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Coaching-Konferenz „Ausbildungswege NRW“: Erfahrungen teilen, Perspektiven entwickeln

Gruppenfoto der Teilnehmer der Coaching-Konferenz „Ausbildungswege NRW“

Coaching-Konferenz „Ausbildungswege NRW“: Fachlicher Austausch zur Halbzeit des Programms

Mit dem EU-geförderten Programm "Ausbildungswege NRW" werden junge Menschen für die berufliche Ausbildung gewonnen

Arbeitsminister Karl-Josef Laumann eröffnete die Coaching-Konferenz „Ausbildungswege NRW“. Zur Halbzeit der Förderphase zogen die Beteiligten eine Zwischenbilanz, tauschten Erfahrungen aus und diskutierten Perspektiven für die weitere Umsetzung des Programms.

Wie gelingt es, junge Menschen auf ihrem Weg in Ausbildung nachhaltig zu begleiten? Welche Erfahrungen machen Coaches und Übergangslotsinnen und -lotsen in ihrer täglichen Arbeit? Und welche Erkenntnisse lassen sich für die Weiterentwicklung des Programms gewinnen? Diesen Fragen widmete sich die von der G.I.B. organisierte Coaching-Konferenz „Ausbildungswege NRW“ am 22. Mai 2026 in Essen. Gemeinsam mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS) kamen Coaches, Übergangslotsinnen und -lotsen sowie weitere Akteurinnen und Akteure des Programms zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und Perspektiven für die weitere Umsetzung zu entwickeln. Moderiert wurde die Veranstaltung von den Beraterinnen der G.I.B. Eva-Maria Tomczak und Gaby Holz.

Arbeitsminister Karl-Josef Laumann betont die Bedeutung der Übergangsbegleitung

Zum Auftakt der Veranstaltung ordnete Minister Karl-Josef Laumann die Bedeutung des Programms „Ausbildungswege NRW“ in die aktuelle Arbeitsmarktentwicklung ein. Die steigende Zahl der Bewerbungen um Ausbildungsplätze im Jahr 2026 zeige, dass die duale Ausbildung bei jungen Menschen wieder an Attraktivität gewonnen habe.

Gleichzeitig verwies der Minister auf die weiterhin bestehenden Herausforderungen: Jeder fünfte junge Mensch in Nordrhein-Westfalen verfügt über keinen beruflichen Abschluss, rund 38.000 Schülerinnen und Schüler befinden sich im Übergangssektor der Berufskollegs und viele Unternehmen bieten aufgrund der wirtschaftlichen Lage derzeit weniger Ausbildungsplätze an.

Vor diesem Hintergrund betonte Minister Karl-Josef Laumann die Bedeutung gezielter Unterstützungsangebote: „Wir müssen die jungen Menschen im Übergang von der Schule in den Beruf konsequent ansprechen, sie für berufliche Ausbildung gewinnen und ihnen passgenaue Unterstützungsangebote bereitstellen.“

Mit Blick auf die bisherige Entwicklung des Programms würdigte Karl-Josef Laumann das Engagement der Coaches und Übergangslotsinnen und -lotsen: „Genau da müssen wir jetzt einfach weitermachen“, appellierte der Minister an die rund 150 Teilnehmenden. 

Halbzeit im Programm – ein Zwischenfazit

Im Anschluss gaben Maren Behlau und Annika Henkel aus dem MAGS NRW einen Überblick über die bisherige Entwicklung des Programms „Ausbildungswege NRW“. Dabei betonte Maren Behlau die Bedeutung der Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure: „Das Zusammenspiel der Coaches und Übergangslotsen, der Betriebe, Agenturen für Arbeit, Jobcenter und Berufskollegs sowie der Partner in den Regionen ermöglicht die erfolgreichen Übergänge in Ausbildung.“ Der enge Schulterschluss sei dabei nicht nur auf regionaler Ebene ein Erfolgsfaktor, sondern präge auch die Zusammenarbeit des MAGS mit dem Ministerium für Schule und Bildung NRW sowie der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit.

Die Bilanz zur Halbzeit der Förderphase unterstreicht die Reichweite des Programms: Seit Januar 2025 wurden 17.650 junge Menschen erreicht, mehr als 5.100 von ihnen in Ausbildung oder eine konkrete Ausbildungs- und Berufsperspektive vermittelt. Über 10.000 junge Menschen befinden sich aktuell in der Begleitung.

Die Zahlen, so Annika Henkel, verdeutlichen: „Ausbildungswege NRW ist weit mehr als eine Vermittlungsstatistik. Hinter den Ergebnissen stehen engagierte Fachkräfte, belastbare Netzwerke und zahlreiche Partnerinnen und Partner, die gemeinsam daran arbeiten, jungen Menschen Perspektiven für ihren weiteren Berufsweg zu eröffnen.“

Wie Coaching den Weg in Ausbildung erleichtert – Coaches und Übergangslotsen im Gespräch mit dem Minister

Wie diese Arbeit in der Praxis aussieht, zeigte anschließend der direkte Austausch zwischen Minister Karl-Josef Laumann sowie Coaches und Übergangslotsinnen und -lotsen aus Köln, Bielefeld, Düsseldorf und Duisburg. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen aus der Praxis, Herausforderungen in der Begleitung junger Menschen und Unternehmen sowie konkrete Lösungsansätze für individuelle Unterstützungsbedarfe.

Erhan Caliskan vom Verein BAJ e. V./Heinz Hunger Berufskolleg gGmbH in Bielefeld machte deutlich, dass der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung die Grundlage jeder Begleitung bildet: „Eine vertrauensvolle Basis ist das A und O, damit sich die jungen Menschen öffnen. Dann helfe ich ihnen, ihre Stärken zu erkennen und ganz wichtig: an diese zu glauben.“ 

Samet Yetik von der Kreishandwerkerschaft Duisburg verwies darauf, dass viele Jugendliche ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt unterschätzen: „Viele können sich auch trotz schlechter Noten durch ein vernünftiges Praktikum beweisen.“ Auch Einstiegsqualifizierungen oder assistierte Ausbildungen eröffneten wichtige Perspektiven. 

Für Sheyda Abbassy von der JobWerk Porz gGmbH in Köln spielt das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle: „Da wirkt viel auf die Jugendlichen ein zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch gar nicht genau wissen, wer sie selbst sind.“ Umso wichtiger sei es, ihnen Mut zu machen und aufzuzeigen, dass die erste Berufswahl keine Entscheidung für das ganze Leben sein müsse. 

Nabila El Makhoukhi vom AWO Berufsbildungszentrum Düsseldorf betonte, dass oft schon kleine Verbesserungen im Bewerbungsprozess große Wirkung entfalten: „Schon eine bessere Struktur im Lebenslauf oder eine präzisere Darstellung der eigenen Stärken kann die Chancen auf einen Ausbildungsplatz deutlich erhöhen.“ 

Die Diskussion verdeutlichte zugleich, dass Coaches und Übergangslotsinnen und -lotsen auch für Betriebe wichtige Partner sind. Sie unterstützen bei der Suche nach passenden Auszubildenden, bereiten junge Menschen gezielt auf den Bewerbungsprozess vor und erleichtern so insbesondere kleineren Unternehmen die Vorauswahl geeigneter Bewerberinnen und Bewerber. Auch während der Ausbildung stehen sie Betrieben und Auszubildenden als verlässliche Ansprechpersonen zur Seite. 

Erfahrungen aus der Praxis als Impuls für die Weiterentwicklung

Während die Podiumsdiskussion Einblicke in den Coaching-Alltag gab, rückten die anschließenden Praxisimpulse erfolgreiche Ansätze der Programmumsetzung in den Regionen in den Fokus. Bianca Johanning und Michael Prieß vom Fach-Werk-Minden e. V., Chris Dimitrakopoulos und Miriam Kreinjobst von Evangelische Jugendhilfe Schweicheln gGmbH, André Schmerfeld von der Werkhof Projekt gGmbH sowie Kristina Knauf und Stefan Warnsing von der Weststadt Akademie GmbH berichteten über erfolgreiche Ansätze, Herausforderungen und Erkenntnisse aus ihrer täglichen Arbeit.

Trotz unterschiedlicher regionaler Rahmenbedingungen zeichneten die Beiträge ein ähnliches Bild: Erfolgreiche Übergangsbegleitung basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit Berufskollegs, Agenturen für Arbeit, Jobcentern, Ausbildungsbetrieben und weiteren regionalen Partnern. Ebenso wichtig sind eine vertrauensvolle Beziehungsarbeit, individuelle Unterstützungsangebote und eine kontinuierliche Begleitung der Jugendlichen. 

Die Praxisimpulse und die anschließenden Workshops bestätigten die Wirksamkeit der bestehenden Strukturen und lieferten zugleich wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Programms. Die Ergebnisse des gemeinsamen fachlichen Austauschs sollen in die weitere Umsetzung von „Ausbildungswege NRW“ einfließen.