Digitalisierung in den Betrieben Nordrhein-Westfalens - IAB-Betriebspanel 2017

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Drei unterschiedliche Diagramme mit einem Kugelschreiber

IAB-Betriebspanel befragt Betriebe in NRW zu Stand und Auswirkung der Digitalisierung

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) führt jährlich eine repräsentative Befragung von Arbeitgebern durch – IAB-Betriebspanel NRW 2017, gefördert aus Mitteln des ESF, steht zum Herunterladen bereit

Digitale Technologien werden in den Betrieben breit genutzt. Der Einsatz ist mehrheitlich aber auf Basistechnologien beschränkt. Veränderungen durch Digitalisierung wirken sich auf die Arbeitswelt der Beschäftigten aus und sind bei Vorreiter-Betrieben schon heute spürbar. Die Ausbildungsbereitschaft ist gestiegen, zugleich wird die Gewinnung von Auszubildenden schwieriger. Die Ergebnisse des IAB-Betriebspanel 2017 liegen vor und stehen zum Herunterladen bereit

Ergebnisse der jährlichen Arbeitgeberbefragung des IAB Betriebspanel für Nordrhein-Westfalen. Befragungswelle 2017

Das IAB-Betriebspanel wurde 2017 als bundesweite repräsentative Arbeitgeberbefragung zum 22. Mal in Folge durchgeführt. Das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium finanziert dabei eine auf NRW bezogene Sondererhebung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Für das IAB-Betriebspanel NRW werden mehr als 1.400 Arbeitgeber zur Beschäftigungssituation in ihrem Betrieb befragt. Themenschwerpunkte der aktuellen Befragungswelle waren: Stand und Auswirkungen der Digitalisierung, Aus- und Weiterbildung, betriebliche Interessenvertretung und Tarifbindung.

Die Ergebnisse des IAB-Betriebspanels 2017 in Kürze

  • Mehrheit der Betriebe nutzt Breitbandanschlüsse wie DSL, UMTS oder LTE; Leitungskapazität für die meisten ausreichend

Mehr als zwei Drittel (69 %) der nordrhein-westfälischen Betriebe nutzen eigenen Angaben zufolge einen Breitbandanschluss wie beispielsweise DSL, UMTS oder LTE. Die Betriebe in Nordrhein-Westfalen verfügen damit über etwas weniger günstige Voraussetzungen, die Möglichkeiten digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien zu nutzen, als jene in anderen Regionen (westdeutsche Bundesländer ohne NRW: 77 %, Bundesdurchschnitt: 75 %). Die große Mehrheit der Nutzer in Nordrhein-Westfalen beurteilte die Leitungskapazität des genutzten Anschlusses als ausreichend (85 %). Demgegenüber sind 15 % mit der verfügbaren Kapazität ihres Anschlusses unzufrieden.

  • Digitale Informations- und Kommunikationstechnologien mittlerweile breit genutzt, Einsatz aber mehrheitlich noch auf Basistechnologien beschränkt

In nahezu jedem Betrieb werden mittlerweile IT-gestützte Arbeitsmittel sowie mobile Endgeräte eingesetzt. Über diese digitalen Basistechnologien hinausgehende digitale  Informations- und Kommunikationstechnologien, wie z. B. Software zur Optimierung von Arbeitsprozessen, digitale Verkaufsplattformen oder der Einsatz sozialer Netzwerke für die Personalrekrutierung, sind demgegenüber deutlich weniger verbreitet.
Noch seltener ist der Einsatz von digitalen Schrittmachertechnologien, wie programmgesteuerter Produktionsmittel (z. B. Roboter) oder der digitalen Vernetzung von Anlagen: Bei lediglich 5 bzw. 6 % der Betriebe sind entsprechende Anwendungen im Einsatz. Auch in anderen Regionen beschränkt sich der Kreis der Anwender solcher Technologien auf eine vergleichsweise kleine Zahl von Betrieben.
Rund 38 % der nordrhein-westfälischen Betriebe weisen einen geringen Digitalisierungsgrad auf, d. h. sie nutzen maximal zwei digitale Informations- und Kommunikationstechnologien. In der Regel handelt es sich hierbei um Basistechnologien. Mit 54 % bilden Betriebe mit einem mittleren Digitalisierungsgrad die zahlenmäßig größte Gruppe. In diesen Betrieben werden zwischen drei und fünf digitale Informationsund Kommunikationstechnologien genutzt.
In 8 % der Betriebe werden bereits mehr als fünf digitale Technologien eingesetzt (westdeutsche Bundesländer ohne NRW: 7 %, Bundesdurchschnitt: 7 %). Diese „digitalen Vorreiter“ setzten eine Vielzahl digitaler Informations- und Kommunikationstechnik ein. Neben den Basistechnologien, die bei ausnahmslos allen „digitalen Vorreitern“ angewendet werden, ist auch die Nutzung von Schlüsseltechnologien, wie z. B. Software zur Optimierung von Geschäftsprozessen, alltägliche Praxis.
Mehr als jeder dritte Betrieb mit einem hohen Digitalisierungsgrad setzt auch Schrittmachertechnologien ein, wie z. B. programmgesteuerte Produktionsmittel oder digital vernetzte Anlagen.  

  • Anwendung digitaler Technologien mit vielfältigen Auswirkungen auf die Arbeitswelt der Beschäftigten; Veränderungen bei digitalen Vorreitern bereits heute stärker spürbar

Der digitale Wandel wird den Arbeitsalltag vieler Arbeitnehmer nachhaltig verändern. Die stärksten Auswirkungen erwarten die befragten Arbeitgeber bei den Arbeitsinhalten: 40 % der Betriebe in Nordrhein-Westfalen sind der Meinung, dass die zu erledigenden Arbeitsaufgaben durch den Einsatz digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien vielfältiger werden, 36 % gehen von einer Zunahme der parallel zu erledigenden Tätigkeiten und 29 % von einer höheren Komplexität der Arbeitsaufgaben aus. Diese Veränderungen werden vermutlich zu stärkeren Beanspruchungen der Arbeitnehmer führen.
Fast jeder dritte Betrieb geht davon aus, dass der digitale Wandel zu erhöhten psychischen Beanspruchungen der Beschäftigten führt (29 %). Mit dem zunehmenden Einsatz digitaler Technologien können viele Arbeitsaufgaben auch unterwegs oder zu Hause erledigt werden. Bislang sind jedoch erst 17 % der Meinung, dass durch den Einsatz digitaler Technologien die Beschäftigten künftig stärker über Zeit und Ort der Aufgabenerledigung bestimmen können.
Der digitale Wandel beeinflusst auch den Bereich der Aus- und Weiterbildung: Rund 26 % der Betriebe gehen davon aus, dass die Relevanz beruflicher Abschlüsse zunehmen wird. 44 % der Betriebe rechnen zugleich mit einem erhöhten Weiterbildungsbedarf. Die Verantwortung für die Anpassung der beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten an den digitalen Wandel sehen viele befragte Arbeitgeber bei ihren Mitarbeitern (41 %).
Betriebe, die digitale Technologien schon heute umfassend einsetzen, die sogenannten „digitalen Vorreiter“, sehen bei allen Aspekten deutlich stärkere Veränderungen als Betriebe, die noch nicht so weit fortgeschritten sind. Für mehr als zwei Drittel (69 %) dieser Betriebe, und damit wesentlich mehr als im Durchschnitt, steigt mit dem Einsatz digitaler Technologien die Notwendigkeit, dass Arbeitnehmer ihre Kenntnisse mittels Weiterbildung anpassen müssen. Und fast jeder zweite „digitale Vorreiter“ konstatiert zunehmende psychische Belastungen infolge des Einsatzes digitaler Technologien (46 %). Das sind fast doppelt so viele Betriebe wie im Durchschnitt Nordrhein-Westfalens.

  • Ausbildungsbeteiligung ist wieder gestiegen; zugleich zunehmende Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Auszubildenden

In Nordrhein-Westfalen erfüllt etwas mehr als jeder zweite Betrieb (56 %) eigenen Angaben zufolge die Voraussetzungen, um den Bedarf an Nachwuchsfachkräften durch eigene Ausbildungsanstrengungen zu decken. Von diesen Betrieben beteiligten sich im letzten Jahr 54 % an der Ausbildung, d. h. bildeten zum Stichtag mindestens einen Auszubildenden aus oder hatten Ausbildungsplätze für das zurückliegende oder das zum Zeitpunkt der Befragung beginnende Ausbildungsjahr angeboten.
Hochgerechnet auf alle Betriebe, sowohl Betriebe mit als auch solche ohne Ausbildungsberechtigung, entspricht dies einem Anteil von rund 30 % (westdeutsche Bundesländer ohne NRW: 29 %, Bundesdurchschnitt: 28 %).
Für das zum Zeitpunkt der aktuellen Befragung zurückliegende Ausbildungsjahr 2016/2017 hatte rund jeder dritte ausbildungsberechtigte Betrieb in Nordrhein-Westfalen beabsichtigt, einen oder mehrere Ausbildungsplätze zu besetzen.
In mehr als jedem dritten Betrieb (38 %) mit einem Ausbildungsangebot konnte demgegenüber mindestens ein Ausbildungsplatz nicht besetzt werden (westdeutsche Bundesländer ohne NRW: 31 %, Bundesdurchschnitt: 36 %).
Insgesamt fand sich für hochgerechnet knapp ein Viertel (23 %) der zu besetzenden Ausbildungsstellen kein passender Bewerber (westdeutsche Bundesländer ohne NRW: 20 %, Bundesdurchschnitt: 23 %). Im Vergleich zu den Vorjahren ist es den nordrhein-westfälischen Betrieben damit weniger gut gelungen, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen folgte damit dem Bundestrend.

  • Betriebliche Weiterbildungsbeteiligung gestiegen; mehr Beschäftigte mit Weiterbildung als im Vorjahr

Rund 53 % der Betriebe haben ihren Beschäftigten die Teilnahme an einer Fort- oder Weiterbildungsmaßnahme durch eine Kostenübernahme oder eine Freistellung von der Arbeit im ersten Halbjahr 2017 ermöglicht. Die Weiterbildungsbeteiligung der nordrhein-westfälischen Wirtschaft lag um zwei Prozentpunkte über dem Vorjahreswert (westdeutsche Bundesländer ohne NRW: 53 %, Bundesdurchschnitt: 53 %).
Die Weiterbildungsquote, welche den Anteil der Weiterbildungsteilnehmer an allen Beschäftigten misst, betrug 33 % und lag damit um einen Prozentpunkt über dem Vorjahreswert (westdeutsche Bundesländer ohne NRW: 36 %, Bundesdurchschnitt: 36 %).
Wie schon in den Vorjahren investierten die Betriebe stärker in die Fort- und Weiterbildung von Beschäftigten, die bereits ein höheres Qualifikationsniveau aufweisen. Die Weiterbildungsquote von Beschäftigten, die qualifizierte oder hochqualifizierte Tätigkeiten ausüben, fiel mit 41 bzw. 48 % wesentlich höher aus als jene von Beschäftigten auf Arbeitsplätzen für Un- und Angelernte (20 %).

  • Talfahrt bei der Tarifbindung setzt sich unvermindert fort; Anteil der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben auf Tiefststand gesunken

Mit einem Anteil von 35 % liegt die Tarifbindung der Betriebe um zwei Prozentpunkte unter dem Niveau des vorangegangenen Jahres. Dies schränkt die Möglichkeiten der Tarifpartner, Mindeststandards durchzusetzen und z. B. den digitalen Wandel aktiv zu begleiten, erheblich ein.
Mit dem rückläufigen Anteil tarifgebundener Betriebe hat sich auch der Anteil der in tarifgebundenen Betrieben beschäftigten Arbeitnehmer auf aktuell 62 % verringert (2016: 63 %). Der Anteil von Arbeitnehmern, die tarifvertraglichen Regelungen unterliegen, ist damit auf einen neuen Tiefststand gesunken.
Die Entwicklung der Tarifbindung in Nordrhein-Westfalen folgte damit dem Bundestrend. In anderen Bundesländern ist die tarifliche Bindung von Betrieben und Beschäftigten ebenfalls gesunken. Bei ähnlichen Entwicklungstendenzen sind in Nordrhein-Westfalen jedoch nach wie vor mehr Betriebe und Beschäftigte an Tarifverträge gebunden. Ein Teil der Betriebe ohne tarifliche Bindungen - insgesamt 23 % aller Betriebe in Nordrhein-Westfalen - orientiert sich bei der Aushandlung von Löhnen und Gehältern an Flächentarifverträgen.
Insgesamt bezahlten mehr als die Hälfte (58 %) der Betriebe ihren Beschäftigten Löhne und Gehälter nach Tarifvertrag (35 %) oder in Anlehnung an einen Tarifvertrag (23 %). In diesen Betrieben sind zusammen mehr als drei Viertel aller Beschäftigten tätig (tarifgebundene Betriebe: 62 %; Betriebe mit Orientierung: 17 %). Flächentarifverträge üben somit eine nicht unbedeutende Funktion als Maßstab für die Aushandlung von Löhnen und Gehältern auch in nicht tarifgebundenen Betrieben aus und wirken damit weit über ihren formalen Geltungsbereich hinaus.

  • Betriebsräte in Großbetrieben weit verbreitet, in Kleinst- und Kleinbetrieben eher die Ausnahme

In lediglich 8 % der nordrhein-westfälischen Betriebe gibt es einen Betriebsrat (westdeutsche Bundesländer ohne NRW: 8 %, Bundesdurchschnitt: 8 %). Da es sich bei Betrieben mit Betriebsrat in der Regel um solche mit mehreren hundert bis mehreren tausend Beschäftigten handelt, ist der Anteil von Beschäftigten deutlich größer: Insgesamt sind 44 % der Arbeitnehmer in einem Betrieb beschäftigt, in dem es einen Betriebsrat gibt.
Generell gilt: Je größer ein Betrieb ist, desto häufiger gibt es ein entsprechendes Gremium. Von allen Betrieben mit weniger als 10 Beschäftigten bzw. 10 bis 49 Beschäftigten haben lediglich 2 bzw. 10 % einen Betriebsrat. Von den Betrieben mit 50 bis 249 Beschäftigten hat jeder zweite einen Betriebsrat. Bei Betrieben mit 250 oder mehr Beschäftigten sind es sogar drei Viertel.
 

 

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