Fragen und Antworten

Bild des Benutzers Webworker.Hivric
Gespeichert von Webworker.Hivric am 28. November 2018
Interessenvertretung Pflege

Interessenvertretung Pflege - Fragen und Antworten

Viele Fragen haben das Ministerium erreicht: Zu den Besonderheiten von Pflegekammer und Pflegering, aber auch zum Ablauf der repräsentativen Befragung. Die Antworten der Fachleute finden Sie hier.


Die Befragung


Wann fand die Befragung in Nordrhein-Westfalen statt?

Die Befragung ist abgeschlossen, sie wurde im Oktober und November 2018 durchgeführt.

Wer führte die Befragung durch?

Die Umfrage wurde von dem unabhängigen Unternehmen "Info GmbH Markt- und Meinungsforschung" mit Sitz in Berlin durchgeführt.

Was wurde gefragt? Und wie?

Im Rahmen einer persönlichen Befragung, die unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten ein hohes Maß an Repräsentativität bot, wurden ausgewählte Pflegefachkräfte danach gefragt, ob sie sich eine Interessenvertretung wünschen und ob diese in Form einer Pflegekammer oder -in Anlehnung an das bayerische Modell - in Form eines Pflegerings ausgestaltet werden sollte.

Wer wurde befragt?

Eine repräsentative Stichprobe, bestehend aus rund 1.500 ausgebildeten Pflegefachkräften, die derzeit in Nordrhein-Westfalen in der Pflege tätig sind. Da nur diese Pflichtmitglieder in einer nordrhein-westfälischen Pflegekammer würden, ist auch nur ihre Meinung zur Einrichtung einer Interessenvertretung der Pflege in die Ergebnisse eingeflossen.

Insbesondere Pflegehilfskräfte sowie Pflegekräfte in der Ausbildung wurden nicht befragt. Hilfskräfte und Auszubildende könnten sowohl in einer Pflegekammer als auch in einem Pflegering freiwillig Mitglied werden. Da sie aber nicht zu dem Kreis der Pflichtmitglieder einer Kammer zählen würden, bleibt ihre Meinung in der repräsentativen Befragung unberücksichtigt.

Die Teilnahme an der Befragung war freiwillig.

Gibt es einen Unterschied zwischen den Begriffen „Pflegekraft“ und „Pflegefachkraft“?

In der deutschen Arbeitswelt wird zwischen Fachkräften einerseits und Hilfskräften sowie angelernten Arbeitskräften andererseits unterschieden. Unter „Pflegefachkräften“ verstehen wir die Pflegekräfte, die erfolgreich:

  • eine Ausbildung nach dem Altenpflegegesetz des Bundes zur Altenpflegerin bzw. zum Altenpfleger
  • oder nach dem Krankenpflegegesetz des Bundes zur Kranken- und Gesundheitspflegerin bzw. zum Kranken- und Gesundheitspfleger oder zur Kinderkranken- und Gesundheitspflegerin bzw. zum Kinderkranken- und Gesundheitspfleger (bis 2003: (Kinder-)Krankenschwester oder (Kinder-)Krankenpfleger) abgeschlossen haben
  • oder als gleichwertig anerkannt sind, weil sie ihren Berufsabschluss zum Beispiel im Ausland erworben haben.

Bei dem allgemeinen Begriff der „Pflegekraft“ handelt es sich nicht um eine geschützte Berufsbezeichnung. Der Begriff wird nicht immer trennscharf verwendet. Im Rahmen dieses Portals schließt er die Angehörigen aller pflegerischen Gesundheitsberufe – also neben Pflegefachkräften auch Pflegehilfskräfte – ein.

Wie viele Menschen sind in Nordrhein-Westfalen in der Pflege tätig?

Derzeit sind nach der aktuellen IT.NRW-Pflegestatistik aus dem Jahr 2016 insgesamt 222.507 Menschen in der Pflege – also in der ambulanten und teil- beziehungsweise vollstationären Altenpflege in allgemeinen und sonstigen Krankenhäusern sowie in Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen – beschäftigt. Davon sind 196.960 Pflegefachkräfte (Altenpflege: 74.901, Gesundheits- und Krankenpflege: 109.672 und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege: 12.387). In den Assistenzberufen sind in Nordrhein-Westfalen insgesamt 25.547 Beschäftigte (Altenpflegehilfe 13.204, Krankenpflegehilfe 12.343) tätig.

Warum reichte es aus, 1.500 Personen zu befragen? Ist das nicht etwas wenig?

Die Repräsentativität der Stichprobe ist bei 1.500 Befragten nach den Erkenntnissen der empirischen Sozialforschung unabhängig von der Größe der Grundgesamtheit gegeben. Aus der amtlichen Statistik des Landes Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) und der Pflegeberichterstattung sind sowohl die Anzahl und die Struktur der Pflegeeinrichtungen als auch die beruflichen Abschlüsse und Tätigkeitsfelder der Pflegefachkräfte bekannt.

Was versteht man unter einer repräsentativen Befragung?

Eine Befragung ist dann repräsentativ, wenn aus einer kleinen Stichprobe Aussagen über eine wesentlich größere Menge getroffen werden können, weil die Datenerhebung bestimmte wissenschaftliche Standards erfüllt. Bei der aktuellen Befragung zur möglichen Gründung einer Interessenvertretung für Pflegende bedeutet dies, dass die Pflegefachkräfte, die für die Befragung ausgewählt werden, die Gesamtheit aller Pflegefachkräfte in Nordrhein-Westfalen möglichst ideal abbilden.

Was ist der Zweck einer repräsentativen Befragung?

Eine repräsentative Befragung hat den Vorteil, nicht alle Betroffenen befragen zu müssen, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und häufig auch nicht zu genaueren Ergebnissen führt. Gerade bei sogenannten Vollerhebungen werden meist nur diejenigen befragt, die sich sehr für ein Thema interessieren, gerade die weniger Interessierten bleiben bei einer Vollerhebung schnell unbemerkt im Hintergrund.

Wie setzten sich die 1.500 Befragten zusammen?

Es wird je circa ein Drittel der Befragungen in Krankenhäusern (500), Pflegeheimen (550) und ambulanten Pflegediensten (450) durchgeführt. In diesen drei unterschiedlichen Pflegebereichen werden wiederum repräsentativ die Pflegefachkräfte befragt. Insgesamt werden daher circa 600 examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger, 300 examinierte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger und 600 examinierte Altenpflegerinnen und -pfleger befragt werden.

Was passiert, wenn die Befragten sich gegen eine Interessenvertretung aussprechen? Ist die Sache dann vom Tisch, nur weil 1.500 von 197.000 es so wollen? Gibt es dann eine Abstimmung unter allen Beschäftigten?

In ihrem Koalitionsvertrag haben CDU und FDP verabredet, eine Interessenvertretung dann einzurichten, wenn die Pflegenden dies wollen. Vor diesem Hintergrund wird die Landesregierung dem Landtag NRW über die Ergebnisse der Befragung unterrichten, der das weitere Vorgehen beraten wird.

Die Ergebnisse der Befragung sind also politisch bindend?

Die Ergebnisse der Befragung sind die entscheidende Grundlage für die politische Willensbildung. Ob sich der Landtag NRW für die Einrichtung einer Interessenvertretung ausspricht und die Gründung einer Pflegekammer oder eines Pflegerings beschließt, hängt davon ab, wie die Befragung ausgeht.

Wann ist mit den Ergebnissen zu rechnen?

Das Ergebnis der Befragung wird voraussichtlich Anfang 2019 dem Landtag NRW und damit auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Wie schnell wird das Ergebnis umgesetzt? Wie ist der weitere Ablauf?

Sollte aus der Befragung ein Handlungsauftrag zur Umsetzung resultieren, ist geplant, den entsprechenden Gesetzesentwurf noch vor der Sommerpause 2019 in den Landtag einzubringen. Eine Errichtungskonferenz zur Vorbereitung von Pflegekammer oder Pflegering würde im Fall von eindeutigen Ergebnissen unmittelbar nach Bekanntgabe des Berichts vom Ministerium eingesetzt werden. Diese Konferenz würde im Wesentlichen aus den Mitgliedern des Begleitgremiums, das derzeit auch die Informationskampagne unterstützt, bestehen. Diese Vertreterinnen und Vertreter der wichtigsten Verbände und Vereinigungen der Pflegeszene würden die Arbeit des Gründungsausschusses, als erstem Organ der Interessenvertretung, vorbereiten.


Die beiden Modelle: Pflegekammer und Pflegering


Wer wäre Mitglied in einer Pflegekammer oder einem Pflegering? Gibt es auch in einer Kammer freiwillige Mitgliedschaft?

In einer Pflegekammer wären alle Pflegefachkräfte in Nordrhein-Westfalen Pflichtmitglieder. Freiwillige Mitglieder könnten voraussichtlich Auszubildende, Studierende, Pflegehilfskräfte und nicht berufstätige Pflegekräfte, z.B. solche im Ruhestand, werden. Sinn und Zweck der Pflichtmitgliedschaft ist die Gewährleistung finanzieller und politischer Unabhängigkeit sowie Handlungsmacht der Kammer.

Die Mitgliedschaft in einem Pflegering wäre freiwillig. Beitreten könnten auch Berufsverbände und einschlägige Interessenvertretungen, z.B. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände.

Kann man als aktive Pflegefachkraft die Mitgliedschaft in einer Pflegekammer verweigern?

Nein. Sollte es zur Gründung einer nordrhein-westfälischen Pflegekammer kommen, wäre jede Pflegefachkraft solange Pflichtmitglied, wie sie den Pflegefachberuf im Land NRW ausübt.

Ist die Mitgliedschaft in einem Pflegering verpflichtend?

Nein, eine Mitgliedschaft ist freiwillig. Auch Verbände und andere Zusammenschlüsse können Mitglied werden, solange sie einen überwiegenden Pflegebezug haben.

Wer dürfte bzw. könnte Mitglied in einem Pflegering werden?

Eine Mitgliedschaft beantragen können alle in Nordrhein-Westfalen tätigen Pflegekräfte, also Pflegefachkräfte sowie Angehörige der Pflegeassistenzberufe und Pflegekräfte in der Ausbildung. Zudem können auch andere Interessenvertretungen (wie Berufsverbände, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände) beitreten.

Was sind die Unterschiede zwischen Pflegekammer und Pflegering? Gibt es weitere Modelle?

Einer Pflegekammer werden umfangreiche staatliche Aufgaben zur Selbstverwaltung übertragen. Sie ist damit ein echtes und unabhängiges Selbstverwaltungsgremium, da in ihr alle in Nordrhein-Westfalen tätigen Pflegefachkräfte Mitglied wären. Die Mitgliedschaft ist, wie in anderen berufsständischen Kammern (z.B. Ärztekammer), verpflichtend. Dadurch kann eine Pflegekammer wirklich im Namen aller Pflegefachkräfte sprechen und hat eine starke Position in Gesellschaft und Politik.

Ein sog. Pflegering ist in seiner Mitgliederstruktur breiter aufgestellt, da auch Verbände und Vereinigungen Mitglied werden können. Dies gilt insbesondere für Arbeitgebervertretungen und Gewerkschaften mit überwiegendem Pflegebezug. Die Mitgliedschaft ist für alle freiwillig.  

Für die Umsetzung eines der beiden Modelle stellt das Land vorbehaltlich der Verabschiedung des Haushaltes durch den Landtag NRW in den kommenden Jahren die Anschubfinanzierung zur Verfügung. Eine Pflegekammer würde sich danach hauptsächlich aus den Beiträgen ihrer Mitglieder und aus Gebühren selbst finanzieren. Die weitere Finanzierung eines Pflegerings ist hingegen zunächst abhängig vom Landeshaushalt. Der Haushaltsgesetzgeber – der Landtag – muss über die Zuwendungen im Rahmen der jährlichen Haushaltsverhandlungen entscheiden. Zunächst würde, wie in Bayern, voraussichtlich eine freiwillige Beitragszahlung der Mitglieder erprobt werden. Für den Fall, dass diese nicht auskömmlich ist, könnten in Folgejahren auch Pflichtbeiträge eingeführt werden. Sowie eine Finanzierung aus dem Landeshaushalt notwendig wird, unterliegt diese der Finanzierungskontrolle des Landes.

Wie würde eine Pflegekammer NRW aussehen und welche Befugnisse hätte diese?

Wenn eine Kammer kommt, dann soll sie auch umfangreiche Aufgaben erhalten. Sie soll eine starke Stimme werden.

Eine Pflegekammer würde daher ähnlich ausgestaltet werden, wie die bestehende Pflegekammer in Rheinland-Pfalz oder wie die nordrhein-westfälischen Ärztekammern. Sie würde umfassend zuständig werden für Fort- und Weiterbildungen, inklusive Verordnungskompetenz. Sie würde eine Berufsordnung erlassen dürfen und diese auch vollziehen können. Dadurch würden verbindliche Qualitätsstandards festgesetzt, die sich auf die Qualität der Pflege aber auch auf die Qualität des pflegerischen Arbeitsalltags auswirken. Die Kammer stünde ihren Mitgliedern zur Seite und würde diese umfassend beraten. Auch gegenüber der Politik wäre eine Kammer feste Ansprechpartnerin in allen die Pflege betreffenden Angelegenheiten und damit eine Beratungsinstitution. Zudem sollen einer Kammer auch Verantwortungen im Bereich der Anerkennung ausländischer Pflegeberufsabschlüsse und im Rahmen der Ausbildung von angehenden Pflegekräften übertragen werden.

Würde ich durch die Pflegekammer NRW oder den Pflegering NRW zu Fortbildungen verpflichtet werden?

Fortbildungsverpflichtungen bestehen derzeit nur vereinzelt, da es auf aktueller Rechtslage schwierig ist, eine allgemeine Fortbildungsverpflichtung entgegen dem Weisungs- und Direktionsrechts des einzelnen Arbeitgebers durchzusetzen. Das würde sich auch durch eine Interessenvertretung so schnell nicht ändern.

Durch eine Interessenvertretung könnten Fort- und Weiterbildungen zukünftig aber transparenter – und damit einheitlicher – geregelt und unterstützt werden. Eine Pflegekammer könnte dabei die Verordnungen eigenständig erlassen, in Zukunft würde das Fort- und Weiterbildungsrecht damit von denjenigen gestaltet werden, die es betrifft: den Pflegekräften.

Ein Pflegering würde hingegen die Verordnung des Ministeriums umsetzen. Daher hätte das Ministerium neben der Rechtsaufsicht hier auch eine Fachaufsicht.

Beide Institutionen wären zuständig für die Anerkennung von Weiterbildungen, für die Zulassung von Weiterbildungsstätten und die Erteilung von Befugnissen.

Welchen Einfluss könnten eine Pflegekammer bzw. ein Pflegering auf die Pflegepraxis ausüben?

Eine Pflegekammer kann die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Staat und Gesellschaft unabhängig vertreten. Denn sie spricht für alle Pflegefachkräfte und finanziert sich hauptsächlich durch Beiträge. Eine Pflegekammer würde eine Berufsordnung beschließen, in der die Berufsrechte und -pflichten ausgestaltet sowie Qualitätsstandards für eine gute pflegerische Versorgung durch die Berufsgruppe festgehalten werden. Zudem würde sie in der Berufsordnung für den Umgang mit berufsethischen Fragestellungen eine Berufsethik erlassen und deren Einhaltung grundsätzlich ohne äußere Einflussnahme überwachen können. Die Pflegekammer könnte Stellungnahmen und Gutachten erstellen, Sachverständige benennen und Pflegefachpersonen in berufsrechtlichen und -ethischen Fragen beraten. Darüber hinaus würde sie bei Gesetzgebungsverfahren angehört und könnte Fort- und Weiterbildungen regeln. Sie ist in allen fachlich einschlägigen Gremien zu beteiligen.

Ein Pflegering kann hingegen aufgrund seiner Konstitution ausschließlich für seine freiwilligen Mitglieder und nicht für alle Pflegekräfte sprechen. Grundsätzlich könnte der Pflegering eine vom Ministerium erlassene Berufsordnung vollziehen, Fortbildungen fördern, Qualitätsrichtlinien entwickeln und fortschreiben sowie zur Benennung von Sachverständigen herangezogen werden.

Welche Verbesserungen für die Pflegebranche versprechen Sie sich von einer Interessenvertretung? Was kann Sie bewirken?

Eine Interessenvertretung wird die Position der Pflege, aber auch die Selbstbestimmung der Pflegekräfte stärken. Sie soll dazu beitragen, dass die Professionalität der Pflege vollständig gesellschaftlich und wirtschaftlich anerkannt wird. Für eine moderne Weiter- und Fortentwicklung des Berufsbildes kommt es entscheidend auf die Expertise der Berufsgruppe selbst an.

Die Pflegekammer soll die Verantwortung für Pflege weitgehend in die Hände der Pflegenden legen und diese entscheiden lassen, was „gute“ und „richtige“ Pflege ist.

Einem Pflegering würden demgegenüber weniger Kompetenzen übertragen werden können, da er nicht für alle Pflegefachkräfte, sondern nur für seine Mitglieder sprechen kann.

Wie finanzieren sich die beiden Modelle?

Die Pflegekammer finanziert sich vor allem durch die Beiträge der Mitglieder. Die Beiträge für den Pflegering sind voraussichtlich freiwillig. Damit ist ein Pflegering zur Erfüllung seiner Aufgaben auf regelmäßige Zuwendungen aus dem Landeshaushalt angewiesen und von diesem abhängig.

Wer würde die Höhe des Mitgliedsbeitrags festlegen?

Bei der Pflegekammer würde die Beitragsordnung, in der die Höhe und Staffelung des Mitgliedsbeitrages geregelt ist, durch die Kammerversammlung erlassen werden.

Die Beiträge für einen Pflegering könnte das Land festlegen.

In welchem finanziellen Rahmen würden sich die Mitgliedsbeiträge für die Pflegekammer bzw. den Pflegering bewegen?

Der exakte Mitgliedsbeitrag steht im Vorfeld der Gründung noch nicht fest und wird, wie in anderen Kammern auch, in Abhängigkeit der ihr vom Land übertragenen Aufgaben voraussichtlich von der individuellen Leistungsfähigkeit, also vom Einkommen, des jeweiligen Mitglieds abhängig sein.

Bei der Pflegekammer würde es einen monatlichen Pflichtbeitrag geben, den die Kammerversammlung selbst festlegt. Als Referenzwert kann an dieser Stelle der Monatsbeitrag der Pflegekammer Rheinland-Pfalz herangezogen werden. Eine Pflegefachkraft mit einem monatlichen Einkommen zwischen 2.500 und 4.500 Euro zahlt dort einen monatlichen Pflichtbeitrag von 9,80 Euro. Eine Kammer mit gleicher Finanzausstattung würde in Nordrhein-Westfalen im Schnitt 5,00 Euro im Monat kosten, da eine nordrhein-westfälische Pflegekammer erheblich mehr Mitglieder hätte.

Die Beiträge für den Pflegering wären voraussichtlich freiwillig. Eine eventuelle Beitragshöhe würde dann das Land auf Vorschlag des Pflegerings festlegen.

Müsste der Arbeitgeber für den Mitgliedsbeitrag aufkommen?

Der Arbeitgeber wäre nicht verpflichtet, Mitgliedsbeiträge zu übernehmen, könnte sich aber freiwillig dazu bereit erklären.

Sind Mitgliedsbeiträge steuerlich absetzbar?

Ja, als sogenannte Werbungskosten.

Welche Organisationsformen haben Pflegekammer und Pflegering?

Pflegekammer und Pflegering sind beides landesweit organisierte Körperschaften des öffentlichen Rechts, die der Selbstverwaltung der Berufsstände in der Pflege dienen. An diese Körperschaften gibt der Staat auf Basis eines Landesgesetzes bestimmte Aufgaben ab, um sie von den Berufsangehörigen selbstständig regeln zu lassen.

Werden Pflegekammer und Pflegering haupt- oder ehrenamtlich geleitet?

Eine Pflegekammer würde von Ihren Organen (der Kammerversammlung und dem Vorstand/Präsidium) ehrenamtlich geleitet. Die ehrenamtliche Verfasstheit der Kammer kann entweder im Kammergesetz oder im Rahmen einer Kammersatzung festgelegt werden. Etwaige Aufwandsentschädigungen für die Ehrenamtlichen setzt die Kammerversammlung selbst fest.

Auch der Pflegering würde voraussichtlich über ein ehrenamtliches Präsidium nach bayerischem Vorbild verfügen.

Die Verwaltung beider Körperschaften könnte durch eine Geschäftsstelle mit hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfolgen.

Welche Möglichkeiten der Mitbestimmung und aktiven Beteiligung bestehen bei einer Pflegekammer bzw. einem Pflegering?

Pflegekammer und Pflegering wären auf den Einsatz ihrer Mitglieder angewiesen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten sich zu engagieren, z. B. in der Kammerversammlung (Pflegekammer), im Präsidium (Pflegering), im Vorstand oder in Ausschüssen und Arbeitskreisen.

Würden eine Pflegekammer bzw. ein Pflegering andere bereits existierende Verbände und Organisationen ersetzen?

Nein. Eine Pflegekammer oder ein Pflegering ersetzen nicht Gewerkschaften oder Berufsverbände. Sie verändern nicht direkt die Arbeitsbedingungen und führen keine Tarifverhandlungen.

Wer überwacht eine Pflegekammer bzw. einen Pflegering (wer ist oberstes Gremium)?

Die Geschäfte der Kammer führen das Präsidium bzw. der Vorstand, beide werden von der Kammerversammlung gewählt. Damit ist das oberste Gremium einer Pflegekammer die Kammerversammlung, die demokratisch von allen Mitgliedern gewählt und auch aus der Mitte der Mitglieder besetzt wird. In der Kammerversammlung sitzen also ausschließlich Pflegekräfte. Diese entscheiden jährlich über den Haushalt und den künftigen Mitteleinsatz der Kammer und überwachen die korrekte Mittelverwendung. Die Kammerversammlung hat auch das grundlegende Satzungsrecht. Die Rechtsaufsicht über die Pflegekammer obliegt dem zuständigen Landesministerium.

Die Geschäfte des Pflegerings würden ebenfalls von einem Präsidium bzw. einem Vorstand geführt, die von den Mitgliedern oder einer Delegiertenversammlung gewählt würden. Allerdings würde ein Beirat das Präsidium und den Vorstand kontrollieren. In diesem Beirat wären sowohl Mitglieder des Pflegerings als auch Träger von Krankenhäusern bzw. von Pflegeeinrichtungen vertreten. Den Vorsitz des Beirates würde das Ministerium bestimmen. Über einen Pflegering übt zudem, soweit er sich nicht selbstständig finanziert, grundsätzlich das Ministerium Fach- und Rechtsaufsicht aus. Vertreterinnen bzw. Vertreter des Ministeriums dürfen auf Verlangen daher jederzeit an der Mitglieder- bzw. an der Delegiertenversammlung teilnehmen.

Können eine Pflegekammer NRW bzw. ein Pflegering NRW Mitglieder einer entsprechenden Interessenvertretung auf Bundesebene sein?

In einer Bundespflegekammer könnte nur eine Pflegekammer Nordrhein-Westfalen vertreten sein, nicht ein Pflegering. Das hat die Errichtungskonferenz auf Bundesebene bereits deutlich angekündigt.

Was ist eine Kammerversammlung?

Die Kammerversammlung wird durch alle registrierten Mitglieder der Pflegekammer demokratisch gewählt. Sie vertritt die Mitglieder und beschließt beispielsweise die Satzung oder Gebührenordnung und den Haushalt. Die Kammerversammlung wählt auch den Vorstand mit dem Präsidenten, der die Geschäfte führt.

Da in einer Pflegekammer nur Pflegefachkräfte Pflichtmitglieder sind, können auch nur Pflegefachkräfte in der Kammerversammlung sitzen und in den Vorstand gewählt werden. Auch der Präsident oder die Präsidentin der Kammer wäre Pflegefachkraft. Natürlich hat eine Pflegekammer aber auch die Möglichkeit, Angestellte, zum Beispiel einen Justiziar oder eine Justiziarin, zu beschäftigen.

Könnten sich die Kosten der Pflege im Falle einer Kammer erhöhen?

Nein. Die Errichtung einer Kammer wird keinerlei Auswirkungen auf die Pflegekosten haben.

Gibt es Erfahrungen aus anderen Bundesländern? Hat sich die Lage der Pflegekräfte in den Bundesländern mit Interessenvertretung verbessert? Woran ist dies zu messen?

Die Verbesserung der Lage der Pflegenden ist an unterschiedlichen Faktoren zu messen – der Verbleibdauer im Beruf, an jungen Menschen, die sich für das Berufsbild entscheiden, an der Zufriedenheit, die in Umfragebarometern und Studien zum Ausdruck gebracht wird. Alle drei deutschen Pflegekammern befinden sich derzeit noch im Aufbau bzw. in der Etablierungsphase, nachhaltige Effekte können daher noch gar nicht sichtbar sein. Die Aktivitäten der rheinland-pfälzischen Kammer sind nach außen aber deutlich sicht- und spürbar – das Thema „Pflege“ ist so präsent wie nie und von der politischen Tagesordnung nicht wegzudenken.

Auch der sogenannte Pflegering in Bayern befindet sich noch im Aufbau, so dass hier ebenfalls noch keine nachhaltigen Effekte sichtbar sind.

In welchen anderen Bundesländern gibt es bereits eine landesweite Interessenvertretung für Pflegefachkräfte?

Pflegekammern gibt es derzeit in Rheinland-Pfalz, Niedersachen und Schleswig-Holstein. In Baden-Württemberg ist in diesem Sommer die Entscheidung zur Errichtung einer Pflegekammer gefallen, in Brandenburg und Hessen werden die Pflegekräfte derzeit befragt bzw. wird die Befragung momentan ausgewertet.

In Bayern wird seit vergangenem Frühjahr ein sog. Pflegering unter dem Namen „Vereinigung der Pflegenden in Bayern“ aufgebaut.

Relevante

Pressemitteilungen

Weiteres

zum Thema

KONTAKT

Fachreferat

KEINE ERGEBNISSE

Verweise

zum Thema

Informationen

Downloads

KEINE ERGEBNISSE

Video

zum Thema

Kontakt

aufnehmen

Sie haben Fragen, Anregungen oder Wünsche zur Interessenvertretung für die Pflege?
 
Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!