilfsangebote

Die Hilfen für Suchtgefährdete und Suchtkranke umfassen neben den Maßnahmen zur Beratung, Betreuung und Behandlung auch die berufliche und soziale Integration. Oberstes Ziel der Hilfen ist die Abstinenz.

Dieses Ziel ist häufig jedoch nicht unmittelbar, sondern nur in Schritten erreichbar. Erste Ansprechpartner bei Suchtproblemen sind die Sucht- und Drogenberatungsstellen, durch die auch in andere weiterführende Hilfen vermittelt werden kann.
 
Die verschiedenen Hilfeangebote müssen individuell angepasst und flexibel sein sowie zum frühest möglichen Zeitpunkt ansetzen. Um bei jeder Problemlage einen geeigneten Zugang zu den notwendigen Suchthilfeangeboten zu gewährleisten, müssen die Hilfen ferner ausreichend differenziert und zugleich miteinander vernetzt sein.

Nordrhein-Westfalen verfügt daher über ein differenziertes und qualifiziertes Netz von Hilfeangeboten. Dazu gehören:

  • Sucht- und Drogenberatungsstellen
  • Einrichtungen zur Behandlung (Landschaftsverbände LVR und LWL)
  • Niedrigschwellige Angebote (beispielsweise Straßensozialarbeit, Kontaktläden, Notschlafstellen)
  • Substitutionsgestützte Behandlungsangebote
  • Drogentherapeutische Ambulanzen
  • Drogenkonsumräume
  • Nachsorgemaßnahmen (Landschaftsverbände LVR und LWL)
  • Anerkannte Einrichtungen zur Behandlung betäubungsmittelabhängiger Straftäter
  • Wiedereingliederung in Arbeit, Beruf und Gesellschaft
  • Maßnahmen zu „Gender und Sucht"
  • Sucht-Selbsthilfe
Thema Alkohol

Mindestens zwei Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen haben Alkoholprobleme und etwa 400.000 gelten als alkoholabhängig. Besonders gefährdet sind Jugendliche. Zwar haben die kontinuierlichen Präventionsmaßnahmen im Bereich des Alkoholmissbrauchs durchaus Wirkung gezeigt und gerade bei Jugendlichen zu einem kritischen Umgang mit alkoholischen Getränken geführt, dennoch gibt es zu viele Jugendliche, die Risikokonsum betreiben.

Jeder zehnte Jugendliche (10,6%) im Alter zwischen 12 und 17 Jahren trinkt einmal in der Woche. 3,3% trinken Alkoholmengen, die über den Grenzwertempfehlungen für Erwachsene liegen und bei jedem siebten Jugendlichen der Altersklasse findet in einem Zeitraum von 30 Tagen mindestens ein Tag mit Rauschtrinken statt (vgl. Ergebnisse des Alkoholsurveys 2016 und Trends, BZgA-Forschungsbericht/Mai 2017).

Alkohol in jungem Alter ist eine besondere gesundheitliche Belastung und ein Risiko für die soziale und psychische Entwicklung, daher ist es von besonderer Bedeutung durch geeignete Präventionsaktivitäten, insbesondere durch zielgruppenspezifische Maßnahmen, die Jugendlichen umfassend aufzuklären.

ALK-Parcours mit fünf Stationen

Der ALK-Parcours ermöglicht es Schülerinnen und Schülern der 7. bis 9. Jahrgangsstufe aller Schulformen einschließlich Förderschulen und Auszubildenden an Berufsschulen eine interaktive Auseinandersetzung zum Themenbereich Alkoholkonsum und -missbrauch im Jugendalter. Auch Eltern als Bezugspersonen sind in der Zielgruppe mit eingeschlossen.

An den einzelnen Stationen lernen die Schülerinnen und Schüler spielerisch Wissenswertes über Alkohol und seine Wirkungen. Sie können sich aktiv beteiligen und erfahren etwas über die Gefahren des frühen und des übermäßigen Alkoholkonsums (Alkoholmissbrauch). Ziele sind die:

  • Vermittlung von Impulsen, sich in der Schule und auch zwischen Schule und Elternhaus vermehrt mit dem Thema Alkoholmissbrauch und -prävention auseinanderzusetzen und dabei aktiv zu werden oder zu bleiben.
  • Vermittlung differenzierter Informationen zu geschlechtsspezifischen Unterschieden des Alkoholkonsums und -missbrauchs in Bezug auf Motive, Wirkungen und gesundheitliche sowie soziale Gefahren (z. B. sexuelle Belästigung).
  • Bestärkung, auf Alkoholkonsum zu verzichten bzw. den Beginn lebenszeitlich hinauszuzögern.
  • Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Alkohol sowie Förderung der Veränderungsbereitschaft bei übermäßigem Alkoholkonsum

 

Stark bleiben. Für ein Leben ohne Sucht

Mit „STARK BLEIBEN“ erhält die etablierte Landeskampagne „Sucht hat immer eine Geschichte“ einen Baustein zur Gesundheitsförderung und Suchtprävention älterer Menschen.

Wir alle möchten gut und möglichst gesund älter werden, aber nicht immer haben wir es selber in der Hand. Jedoch können wir selber einen Beitrag dazu leisten und uns den neuen Herausforderungen, die mit zunehmendem Alter auf uns zukommen stellen. Der Körper kann manchmal nicht mehr so, wie man es gerne hätte, die Gesundheit wird zur wichtigen Aufgabe. und auf die Zeit nach dem Arbeitsleben - ohne geregelten Rhythmus - muss sich jede Person erst einmal einstellen. Jetzt ist es wichtig, sich stark zu machen. Dazu gehört neben der Entwicklung einer neuen Tagesstruktur auch das richtige Verhältnis im Umgang mit Alkohol und Medikamenten. Es bedarf dafür kein großes Training – Achtsamkeit für sich selbst und kleine Schritte genügen oft schon.

Thema Illegale Drogen

Mehrere zehntausend Menschen in Nordrhein-Westfalen sind abhängig von illegalen Drogen. Darunter werden alle Suchtmittel gefasst, deren Herstellung, Anbau, Einfuhr, Besitz oder Verkauf nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten ist. Wer mit illegalen Drogen handelt, sie herstellt, anbaut, einführt oder besitzt, muss mit Geldstrafen – in schweren Fällen sogar mit Freiheitsstrafen – rechnen.

Im Gesetz werden über einhundert illegale Stoffe genannt, die aus pflanzlichen oder chemischen Grundstoffen gewonnen werden. Dazu gehören zum Beispiel:

Niedrigschwellige Angebote – Hilfe zum Überleben

Für das Überleben der Drogenabhängigen haben so genannte niedrigschwellige Angebote besondere Bedeutung. Sie sind eingebettet in ein breit gefächertes Gesamtsystem, das von Kontaktstellen, Drogenkonsumräumen, über klassische Beratungsstellen und ambulante Substitutionsbehandlung bis zu Einrichtungen reicht, die Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung anbieten.

Der niedrigschwellige Bereich ist speziell für Abhängige konzipiert, die krankheitsbedingt zunächst nicht in der Lage sind, weiterführende regelmäßig auf Abstinenz ausgerichtete Hilfen in Anspruch zu nehmen. Gerade diese Personengruppe ist von besonderen gesundheitlichen Schäden bis hin zu Drogentod bedroht.

Drogenkonsumräume

Ein wichtiger Baustein der Angebote zur Überlebenshilfe sind Drogenkonsumräume, in denen unter bestimmten gesetzlich geregelten Voraussetzungen Drogen unter hygienischen Bedingungen konsumiert werden können. Drogenkonsumräume gibt es in

  • Münster
  • Wuppertal
  • Köln
  • Essen
  • Dortmund
  • Bochum
  • Bonn
  • Bielefeld
  • Troisdorf
  • Düsseldorf

Durch schnelles Eingreifen des geschulten Personals können jährlich in mehreren hundert Fällen noch rechtzeitig lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden.

Und: Durch eine effektive Vernetzung gelingt es sehr oft, bis dahin für Hilfeangebote nicht erreichbare Abhängige in Drogenberatung, Substitutionsbehandlung, Qualifizierten Drogenentzug oder andere weiter führende Hilfen zu vermitteln. Dieses Angebot soll gerade den schwer drogenabhängigen Menschen zugute kommen, die durch andere Hilfeangebote aus unterschiedlichen Gründen nicht oder nur unzureichend erreicht werden.

Drogenkonsumräume tragen dazu bei, die Gesundheitsrisiken des Drogenkonsums zu senken und leisten damit zugleich auch einen wirksamen Beitrag zur Reduzierung der Zahl der Drogentoten; darüber hinaus eröffnet er die Möglichkeit Drogenabhängige im Einzelfall an weiterführende und ausstiegsorientierte Hilfeangebote heranzuführen. Drogenkonsumräume sind daher integraler Bestandteil des örtlichen Suchthilfesystems.

Spritzenautomaten

Einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Ansteckungsrisiken - insbesondere mit HIV und Hepatitis - leistet das Spritzenautomatenprojekt der AIDS-Hilfe NRW. Rund um die Uhr können sich intravenös Drogenabhängige mit sterilen Einmalspritzen, aber auch mit Pflegesets und Kondomen versorgen und zugleich ihre gebrauchten Spritzen entsorgen.
 

Thema Glücksspiel

Der Traum vom großen Geld ist für die allermeisten Menschen eine kleine Alltagsflucht. Rund 40.000 Menschen in Nordrhein-Westfalen haben jedoch Probleme mit dem Glücksspielen, weitere 40.000 Menschen sind glücksspielsüchtig. Sie erleben das Glücksspielen als ständige Belastung. Roulettekugeln, einarmige Banditen und rotierende Automatenscheiben treten bei ihnen an die Stelle von Familie und Freunden. Das Glücksspiel wird zum Lebensinhalt. Ein Teufelskreis beginnt, der nicht selten in Beschaffungskriminalität, Arbeitslosigkeit oder Selbstmordgedanken endet. Deshalb hat Nordrhein-Westfalen die Bekämpfung der Glücksspielsucht zu einem Schwerpunkt der Sucht- und Drogenpolitik gemacht.

"Ich mach das Spiel nicht mit!"

Im Mittelpunkt der Kampagne „Ich mach das Spiel nicht mit!” stehen Maßnahmen zur Prävention der Glücksspielsucht und Beratungs- und Hilfeangeboten für Glücksspielsüchtige und deren Angehörige. Die Bandbreite reicht von niedrigschwelligen Angeboten wie der telefonischen "Hotline Glücksspielsucht" und der online-Beratung über spezielle Beratungsangebote von Suchtberatungsstellen bis hin zu Angeboten der ambulanten Rehabilitation von Glücksspielsüchtigen.

Die kostenfreie und anonyme "Expertenhotline Glücksspielsucht" erreichen Sie unter:

  • 0800 0 77 66 11 (deutschsprachig)
  • 0800 34 64 762 (türkischsprachig)

Auch die kostenfreie und auf Wunsch anonyme Online-Beratung steht Ihnen in deutscher und türkischer Sprache zur Verfügung:

Suchen Sie gezielt nach Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen oder Kliniken? Unter folgendem Link finden Sie Angebote in Wohnortnähe:

 

Weiterführende Informationen rund um das Thema Glücksspielen finden Sie auf der Website der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW:

 

Glücksspielsucht bei jungen Menschen

Eine Studie der Universität Mainz im Auftrag des MGEPA zeigt, dass mehr als fünf Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen bereits ein problematisches Glücksspielverhalten zeigen.

Der Abschlussbericht der Studie liegt zum Herunterladen vor:

Außerdem hat das Ministerium eine Broschüre für Fachkräfte zum Thema veröffentlicht:

Ein besonders hohes Risiko für die Entwicklung eines problematischen Glücksspielverhaltens weisen auch Berufsschülerinnen und -schüler auf. Die Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht hat daher auf der Website https://www.gluexxit.de/ ein umfangreiches Angebot für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und Schülerinnen und Schülern von Berufskollegs eingestellt. Ziel des Projektes Glüxxit ist es, für die Gefahren zu sensibilisieren, die von der Teilnahme an Glücksspielen für junge Menschen ausgehen.
 

Informationen zum Glücksspielrecht – einschließlich der in Nordrhein-Westfalen geltenden Mindestanforderungen an Sozialkonzepte sowie der Ausführungsbestimmungen für Schulungen des Personals von Spielhallen und die Liste der anerkannten Schulungsträger – finden Sie auf der Internetseite des nordrhein-westfälischen Ministeriums des Innern:

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