Mentoring 4.0 in kleinen und mittleren Betrieben – Minister Laumann in Iserlohn

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Fit durch Mentoring für eine digitalisierte Arbeitswelt – Betriebe aus Iserlohn zeigen gute Praxisbeispiele

Digitalisierungstour 2019 – Minister Karl-Josef Laumann vor Ort in Iserlohn. Besuch bei Betrieben, die sich am ESF-geförderten Projekt „Mentoring 4.0“ beteiligen

Noch sind viele kleine und mittlere Unternehmen zurückhaltend, wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Das ESF-geförderte Projekt „Mentoring 4.0“ zeigt, wie vorteilhaft es für sie ist, junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als aktive Treiber der digitalen Transformation ihrer Betriebe zu gewinnen. Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann informierte sich in Iserlohn zu Beispielen guter Praxis.

Das ESF-geförderte Projekt „Mentoring 4.0“ - junge, technikaffine Beschäftigte als Treiber der digitalen Transformation in Betrieben

„Neugier, Offenheit, Engagement und Fairness sind die Stärken, mit denen wir den digitalen Umbruch gestalten können“ – das ist die Grundeinstellung von Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, der „Digitalisierung vor allem als Chance interpretiert“.

Das machte er auch bei seinem Besuch in der Iserlohner Werkstätten gGmbH deutlich, die - zusammen mit neun weiteren Unternehmen - an dem vom Land Nordrhein-Westfalen mit ESF-Mitteln geförderten Projekt „Mentoring 4.0“ teilgenommen haben.

Anlass und Ziel des Projekts stellte in Iserlohn Projektleiter Christopher Pohle vom Management Institut Bochum GmbH (mib) vor: „Laut Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2018 gaben 36 Prozent der Unternehmen an, dass fehlendes digitales Wissen ihrer Mitarbeiter ein Hemmnis für die Digitalisierung ist. Ziel des Projekts war deshalb, junge, technikaffine Beschäftigte als aktive Treiber der digitalen Transformation in KMU zu gewinnen.“

Sie fungieren als Mentoren in einem Generationen und Hierarchien übergreifenden Team und sorgen so für den betriebsinternen digitalen Wissenstransfer. Begleitet werden sie von einem Lotsen, der gemeinsam mit ihnen Ziele definiert und Entwicklungsfortschritte dokumentiert. Darüber hinaus hat das Projekt einen Werkzeugkasten mit Tools, Methoden und Hilfsmitteln zur Unterstützung von Qualifizierungs- und Wissensaustauschprozessen entwickelt, der den Projektpartnern zur Verfügung steht.

Digitalisierung und Wissensmanagement

Wie das alles in der betrieblichen Praxis funktioniert, illustrierten beim Minister-Besuch zunächst zwei Teams der Iserlohner Werkstätten, einer gemeinnützigen Gesellschaft, die mehr als 1.100 Menschen mit Handicap einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz bietet. Das Leistungsspektrum der Werkstätten für externe Kunden reicht von Konfektionier-Arbeiten über die Montage kompletter Baugruppen etwa für die Leuchten- und Sanitärindustrie bis hin zur Werbemittellogistik.

Gleichzeitig dienen die beruflichen Bildungsangebote der Iserlohner Werkstätten der beruflichen Eingliederung und Vorbereitung der hier tätigen Menschen mit Handicap auf die Aufnahme einer Tätigkeit in den Arbeitsbereichen der Werkstatt (einschließlich ausgelagerter Arbeitsplätze) oder einem Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarkts.

„Wir sind ein Hochleistungsbetrieb“, sagte Geschäftsführer Martin Ossenberg, „in dem Digitalisierung und Wissensmanagement eine große Rolle spielen.“ Grund genug, an dem Projekt Mentoring 4.0 teilzunehmen und gleich zwei Mentor-Mentee-Teams zu bilden.

In einem von ihnen stand das Programm „Viflow“ im Mittelpunkt, eine Geschäftsprozessmanagement-Software zur grafischen Abbildung und Verbesserung von Arbeitsabläufen in Unternehmen und deren Darstellung im Intranet und damit deren Integration in bestehende Kommunikationssysteme.

Mentorin war in diesem Fall die 40-jährige Kathrin Weber, Abteilungsleiterin des Berufsbildungsbereichs, und Mentee war Gabriele Tolksdorf, Bereichsleiterin Unternehmensentwicklung und 59 Jahre alt. „Wir beide“, berichtete Gabriele Tolksdorf, „haben an Schulungen zu dem Programm teilgenommen. In der Theorie habe ich alles verstanden, doch bei der Anwendung des Gelernten im Arbeitsalltag taten sich doch ab und zu Wissenslücken auf. In den Fällen konnte ich meine Mentorin gezielte Nachfragen stellen und mir das ein oder andere noch mal genauer und ganz in Ruhe erklären lassen. Ich habe das als sehr hilfreich erfahren.“ Und beim gleichzeitigen Austausch von Erfahrungs- und Prozesswissen, ergänzt Kathrin Weber, „haben wir uns wechselseitig qualifiziert.“

Digitale Medien als Instrument der Weiterbildung von Menschen mit Handicap

Ähnlich positiv die Erfahrungen der beiden Beteiligten im zweiten Team. Hier ging es um die Einführung einer neuen Software zur Administration von Mitarbeitenden („Social ERP“). Das Programm ermöglicht den Iserlohner Werkstätten eine individuelle Abrechnung mit dem Landschaftsverband als Leistungsträger sowie bessere und schnellere Darstellungen der Qualifizierungsverläufe der Menschen mit Handicap.

Mentorin in diesem Team Projektmanagerin Lea Schneider, Mentee war Claudia Salterberg, Bereichsleiterin Administration. Beide bewerten das Mentoring 4.0-Projekt ebenfalls positiv und hier vor allem auch die Funktion des Lotsen: „Er hat auf ein strukturiertes und diszipliniertes Vorgehen beim Mentoring geachtet und die von uns schriftlichen fixierten Ergebnisse des Mentorings bewertet. Zudem konnte er detaillierte Anregungen geben, wie sich die Zusammenarbeit in der Zweier-Konstellation weiter optimieren lässt.“

Besonderes Interesse und Anerkennung fand bei Arbeitsminister Karl-Josef Laumann der Hinweis von Geschäftsführer Martin Ossenberg, dass die Digitalisierung der Arbeitsabläufe und Angebote immer auch die Menschen mit Handicap einbezieht. So werden Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen filmisch dargestellt und sind über Tablets abrufbar. Das betrifft zum Beispiel den Umgang mit einem Poly-Schweißgerät, aber auch den Einsatz digitaler Medien zum Thema Gewaltprävention. Martin Ossenberg: „Viele Menschen mit geistigem Handicap sind durchaus geschickt im Umgang mit digitalen Medien.“ Nicht zuletzt deshalb arbeiten die Iserlohner Werkstätten zurzeit an Co-Working-Konzepten mit anderen Unternehmen.

Digitales Mentoring im Handwerksbetrieb

Zwei weitere Beispiele lieferte die Schuster GmbH - Sanitär-Heizung-Elektro, ein Iserlohner Handwerksunternehmen mit 23 Beschäftigten. Eins der beiden Mentoring-Teams bildeten Geschäftsführer André Laucht und sein Vater Herbert. Themen hier waren die digitale Arbeitszeiterfassung und die Entwicklung eines digitalen Kundenordners.

Beispielhaft für ein Mentoring, bei dem der Mentee in der Betriebshierarchie über dem Mentor steht, war das Team aus Sandra Laucht, einer gelernten Speditionskauffrau, und Celina Kühne, die in dem Unternehmen zur Kauffrau im Büromanagement ausgebildet wird und als Mentorin fungierte. Sie konnte darüber aufklären, wie Facebook und Instagram funktionieren, wie Accounts zu erstellen und Posts zu senden sind. „Die beiden sozialen Medien“, sagt Firmenchef André Laucht, dienen uns jetzt dazu, neue Kunden sowie neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen. Bei Letzteren ist uns das so trotz Fachkräftemangel in einem Fall innerhalb kürzester Zeit gelungen.“

Auch er hält, wie die Teams aus den Iserlohner Werkstätten, Lotsen in diesem Modell für unverzichtbar: „Bei dieser Art von Mentoring lernen ja in erster Linie die Älteren von den Jüngeren. Für einen Mentee, der in der Betriebshierarchie über dem Mentor steht, ist es nicht so leicht zuzugeben, dass er etwas nicht weiß oder noch nicht verstanden hat. Das setzt Vertrauen voraus und da ist ein Lotse sicher nützlich.“ Genau aufgrund dieser Erfahrungen will die Management Institut Bochum GmbH (mib) gemeinsam mit der IHK Mittleres Ruhrgebiet ein Konzept für Lehrgänge zur Lotsenausbildung entwickeln - inklusive Zertifikat.

„Das Zeitkontingent für Weiterbildung wird weiter wachsen!“

Minister Karl-Josef Laumann zeigte sich beeindruckt vom Vorgehen und Erfolg der vorgestellten Mentoring-Teams und erinnerte zugleich daran, dass „Digitalisierung nicht nur eine Frage von Technik und Infrastruktur ist, sondern dass es immer auch um Menschen geht“. Er ließ keinen Zweifel daran, dass unternehmerische Zukunftsstrategien nur erfolgreich sein können, wenn sie gleichzeitig „mehr Geld und mehr Zeit“ für die Weiterbildung der Beschäftigten einplanen: „Kostenblock und Zeitkontingent für Weiterbildung werden wachsen!“

Mit dem „Dialogprozess NRW 4.0“ hat das Arbeitsministerium einen einladenden Rahmen geschaffen für einen Diskurs über die Zukunft der Arbeitsgesellschaft in Nordrhein-Westfalen. Zugleich stehen mit der Potentialberatung und dem Bildungsscheck zwei bewährte Instrumente zur Verfügung, die Betriebe und Beschäftigte im Digitalisierungsprozess nutzen können.

Ansprechpartner für sie sind in diesem Kontext die Regionalagenturen. Kirsten Kling von der Regionalagentur Märkische Region: „Wir geben den Unternehmen Orientierung, welche Unterstützungsleistungen im Zuge der Digitalisierung möglich sind. Darüber hinaus bieten wir zusammen mit unseren regionalen Partnern und dem Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 der Uni Siegen Beschäftigten, die sich mit ihren Unternehmen mit dem Thema Digitalisierung befassen, die Workshop-Reihe „digital scouts“ an. Digital Scouts sind Aufklärer und Wegbereiter, die die Digitalisierung für ihr Unternehmen initiieren und gestalten wollen. Das Projekt dient dazu, den Teilnehmern Impulse für die Entwicklung digitaler Strategien im eigenen Betrieb zu geben, sie mit benötigten Kompetenzen auszustatten und ihnen das Handwerkszeug für die Vermittlung in den Betrieb mitzugeben. Ziel ist, ganz im Sinne des Ministers, das Thema Digitalisierung immer ganzheitlich zu sehen, also nie nur die Technik allein, sondern immer auch den Menschen.“

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