Ausbildung durch Vermittlung - Praxisbeispiel aus Wuppertal

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Gespeichert von Arbeit.Meding am 15. März 2022
Junger Mann bedient einen Roboter

Kurs auf Ausbildung. Genau der richtige Ausbildungsplatz

Das Programm wird gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus dem ESF-Programm „REACT-EU“

Mit „Kurs auf Ausbildung“ besteht eine zusätzliche Unterstützungsmöglichkeit, um junge Menschen auch unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie in Ausbildung zu vermitteln. Das gelingt, wie ein Beispiel aus der Konzept Bildung und Services GmbH in Wuppertal zeigt. Der Träger beteiligt sich am EU-geförderten Programm.

Die grobe Richtung stimmt. Aber das genügt nicht immer, um ans Ziel zu kommen. Dazu bedarf es einer genaueren Orientierung. Das hat auch Matthias Kleeb erfahren, der in seiner beruflichen Laufbahn erst über einen Umweg zu einem Ausbildungsplatz fand, der wirklich zu ihm passt. Dass er sein Ziel letztlich doch erreichte, verdankt er seiner Teilnahme am Projekt „Kurs auf Ausbildung“.

Vor mehreren Jahren hatte der heute 21-jährige mit allgemeinem Interesse für „irgendwas Technisch-Technologisches“ nach der Fachoberschulreife eine schulische Ausbildung als IT-Assistent begonnen und schon bald wieder abgebrochen. Der Grund: Jetzt wollte er lieber IT-Systemelektroniker werden.

An Engagement ließ er es bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz dieser Fachrichtung nicht mangeln. Mehr als 100 Bewerbungsschreiben schickte er raus, allerdings mit dürftiger Resonanz: Nur ein Vorstellungsgespräch kam zustande und auch das blieb ohne Erfolg.

„In dieser Situation“, sagt Dr. Alf Hellinger, Pädagogische Leitung bei dem in diesem Fall zuständigen Träger, der Konzept Bildung und Services GmbH in Wuppertal, „war für ihn die Teilnahme am Projekt „Kurs auf Ausbildung“ geradezu optimal, denn das Projekt umfasst ein effektives Coaching- und Vermittlungsangebot für junge Menschen, die bisher keinen Ausbildungsplatz finden konnten und denen Corona die Suche nach einer Ausbildungsstelle zusätzlich erschwert.

Genaues Profiling

Verantwortlicher Träger im Rahmen des Projekts war in seinem Fall die Konzept Bildung und Services GmbH in Wuppertal. Hier ist Carlos Ribes als Jobcoach aktiv. Für den erfahrenen Sozialpädagogen ist der bisherige Berufsverlauf von Matthias Kleeb kein Einzelfall: „Wir erleben oft das Phänomen, dass junge Menschen schon wissen, wo ihre Interessen liegen, aber sie können nicht immer richtig einschätzen, welcher Beruf genau ihren Vorlieben und Fähigkeiten entspricht.“

In solchen Fällen geht der Jobcoach ganz systematisch vor: „Im Erstgespräch geht es um das gegenseitige Kennenlernen. Dabei sprechen wir über die persönliche Vorgeschichte und ich höre mir ganz offen und neutral die Berufswünsche der jungen Menschen an.“

Beim nächsten Termin findet ein genaueres Profiling statt, ein standardisierter Test unter Anleitung am PC, der zwischen drei und vier Stunden dauert. Dabei geht es unter anderem um Kenntnisse in Mathematik und Deutsch, um logisches Denken und Konzentrationsfähigkeit. „Das machen wir, weil Schulnoten nicht genug aussagen über die wirkliche Begabung“, erläutert Carlos Ribes das Vorgehen. „Denn wenn jemand nach Klasse 10 im Fach Mathematik die Note 3 erhält, kann es dennoch sein, dass er die Basics aus unteren Klassen wie Bruchrechnen, Prozentrechnen oder Dreisatz nicht mehr präsent hat. Damit sind Probleme in der Berufsschule vorprogrammiert.“ Für ihn sind Profiling-Ergebnisse deshalb viel aussagekräftiger als Schulnoten.

Die automatisierte Auswertung des Tests ergab, dass sich bei Matthias Kleeb Schulnoten und Testergebnisse deckten. Doch in anschließenden Gesprächen stellte sich heraus, dass ein schulischer Bildungsgang wie der, den er zuvor begonnen hatte, nach Überzeugung von Carlos Ribes für ihn viel zu theorielastig war: „Er ist nun wirklich nicht auf den Kopf gefallen. Das Intellektuelle allgemein und das logische Denken speziell sind für ihn kein Problem. Aber IT im schulischen Ausbildungsgang bedeutet fast ausschließlich Arbeit am PC. Er jedoch braucht als Ergänzung unbedingt einen Bezug zum Praktischen. Eine betriebliche Ausbildung ist für ihn also optimal. Elektroniker für Automatisierungstechnik ist ein industrieller Beruf. Hier geht es um die Entwicklung und Erprobung hochentwickelter Steuerelektronik sowie um die Einrichtung komplexer, rechnergesteuerter Fertigungsanlagen. Hier ist er viel näher am Ort des Geschehens. Das passt genau zu seinen Interessen und das wird er schaffen!“

Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch

Neben dem Profiling war das individuelle Coaching ein weiterer Bestandteil von „Kurs auf Ausbildung“.  Bei der Konzept Bildung und Services GmbH findet es immer als Einzeltermin, nie als Gruppenveranstaltung statt.

Hier stand im Vordergrund, wieder Zuversicht hinsichtlich der weiteren beruflichen Laufbahn zu erzeugen. Carlos Ribes: „Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden oder eine Ausbildung abgebrochen haben, sind aus verständlichen Gründen oft verunsichert, Absagen nagen an ihrem Selbstbewusstsein und die Gefahr aufzugeben ist latent immer vorhanden.“

Um dem vorzubeugen, arbeiteten Jobcoach und Matthias Kleeb einmal in der Woche 90 Minuten zusammen und optimierten die Bewerbungsunterlagen. Carlos Ribes: „Dazu lass ich mir immer noch mal ganz detailliert alles über den bisherigen Lebenslauf erzählen. Dabei stelle ich oft fest, dass junge Menschen leicht zum Beispiel einen kleinen Nebenjob während der Schulzeit vergessen, der jedoch bei Bewerbungen vor allem in mittelständischen Betrieben von größerer Bedeutung sein kann.“

Auch in der Zeit zwischen zwei Coaching-Terminen ist Engagement gefragt. Dazu erstellt der Jobcoach ausbildungsplatzbezogene Aufgaben, die bis zum nächsten Termin zu erledigen sind. „So stellen wir fest“, sagt Carlos Ribes, „ob die Jugendlichen wirklich motiviert und damit reif für eine duale Ausbildung sind. Bei schwacher Eigenmotivation bieten sich eher andere Maßnahmen an, denn das ist ein Hinweis darauf, dass Jugendliche einen viel größeren Hilfebedarf haben.“

Nicht so im Fall von Matthias Kleeb. Mit ihm recherchierte er gemeinsam in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit und wählte zehn geeignet erscheinende freie Ausbildungsplätze aus. Entsprechend viele Bewerbungen wurden versandt.  

Gleich die erste war ein Treffer: Die Rasspe Systemtechnik GmbH in Wermelskirchen lud den Bewerber zum Vorstellungsgespräch ein. Unverzüglich bereitete der Jobcoach den jungen Mann systematisch darauf vor. Das funktionierte, weil Carlos Ribes weiß, wie solche Vorstellungsgespräche ablaufen, was Betriebe vom Bewerber wissen wollen: „Wichtig ist dann, dass er nicht hilflos wirkt, sondern flüssig sprechend immer die passende Antwort zu geben weiß.“ Genau das wurde beim Coaching trainiert.

So vorbereitet, wusste Matthias Kleeb im Vorstellungsgespräch wie auch im Einstellungstest zu überzeugen. Die Firma gab ihm auch ohne Probearbeit und Praktikum den Ausbildungsplatz.  

Die rasche Entscheidung begründet Frank Knieps, Personalleiter bei Rasspe Systemtechnik GmbH so: „Zum einen ist es eine intuitive Entscheidung, mit der ich aufgrund langjähriger Erfahrungen so gut wie immer richtig liege. Zudem wenden wir in unserem Haus ein mehrstufiges Verfahren an, das auf Praktika, die in Corona-Zeiten sowieso kaum möglich sind, verzichten kann. Stattdessen haben wir uns bei unseren gewerblich-technischen Azubis für ein fachlich orientiertes Testverfahren entschieden, das jeweils auf ein bestimmtes Berufsbild ausgerichtet ist. Dabei geht es um die grundsätzliche Eignung, aber auch um Rechtschreibung, Rechnen und Allgemeinbildung. Wenn sich dann der persönliche Eindruck im Testergebnis widerspiegelt, sind wir so gut wie immer auf der richtigen Seite.“

In einem abschließenden Gespräch kamen Personalleiter, Ausbildungsleiter sowie Produktions- und Werksleitung noch mal mit dem Auszubildenden zusammen. Frank Knieps: „Am Ende haben also vier Personen aus unserem Unternehmen den Bewerber kennengelernt. Dann fällt die richtige Entscheidung nicht mehr schwer. In diesem Fall hat uns „Kurs auf Ausbildung“ die Entscheidung noch mal zusätzlich erleichtert.“

Und noch etwas weiß der Personalleiter zu berichten: „Wir bilden grundsätzlich für den Eigenbedarf aus. Für den Fall, dass bei Herrn Kleeb Ausbildung und Abschluss reibungslos verlaufen, geben wir eine Übernahmegarantie. Das gibt beiden Seiten von Beginn an Sicherheit.

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