Modellprojekt "Chance Zukunft" – CJD Berufsbildungswerk Niederrhein

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Gespeichert von Arbeit.Meding am 27. September 2018
Foto: Ein junger Mann und eine junge Frau unterhalten sich im Beratungsbully

"Wir wollen motivieren, die eigenen Stärken zu entwickeln." CJD Berufsbildungswerk Niederrhein beteiligt sich am Modellprojekt

Modellprojekt "Chance Zukunft", gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) – CJD-Berufsbildungswerk Niederrhein setzt das Projekt in Kooperation mit den Jobcentern der Stadt Krefeld sowie der Kreise Wesel und Kleve um

Gegen Scheitern helfen Mut und konkrete Erfolgserlebnisse. Das Modellprojekt "Chance Zukunft" vermittelt genau dieses und zeigt Wege, um arbeitsmarktferne junge Menschen in Schule, Ausbildung oder Arbeit (zurück)zubringen. Das CJD Berufsbildungswerk Niederrhein beteiligt sich mit individuellen Förder- und Beratungsangeboten. Kletterseil und Staplerschein gehören ebenso dazu wie aufsuchende Sozialarbeit.

Mit Kletterseil und Staplerschein – Zukunft ermöglichen durch individuelle Unterstützung und Beratung

Das CJD-Berufsbildungswerk Niederrhein hat während der Projektlaufzeit insgesamt 112 Teilnehmende begleitet und arbeitete mit den Jobcentern der Kreise Kleve und Wesel sowie der Stadt Krefeld zusammen. Die jungen Menschen, alle im SGB II-Bezug, werden vom Berufsbildungswerk in enger Zusammenarbeit mit den Jobcentern ausgewählt und bleiben im Schnitt ein knappes Jahr im Projekt, bis ein Anschluss gefunden ist.

„Das Modellprojekt ist bei den Teilnehmenden sehr beliebt und die Fluktuation ist vergleichsweise gering“, beschreibt Projektleiterin Katrin Geurds die positive Resonanz. Den Erfolg machen ihrer Einschätzung nach mehrere Faktoren aus: Entscheidend sei der Beziehungsaufbau zwischen dem Coach des Berufsbildungswerks und der Teilnehmerin oder dem Teilnehmer. „Über diesen individuellen Ansatz können wir die Teilnehmenden gut erreichen und sehr kreativ mit ihnen arbeiten, um sie privat und beruflich wieder an Regelsysteme heranzuführen. Das kann z.B. ein Schulabschluss, eine Beschäftigung, aber auch die Eröffnung eines eigenen Bankkontos oder der Besuch in einer Kirche sein“.
Ein zentraler Faktor sei die Stabilisierung der persönlichen, oftmals prekären Situation. „Gesundheits- und Schuldenberatung spielen bei uns eine wichtige Rolle. Viele Teilnehmende sind nennenswert verschuldet, nicht selten haben sie gesundheitliche Probleme oder sind in schwierige familiäre Verhältnisse verstrickt.“

Im Rahmen des Modellprojekts arbeitet das CJD Bildungswerk Niederrhein intensiv mit erlebnispädagogischen und auch musischen Angeboten, die von den Teilnehmenden sehr gerne angenommen werden und ihnen helfen, Stabilität zu finden und persönliche Stärken zu entwickeln.

Der Besuch einer Kletterhalle, Fußballspielen oder Kanufahren holen die Teilnehmenden aus der sozialen Isolierung heraus und verschaffen ihnen erste kleine Erfolgserlebnisse und neues Selbstvertrauen. „Die Teilnehmenden erwarten von sich selber, dass sie erfolglos sind. Unsere Aufgabe ist es, sie aus dieser resignativen Haltung herauszuholen und sie wieder entscheidungsfähig zu machen. In diesem Sinne wollen wir die Teilnehmenden nicht nur stabilisieren, sondern sie motivieren, ihre individuellen Kompetenzen und Stärken zu erkennen und zu entwickeln“, so Projektleiterin Katrin Geurds.

Mit dem Projekt haben wir die Chance und den Freiraum, sehr individuell auf die jungen Menschen einzugehen.

Mit der Möglichkeit, beispielsweise den Staplerschein zu erwerben, gibt es konkrete Unterstützung bei der beruflichen Förderung. Die ganztägige Schulungsreihe und anschließende theoretische und praktische Prüfung absolvieren fast alle Teilnehmenden, die sich anmelden, erfolgreich. Nicht nur die Erfahrung, einen Gabelstapler zu fahren, auch das abschließende Prüfungsergebnis ist für die langzeitarbeitslosen jungen Menschen ein besonderes, Mut machendes Erfolgserlebnis.

Mit dem Beratungsbus unterwegs – mobil für aufsuchende Sozialarbeit

Für die aufsuchende Sozialarbeit stehen dem Projektteam beim CJD Berufsbildungswerk vier Kleinbusse zur Verfügung. In dem weitläufigen Einzugsgebiet der Kreise Kleve und Wesel erleichtert das die Mobilität und den Zugang zu den Teilnehmenden erheblich. „Dadurch können wir unseren Teilnehmenden lange Anfahrtswege ersparen. Unser Beratungsbus ist ein neutraler und geschützter Ort, in dem wir vieles klären und in aller Ruhe auch ein Bewerbungsschreiben fertigstellen können“, so Projetleiterin Katrin Geurds.

Ihr Resümee: „Mit dem Projekt haben wir die Chance und den Freiraum, sehr individuell auf die jungen Menschen einzugehen. Ich finde, dass macht die besondere Qualität von ‚Chance Zukunft‘ aus.“

„Die große Hilfe durch das Projekt hat mich weiter gebracht, meinen Weg zu gehen.“

Dominik, 25 Jahre alt, langzeitarbeitslos und ohne Ausbildung, hat durch das Projekt sein Leben verändern können und tatsächlich Zukunft gewonnen. Mit pflegebedürftiger Mutter und älterem Bruder lebte er lange in einer abgelegenen Obdachlosenunterkunft und verbrachte viel Zeit mit Computerspielen. Heute hat er eine eigene Wohnung, ist verheiratet und Familienvater. Und in Aussicht steht sogar ein Arbeitsvertrag als sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter bei einem Garten- und Landschaftsbauer.

„Dominik hatte eine wirklich schwierige Ausgangssituation. Wir haben mit ihm sehr systemisch gearbeitet und die Familiensituation einbezogen. Nach dem Tod der Mutter hat er sich motiviert und engagiert auf das Projekt eingelassen und alle Angebote wahrgenommen“, berichten Coach Katrin Hainke und Projektleiterin Katrin Geurds übereinstimmend.

Ich habe durch das Projekt erreicht, was ich mir immer vorgenommen habe. Endlich hat alles einen Sinn.

Zur Unterstützung gehörte nicht nur intensives Kommunikationstraining, sondern auch die Schuldenberatung, da er über die Mutter hoch verschuldet war. Den Gabelstaplerschein, den er im Rahmen des Projekts erworben hat, kann er für seinen neuen Job nun gut gebrauchen.

„Das Projekt hat mich unterstützt, endlich aus mir heraus zu kommen und das zu erreichen, was ich mir immer vorgenommen, aber nie vollendet habe“, sagt Dominik rückblickend. „Ohne das Projekt und die treibende Kraft meiner Frau wäre ich immer noch negativ gestimmt, was das Leben angeht. Aber das ist nun zu Ende und ich will meinen Weg gehen. Endlich hat alles einen Sinn.“  

CJD-Berufsbildungswerk Niederrhein

Berufsbildungswerke (BBW) bieten für junge Menschen mit Behinderung Möglichkeiten der Erstausbildung und Berufsvorbereitung. Im Rahmen des Modellprojekts "Chance Zukunft" öffnen sich die Berufsbildungswerke in NRW für weitere Zielgruppen.
Das CJD Berufsbildungswerk Niederrhein mit Sitz in Moers bildet beeinträchtigte junge Menschen ganzheitlich aus und bietet dabei Förderung und Unterstützung. Das BBW Niederrhein ist eine Einrichtung des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschlands e.V.. Bundesweit betreibt das CJD mehr als 150 Einrichtungen und ist Mitglied der Diakonie Deutschland - Evangelischer Bundesverband und beim CVJM Deutschlands.

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