Demografie aktiv - Fit für die digitalisierte Zukunft

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Initiative "Demografie aktiv" zeichnet neun Betriebe aus - Siegel für demografisches Engagement

Siegelverleihung "Demografie aktiv" in Düsseldorf - Neun Unternehmen ausgewählt und ausgezeichnet

Die Initiative "Demografie aktiv" zeichnete neun Unternehmen für ihr besonderes Engagement aus. Mit dem Siegel "Demografie aktiv" wurde erfolgreiches betriebliches Handeln bei der Gestaltung des demografischen Wandels prämiert. Ein Bericht informiert über die ESF-geförderte Veranstaltung in Düsseldorf und stellt die Aktivitäten der Unternehmen vor.

Die Initiative "Demografie aktiv" zeichnete am 20. November 2017 im Künstlerverein Malkasten in Düsseldorf neun Unternehmen für ihre erfolgreichen betrieblichen Konzepte zur Gestaltung des demografischen Wandels in der Arbeitswelt mit dem Siegel "Demografie aktiv" aus. Träger der Initiative sind das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, die Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW und der Deutsche Gewerkschaftsbund NRW.

Eine Entwicklung, die mittlerweile fast alle Betriebe kennen: Der Anteil der älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nimmt zu, das Durchschnittsalter der Belegschaft steigt. Viele Betriebe haben sich rechtzeitig auf den demografischen Wandel eingestellt. Neun von ihnen wurden am 20. November 2017 mit dem Siegel "Demografie aktiv" ausgezeichnet. Das Siegel bescheinigt ihnen herausragendes Engagement und Kompetenz in der betrieblichen Gestaltung des demografischen Wandels.

Das rechtzeitige Engagement der Unternehmen in diesem Handlungsfeld zahlt sich aus, ist Stefani Mehring, Projektleiterin der mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderten Servicestelle "Demografie aktiv" bei der Technologieberatungsstelle NRW, überzeugt: "Aktivitäten zur Gestaltung des demografischen Wandels verbessern nicht nur die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, sie wirken auch positiv auf Motivation und Zufriedenheit der Beschäftigten und sichern damit Vorteile im Wettbewerb um Fachpersonal."

Ältere Beschäftigte: Wichtige Ressource bei der digitalen Modernisierung

Vor rund 100 betrieblichen Entscheidungsträgern, Interessenvertretungen, Beschäftigten und Multiplikatoren schlug Dipl.-Ing (FH) Johann Hofmann, Leiter ValueFacturing® in der Maschinenfabrik Reinhausen, in seinem Impulsvortrag einen weiten Bogen "vom Homo sapiens zum Homo digitalis". Anhand von Beispielen aus der Praxis zeigte er, dass sich auch ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die digitale Transformation anpassen müssen und wie sie ihr Arbeitgeber dabei unterstützen kann.

Deutlich wurde in Düsseldorf, dass alternde Belegschaften kein Hindernis bei der digitalen Modernisierung ihrer Unternehmen sind, sondern eine wichtige Ressource. Als vorbildliches Beispiel für Nachhaltigkeit bei der betrieblichen Gestaltung des demografischen Wandels präsentierte sich die GIRA Giersiepen GmbH & Co. KG, einer der führenden Komplettanbieter intelligenter Systemlösungen für die elektrotechnische und vernetzte digitale Gebäudesteuerung. Das Unternehmen mit Standort in Radevormwald wurde bereits 2013 mit dem Siegel ausgezeichnet und jetzt re-zertifiziert. Die in den letzten Jahren umgesetzten Maßnahmen im Kontext des demografischen Wandels beeindrucken. Das Spektrum reicht von der Einführung eines dualen Studiums und der Einrichtung einer Kindertagesstätte zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf über die Erarbeitung eines alternsgerechten Schichtmodells und ergonomische Verbesserungen bis hin zum "tätigkeitsspezifischen Ausgleichtraining am Arbeitsplatz".  

Nicht minder komplex der Maßnahmenkatalog des SKM - Katholischer Verein für soziale Dienste in Aachen e.V., in dem 39 Prozent der Beschäftigten älter als 50 Jahre sind. Das Durchschnittsalter im Bereich Pflege liegt hier bei 41,7 Jahren. Nach einer Ist-Analyse - grundsätzlich unter direkter Beteiligung der Beschäftigten - und einer Altersstrukturanalyse stand die Durchführung konkreter Maßnahmen auf dem Programm. Exemplarisch dafür an dieser Stelle etwa die "Definition der Zielrichtung bei der Automatisierung und Digitalisierung in der Pflege", die zügige Kontaktaufnahme zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach einer Krankheitsphase als "explizite Führungsaufgabe", die Verankerung des Themas Gesundheit im Arbeitssicherheitsausschuss oder die "Erarbeitung und Umsetzung eines systematischen Vorgehens für eine vorausschauende Stellenbesetzung".

Demografiebewusste Unternehmensstrategien auch in kleinen Betrieben

Dass die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema demografischer Wandel auch in Kleinunternehmen sinnvoll und vorteilhaft ist, illustrierte in Düsseldorf der Maler- und Glaserbetrieb Hülsbusch aus Nordkirchen mit neun Beschäftigten. Gemeinsam wurden hier verschiedene Demografie-Themen bearbeitet und daraus resultierende Handlungsbedarfe ermittelt. Sie betrafen die Unternehmensführung, aber auch die Aufbau- und Ablauforganisation der Arbeit. Konkret ging es dabei um die Schaffung einer einheitlichen und transparenten Kommunikationskultur sowie um die Einführung strukturierter Abläufe im Wissenstransfer. Große Bedeutung messen Geschäftsführung und Beschäftigte der Einführung einer "Baustellenmappe" auf ipads bei. Sie gewährleistet "eine transparente Auftragsübergabe an die Mitarbeiter."
   
Einstellen müssen sich auf den demografischen Wandel übrigens nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Kommunen und ihre Einrichtungen wie etwa der Baubetriebshof der Stadt Mettmann. Auch er wurde in Düsseldorf zertifiziert. Thomas Dinkelmann, Bürgermeister der Stadt Mettmann, nennt den Grund, warum sich der städtische Baubetriebshof intensiv mit dem Thema demografischer Wandel auseinandergesetzt hat: "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Baubetriebshofs, darunter viele leistungsgeminderte Personen, leisten das ganze Jahr über bei jeder Witterung körperlich anspruchsvolle Arbeit. Wir wollten alternsgerechte Arbeitsbedingungen schaffen, damit sie möglichst über ihr gesamtes Arbeitsleben gesund bleiben können."

Nach einer umfassenden, von der Technologieberatungsstelle NRW e.V. unterstützten Bestandsaufnahme entschieden sich die kommunal Verantwortlichen für ein ebenso ausdifferenziertes Maßnahmenpaket. Hier nur ein Beispiel: Zur Arbeitserleichterung beim Aufstellen von Verkehrsschildern wurde ein so genannter Hubsteiger angeschafft. Geplant sind darüber hinaus Schulungen für Führungskräfte im Handlungsfeld "gesunde Arbeitsplätze und demografischer Wandel" sowie eine Optimierung der Dienstplangestaltung, insbesondere hinsichtlich der Rufbereitschaft beim Winterdienst in den Monaten November bis März. Für Bürgermeister Thomas Dinkelmann ist klar: "Gute, gesunde Arbeitsbedingungen zu schaffen ist eine zentrale Führungsaufgabe. Als attraktiver Arbeitgeber tragen wir genauso wie Privatunternehmen Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hier haben wir - auch als öffentliche Verwaltung  - eine Fürsorgepflicht."

Unterstützung durch das Land Nordrhein-Westfalen

In der abschließenden Gesprächsrunde berichteten Dr. Sabine Graf, stellvertretende Vorsitzende DGB-NRW, Johannes Pöttering, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW und Dr. Jens Stuhldreier, Referatsleiter im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, von ihren Erfahrungen mit der Arbeit in der Initiative. Sie hoben anerkennend vor allem die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Partner beim Thema Demografie hervor. In allen genannten Einrichtungen findet der triparitätische Ansatz der Initiative breite Zustimmung: Jeder der Partner nutzt seine spezifischen Zugänge, um Unternehmen auf das Unterstützungsangebot aufmerksam zu machen.

Einigkeit bestand zudem in der Einschätzung, dass der demografische Wandel ein Zukunftsthema bleibt, mit dem sich die Betriebe aller Branchen befassen müssen. Ebenfalls wurde deutlich, dass durch die Digitalisierung ausgelöste Veränderungen zu neuen Produkten, neuen Abläufen und neuen Qualifikationserfordernissen führen werden. Dr. Jens Stuhldreier betonte in diesem Zusammenhang, dass das Arbeitsministerium Betriebe und Beschäftigte in diesen Veränderungsprozessen weiter unterstützen wird und benannte gleich ein konkretes Angebot des Landes: "Das bewährte Förderinstrument der Potentialberatung hilft kleinen und mittelständischen Unternehmen und ihren Beschäftigten bei der Bewältigung neuer Herausforderungen".

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