Trägergestützte Ausbildung - Praxisbeispiel aus Mönchengladbach

Bild des Benutzers Arbeit.Meding
Gespeichert von Arbeit.Meding am 15. März 2022
Junge Frau in der Tischlerei hinter einer Werkbank

Kurs auf Ausbildung. Mit Durchhaltevermögen zum Erfolg

Das Programm wird gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus dem ESF-Programm „REACT-EU“

Mit Hilfe des ESF-Projekts „Kurs auf Ausbildung“ wird jungen Menschen eine zusätzliche Chance auf einen erfolgreichen Start in das Erwerbsleben eröffnet. Möglich ist dabei eine kooperative Form der trägergestützten Ausbildung im ersten Ausbildungsjahr. Wie das gelingt, zeigt das Praxisbeispiel aus dem Berufsbildungszentrum Mönchengladbach.

Das vom Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus dem ESF-Programm „REACT-EU“ finanzierte Projekt „Kurs auf Ausbildung“ soll den mitwirkenden jungen Menschen eine zusätzliche Chance auf einen erfolgreichen Start in das Erwerbsleben eröffnen. Möglich ist dabei auch eine kooperative Form der trägergestützten Ausbildung im ersten Ausbildungsjahr, die als Anschlussangebot durch intensive Begleitung und Kooperation im zweiten Ausbildungsjahr einen Übergang in eine betriebliche Ausbildung ermöglicht.

Wie schwierig für junge Menschen die Ausbildungssuche allgemein und speziell in Zeiten von Corona ist, illustriert das Beispiel von Jennifer Kamps.

Unter Pandemie-Bedingungen erlangte sie in Mönchengladbach den Realschulabschluss. Noch während ihrer Schulzeit hatte sie drei Praktika in den Bereichen Pflege, Jugendarbeit und Verkauf absolviert. Pflegeberufe, stellte sich dabei heraus, waren für sie eine Option.

Um jedoch auf Nummer sicher zu gehen, entschloss sie sich zunächst für ein Jahrespraktikum beim Caritas-Zentrum Rheydt in der Altenpflege. Und sie hielt durch: Wie vertraglich vereinbart, beendete die nach Bekunden des Praktikumsbetriebs „sehr zuverlässige Teilnehmerin“ erst nach Abschluss eines Jahres das Praktikum. In dieser Zeit jedoch hatte sie erkannt, dass sie ihre berufliche Zukunft nicht im Bereich Pflege sieht, denn: Die Konfrontation mit Krankheit, Tod und dem damit verbundenen Leid belastete sie emotional zu sehr.

Einen alternativen Berufswunsch hatte sie jedoch noch nicht entwickelt. Zwar beschäftigte sie sich gerne mit handwerklichen, kreativen Tätigkeiten, ohne jedoch einen Wunschberuf daraus zu formulieren. Da sie erst 17 und damit noch berufsschulpflichtig war, meldete sie sich im Berufskolleg an und besuchte dort die Klasse für ausbildungsplatzsuchende junge Menschen.
Ein dort beschäftigter Schulsozialarbeiter machte sie auf die neue Maßnahme “Kurs auf Ausbildung“ aufmerksam und vereinbarte einen Termin mit dem Berufsbildungszentrum Mönchengladbach e. V., einer Tochtergesellschaft der Kreishandwerkerschaft. Die hier als Projektleiterin für „Kurs auf Ausbildung“ zuständige Clarissa Knops setzte sich unverzüglich mit der zuständigen Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Verbindung und ließ sich dort eine Zuweisung von Jennifer Kamps zur Maßnahme erstellen.

Unmittelbar darauf erfolgten ein ausführliches Aufnahmegespräch sowie ein Kurz-Profiling. „Alle im Weiteren vereinbarten Termine und kleineren Aufgabenstellungen wurden eingehalten beziehungsweise erledigt“, bescheinigt ihr Clarissa Knops, die zugleich als Jobcoach fungiert, so dass die junge Frau in die Maßnahme aufgenommen wurde.“

Auf den Beruf abgestimmte Testaufgaben

Gleich anschließend folgten ein ausführliches Profiling mit schulischen Tests zur Überprüfung des tatsächlichen Wissensstatus, die Vorstellung verschiedener Berufsbilder, die dann mit ihren Interessen abgeglichen wurden. Besuche der im Haus der Kreishandwerkerschaft vorhandenen überbetrieblichen Werkstätten schlossen sich an, darunter die Bereiche Elektro, Kfz und Tischlerei.

Clarissa Knops: „Dort führte Jennifer Kamps mehrere Gespräche mit Auszubildenden, Fachanleitern und Meistern, die wir im Anschluss gemeinsam reflektierten. Nach und nach wurde das Interesse für den Tischlerinnenberuf geweckt. Ihr gefiel die für diesen Beruf typische Verbindung von Kreativität und Handwerk verbunden mit technischen Arbeiten sehr gut.“

Gleichzeitig aber wurden die nur schwach zufriedenstellenden schulischen Leistungen im Fach Mathematik zum Thema. Der damals für sie zuständige Jobcoach Sascha Seeholzer war selbst gelernter Schreinermeister und wollte es genauer wissen, denn ihm war bewusst, dass Schulnoten nicht immer die ganze Wahrheit sagen.

Anhand von fachlich exakt auf den Tischlerinnenberuf abgestimmten Testaufgaben überprüfte er nochmals die Mathematikkenntnisse und stellte fest, dass die Testergebnisse der Teilnehmerin im Gegensatz zur Benotung im Abschlusszeugnis sowohl in räumlicher Vorstellung als auch bei Flächen- und Mengenberechnungen durchaus zufriedenstellend waren.

Weil das Bildungszentrum über ein in mehr als zwanzig Jahren entwickeltes Netzwerk verfügt, wurde in Verbindung mit den eigenen Erfahrungen des Jobcoachs schnell eine Praktikumsstelle in einem Betrieb gefunden. „Hier allerdings konkurrierte sie mit einem anderen Interessenten“, berichtet Teamleiterin Clarissa Knops. „Trotz ihrer guten Leistungen entschied sich die Firma für den Konkurrenten.“

Kondition und Beständigkeit

Aufgabe des Jobcoachs war es jetzt, die Motivation der Teilnehmerin aufrechtzuerhalten, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie auf eine zweite, weitere Herausforderung vorzubereiten. Dies geschah in regelmäßigen, intensiven Gesprächen, um Resignation und ein Aufgeben zu verhindern.

Kurze Zeit später konnte das Bildungszentrum eine weitere Tischlerei gewinnen, der Teilnehmerin eine Chance zu geben: die Vroomen & Warnholz GmbH als möglichen Ausbildungsbetrieb. Clarissa Knops: „Das familiengeführte, mittelständische Unternehmen hieß die junge Frau von Anfang an willkommen und bot ihr jegliche Unterstützung, so dass das Misserfolgserlebnis beim vorangegangenen Praktikum schnell verarbeitet war.“

Tatsächlich zeigte sich der Betrieb nach einem zweiwöchigen Praktikum an einem Ausbildungsverhältnis interessiert. Zweifeln ließen ihn nach Auskunft der Teamleiterin lediglich die Noten im Abschlusszeugnis der jungen Frau und „der kleine Knick im Lebenslauf“, also der Wechsel von Pflege zum Handwerk. Doch die vermeintliche Schwäche, erkannten Bildungszentrum und Betrieb nach einvernehmlichen Gesprächen, war in Wirklichkeit eine Stärke. Dazu sagt Clarissa Knops: „Wer wie die 17-jährige Jennifer Kamps ein Jahr lang einen Job ausübt, der aus gut nachvollziehbaren Gründen emotional stark belastet, und trotzdem weitermacht, obwohl sie jederzeit ohne Sanktionen aufhören konnte, hat Stehvermögen, das bezeugt Kondition und Beständigkeit.“

Betriebsinhaber Guido Vroomen stimmte zu, befürchtete aber dennoch, dass die junge Frau nach ihrer Enttäuschung im ersten Praktikumsbetrieb noch nicht stabil genug für eine betriebliche Ausbildung war. Insbesondere die verspätete Einschulung am zuständigen Berufskolleg hielt er für ein Problem.

Am Ende steht der Erfolg

Hier konnte der damals zuständige Jobcoach Sascha Seeholzer schnell helfen, indem er auf die Möglichkeit einer “trägergestützten Ausbildung“ im Rahmen von „Kurs auf Ausbildung“ verwies. „Trägergestützt“ heißt konkret: Das Bildungszentrum ist als weiterer Ausbildungsbetrieb im ersten Ausbildungsjahr am Ausbildungsverhältnis beteiligt, begleitet die Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr, koordiniert die Ausbildung mit allen beteiligten Akteuren und unterstützt die betriebliche Praxis je nach Bedarf durch spezielle Förderangebote wie etwa zur Prüfungsvorbereitung oder zur Vermittlung von Schlüsselqualifikationen. Ebenfalls zum Leistungsspektrum des Trägers zählen gegebenenfalls eine Krisenintervention zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen sowie die Anbahnung der Übernahme durch den kooperierenden Ausbildungsbetrieb.

Ein so umfassendes Portfolio des Trägers überzeugte den Geschäftsführer. Er sagte zu und Jennifer Kamps bekam einen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf. Erleichtert hatte ihm die Entscheidung die Kooperation mit dem Bildungszentrum im ersten Ausbildungsjahr. Für Christa Breymann, stellv. Geschäftsführerin des Projektträgers, zeigen sich im Gesamtverlauf zwei ganz besondere Vorteile von „Kurs auf Ausbildung“: „Unser Coaching fungiert faktisch als kleine vorgelagerte Probezeit und die finanzielle Entlastung kann dazu beitragen, dass der Betrieb einen zusätzlichen Ausbildungsplatz schafft.“

Heute, nach der Einarbeitungszeit, ist Firmenchef Guido Vroomen jedenfalls komplett zufrieden mit seiner Entscheidung: „Die Förderbedingungen einer trägergestützten Ausbildung und vor allem das Coaching des Bildungszentrums sind für einen kleineren Betrieb wie uns optimal. Jennifer Kamps ist richtig aufgetaut in unserem Betrieb. Die Kommunikation ist einfach prima. Sie ist sicher im Gespräch, absolut zuverlässig und ihre Arbeiten erledigt sie sorgfältig und gut. Mehr kann man sich als Geschäftsführer eines Betriebs nicht wünschen.“

Relevante

Pressemitteilungen

Weiteres

zum Thema

Newsletter

Abonnieren

Abonnieren Sie hier den Newsletter ARBEIT.NRW und ESF.NRW oder bestellen Sie ihn ab.

KONTAKT

Fachreferat
NO RESULTS
KEINE ERGEBNISSE