Geflüchtete Frauen integrieren – Konferenz geht neue Wege

Bild des Benutzers Arbeit.Meding
Gespeichert von Arbeit.Meding am 13. Dezember 2018
Blick von oben auf Konferenzteilnehmende, die am Thementisch diskutieren

Expertinnen und Experten im Austausch mit geflüchteten Frauen – Konferenz in der Emscher-Lippe-Region nutzt neues Format

Werkstattgespräch der G.I.B. zu „Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: Unterstützung geflüchteter Frauen“, 11.Dezember 2018 in Gelsenkirchen, gefördert aus Mitteln des Landes und des ESF

Raum schaffen für einen offenen Austausch – das kennzeichnet eine Konferenz nach dem Open-Space-Format. Die G.I.B. brachte auf diese Weise geflüchtete Frauen und Expertinnen und Experten zusammen, um nach geeigneten Wegen zur Arbeitsmarktintegration von geflüchtetem Frauen zu fragen. Kontakte ermöglichen ist dabei ein wichtiger Schlüssel. Die ESF-geförderte Konferenz in der Emscher-Lippe-Region zeigte, wie gute Netzwerkarbeit dazu beitragen kann.

Geflüchtete Frauen bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützen – auf der Suche nach Lösungen

Die Integration geflüchteter Frauen in den Arbeitsmarkt bedarf besonderer Unterstützung und stellt auch die Landesarbeitspolitik vor Herausforderungen. Vor allem mit Blick auf die Erreichbarkeit dieser in den letzten zwei Jahren stark gewachsenen Zielgruppe sind neue Wege und Lösungen gefragt, um bedarfsgerechte Angebote (weiter) zu entwickeln.

Welche arbeitsmarktpolitische Unterstützung brauchen also geflüchtete Frauen in Nordrhein-Westfalen? Mit dem 16. Werkstattgespräch ging die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) genau dieser Frage nach und organisierte in der Region Emscher-Lippe ein besonderes Veranstaltungsformat: Eine Konferenz nach der Open-Space-Methode, bei der alle Beteiligten die Möglichkeit haben, ihre Themen, Fragestellungen und Fachexpertise einzubringen. Übernommen wurde damit eine Idee des Netzwerks W(iedereinstieg) im Rhein-Erft-Kreis, das das Konzept für die Zielgruppe entwickelt hat.

Rund 130 Teilnehmende, darunter knapp 40 Frauen mit Fluchthintergrund, kamen zur Konferenz in den Wissenschaftspark Gelsenkirchen und nutzten die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch.

Ziel der Veranstaltung war es, Kontakte und Vernetzung der Expertinnen und Experten aus Beratung und Arbeitsvermittlung zu fördern und fachliche Informationen zur Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen zu transportieren. Gemeinsam mit geflüchteten Frauen sollten Herausforderungen besprochen und beispielhafte Lösungen erarbeitet werden.

Partner aus der Region waren die Qualifizierungs- und Ausbildungsinitiative für Frauen in Emscher-Lippe (QUAFFEL) sowie das Netzwerk W(iedereinstieg) der Region Emscher-Lippe, zwei Netzwerke, die nicht zuletzt durch ihr Engagement dazu beigetragen haben, dass der direkte Austausch mit den Frauen aus der Zielgruppe zustande kam.

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW und die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit unterstützten die Veranstaltung, die aus Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wurde.

Offen sein für neue Wege und Möglichkeiten zum Kontakt schaffen

„Es ist eine echte Premiere.“ Im Namen des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums begrüßte Stefan Kulozik die Teilnehmenden. Mit Blick auf die arbeitsmarktpolitische Herausforderung und das besondere Format der Veranstaltung machte er deutlich, wie Unterstützung erfolgreich sein kann. „Wir brauchen Offenheit und wir müssen miteinander ins Gespräch kommen, um zu wissen, was gebraucht wird.“ „Je individueller wir beraten und mit Menschen arbeiten können, umso erfolgreicher werden unsere Angebote sein“, stellte der Vertreter des Arbeitsministeriums fest. Beeindruckt hatte ihn vor allem die in verschiedenen Studien festgestellte hohe Motivation und Erwerbsorientierung geflüchteter Frauen.

„Offen sein für neue Wege“ – das betonte auch Astrid Berger-Fels als Vertreterin der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. In ihrem Beitrag verwies sie auf die wachsende Zahl geflüchteter Frauen, die von den Arbeitsagenturen und Jobcentern betreut werden. „Wir sprechen von einer großen Gruppe.“ Inzwischen seien über 70.000 geflüchtete Frauen bei der Arbeitsverwaltung gemeldet, die meisten zwischen 25 und 34 Jahre alt. „Es sind also mehrheitlich junge Frauen, „die hier ankommen und sich weiterentwickeln wollen“, sagte die Vertreterin der Regionaldirektion NRW und stellte ausdrücklich fest: „Damit diese Frauen die Chance haben, an Kursen und Maßnahmen teilzunehmen, brauchen wir unbedingt eine gesicherte Kinderbetreuung.“

Hilde Mußinghoff, Netzwerk W-Koordinatorin im Rhein-Erft-Kreis und Geschäftsführerin des Bildungsinstituts innovaBest, stellte die Ergebnisse einer vom Land geförderten Pilot-Studie vor, die eine erste qualitative Untersuchung zur Lebenssituation von weiblichen Geflüchteten lieferte. Danach ist die Orientierung auf Bildung und Berufstätigkeit hoch, insbesondere auch bei Müttern, und die berufliche Ausbildung hat anders als bei den geflüchteten Männern einen hohen Stellenwert. Neben raschem Spracherwerb und besseren Zugangsmöglichkeiten zu Maßnahmen und Angeboten werden vor allem Kontakte zur deutschen Bevölkerung gewünscht – und vermisst, so ein zentrales Ergebnis der Studie. „Die Integration in den Arbeitsmarkt wird ein langwieriger Prozess“, sagte Hilde Mußinghoff in ihrem Resümee. „Was wir dafür brauchen, ist Mut für neue Strukturen und guter Wille aller Beteiligten.“

Kontakt schaffen – Thementische für den Dialog auf Augenhöhe

Ganz im Sinne des Kontaktschaffens stand der ausführliche Austausch im Zentrum der Open-Space-Konferenz. Dazu gab es sechs Thementische, an denen entscheidende Aspekte der Integration in Arbeit verhandelt wurden: Kinderbetreuung, Spracherwerb, Arbeit, Ausbildung, Anerkennung, Gründung.

Die Gelegenheit zum „Dialog auf Augenhöhe“ nutzten intensiv alle Teilnehmenden - geflüchtete Frauen ebenso wie die Akteurinnen und Akteure und Mitarbeitenden der Jobcenter und Arbeitsagenturen.
Vom Format der Konferenz waren insbesondere die Frauen aus der Zielgruppe selbst begeistert. Hilfreich war es für sie, Informationen direkt vor Ort einholen zu können. Das Beste aber war, so das Feedback einiger Teilnehmerinnen, dass "nicht über uns, sondern endlich mit uns gesprochen wurde." 
Neue Wege gehen und miteinander reden über Erwartungen, Bedingungen und auch Differenzen, die Konferenz im Wissenschaftspark Gelsenkirchen erwies sich so für beide Seiten als Zugewinn.

Relevante

Pressemitteilungen

Weiteres

zum Thema