Auftaktveranstaltung Ausbildungsprogramm NRW

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Auftakttreffen Ausbildungsprogramm NRW

Einen Ausbildungsplatz finden - auch in schwierigen Zeiten

EU-gefördertes Programm verbessert Ausbildungssituation in benachteiligten Regionen Nordrhein-Westfalens - Chance für Jugendliche mit Unterstützungsbedarf

Das EU-geförderte "Ausbildungsprogramm NRW" finanziert auch im Ausbildungsjahr 2022 rund 1.000 zusätzliche Ausbildungsplätze. Die Auftaktveranstaltung fand als Onlinekonferenz statt - mit dabei die beteiligten Bildungsträger sowie weitere arbeitsmarktpolitische Akteure. In der Einschätzung des Programms, das jetzt in die fünfte Runde geht, waren sich alle Teilnehmenden einig: Das ist für alle ein Gewinn.

Ausbildungsprogramm NRW geht in die fünfte Runde - Auftakt zum Ausbildungsjahr 2022

Wie in den Jahren zuvor finanziert das Arbeitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen mit Mitteln des Europäischen Union auch im Ausbildungsjahr 2022 das „Ausbildungsprogramm NRW“ im Umfang von rund 1.000 zusätzlichen Ausbildungsplätzen. Am 13. Mai fand die Auftaktveranstaltung zum fünften Durchgang des Programms statt – in virtueller Form und mit rund 80 Vertreterinnen und Vertretern der am Programm beteiligten Bildungsträger sowie weiteren arbeitsmarktpolitischen Akteuren.

Viele junge Menschen erleben gleich zu Beginn ihres Berufslebens eine herbe Enttäuschung - sie finden keinen Ausbildungsplatz. Die Gründe dafür sind vielfältig: Manchmal reicht die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze in erreichbarer Nähe einfach nicht aus, um alle jungen Menschen zu versorgen. Mitunter aber stehen dem Einstieg in Ausbildung auch schlechte Zeugnisnoten oder persönliche Probleme der Jugendlichen im Weg oder die Betriebe und Jugendlichen finden einfach nicht zusammen.

Für all diese Fälle ist das „Ausbildungsprogramm NRW“ gedacht, mit dem rund 1.000 zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze in 34 Gebietskörperschaften mit einer ungünstigen Ausbildungsmarktlage jährlich bereitgestellt und junge Menschen mit Startschwierigkeiten und Vermittlungshemmnissen neue Chancen eröffnet werden.

Zwei wesentliche Elemente prägen das von der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) fachlich begleitete Programm. Erstens: Teilnehmende Betriebe erhalten einen Zuschuss zur Ausbildungsvergütung. Zweitens: Vermittlungsfachkräfte von Bildungsträgern übernehmen die Akquise zusätzlicher Ausbildungsplätze sowie das anschließende Matching für junge Menschen mit Startschwierigkeiten.

An sie, die Vermittlungsfachkräfte der Bildungsträger vor allem, richtete sich die von Gaby Holz und Jürgen Kempken von der G.I.B. moderierte Auftaktveranstaltung zum fünften Durchgang des Ausbildungsprogramms NRW. Deren Interesse war offensichtlich groß, wie die rund 80 Teilnehmenden der Videokonferenz zeigten, darunter aber auch Vertreterinnen und Vertreter des MAGS NRW, der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit und der Regionalagenturen.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wies Annika Henkel vom Referat für Berufliche Ausbildung im nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium auf die besondere Bedeutung des Programms im vergangenen und im laufenden Jahr hin: „Schul-Zeugnisse sind möglicherweise gerade jetzt nicht immer aussagekräftig. Insbesondere Jugendlichen mit Vermittlungshemmnissen fiel es nicht immer leicht, mit dem digitalen Unterricht unter Corona-Bedingungen zurechtzukommen. Hinzu kommt, dass sie in Zeiten der Pandemie nur eingeschränkt die Möglichkeit hatten, Betriebspraktika zu absolvieren. Vor diesem Hintergrund ist es gut, dass sie mit den Vermittlungsfachkräften der Bildungsträger Fürsprecherinnen und Fürsprecher etwa bei Vorstellungsgesprächen hatten und anschließend in der Ausbildung zeigen konnten, welches Potential in ihnen steckt. Das hat ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz nachweislich deutlich erhöht.“  

Gute Beispiele dafür wurden im weiteren Verlauf der Konferenz viele genannt, darunter eine Jugendliche, die trotz enormer Bemühungen lange vergeblich einen Ausbildungsplatz gesucht hatte, sich aber jetzt nach gründlicher Unterstützung im Rahmen des Ausbildungsprogramms zur Steinmetzin ausbilden lässt.

Monitoring, Evaluation und Austauschformate

Einbezogen in das Programm sind indes nur benachteiligte Regionen Nordrhein-Westfalens, also Gebietskörperschaften mit ungünstiger Ausbildungsmarktlage. Aus gutem Grund, denn so ist dafür gesorgt, dass die Unterstützung dort wirkt, wo der Bedarf am größten ist. Zur Illustration: In der Ruhrgebietsstadt Herne kommen im Schnitt auf einen freien Ausbildungsplatz zwei Bewerberinnen oder Bewerber.

Als „sehr hilfreich für die Umsetzung des Programms“ bewertete Annika Henkel vom MAGS NRW die von der G.I.B. erstellte Akquise-Datenbank: „Sie bietet einen wöchentlich aktualisierten Überblick hinsichtlich der offenen und besetzten Ausbildungsplätze.“ Genauso nützlich sei das G.I.B.-Monitoring: Es gibt Auskunft über die Ausbildungsberufe, in die hinein vermittelt worden ist, sowie über die Übereinstimmungen oder auch Differenzen zwischen dem Angebot an Ausbildungsplätzen und den Berufswünschen der Jugendlichen. Die Arbeitsmarktexpertin: „Informationen aus der Datenbank und dem Monitoring unterstützen uns bei der Programmsteuerung. So können wir jederzeit erkennen, an welcher Stelle wir optimierend intervenieren können.“

Zur Evaluation des Programms führt die G.I.B. zudem eine Befragung der beteiligten Träger und Betriebe durch. Erste Ergebnisse liegen Ende des Jahres vor. Ergänzt werden soll die Evaluation demnächst in Kooperation mit einem externen Partner um eine weitere Befragung, denn „die Evaluation“, stellte Annika Henkel klar, „ist erst dann vollständig, wenn alle Beteiligten befragt werden und da sind die Jugendlichen von gleicher Bedeutung wie die Träger und Betriebe.“

Gegenstand der anschließenden Diskussion zum Programm war unter anderem eine „Positivliste“, in der regionale Akteure Ausbildungsberufe auflisten, in denen es vergleichsweise viele freie Ausbildungsplätze gibt. Neu zum Programm hinzugekommene Träger fragten an der Stelle nach der Verbindlichkeit der Liste. Schnell war klargestellt: Sie dient lediglich der Orientierung, vermittelt werden kann in alle Ausbildungsberufe: „Im Zweifel immer für den Ausbildungsplatz und damit für die Jugendlichen“, brachte Jürgen Kempken die Maxime des Ministeriums auf den Punkt. Eine Aussage, die ausnahmslos Zustimmung fand bei den teilnehmenden Trägern.

Doch auch an deren Interessen und Bedarfe haben die Programmverantwortlichen gedacht. Gaby Holz von der G.I.B. wies in diesem Zusammenhang auf die von den Regionalagenturen organisierten Runden Tische in den verschiedenen Regionen hin. Hier kommen Bildungsträger, Kammern, Arbeitsagenturen und Jobcenter zusammen, aber auch die Kommunalen Koordinierungsstellen sowie - auf Wunsch - auch Vertreterinnen des MAGS und der G.I.B. Gaby Holz: „Die Runden Tische bieten allen Beteiligten einen exakten Einblick in die praktische Umsetzung des Programms. Durch die Teilnahme etwa der Kommunalen Koordinierungsstellen sowie der anderen Partner gelingt der Austausch auch mit Akteuren der Landesinitiative ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ sowie der Träger des Landesprogramms „Kurs auf Ausbildung“, woraus sich Synergieeffekte ergeben.“

Als wertvoll für die Alltagsarbeit vor allem neu zum Programm hinzugekommener Träger könnte sich schon bald ein weiteres virtuelles Austauschformat erweisen: der „Kaffeeklatsch“, ein - wie aus der Bezeichnung ersichtlich - „informeller Austausch von Trägern für Träger“.

Für alle ein Gewinn

Erste fachpraktische Detailfragen wurden im weiteren Verlauf der Auftaktveranstaltung lebhaft diskutiert und Fragen, die noch nicht abschließend geklärt sind, offen besprochen. Volle Übereinstimmung aber zeigte sich schon jetzt bei der Bewertung des Ausbildungsprogramms NRW: Es hilft jungen Menschen mit Vermittlungshemmnissen, die am Ausbildungsmarkt mit einer ungünstigen Bewerber-Stellen-Relation oft mit „stärkeren“ Jugendlichen konkurrieren müssen, beim Einstieg in das Erwerbsleben. Die Erfolge des Programms zeigen, dass sie insbesondere in Zeiten der Pandemie mit professioneller Unterstützung seitens der Bildungsträger durchaus in der Lage sind, eine duale Berufsausbildung zu absolvieren. Das ist für alle ein Gewinn: für die Jugendlichen, für die fachkräftesuchenden Betriebe und für die Gesellschaft insgesamt.

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