Einstellungsbereit und aktiv in Weiterbildung - IAB-Betriebspanel 2016

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Drei unterschiedliche Diagramme mit einem Kugelschreiber

IAB-Betriebspanel befragt Betriebe in NRW zu Einstellung von Langzeitarbeitslosen und Ausländern, Weiterbildung, Arbeitszeiten und Tarifbindung

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) führt jährlich eine repräsentative Befragung von Arbeitgebern durch – IAB-Betriebspanel NRW 2016, gefördert aus Mitteln des ESF, steht zum Herunterladen bereit

Die Betriebe in Nordrhein-Westfalen zeigen eine hohe Bereitschaft, Langzeitarbeitslose einzustellen. Über die Hälfte der Betriebe ist aktiv in der Weiterbildung. Nur jeder zehnte Betrieb bietet Maßnahmen zur Integration von ausländischen Arbeitskräften an. Teilzeitarbeit gewinnt weiter an Bedeutung. Die Ergebnisse des IAB-Betriebspanel 2016 liegen vor – Gesamtbericht mit drei Kurzberichten zu den Schwerpunkten.

Ergebnisse der jährlichen Arbeitgeberbefragung des IAB Betriebspanel für Nordrhein-Westfalen. Befragungswelle 2016.

Das IAB-Betriebspanel wurde in 2016 als bundesweite repräsentative Arbeitgeberbefragung zum 21. Mal in Folge durchgeführt. Das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium finanziert dabei eine auf NRW bezogene Sondererhebung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Für das IAB-Betriebspanel NRW werden über 1.500 Arbeitgeber zur Beschäftigungssituation in ihrem Betrieb befragt. Themenschwerpunkte der aktuellen Befragungswelle waren: Einstellungsverhalten gegenüber Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt; Weiterbildung; Arbeitszeiten, betriebliche Interessenvertretung und Tarifbindung.

Es liegen der Gesamtbericht sowie drei Kurzberichte zu den einzelnen Themenschwerpunkten vor.

Themenschwerpunkt: Einstellungsverhalten gegenüber Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt

  • Grundsätzlich besteht eine hohe Einstellungsbereitschaft der Betriebe hinsichtlich langzeitarbeitsloser Bewerber, sofern die fachliche Eignung gegeben ist; ein Teil der Betriebe äußert grundsätzliche Vorbehalte auch bei fachlicher Eignung

Die große Mehrheit der Betriebe (84 %) zeigt sich aufgeschlossen gegenüber langzeitarbeitslosen Bewerbern, sofern die qualifikatorischen Voraussetzungen erfüllt sind. Ein Teil der Betriebe ist demgegenüber grundsätzlich nicht bereit, Langzeitarbeitslose einzustellen, auch wenn diese fachlich geeignet wären. Von diesen Betrieben haben 85 % generelle Bedenken. 15 % berücksichtigen Langzeitarbeitslose nicht, weil sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Für die meisten einstellungsbereiten Betriebe ist laut Befragung ein guter persönlicher Eindruck der langzeitarbeitslosen Bewerber entscheidend für eine positive Einstellungsentscheidung (77 %). Darüber hinaus ist es vielen Betrieben wichtig, weitere Informationen über die Person und ihre Arbeitsweise gewinnen zu können, etwa im Rahmen eines Praktikums (39 %) oder in Form einer Empfehlung durch Dritte (43 %). Empfehlungen durch die Arbeitsagenturen oder eine finanzielle Förderung können das Einstellungsverhalten ebenfalls positiv beeinflussen (jeweils 31 %).

  • Beschäftigung von ausländischen Arbeitskräften vor allem in Großbetrieben weit verbreitet; jeder zehnte Betrieb mit Maßnahmen zur Integration von ausländischen Arbeitskräften; Mehrheit der Betriebe sieht keine Notwendigkeit für betriebliche Integrationsmaßnahmen und verzichtet daher auf entsprechende Angebote

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit beträgt der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren in Nordrhein-Westfalen 13,0 % und an den Beschäftigten 9,4 %. Der Beschäftigtenanteil der Ausländer ist gemessen am Bevölkerungsanteil unterdurchschnittlich, was bedeutet, dass nicht alle Potenziale für den Arbeitsmarkt ausgeschöpft sind.

In zahlreichen Betrieben werden Arbeitskräfte beschäftigt, die nicht über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen. Mit 26 % entspricht der Anteil von nordrhein-westfälischen Betrieben mit ausländischen Arbeitskräften nahezu dem Durchschnitt der übrigen westdeutschen Bundesländer (27 %). Ausländische Arbeitskräfte sind überdurchschnittlich häufig auf Arbeitsplätzen tätig, welche durch geringe Qualifikationsanforderungen gekennzeichnet sind.

Zu den Bereichen mit einer überdurchschnittlich starken Beschäftigung von ausländischen Arbeitskräften gehören die Übrigen Dienstleistungen (z. B. Hotel und Gaststättengewerbe, Friseurgewerbe und Kosmetik) sowie das Verarbeitende Gewerbe.

Rund jeder zehnte nordrhein-westfälische Betrieb (9 %) bietet eine oder mehrere Maßnahmen an, die darauf ausgerichtet sind, ausländische Arbeitskräfte zu integrieren (Westdeutschland ohne NRW: 10 %). Die Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein solcher Angebote steigt mit der Betriebsgröße. Während lediglich 5 % der zahlreichen Kleinstbetriebe entsprechende Maßnahmen anbieten, gibt es diese in mehr als jedem zweiten Großbetrieb.

Betriebe versuchen die Integration ausländischer Arbeitskräfte vor allem durch die Bereitstellung von Praktikums- und Traineeplätzen zu unterstützen. Diese gibt es in fast jedem zweiten Betrieb mit Angeboten. Angebote, die sich direkt an ausländische Beschäftigte richten sind in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu anderen Bundesländern deutlich unterrepräsentiert.

Rund 90 % der Betriebe bieten keine Integrationsmaßnahmen an. Am häufigsten wurde dies damit begründet, dass hierfür keine Notwendigkeit gesehen wird. Das fehlende Engagement wurde auch mit innerbetrieblichen Faktoren begründet, wie z. B. mit organisatorischen Abläufen im Betrieb, die solche Maßnahmen wie etwa ein Praktikum nicht zulassen. Ebenso wurde auf begrenzte personelle (z. B. Ausbildungspersonal) und finanzielle Ressourcen verwiesen.

Themenschwerpunkt: Weiterbildung

  • Mehr als die Hälfte der Betriebe ist weiterbildungsaktiv; die Weiterbildungsquote der Beschäftigten bleibt stabil. Betriebe und Beschäftigte nutzten vorrangig die Angebote externer Bildungsträger. Gut qualifizierte Beschäftigte profitierten am meisten von betrieblich unterstützter Weiterbildung; Frauen bildeten sich insgesamt häufiger weiter als Männer.

Im Befragungszeitraum war mehr als die Hälfte der Betriebe in Nordrhein-Westfalen weiterbildungsaktiv, d. h. sie haben ihren Beschäftigten die Teilnahme an einer Fort- oder Weiterbildungsmaßnahme durch eine Kostenübernahme oder eine Freistellung von der Arbeit ermöglicht. Der Anteil von Betrieben mit Weiterbildung bewegte sich damit annähernd auf dem Niveau des vorangegangen Jahres.

Insgesamt bildete sich rund ein Drittel der nordrhein-westfälischen Beschäftigten beruflich weiter. Der Anteil weitergebildeter Beschäftigter lag allerdings, wie bereits in den zurückliegenden Jahren, unter dem Durchschnittsniveau der übrigen westdeutschen Bundesländer (36 %).

Themenschwerpunkt: Arbeitszeiten, betriebliche Interessenvertretung und Tarifbindung

  • Arbeitszeiten von Vollzeitbeschäftigten sind tendenziell gestiegen; zugleich gewinnt Teilzeitarbeit zunehmend Bedeutung; Tarifbindung von Betrieben und Beschäftigten auf Vorjahresniveau und höher als in den übrigen westdeutschen Bundesländern

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten beträgt derzeit 38,8 Stunden (Westdeutschland ohne NRW: ebenfalls 38,8 Stunden). In den letzten Jahren ist diese sukzessive gestiegen. Im Jahr 2000 arbeiteten Vollzeitbeschäftigte noch durchschnittlich 38,2 Stunden.

Insgesamt entfallen rund drei Viertel der Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse in Nordrhein-Westfalen auf Frauen. Von allen beschäftigten Frauen arbeitet wiederum etwas mehr als jede zweite auf einer Teilzeitstelle. Bei männlichen Beschäftigten ist Teilzeitarbeit nach wie vor wenig verbreitet. Nur etwa jeder zehnte Mann arbeitet auf einer Teilzeitstelle.

Betriebe in Nordrhein-Westfalen nutzen zahlreiche Instrumente zur Steuerung/Ausweitung der betrieblichen Arbeitszeiten (Überstunden, Zeitkonten, Wochenendarbeit).

 

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