Chance Zukunft - Statement Andreas Schnieber, Jobcenter Bochum

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Gespeichert von Arbeit.Meding am 23. November 2018
Foto: Andreas Schnieber, Fallmanager im Jobcenter Bochum
Interview

"Jetzt haben wir ein neues Regelinstrument!" - Erfahrungen des Jobcenter Bochum

Statement von Andreas Schnieber, Fallmanager im Jobcenter Bochum

Jobcenter Bochum: Die guten Erfolge des Projekts haben uns veranlasst, das Konzept in eigener Regie und mit eigenen Mitteln fortzuführen. Die Möglichkeit dazu bietet der neu geschaffene § 16 h des SGB II zur Förderung schwer erreichbarer junger Menschen. Mit ihm steht uns jetzt ein sehr willkommenes Regelinstrument zur Verfügung. Wir werden die Zahl der Plätze erhöhen und Reserveplätze freihalten für junge Menschen, die vielleicht noch gar keine Leistungen beziehen und etwa von den Streetworkern unseres Jugendamts zu uns geleitet werden.

Nach unseren Schätzungen gehören rund ein Viertel der jungen Menschen, die von der Arbeitsvermittlung in unserem Jobcenter dem Fallmanagement zugewiesen werden, zu den so genannten entkoppelten Jugendlichen. Für sie hatten wir früher kaum passende Angebote. Eingliederungsmaßnahmen in Gruppen und mit Präsenzpflicht an fünf Tagen in der Woche stellen für diese jungen Leute oft schon eine zu hohe Hürde dar und werden eher als Bestrafung, nicht als Hilfsangebot wahrgenommen. Die Träger dieser Regelmaßnahmen haben zudem nur selten die Möglichkeit, einzelne Teilnehmer zu Terminen außerhalb zu begleiten und sich intensiv mit ihren Problemen zu beschäftigen.

Hier bot uns das Projekt „Chance Zukunft“ die Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren. Vor allem der ganzheitliche Ansatz des Konzepts schien uns erfolgversprechend zu sein. Gleichzeitig waren wir anfangs aber auch ein bisschen skeptisch und haben uns gefragt, ob es gelingt, junge Menschen, die sich bislang allen Maßnahmen entzogen haben, zur Teilnahme auf freiwilliger Basis zu motivieren. Zum Glück haben sich unsere Befürchtungen nicht bestätigt. Von den 12 Plätzen, mit denen wir uns am Projekt beteiligt haben, blieb im gesamten Projektzeitraum nicht einer unbesetzt.

Die guten Erfolge des Projekts haben uns veranlasst, das Konzept ab 2019 in eigener Regie und mit eigenen Mitteln fortzuführen. Die Möglichkeit dazu bietet uns der 2016 neu geschaffene § 16 h des SGB II zur Förderung schwer erreichbarer junger Menschen. Mit ihm steht uns jetzt ein sehr willkommenes Regelinstrument zur Verfügung, das denselben Zweck hat wie ihn das Projekt „Chance Zukunft“ hatte - nur mit anderem Namen.

Dabei werden wir die Zahl der Plätze von 12 auf 16 erhöhen und darüber hinaus einige Reserveplätze freihalten für junge Menschen, die vielleicht noch gar keine Leistungen beziehen und zum Beispiel von den Streetworkern unseres Jugendamts zu uns geleitet werden. Sie könnten dann einen der zusätzlichen  Reserveplätze belegen, ohne dass einem anderen der Platz weggenommen wird.

Inhaltlich wird das neue Regelinstrument dieselben Elemente und Methoden umfassen, wie sie sich im Projekt „Chance Zukunft“ bewährt haben. Auch in Zukunft wird es eine faktische Eins-zu-Eins-Betreuung geben, wird sich eine Ansprechpartnerin, ein Ansprechpartner den jeweiligen Problemen der jungen Menschen widmen und gemeinsam mit ihnen Lösungen finden. Dabei geht es nicht nur darum, Gespräche zu führen, sondern die jungen Menschen auch zu begleiten, etwa dann, wenn sie sich an einer Schule anmelden, um einen Schulabschluss nachzuholen.

Auch beim neuen Regelinstrument wollen wir alles so formlos wie möglich halten. Es wird keine vorgeschriebene Dauer geben, vielmehr ergibt sie sich aus dem konkreten Bedarf. Alles steht und fällt mit den persönlichen Ansprechpartnern bei den Trägern. Wir sorgen dafür, dass sie genug Freiraum bekommen, damit sie zunächst ein Vertrauensverhältnis zu den jungen Menschen aufbauen können, und das braucht Zeit. Von den jungen Menschen, das hat das Projekt „Chance Zukunft“ gezeigt, werden die Ansprechpartnerinnen und -partner der Träger - anders als wir vom Fallmanagement, die als Vertreter einer Behörde wahrgenommen werden - eher wie ein großer Bruder, eine große Schwester angesehen. Das hat eine völlig andere, positive Wirkung. Das zeigen die vielen jungen Menschen, deren Probleme im Projekt gelöst werden konnten. Zwei von ihnen haben es sogar geschafft, eine Ausbildung zu beginnen. Wir gehen davon aus, dass auch unser neues Regelinstrument eine Erfolgsgeschichte wird.