KAoA: Kommunale Koordinierung in Corona-Zeiten

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Eine Frau steht am Tisch und schaut freundlich in die Kamera

KAoA: Kommunale Koordinierung schafft passgenaue Angebote für die gegenwärtige Ausnahmesituation

Die ESF-geförderten Kommunale Koordinierungsstellen unterstützen im Rahmen von "Kein Abschluss ohne Anschluss", Alternativen für Standardelemente in Kooperation mit Partnern entwickelt

Aufgrund der Schulschließungen konnten die Angebote im Übergang Schule-Beruf landesweit nicht durchgeführt werden. Die ESF-geförderten Kommunalen Koordinierungsstellen haben in dieser Zeit alternative Formate der Berufsorientierung vor Ort entwickelt und die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt. Wie das gelungen ist, zeigt das Beispiel der Kommunalen Koordinierungsstelle im Hagen/Ennepe-Ruhr-Kreis.

Kein Abschluss ohne Anschluss - Kommunale Koordinierung während der Corona-Pandemie

Gravierende Folgen hatte der „Erlass zur kontaktreduzierten Umsetzung von arbeitsmarktpolitischen Fördermaßnahmen“ - eine unvermeidbare Reaktion auf die Corona-Pandemie - für die Berufsorientierung im Rahmen des landesweiten Übergangssystems Schule-Beruf: Mit der Schließung von Schulen ging einher, dass Standardelemente aus „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) wie etwa die Berufsfelderkundungen für Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 nicht durchgeführt werden konnten, die Begleitung der Klassen 10 beim Übergang von der Schule in den Beruf nicht mehr im geplanten Umfang möglich war und geplante Veranstaltungen ausfallen mussten.

„Für Jugendliche der Klassen 8“, sagt Michaela Trzecinski, Leiterin der Landes- und ESF-geförderten Kommunalen Koordinierungsstelle (KoKo), die bei der agentur mark GmbH angesiedelt ist, „können die versäumten Angebote vielleicht später noch nachgeholt werden, doch für einige Jugendliche der Klassen 10 hätte die jetzt fehlende Übergangsbegleitung vielleicht dazu geführt, dass sie in diesem Jahr ohne Ausbildungsplatz bleiben.“

In dieser Situation hat die KoKo unverzüglich reagiert und Ideen entwickelt, um die zurzeit nicht realisierbaren Angebote zumindest annähernd gleichwertig zu kompensieren. Realisiert hat sie ihre Ideen in Kooperation mit den Partnerinnen und Partnern im Übergangssystem, darunter vor allem die Schulen und hier die Studien- und Berufswahlkoordinatoren (StuBos), die Kreishandwerkerschaft, die SIHK sowie regionale Projekte zur Berufseinstiegsbegleitung und Träger von berufsvorbereitenden Maßnahmen. Michaela Trzecinski: „Als koordinierende Stelle haben wir keinen unmittelbaren Kontakt zu den Jugendlichen, aber wir wissen, welcher unserer Partner über welche besonderen Kompetenzen verfügt, sodass wir gemeinsam mit ihnen passgenaue Angebote für die gegenwärtige Ausnahmesituation schaffen konnten.“

Alternativ-Angebote zur Berufsorientierung

Das Spektrum der gemeinsam umgesetzten Angebote könnte differenzierter kaum sein: Für Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 stellte die KoKo ein Set zusammen, das im Netz frei verfügbare Youtube-Clips, in denen Auszubildende ihre Berufe vorstellen, mit einem von der KoKo in Eigenregie angefertigten Berufe-Quiz kombinierte. Dabei ging es um Berufe, die auch in der Region stark nachgefragt sind: Im Berufsfeld Metall/Maschinenbau etwa der/die Industriemechaniker/in, im Berufsfeld Verwaltung der/die Justizfachwirt/in und im Berufsfeld Gesundheit der/die Pflegefachmann/frau.

Weitergeleitet wurde das Produkt an die StuBos und von dort über die Klassenleitungen an die Schülerinnen und Schüler. 150 Jugendliche beteiligten sich am freiwilligen Quiz, haben sich so auch in Corona-Zeiten mit der Berufsorientierung befasst.

Ein weiteres von der KoKo entwickeltes Format war die „virtuelle Schnitzeljagd“ mit sechs Stationen. Hier mussten die Jugendlichen regionale Betriebe suchen. Sie zu finden setzte eigene Recherchen im Internet voraus.

Gut angenommen von den Schülerinnen und Schülern wurde auch das von der KoKo entwickelte Quiz auf Instagram, einem bei Jugendlichen recht beliebten Medium. Hier waren Fragen zu beantworten wie etwa: „Wer verdient im dritten Ausbildungsjahr mehr: ein/e Schiffsmechaniker/in oder ein/e Physiklaborant/in?“ Oder: „Wie nennt man das Gehalt inklusive Steuern und Sozialabgaben: Lohngehalt, Nettoverdienst oder Bruttogehalt?“ Den Jugendlichen hat das offensichtlich gefallen, sagt Michaela Trzecinski: „Viele von ihnen sind jetzt auf Instagram „follower“ der agentur mark GmbH - ein positiver Nebeneffekt!“ Ähnlichen Erfolg verspricht sich die Koordinatorin von einem gerade erst angelaufenen Angebot. Bei ihm ist Kreativität gefragt: Hier sollen die Jugendlichen ihre Vorstellungen von ihrem Traumberuf künstlerisch in Form einer Collage zum Ausdruck bringen.

Die Vielzahl der neu entwickelten Angebote ist keine punktuelle Aktion. Michaela Trzecinski: „Wir wollen das Thema unter den Jugendlichen bis zu den Sommerferien präsent halten, so wie ja auch KAoA kein einzelnes Event ist, sondern ein langfristig begleiteter Berufsorientierungsprozess.“

Videoclips und Videobewerbung als neue Formate  

Fest im Blick hatte die KoKo im Rahmen ihrer Corona-Aktivitäten noch eine zweite Zielgruppe: die Klassen 10, also die Abgangsjahrgänge der Schulen. Hier kooperierte die KoKo mit den „Jobstarter“-Projekten. Ihnen liegen Anfragen vor von Betrieben, die freie Ausbildungsplätze anbieten, aber nicht wissen, wie sie an die Auszubildenden kommen, da persönliche Vorstellungsgespräche aktuell nicht möglich sind. Die KoKo wusste Rat und schaltete gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern an zwei Tagen eine Ausbildungshotline. Immerhin 25 Schulabgänger meldeten sich. Gleich mehrere hatten Erfolg, knüpften Kontakte zu einstellenden Betrieben. Eine Jugendliche hat so bereits einen Ausbildungsplatz gefunden.

Ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem „Jobstarter-Projekt“ hat sich die KoKo darüber hinaus auf das Thema „Videobewerbung“ fokussiert und dabei sowohl bei den Betrieben wie auch bei den Jugendlichen Impulse gesetzt: Für die Betriebe hat das Jobstarter-Projekt einen Leitfaden für digitale Bewerbungsverfahren inklusive Videobewerbung entwickelt, während die KoKo für Schülerinnen und Schüler einen fünfminütigen Clip gedreht hat, in dem Experten der Übergangsbegleitung erläutern, worauf bei einer Videobewerbung zu achten ist.

Gedacht hat die KoKo aber auch an Jugendliche der Klassen 10, die bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben. Für sie bereiteten Kreishandwerkerschaft, SIHK und KoKo einen Azubi-Workshop vor, der jedoch Corona-bedingt nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden konnte. Stattdessen hat die KoKo zusammen mit dem Fachbereichsleiter Ausbildung der SIHK, der Kreislehrlingswartin der Kreishandwerkerschaft und dem Lehrlingswart der Dachdeckerinnung kurze Videoclips erstellt. Hier bekommen die angehenden Auszubildenden – wie sonst beim Azubi-Workshop – Informationen zu Verhaltensregeln für die ersten Tage im Betrieb, Hinweise auf die Funktion und das Führen eines Berichtshefts sowie Tipps für das Verhalten bei Konflikten, um Ausbildungsabbrüchen nach Möglichkeit entgegenzuwirken.

Die Videoclips sind so gut gelungen und wurden so positiv angenommen, dass Michaela Trzecinski das Format auch in Nach-Corona-Zeiten zum Einsatz bringen will - nicht nur beim Thema Videobewerbung, sondern auch bei anderen Themen, wie etwa zur Frage “Wie benehme ich mich im Praktikumsbetrieb?“.

Last but not least: Auch für die ursprünglich als Präsenzveranstaltung geplante Ausbildungsmesse gibt es möglicherweise eine Alternative. Zusammen mit den Nachbarregionen in Kooperation mit allen beteiligten Partnern und Unterstützung der Agentur für Arbeit stehen jetzt die Planungen für eine virtuelle Ausbildungsmesse auf dem Programm.

Positive Resonanz und hohe Wertschätzung

Das von der KoKo innerhalb kürzester Zeit entwickelte Gesamtpaket findet nicht nur bei den Betrieben und Jugendlichen positive Resonanz. Auch die StuBos sind begeistert. So Hardy Priester, StuBo an der Adolf-Reichwein-Realschule in Witten: „Einfach super, dass wir mit den kurzen, knackigen KoKo-Angeboten zur Berufsorientierung bei den Schülerinnen und Schülern dranbleiben konnten. Die Jüngeren haben sich über die spaßigen Aufgabengestaltungen gefreut und für den einen oder anderen Zehntklässler war das Angebot in der Übergangsbegleitung noch mal sehr hilfreich.“

Alle nordrhein-westfälischen Kommunen sind aktiv in die Initiative KAoA eingebunden, alle 53 Kommunalen Koordinierungsstellen werden von der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) fachlich begleitet.

Hohe Wertschätzung finden die von der KoKo entwickelten Ideen auch bei Dr. Christin Krajewski, Beraterin von der G.I.B. „Die KoKo in Hagen/EN hat sehr engagiert und flexibel auf die Ausnahmesituation reagiert. Gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern in der Region hat sie kreative und innovative Aktivitäten und Formate entwickelt. Hier zeigt sich der Mehrwert der zuvor von der KoKo im Rahmen von KAoA aufgebauten koordinierenden Struktur miteinander verbundener Akteurinnen und Akteure, die auch in Zeiten wie der jetzigen Pandemie Synergien erzeugt und jungen Menschen bei der Berufsorientierung und beim Übergang von der Schule in den Beruf zugutekommen.“

Ebenso überzeugt zeigte sich Dr. Jens Stuhldreier, Referatsleiter im MAGS NRW, bei dem jüngsten Kooperationsgespräch in der Kommune Hagen: „Angesichts der derzeitigen Unsicherheit über die pandemiebedingten Auswirkungen auf Branchen und Berufe kommt der Berufsorientierung sowie der individuellen Beratung und Vermittlung junger Menschen eine besonders hohe Bedeutung zu. Die Berufsorientierung an Schulen sowie Berufsorientierungsmaßnahmen werden nach Wiederöffnung der Schulen unter Beachtung der aktuellen Hygienevorschriften sobald wie möglich in Abstimmung zwischen den Partnern vor Ort im weitest möglichen Umfang weitergeführt oder nachgeholt. Dabei alternative Formate der Berufsorientierung vor Ort zu entwickeln und zu erproben und im Zuge dessen die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, ist genau der richtige und zukunftsweisende Weg.“

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