G.I.B.-Onlineseminar zu Beschäftigtentransfer in Corona-Zeiten

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Interview

G.I.B.-Onlineseminar: „Beschäftigtentransfer ist in der Krisenzeit eine gute Möglichkeit, um bei der Arbeitssuche zu unterstützen.“

Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) unterstützt Fortbildung und Austausch der Akteure

Transferagenturen und Transfergesellschaften sind Instrumente des Beschäftigtentransfers und bieten gute Alternativen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Sie unterstützen Unternehmen und Beschäftigte, neue Wege in den Arbeitsmarkt zu beschreiten. Beratung zum ESF-geförderten Beschäftigtentransfer erhalten Unternehmen bei der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.). Ein Gespräch mit Nicole van Lieshaut und Dr. Katja Nink von der G.I.B. über ihre Arbeit in Zeiten von Corona.

ARBEIT.NRW:

Frau van Lieshaut, Frau Nink: Welche Auswirkungen hatte der Erlass des MAGS NRW zur „kontaktreduzierten Umsetzung von arbeitspolitischen Fördermaßnahmen“ auf Ihre Arbeit in der Begleitung des Programms „Beschäftigtentransfer“?

G.I.B.-Beraterinnen:

Der Erlass erging Mitte März und wir hatten bereits für Ende März eine Präsenzveranstaltung für Regionalagenturen zum Thema „Beschäftigtentransfer“ in der G.I.B. terminiert. Da uns viel daran lag, die Veranstaltung nicht zu verschieben, haben wir noch während der Anmeldefrist kurzfristig auf das Format „Onlineseminar“ umgestellt, haben unverzüglich die Teilnehmenden informiert, dass die Veranstaltung als Videokonferenz stattfindet, und zugleich das Einverständnis der eingeladenen Referentin eingeholt, ihren Vortrag im Rahmen eines Online-Seminars zu halten. Damit es hinsichtlich der Teilnehmerzahl überschaubar blieb, konnte sich aus jeder der 16 Regionalagenturen je eine Person zum Onlineseminar anmelden.

ARBEIT.NRW:

Warum haben Sie den Termin nicht einfach verschoben? Warum war es Ihnen so wichtig, das Seminar zum anberaumten Termin stattfinden zu lassen?

G.I.B.-Beraterinnen:

Dafür gab es mehrere Gründe. Erstens wusste niemand, wie lange die Pandemie andauern und wie lange damit der Erlass gelten würde.

Zweitens gehört das Thema „Beschäftigtentransfer“ zum festen Aufgabengebiet der Regionalagenturen. Sie sind die Ansprechpartner in den Regionen, helfen bei der Planung und Umsetzung von Transferprojekten und unterstützen die Träger beim Antragsverfahren. Doch seit der letzten Krise bewegt sich die Zahl der Transfergesellschaften in Nordrhein-Westfalen auf relativ niedrigem Niveau. Zwar liegt die Anzahl der Anfragen deutlich höher, aber nicht aus jeder wird ein Förderfall. Das heißt: Manche Regionalagentur hat seit mehr als zwei Jahren keine entsprechenden Fälle mehr begleitet. Wenn sie dann mit dem Thema konfrontiert werden, müssen sie sich erst neu in das komplexe Themenfeld einarbeiten. Dabei geht kostbare Zeit verloren.  

Interview mit Dr. Katja NinkDoch es gab noch einen dritten gewichtigen Grund. In der gegenwärtigen Pandemie-Zeit schöpfen die Betriebe die Möglichkeiten von Kurzarbeitergeld aus, um ihr Personal zu halten. Doch wenn die Auswirkungen der Krise, wie zu vermuten ist, noch eine ganze Weile andauern, ist davon auszugehen, dass es mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung zu Entlassungen kommt und Nachfragen zum Förderinstrument „Beschäftigtentransfer“ zeitversetzt auf uns zukommen.

Wir stellen uns jedenfalls für die zweite Jahreshälfte auf eine steigende Zahl von Anfragen ein, weil das Förderinstrument, gerade in Krisenzeiten, ein bestens geeignetes Instrument ist, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Mit ihrer Teilnahme am Onlineseminar und dem hier angeeigneten Wissen sind die Regionalagenturen für den Fall also optimal vorbereitet.

ARBEIT.NRW:

Was waren die zentralen Lerninhalte Ihres Onlineseminar zum Thema „Beschäftigtentransfer“?

G.I.B.-Beraterinnen:

Zunächst hat unsere externe Referentin, eine erfahrene Rechtsanwältin, das Thema noch einmal grundsätzlich erläutert: die Vorteile des Instruments für die Beschäftigten und für das Unternehmen, die rechtlichen Grundlagen von Transferagenturen und Transfergesellschaften, die Gestaltung von Transfersozialplänen, die Kriterien zur Auswahl von Transferdienstleistern, die Alltagspraxis in einer Transfergesellschaft, die Einflussmöglichkeiten des Betriebsrats sowie die Qualitätsstandards bei Transferprojekten.

Im zweiten Teil des Onlineseminars ging es konkret um die Fördervoraussetzungen des mit ESF-Mitteln über das Land Nordrhein-Westfalen geförderten Instruments. Wenn diese Mittel vom Träger einer Transfergesellschaft beantragt werden, wird immer die jeweilige Regionalagentur in das Transferprojekt eingebunden. Wie das in der Praxis konkret aussehen kann, darüber haben wir mit den Teilnehmenden diskutiert und ihre offenen Fragen klären können, zum Beispiel die, wie sich der coronabedingte Wegfall von Probearbeit beim zukünftigen Arbeitgeber - sonst obligatorischer Bestandteil von Transferprojekten auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen - kompensieren lässt.

ARBEIT.NRW:

Gibt es schon Schlussfolgerungen aus den gegenwärtigen Erfahrungen und Umstellungen für die Nach-Corona-Zeit? Gewinnt das Thema „Videokonferenzen“ oder allgemein „Digitalisierung“ bei Ihrer Begleitung von Regionalagenturen und Trägern im Kontext von „Beschäftigtentransfer“ an Gewicht?

G.I.B.-Beraterinnen:

Online-Konferenzen und Onlineseminare können in manchen Fällen ein gutes Mittel sein, um persönliche Besprechungen und Präsenzveranstaltungen zu ersetzen. Dies sehen wir besonders da, wo es um reine Wissensvermittlung geht. Es stehen nun unterschiedliche Formate zur Verfügung, die wir alle austesten und später nach Bedarf einsetzen. Dabei wird es hinsichtlich der Formate wohl zu einer Mischung kommen. Bei einer unserer nächsten geplanten Online-Konferenzen mit Transferträgern wollen wir daher fragen, welche Auswirkungen Corona auf ihre Arbeit hat, welche Rolle das Thema Digitalisierung dabei spielt und welche Probleme entstanden und zu lösen sind.

Interview mit Nicole van LieshautGleichzeitig überlegen wir, welche Methoden bei Online-Formaten zum Einsatz kommen können, um die Veranstaltungen noch interaktiver zu gestalten. Alles soll auch didaktisch gut aufbereitet sein. Denn wenn eine größere Gruppe online zusammenkommt, ist eine Diskussion nicht ganz einfach, wenn jeder zu Wort kommen soll. Wenn es technisch lösbar ist, und davon gehen wir aus, lassen sich diese Fragen auch in Untergruppen diskutieren, bevor im Plenum noch mal über die Ergebnisse gesprochen wird.

Momentan erstellen wir zudem ein Konzept für eine längerfristige, von uns durchgeführte Weiterbildung zum Thema „Online-Beratung“, um Beraterinnen und Beratern Wissen und Kompetenzen an die Hand zu geben, damit sie eine Online-Beratung gut durchführen können. Damit diese Weiterbildungsangebote auch wirklich praxisnah sind, planen wir zuvor den Austausch mit einigen Transferträgern, damit deren Erfahrungen und Anregungen in die Konzeption einfließen können.

Ganz ähnlich könnten Weiterbildungen zur Online-Beratung bei anderen Förderinstrumenten des Landes Nordrhein-Westfalen aussehen: bei der Potentialberatung zum Beispiel oder bei der Beratung zur beruflichen Entwicklung. Grundsätzlich wird es in diesen Weiterbildungen um die Frage gehen, wie sich Beratungsprozesse digital strukturieren lassen und welche Moderations-Skills erforderlich sind. Zur Weiterbildung in diesem Bereich gehört auch die Besonderheiten von virtueller Beratung zu kennen und anwenden zu können, um Menschen einzubinden, die wenig technikaffin sind. Zudem ist es wichtig, Anforderungen an Tools der Online-Beratung und Online-Moderation zu kennen, beispielsweise an Learning-Apps. Das alles zeigt: Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung auch im Beratungssektor noch mal einen Schub gegeben.

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