Voneinander lernen – Qualifizierung 4.0 - Veranstaltung in OWL

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Ein Mann stellt die Lernlösung „Miele Pedia“ vor

Fit machen für den digitalen Wandel - Gute Praxis in Ostwestfalen-Lippe

ESF-geförderte Veranstaltungsreihe zeigt betriebliche Qualifizierungslösungen, Veranstaltung der Regionalagentur OWL in Gütersloh, Digitalisierung als Treiber für Weiterbildung

Mit der Einführung neuer Technologien steigt der Weiterbildungsbedarf. Wie Unternehmen ihre Belegschaften für den digitalen Wandel fit machen, das zeigte die Regionalagentur Ostwestfalen-Lippe im Rahmen der ESF-geförderten Veranstaltungsreihe "Voneinander lernen – Qualifizierung 4.0". Gerade kleinere Unternehmen brauchen mehr Hilfestellung und Orientierung durch gute Praxisbeispiele. In der Region wird deshalb das Serviceangebot ausgebaut.

Voneinander lernen – Qualifizierung 4.0: Veranstaltung in Gütersloh zeigt betriebliche Qualifizierungslösungen

„Voneinander lernen – Qualifizierung 4.0“ - unter diesem Motto organisieren die Regionalagenturen und die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) im Auftrag des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums eine gemeinsame Veranstaltungsreihe in den Regionen. Eine dieser Veranstaltungen fand am 26. September 2019 in Gütersloh, in der Region Ostwestfalen-Lippe, statt. Im Zentrum standen betriebliche Qualifizierungslösungen für den digitalen Wandel.

„Mit der Einführung digitaler Technologien steigt der Weiterbildungsbedarf kontinuierlich. Darauf müssen sich alle einstellen, sowohl die Wirtschaft wie auch die Weiterbildungsanbieter und die Beschäftigten in den Unternehmen“, sagte Melanie Taube, Leiterin der Regionalagentur OWL und folgerte: „Umso wichtiger ist es, gute Qualifizierungslösungen in die Fläche zu bringen und sich zum Thema zu vernetzen.“ Genau darum ging es bei der Veranstaltung in Gütersloh.

In einer von Melanie Taube moderierten Gesprächsrunde erläuterte zunächst Reinhard Völzke vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen den rund 70 an der Veranstaltung teilnehmenden arbeitsmarktpolitischen Akteuren, darunter Unternehmen, Vertreterinnen und Vertreter aus der Weiterbildungsanbieterlandschaft, aus Unternehmensberatungen, Agenturen für Arbeit und Wirtschaftsförderungen, wie wichtig dem Ministerium „der landesweite Transfer guter betrieblicher Qualifizierungslösungen“ ist. Er wollte sich hier in Ostwestfalen-Lippe, „am Puls der Regionen“, einen Einblick verschaffen in die entsprechenden regionalen Strategien.

Von Matthias Vinnemeier von der Pro Wirtschaft GT, der Wirtschaftsförderung des Kreises Gütersloh, konnte Reinhard Völzke erfahren, dass das Interesse der Unternehmen am Themenfeld „Digitalisierung und Weiterbildung“ spürbar wächst. Zugleich machte er deutlich, dass viele, vor allem kleinere Unternehmen „in diesem Handlungsfeld Hilfestellung benötigen“. Jetzt komme es darauf an, „dass wir positive Beispiele verbreiten, um auch Unternehmen, die nicht zur Avantgarde der Digitalisierung zählen, für das Thema zu sensibilisieren.“

Landespolitische Förderketten

Gleich anschließend verdeutlichte Wolfgang Marquardt, bei der OWL GmbH zuständig für „Innovation und Wissen“, welch hohe Bedeutung die Regionalentwicklungsgesellschaft der Beteiligung der Beschäftigten beimisst, wenn es in Unternehmen um die Einführung neuer Technologien und die Implementation digitaler Prozesse geht. Zugleich empfahl er den anwesenden Weiterbildungsanbietern, „sich mehr als bisher den Organisationsprozessen in Unternehmen zuzuwenden, mehr Kenntnisse darüber zu erwerben, was genau in den Unternehmen beim digitalen Wandel geschieht, um exakt dazu passende Angebote entwickeln zu können.“

Für Unternehmen wiederum hatte Andreas Bendig von der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) nicht nur Anregungen, sondern auch konkrete Hinweise auf den Nutzen von Förderprogrammen und Instrumenten des Arbeitsministeriums parat. „Viele kleine und mittelständische Unternehmen“, so die Erfahrung des Arbeitsmarktexperten, „haben keine strategische Personalentwicklung. Hier kann ihnen das Förderinstrument Potentialberatung NRW helfen, etwa bei der Qualifizierungs- und Kompetenzbedarfsanalyse.“

Ergeben sich dabei entsprechende Qualifizierungsbedarfe, können Unternehmen direkt anschließend ein weiteres bewährtes Förderinstrument des Landes nutzen: den Bildungsscheck NRW. Spielt bei all dem das Thema Digitalisierung eine Rolle, können Unternehmen neben der Potentialberatung zusätzlich Förderprogramme des Wirtschaftsministeriums in Anspruch nehmen, so zum Beispiel die Digitalisierungsgutscheine oder den Innovationsassistenten(in). „Die Existenz dieser gut aufeinander abgestimmten Instrumente der Förderkette“, so Andreas Bendig, „ist leider noch viel zu wenig bekannt.“

Digitale Technologien als Treiber der Weiterbildung

In ihrem Impulsvortrag ließ Dr. Susanne Seyda vom Institut der deutschen Wirtschaft keinen Zweifel daran, dass sich Geschäftsmodelle im Zuge der Digitalisierung sehr schnell ändern und Weiterbildung kurzfristig daran angepasst werden muss. „Neue Technologien gleich neue Tätigkeiten gleich neue Weiterbildungsmaßnahmen“, lautete ihre gut begründete These, ergänzt um die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Weiterbildung individueller wird, Bedarfsermittlung und Weiterbildungsplanung schwieriger werden: „Die Digitalisierung erhöht die Unsicherheit. Das gilt für die Identifikation zukünftig benötigter Kompetenzen genauso wie für die Identifikation passender Weiterbildungsangebote am Markt.“

Zentrale Erkenntnisse hinsichtlich der Kompetenzentwicklung fasste die Wissenschaftlerin kurz und prägnant so zusammen: Berufliches Fachwissen steht unverändert an erster Stelle. Soft Skills, wie die Offenheit für neue Ideen und Selbstständigkeit, werden immer wichtiger. Und: Auch in Zeiten der Digitalisierung bleibt IT-Anwenderwissen wichtiger als IT-Fachwissen. Zudem, lautete eine weitere ihrer Thesen, gewinnen Führungskompetenzen in allen Branchen an Bedeutung. Es gelte, „Führungskräfte für ´Digital Leadership` zu qualifizieren.“ Zwar sei „E-Learning auf dem Vormarsch“, doch würden bislang „viele innovative Lernformen kaum genutzt.“ An die Weiterbildungsanbieter appellierte sie, „passende Weiterbildungsangebote bereit zu stellen sowie Medienkompetenz aufzubauen, um didaktische Potenziale stärker zu nutzen.“

Ein Beispiel: die Lernlösung „Miele Pedia“

Ganz praktisch wurde es, als Hermann Ortmeyer von der Miele & Cie. KG und Dr. Steffan Ritzenhoff von der CREOS Lernideen und Beratung GmbH in Bielefeld die E-Learning-Lösung „Miele Pedia“ vorstellten, ein informelles Lernangebot, das Beschäftigten unmittelbare Unterstützung am Arbeitsplatz bietet: „Diese digitale Wissenssammlung liefert dem Verkaufspersonal auf ihre mobilen Endgeräte kleine Lernhäppchen zu einzelnen Features der Miele Produkte, und zwar direkt am Point of Sale.“ So können Beschäftigte im Vertrieb sowie Verkäuferinnen und Verkäufer im Store „schnell und zielgerichtet an wichtige Produktinformationen gelangen sowie Kundenfragen unmittelbar und auf fundierter Grundlage eines über Jahre im Unternehmen aufgebauten Wissenstands beantworten.“

Neben kurzen Informationen können Beschäftigte mit Hilfe der „kontextgebundenen Lerneinheiten“ auch Schulungsmodule zur vertiefenden Weiterbildung abrufen. Gleichzeitig steht das mehrfach ausgezeichnete Tool als gelungenes Beispiel für selbst gesteuertes Lernen: „Aus formalem wird informelles Lernen, aus E-Learning wird E-Information und aus Lernen auf Vorrat wird Helfen am Arbeitsplatz“, fassten die Referenten zusammen.

Bildungsdienstleister statt Maßnahmenträger

Im Anschluss an die Vorträge diskutierten die Teilnehmenden an vier Thementischen über die Zukunft von Weiterbildung und Lernen. Dabei ging es etwa um den konkreten Nutzen von Blended Learning, E-Learning und Lernsimulationen für Unternehmen und Beschäftigte sowie um die Frage, wie Lernen „agil, dynamisch und arbeitsplatznah“ gestaltet werden kann. Die Bedeutung von Anreizsystemen und einer modernen Lernkultur für die Weiterbildung im Betrieb sowie die zukünftigen Kompetenzen der Lehrenden komplettierten das Themenspektrum.

Nicht nur die Unternehmen, wurde dabei klar, sind gefordert, sondern auch die Anbieter von Weiterbildung. Nach Ansicht von Andreas Bendig von der G.I.B. sollten sich Weiterbildungsanbieter nicht als Maßnahmenträger, sondern als Bildungsdienstleister verstehen: „Sie müssen sich selbst kompetent machen in Sachen Digitalisierung, der Anwendung neuer Lernformen und deren Methodik und Didaktik.“ Gefragt seien kein vorgefertigter Katalog von Weiterbildungsmaßnahmen, sondern passgenaue Qualifizierungsangebote etwa auf der Basis einer gemeinsam mit den Unternehmen erstellten Qualifikations- und Kompetenzbedarfsanalyse.

Breites Angebotsspektrum der Regionalagentur OWL

Nicht zuletzt aufgrund der im Veranstaltungsverlauf gewonnenen Erkenntnisse will die Regionalagentur nach Aussage von Melanie Taube in den kommenden Jahren gemeinsam mit dem Bereich „Innovation und Wissen“ der OWL GmbH Workshops für Weiterbildungsanbieter offerieren: „Dabei wird es um die Vermittlung von Medienkompetenz gehen, um professionelle Zugänge zu Digitalisierungsthemen, um die Herstellung von Kontakten zur Wirtschaft sowie um Vernetzung.“

Darüber hinaus will die Regionalagentur zusammen mit der G.I.B. einen Workshop speziell für Unternehmensberatungen anbieten zum Thema „digitale Exzellenz“. Für kleine und mittlere Unternehmen wiederum plant die Regionalagentur die Initiative „Fit für moderne Arbeit“ sowie die „Einführung eines Sprechstundenformats zum Themenfeld Digitalisierung, Weiterbildung und Arbeitsgestaltung“ - ein breites Spektrum an Serviceangeboten also, zu dem auch die Beratung und Koordination von Förderangeboten des Landes wie etwa der Potentialberatung NRW und des Bildungsschecks NRW zählen.
 

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