Branchendialog Metall- und Elektroindustrie in Mönchengladbach

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Branchendialog - Minister Laumann auf Podium mit Mikrofon

Arbeitsminister Laumann: "Digitalisierung so gestalten, dass der Mensch im Mittelpunkt steht!"

Branchendialog "Metall- und Elektroindustrie im Spannungsfeld von Digitalisierung und Guter Arbeit"

Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung in der Metall- und Elektroindustrie - das stand im Mittelpunkt des Branchendialogs in Mönchengladbach. Eingeladen hatte das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium. "Digitalisierung und gute Arbeit haben viel mit Qualifizierung und Bildung zu tun", betonte Minister Karl-Josef Laumann und warb verstärkt für Weiterbildung und duale Ausbildung.

Branchendialog "Metall- und Elektroindustrie im Spannungsfeld von Digitalisierung und Guter Arbeit", eine Veranstaltung des Arbeitsministeriums Nordrhein-Westfalen

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Die Herausforderungen für Beschäftigte und Betriebe sind groß. Ebenso groß sind aber auch die Chancen. Darüber diskutierten rund 100 Unternehmensvertreterinnen und –vertreter sowie Weiterbildungsträger und die Politik gemeinsam am 16. April 2018 in Mönchengladbach beim Branchendialog „Metall- und Elektroindustrie im Spannungsfeld von Digitalisierung und Guter Arbeit“, einer Veranstaltung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, der IG-Metall und der Unternehmerschaft der Metall- und Elektroindustrie.

Nach der Gießerei- und der Kunststoff-Industrie im vergangenen Jahr stand jetzt in Mönchengladbach die Metall- und Elektroindustrie im Mittelpunkt eines Branchendialogs. Aus gutem Grund, denn die Branche, sagte Reinhold Schneider, „ist eine High-Tech-Industrie, in der die Digitalisierung unvermeidbar zu Umbrüchen führen wird.“ Manche Unternehmen, so der Geschäftsführer der Unternehmerschaft der Metall- und Elektroindustrie, „sind etwas langsamer, andere haben die digitale Zukunft bereits heute zu ihrem Arbeitsalltag gemacht.“ Klar ist für ihn: „Unternehmen müssen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Veränderungsprozessen mitnehmen. Ohne sie wird die Digitalisierung nicht funktionieren.“

Uneingeschränkte Zustimmung fand er mit seiner Aussage bei Reimund Strauß, dem 1. Bevollmächtigten der IG Metall Mönchengladbach. Einig war er sich mit ihm zudem darin, dass im Digitalisierungsprozess eine enge Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung und betrieblicher Interessenvertretung unumgänglich ist.

Zusätzlich empfiehlt sich nach Ansicht der beiden Sozialpartner die Kooperation mit der Arbeitsagentur. Sie bietet nach Auskunft von Angela Schoofs, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Mönchengladbach, professionelle  Beratung und Unterstützung in allen Fragen der Qualifizierung und Weiterbildung – Fragen, so Angela Schoofs, „die im Zuge der Digitalisierung immer diffiziler werden“. Umso wichtiger, die Kompetenz der Arbeitsagentur bei der betrieblichen Weiterbildungsplanung einzubeziehen.

Beeindruckender Kurzfilm: Projektvorstellung „Arbeit 2020 in NRW“

Betriebsnah und lebendig führte der Kurzfilm „Arbeit 2020 in NRW“ in ein Projekt der IG Metall NRW, an dem auch der DGB NRW, die IG BCE Nordrhein und die NGG NRW beteiligt sind. Hier geht es darum, das zu verwirklichen, was zuvor auf dem Podium Unternehmens- und Gewerkschaftsvertreter übereinstimmend gefordert hatten: nämlich Betriebsräte und Beschäftigte an der Gestaltung der Entwicklung von Industrie 4.0 und insbesondere im Bereich von Arbeit 4.0 zu beteiligen, damit sie „aktiv mit eigenen Ideen und Konzepten auf die betrieblichen Veränderungen einwirken können.“

Wie das gelingen kann, illustrierte der Kurzfilm an konkreten Beispielen aus mehreren Betrieben der Branche. Deutlich wurde hier, dass Digitalisierung die Chance bietet, die Belastungen für Beschäftigte zu reduzieren, Stress abzubauen oder auch Menschen mit einer Behinderung in Arbeit zu integrieren. Damit das Positiv-Szenario aber Wirklichkeit wird, war dem Film zu entnehmen, sind entsprechend gestaltete Tarifverträge und Mitbestimmung erforderlich.

Genauso wie Qualifizierungen, betonte Gabi Schilling, Projektleiterin „Arbeit 2020 in NRW“ bei der IG Metall, im Anschluss an die Vorführung. Diese sind nach ihrer Überzeugung jedoch nicht als „singuläre Maßnahmen“ durchzuführen, sondern „immer im Kontext aller betrieblichen Veränderungen“ zu betrachten.

Bedeutungszuwachs von Qualifizierung und Bildung

Wie in den neunziger Jahren auf die damalige Automatisierungswelle jetzt auch auf die Digitalisierung mit Vorruhestandsregelungen zu reagieren, ist für NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann keine Option. In den nächsten sieben, acht Jahren, rechnete er in seiner Rede vor, verlieren die Betriebe allein in Nordrhein-Westfalen rund 500.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Rente gehen. Bei der Digitalisierung müssen die Betriebe folglich alle Beschäftigten mitnehmen, „auch wenn sie ein bisschen älter sind.“

„Digitalisierung und gute Arbeit“, hob Karl-Josef Laumann hervor, „haben viel mit Qualifizierung und Bildung zu tun“. Er warb bei den Betrieben dafür, auch in diesem Handlungsfeld rechtzeitig zu agieren. Unterstützung finden sie bei ihrer Weiterbildungsplanung beim Land NRW: „Wir wollen unser Angebot „Bildungsscheck“ mächtig nach oben fahren, um auch Menschen im Job zu qualifizieren und so Arbeitslosigkeit zu verhindern.“

Nicht zu vergessen die Menschen, die Arbeit suchen. Hier wies der Minister auf zwei von ihm unterstützte Neuregelungen im Koalitionsvertrag auf Bundesebene hin: Zum einen sollen die Agenturen für Arbeit arbeitslosen Menschen zukünftig bereits innerhalb der ersten drei Monate der Arbeitslosigkeit ein Angebot unterbreiten, um die Chance zur Integration  in Arbeit zu erhöhen, zum anderen ist Bildungsberatung zukünftig ein wesentlicher Auftrag der Bundesagentur für Arbeit.

Attraktivitätssteigerung der dualen Berufsausbildung

Besonders am Herzen lag Arbeitsminister Karl-Josef Laumann die junge Generation. Ihn stimme es „traurig, dass sich so viele Jugendliche nicht für die duale Berufsausbildung interessieren“. In Nordrhein-Westfalen, stellte der Minister überzeugend dar, gebe es fünf Mal so viele Arbeitsplätze für Menschen mit einer abgeschlossenen dualen Berufsausbildung wie für Akademikerinnen und Akademiker. Dennoch strebten viele Jugendliche, von denen bis zu 60 Prozent eines Jahrgangs ihr Abitur machen, einen akademischen Abschluss an: „Das passt nicht zusammen!“

Dabei sei die duale Berufsausbildung auch für Abiturientinnen und Abiturienten attraktiv: „Industrie- oder Anlagenmechaniker, Informatikkauffrau, Automatisierungstechniker – das alles sind spannende, hochinteressante Berufe.“

Auch an dieser Stelle verlor der Minister jene nicht aus dem Blick, die allein keinen Ausbildungsplatz finden. „Sie müssen wir ein Stück weit an die Hand nehmen und, vielleicht mit sozialer Begleitung, unterstützen, aber nicht mit kurzfristigen Fördermaßnahmen, sondern so, dass am Ende der Gesellenbrief steht.“

Teilnovellierung und Handlungshilfen

Zur Attraktivitätssteigerung der dualen Berufsausbildung, wurde bei der Veranstaltung deutlich, trägt auch die Teilnovellierung der Metall- und Elektroberufe bei, über die Dr. Jens Stuhldreier, Leiter des Referats „Modernisierung der Arbeit“ im MAGS NRW, referierte. Zwar seien sie als „branchenübergreifende, prozessorientierte und gestaltungsoffene Querschnittsberufe“ bereits heute gut aufgestellt, dennoch gebe es Novellierungsbedarf. Dazu gehören unter anderem die Aufnahme einer neuen, integrativen Berufsbildposition „Digitalisierung der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit“ sowie die Aufnahme von berufsübergreifenden Zusatzqualifikationen in die Verordnungen.

Zu diesen so genannten „kodifizierten Zusatzqualifikationen“ zählen zum Beispiel bei den industriellen Metallberufen „Systemintegration, Prozessintegration, additive Fertigungsverfahren sowie IT-gestützte Anlagenänderung“ und in den industriellen Elektroberufen „digitale Vernetzung, Programmierung und IT-Sicherheit“. Hilfreich sind nach Ansicht von Dr. Jens Stuhldreier hier die „Umsetzungshilfen für die Ausbildung“, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Betrieben kostenlos auf ihrer Homepage zur Verfügung stellt.

Chancenorientiertes Herangehen

Zwischenfragen aus dem Auditorium belebten den Branchendialog. Sie betrafen etwa Studienergebnisse, wonach eine Vielzahl von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung verloren geht. Dr. Jens Stuhldreier warnte in seiner Antwort indes vor „deterministischen Horrormeldungen, die sich allein auf das theoretische Substitutionspotential und das technisch Machbare“ beschränken. Die Digitalisierung „chancenorientiert“ anzugehen sei vielmehr „das Gebot der Stunde“.

Andere Publikumsbeiträge konzentrierten sich auf die Ausbildung von Ausbildern, die Integration behinderter Menschen oder - noch mal - auf die Unterstützungsangebote des Landes. Hier verwies NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann auf den Bildungsscheck NRW und die Potentialberatung, „zwei Geschwister, die zusammengehören.“ Er brachte in diesem Zusammenhang einmal mehr seine Vorstellung von guter Arbeit zum Ausdruck: „Die Arbeitswelt ist für den Menschen da. Im Mittelpunkt auch der Digitalisierung steht der Mensch!“

 

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