Ausbildungsprogramm NRW – Minister besucht Betrieb in Herne

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Betriebsbesuch - Minister Laumann und Bärbel Bergerhoff-Wodopia, RAG-Stiftung, unter Hebebühne

„Unser Programm unterstützt junge Menschen, die keine geradlinige Schullaufbahn haben!“

ESF-gefördertes Programm verbessert Ausbildungssituation in benachteiligten Regionen Nordrhein-Westfalens - Unterstützung durch die RAG-Stiftung

Im Rahmen des Ausbildungsprogramms NRW besuchte Arbeitsminister Karl-Josef Laumann zusammen mit Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung, das Herner Unternehmen "GS Fahrzeugtechnik". Der Betriebsinhaber und Auszubildende berichteten von ihren durchweg positiven Erfahrungen mit dem ESF-geförderten Programm, das unter anderem Ausbildungen an ehemaligen Bergbaustandorten unterstützt. Bericht und Fotogalerie informieren zum Besuch vor Ort.

Minister Laumann und Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstand der RAG-Stiftung, treffen Auszubildende in Herne

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist im Ruhrgebiet nach wie vor schwieriger als in vielen anderen Regionen Nordrhein-Westfalens. Insbesondere an ehemaligen Bergbaustandorten besteht weiterhin ein erhöhter Bedarf an Ausbildungsplätzen, damit alle interessierten jungen Menschen mit einer Ausbildungsstelle versorgt werden können. Das gilt umso mehr für Jugendliche mit Startschwierigkeiten. Für sie hat die Landesregierung 2018 das „Ausbildungsprogramm NRW“ ins Leben gerufen.
 
„Gerade die jungen Menschen, die keine geradlinige Schullaufbahn mit optimalen Noten haben, sondern eine mit Ecken und Kanten, unterstützen wir mit unserem Programm! Und zwar sowohl bei der Suche nach einer passenden Lehrstelle, als auch beim Ausbildungsstart. Ein Ausbildungsplatz gibt ihnen Stabilität und eine Perspektive. Das ist für ihren weiteren Weg sehr wichtig. Wir bezuschussen aber auch die Betriebe, die diesen Jugendlichen eine Chance geben und ihnen eine Ausbildung ermöglichen“, erklärte Arbeitsminister Karl-Josef Laumann.
 
Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung, betonte: „Durch unsere Förderung beteiligen wir uns tatkräftig daran, Jugendlichen und jungen Erwachsenen über das Erlernen eines Berufes den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu ebnen. Mancher Start in den Beruf ist steinig. Wir helfen, damit aus einem steinigen Start ein erfolgreicher Abschluss wird. Das tun wir mit größter Überzeugung. Denn neben der sozialen Komponente möchte ich auch die Bedeutung qualifizierter Ausbildung zur Bekämpfung des Fachkräftemangels betonen. Wir können es uns als Gesellschaft – sowohl aus sozialer als auch aus wirtschaftlicher Sicht – nicht leisten, das Potenzial und die Talente junger Leute ungenutzt zu lassen!“

Seit 2008 hat die RAG-Stiftung die Ausbildungsprogramme in Nordrhein-Westfalen mit insgesamt rund 11 Millionen Euro unterstützt. Aktuell finanziert die Stiftung im Rahmen des Ausbildungsprogramms NRW die Ausbildungsvergütung für etwa 250 Auszubildende pro Durchgang.

Erfahrungen aus der Praxis - Unternehmen und Auszubildende berichten

Betriebsinhaber Guido Schimkat informierte Arbeitsminister Karl-Josef Laumann und Bärbel Bergerhoff-Wodopia über seine Erfahrungen mit dem Ausbildungsprogramm NRW. Das für die Umsetzung des Ausbildungsprogramms in der Region zuständige Bildungsinstitut Vogel habe ihm nach einem ersten Gespräch einen passenden, engagierten Jugendlichen vorgeschlagen, der sich in der Ausbildung „super entwickelt“ hat. Bei Fragen oder Schwierigkeiten habe er vom Bildungsinstitut Vogel stets „volle Rückendeckung“ erhalten.

Marvin Kandsorra, Auszubildender bei der „GS Fahrzeugtechnik GmbH“, hatte zuvor die Fachoberschule für Wirtschaft und Verwaltung mit der Fachhochschulreife abgeschlossen. Er berichtete, dass sein Abschlusszeugnis jedoch durchweg aus schlechten Noten bestand. Auch eine Ausbildung in diesem Berufsfeld interessierte ihn nicht. Hinzukam, dass er sich in Gesprächen schlecht verkaufen konnte und sich immer sehr zurückhaltend verhielt. Nach vielen vergeblichen Bewerbungen und einem Praktikum in einem anderen Ausbildungsberuf wusste er, dass er KFZ-Mechatroniker werden wollte. Die Agentur für Arbeit vermittelte ihn an das Bildungsinstitut Vogel und gleich der erste Vorschlag passte. Nach einem Probe-Praktikum bekam er den Ausbildungsvertrag. Seine Ziele: Die Ausbildung gut abschließen und Meister werden.

Ähnlich positive Erfahrungen machten auch die Auszubildenden Pia Synofzik und Abdraham Ali. Pia Synofzik absolviert eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement bei der Firma Zoremba Sanierungen. Die Fachoberschule für Wirtschaft hat sie mit dem Fachabitur abgeschlossen, dann aber mitten in der Corona-Pandemie zunächst keinen Ausbildungsplatz gefunden. Die Agentur für Arbeit informierte sie über das Ausbildungsprogramm NRW und vermittelte sie zum Bildungsinstitut Vogel. Nach einigen Hilfestellungen hat ihr das Bildungsinstitut eine Bewerbung bei ihrem späteren Ausbildungsbetrieb empfohlen und sie beim Bewerbungsprozess unterstützt. Dann ging es in Rekordtempo weiter: Vorstellung, Probearbeit und Ausbildungsbeginn innerhalb von nur drei Tagen. Pia Synofzik wird nun sogar in ihrem Traumberuf ausgebildet und möchte nach Beendigung ihrer Ausbildung gerne bei der Firma Zoremba arbeiten.

Abdraham Ali macht eine Ausbildung zum Friseur bei „Talking head hair style“ in Bochum. In Syrien hatte er als Schneider gearbeitet, bevor er 2015 nach Deutschland kam. Nach einem Integrationskurs schloss er die Schule mit dem Hauptschulabschluss Klasse 9 ab. Die Betreuerin des Jobcenters vermittelte ihn zum Bildungsinstitut Vogel und damit ins Ausbildungsprogramm NRW. Schon kurze Zeit später konnte er sich bei seinem späteren Ausbildungsbetrieb vorstellen und erhielt nach zwei Tagen Probearbeit seinen Ausbildungsvertrag. Sein Ziel: Ein eigenes Geschäft.

„Die berichteten positiven Erfahrungen zeigen, wie vorteilhaft es sein kann, wenn Betriebe nicht nur auf die Crème de la Crème der Schulabgängerinnen und Schulabgänger setzen. Ich wünsche mir, dass das auch viele weitere Unternehmen überzeugt”, erklärte Arbeitsminister Karl-Josef Laumann.

Ausbildungsprogramm NRW, gefördert vom ESF und der RAG-Stiftung

Das mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und der RAG-Stiftung geförderte Ausbildungsprogramm NRW soll Betriebe motivieren, zusätzliche Ausbildungsstellen einzurichten, um das bestehende Marktungleichgewicht abzumildern. 34 Gebietskörperschaften mit einer ungünstigen Bewerber-Stellen-Relation sind beteiligt. In Herne ist das Bildungsinstitut Vogel GmbH & Co. KG für das Ausbildungsprogramm NRW zuständig und konnte im vergangenen Durchlauf 28 zusätzliche Ausbildungsplätze besetzen. Die aktuelle Besetzungsphase läuft noch bis zum 31.01.2022.

Das Bildungsinstitut Vogel und andere qualifizierte Träger in NRW organisieren und koordinieren die Ausbildungsplatzakquise und das Matching von jungen Menschen und Betrieben. In den ersten elf Monaten ab Programmstart erhalten die ausbildenden Unternehmen und ausbildungsinteressierten jungen Menschen Unterstützung bei der Zusammenführung sowie beim Start in die Ausbildung. Die Betriebe schließen reguläre Ausbildungsverträge mit den Jugendlichen ab und erhalten in den ersten 24 Monaten ab Programmstart einen Zuschuss zur Ausbildungsvergütung.

Im Jahr 2020 konnten mit dem Ausbildungsprogramm 840 zusätzliche Ausbildungsplätze bei Betrieben geschaffen und besetzt werden. Ein erfreulicher Nebeneffekt des Programms war, dass zudem weitere 190 Jugendliche mit Anlaufschwierigkeiten außerhalb der Programmförderung in betriebliche Ausbildungsstellen vermittelt wurden. Seit der ersten Stunde beteiligt sich die RAG-Stiftung jährlich an der Finanzierung des Ausbildungsprogramms NRW, um insbesondere Jugendlichen an ehemaligen Kohlestandorten eine Ausbildung zu ermöglichen.

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