ÖgB-Umsetzung in Corona-Zeiten – NEUE ARBEIT der Diakonie Essen

Bild des Benutzers Arbeit.Meding
Gespeichert von Arbeit.Meding am 19. Mai 2020
ÖgB-Teilnehmer und Anleiterin, mit Mundschutz in Größküche

"Es gibt Chancen - trotz Corona!" Öffentlich geförderte Beschäftigung für Langzeitarbeitslose

Das ESF-kofinanzierte Programm "Öffentlich geförderte Beschäftigung" (ÖgB) unterstützt Integration von langzeitarbeitslosen Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung - kontaktreduzierte Umsetzung in Essen

Maßnahmen im Rahmen der "Öffentlich geförderten Beschäftigung" (ÖgB) gehen auch während der Corona-Pandemie weiter. Für die Träger wie die NEUE ARBEIT der Diakonie Essen bedeutete das einiges an Herausforderung: Hygienekonzepte waren zu erstellen, Telefoncoaching und Hilfeangebote sicherzustellen. Notfalls waren neue Einsatzfelder zu entwickeln, wenn Schließungen das erforderlich machten. Es zeigte sich: Alles klappte, sogar die Vermittlung.

"Öffentlich geförderte Beschäftigung" (ÖgB) - Umsetzung und Erfahrungen beim Träger NEUE ARBEIT der Diakonie Essen gGmbH

Von heute auf morgen musste sich die NEUE ARBEIT der Diakonie Essen gGmbH etwas einfallen lassen, um die kontaktreduzierte Umsetzung von ESF-Fördermaßnahmen während der Corona-Pandemie zu gewährleisten und gleichzeitig die über „Öffentlich geförderte Beschäftigung“ (ÖgB) entstandenen Beschäftigungsverhältnisse zu sichern. Mit umfassenden Hygienekonzepten, einem professionellen Telefoncoaching und der Umbesetzung von Teilnehmenden in neue Tätigkeitsfelder ist das gelungen.

Kaum war der Erlass des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen zur „kontaktreduzierten Umsetzung arbeitsmarktpolitischer Fördermaßnahmen“ erschienen, entwickelten die Verantwortlichen der NEUE ARBEIT der Diakonie Essen gGmbH unverzüglich ein Hygienekonzept. Gültig war das Konzept auch für die 20 Teilnehmenden des ESF-geförderten Landesprogramms „öffentlich geförderte Beschäftigung“ sowie für die vom Jobcenter über § 16e SGB II geförderten arbeitsmarktfernen Langzeitarbeitslosen.

Allen, die das Konzept gelesen hatten, war klar: Wer das Gebäude betritt, für den herrscht Maskenpflicht. Mindestabstand ist eine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig identifizierten Jessica Weiner von der Fachbereichsleitung „Arbeitsmarktpolitische Projekte & Vermittlung“ sowie ihre Kolleginnen und Kollegen Orte, an denen sich Wege kreuzen, wo sich Menschen zwangsläufig begegnen: „Das musste vermieden werden. Wir mussten überlegen, wie wir Begegnungen reduzieren können.“

Neben den allgemeinen Regeln, die für alle galten, gab es Sonderregelungen für die verschiedenen Arbeitsbereiche der ÖgB-Teilnehmenden. Deren Einsatzgebiete sind die Großküche, die Wäscherei, der Mobile Soziale Dienst, der Verkauf im hauseigenen Laden sowie der Garten- und Landschaftsbau.

Einsatzfeld Großküche - geschult bei der Beachtung von Hygienevorschriften

Gleich mehrere der Teilnehmenden sind in der Großküche beschäftigt. Für sie galt, neben der obligatorischen Schutzmaskenpflicht, ab sofort ein jeweils zeitlich etwas versetzter Dienstbeginn, damit sich immer nur eine Person in der Umkleidekabine befindet, um dort ohne Kontakt zu anderen seine Freizeit- mit der Dienstkleidung zu wechseln. Eine weitere Regelung: Pausen sind nicht mehr im beengten Pausenraum zu verbringen, weil hier der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Ab sofort wird der Kaffee direkt am Arbeitsplatz in der Großküche getrunken.

„Vorteilhaft war“, sagt Jessica Weiner, „dass die Beschäftigten in Bereich der Großküche grundsätzlich sehr geschult und erfahren sind bei der Beachtung von Hygienevorschriften. An die ergänzenden Schutzvorschriften und Hygienemaßnahmen konnten sie sich rasch gewöhnen. Es ist ihnen leichtgefallen, das umzusetzen.“

Immer alles zu bedenken und geeignete Konsequenzen zu ziehen, war schon „organisatorisch ein großer Aufwand“, räumt die Fachbereichsleiterin ein, aber die komplette Leitung der Einrichtung hatte sich von Beginn an entschieden: „Wir wollen die über ÖgB entstandenen Beschäftigungsverhältnisse über die Corona-Zeit hinaus erhalten. Niemandem soll wegen der Pandemie gekündigt werden.“

Ganz leicht war das nicht, denn in der Großküche zum Beispiel wird das Essen zubereitet für Kindertagesstätten. Doch wenn Corona-bedingt die Kitas geschlossen sind, fallen Einnahmequellen weg. Das aber gefährdet Arbeitsplätze. Also galt es, hier wie auch in anderen Tätigkeitsfeldern alternative Einsatzgebiete zu finden. So etwa im Verkaufsladen, der während der Corona-Krise zwangsgeschlossen war. Statt etwas zu verkaufen, kümmerten sich die bislang hier eingesetzten ÖgB-Beschäftigten jetzt um die „Spendenlogistik“, also um die Bewertung, Auswahl, Lagerung und Weiterleitung eingehender Spenden.

Coaching geht weiter - in Ausnahmesituation besonders wichtig

Trotz aller Anpassungsmaßnahmen: Unvermindert weiter ging es auch in Corona-Zeiten mit dem Coaching - umgestellt allerdings auf telefonische Kontakte oder per Mail. Das hatte, wie Carolin L’Episcopo, Sozialpädagogin und JobCoach für den Bereich öffentlich geförderte Beschäftigung, anmerkt, einen positiven Nebeneffekt: „Manche der wenig technikaffinen Teilnehmenden haben sich so erstmals mit etwas Digitalem auseinandergesetzt. Das kann nur vorteilhaft sein für ihre weitere berufliche Entwicklung.“  

Doch einige der Teilnehmenden waren mit der psychischen Ausnahmesituation auch überfordert. Hier war es Aufgabe der NEUE ARBEIT, ihnen wieder Mut zu machen und Sicherheit zu geben. Bei bloßen Worten beließen es die Verantwortlichen nicht. Carolin L’Episcopo: „Manche hatten Ängste entwickelt, bei anderen hatte sich die Mietsituation geändert. Im letzteren Fall haben wir Kontakt zu den Vermietern aufgenommen sowie zum Jobcenter, um die Probleme zu entschärfen. Darüber hinaus haben wir den Teilnehmenden eine Liste ausgewählter Anlaufstellen an die Hand gegeben, die gerade in der jetzigen Situation so wichtig sind: Selbsthilfegruppen, die auf telefonische Beratung umgestellt haben, oder das LVR-Klinikum, das eine hochprofessionelle psychologische Betreuung anbietet. Hier konnten wir auf ein wunderbares Netzwerk zurückgreifen, das wir in Essen in den letzten Jahren aufgebaut haben.“

Newsletter informiert in einfacher Sprache - kein Stopp bei der Vermittlungsarbeit

Parallel dazu hat die NEUE ARBEIT einen in kurzen Abständen erscheinenden Newsletter für die Teilnehmenden entwickelt. Zu lesen ist darin über neueste Schutzmaßnahmen, Hilfe-Angebote bei Suchterkrankung oder häuslicher Gewalt sowie über politische Entscheidungen im Kontext der Corona-Krise, alles formuliert in einfacher Sprache.

Ein besonderes Problem ergab sich bei der für ÖgB obligatorischen Qualifizierung. Da alle Weiterbildungsanbieter ihre Räumlichkeiten geschlossen hatten, Kurse also zwangsläufig entfielen, entwickelten die Verantwortlichen der NEUE ARBEIT Arbeitsblätter, die Informationen zu unterschiedlichen Qualifikationsangeboten auflisten und Themen aufgreifen, mit deren Bearbeitung sich die Teilnehmenden auf mögliche Qualifikationen nach der Pandemie vorbereiten können.

Auch die Vermittlungsarbeit macht keine Pause, versichert Jessica Weiner: „Wir stehen in engem Kontakt zu vielen Arbeitgebern, die uns seit Jahren kennen. Hier ist längst ein Vertrauensverhältnis entstanden. Sobald es eine Chance zur Vermittlung gibt, werden wir sie nutzen.“
In einem Fall ist die Vermittlung eines ÖgB-Teilnehmenden aus dem Mobilen Sozialen Dienst in eine reguläre Beschäftigung während der Corona-Zeit gelungen. Mit ihm hat die NEUE ARBEIT ein Interview geführt und im Newsletter für die ÖgB-Teilnehmenden veröffentlicht. Jessica Weiner: „Das macht ihnen Mut und zeigt ihnen: Es geht weiter! Es gibt trotz Corona Chancen!

Relevante

Pressemitteilungen

Weiteres

zum Thema