Modellprojekt ÖPNV 4.0 – Fachtagung zur Halbzeit

Bild des Benutzers Arbeit.Meding
Gespeichert von Arbeit.Meding am 8. April 2019
Frau mit Mikrofon, im Hintegrund Präsenationsfolie mit Veranstaltungstitel ÖPNV 4.0

Öffentlicher Personen-Nahverkehr (ÖPNV) in NRW - den digitalen Wandel der Arbeit sozial und partnerschaftlich gestalten

Fachtagung zum ESF-geförderten Projekt ÖPNV 4.0 am 3.4.2019 in Düsseldorf, kommunale Unternehmen des Personen-Nahverkehrs beteiligen sich, Best-Practice-Beispiele und wissenschaftliche Begleitung

Öffentliche wie private Unternehmen im Personen-Nahverkehr stehen vor der großen Herausforderung, den digitalen Wandel zu gestalten. In nahezu allen Bereichen halten digitale, vernetzte Technologien Einzug und verändern Arbeit und Unternehmen. Das ESF-geförderte Modellprojekt "ÖPNV 4.0", koordiniert von ver.di NRW, entwickelt Ansätze und "Leitplanken" zur sozialpartnerschaftlichen Gestaltung von Arbeit 4.0 und für den branchenweiten Transfer. Zur Halbzeit informierte eine Fachveranstaltung.

Impulse geben und Technologien zum Nutzen der Beschäftigten gestalten - Fachtagung zum digitalen Wandel in der Dienstleistungswirtschaft

Das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium unterstützt mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds mehrere Modellprojekte, um digitale Veränderungsprozesse auf der betrieblichen Ebene vorausschauend und sozialpartnerschaftlich zu begleiten und zu gestalten. Das zweijährige Modellprojekt "ÖPNV 4.0 – Den digitalen Wandel der Arbeit sozialpartnerschaftlich gestalten" ist eines dieser Projekte und wird getragen von ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft in NRW.

Zusammen mit Unternehmen des öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) werden hier Ansätze, Kriterien und Leitplanken für gute Arbeit 4.0 in der Dienstleistungswirtschaft erkundet. Dabei steht jeweils ein Unternehmen für ein bestimmtes „Schlüsselfeld“ im Digitalisierungsprozess des ÖPNV. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom ISF München, eine der führenden arbeits- und industriesoziologischen Forschungseinrichtungen Deutschlands.

Zur Halbzeit lud ver.di NRW zusammen mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zur Fachtagung nach Düsseldorf und informierte interessierte Akteurinnen und Akteure aus Arbeitnehmervertretungen, Unternehmen, Gewerkschaften und Verbänden im ÖPNV sowie aus der Wissenschaft.

Gleich zu Beginn ließ Projektleiter Peter Büddicker, ver.di NRW, keinen Zweifel an der zentralen Botschaft des Modellvorhabens: „Die Unternehmen, die Gewerkschaft ver.di, die beteiligten Verbände und das Ministerium begreifen die Digitalisierung als eine gemeinsame Herausforderung, die auch nur gemeinsam bewältigt werden kann.“

Die Vertreterin des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums Ingrid Schleimer stimmte dem vorbehaltlos zu und bekräftigte in ihrer Begrüßung das gemeinsame Vorgehen: „Wir wollen Impulse geben für die Diskussion und Gestaltung der neuen Arbeitswelt. Dabei ist uns der sozialpartnerschaftliche Ansatz besonders wichtig. Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt, und es gilt den Einsatz digitaler Technologien so zu gestalten, dass sie für die Beschäftigten von Nutzen sind. Nicht die Technik allein darf den Arbeitsalltag bestimmen. Deshalb brauchen wir Praxisbeispiele und modellhafte Lösungen für gute Arbeit 4.0.“

Blick über den Tellerrand -  Gute Arbeit 4.0 bezieht die Sozialpartner und die Beschäftigten ein 

Vor der ausführlichen Projektpräsentation gab es den Blick über den Tellerrand durch ergänzende Fachbeiträge: So skizzierte Michael Fischer, Leiter Politik und Planung bei ver.di, in seinem Einführungsvortrag die Dynamiken der Digitalisierung und benannte Gestaltungskriterien von guter Arbeit 4.0. Mit Aspekten der geschlechtergerechten Arbeitsgestaltung im digitalen Wandel beschäftigte sich Edelgard Kutzner, Wissenschaftlerin der Sozialforschungsstelle der TU Dortmund. Aus Forschungsprojekten zur Digitalisierung im Dienstleistungssystem Krankenhaus referierte Michaela Evans, Forschungsdirektorin am Institut Arbeit und Technik in Gelsenkirchen.

Gemeinsamer Bezug der Vorträge: Die Digitalisierung verändert Arbeitsprozesse und Arbeitsorganisation: Für einen nachhaltig gelingenden Transformationsprozess haben partizipative, die Beschäftigten beteiligende und sozialpartnerschaftliche Ansätze eine zentrale Bedeutung.

Zielsetzungen und Lösungen für Schlüsselfelder der Digitalisierung in öffentlichen Unternehmen des Personen-Nahverkehrs

Vom beteiligten Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. – ISF München stellten die Wissenschaftler Norbert Huchler und Tobias Ritter Konzeption, Ziele und erste Ergebnisse des ÖPNV 4.0-Projekts vor. In ihrem Beitrag erläuterten sie auch, warum es Sinn macht, die Digitalisierung am Beispiel des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs zu begleiten.

Dieser Bereich sei nicht nur der „zentrale Player“, wenn es um die Mobilität der Zukunft gehe. Die einzelnen Verkehrsunternehmen steckten mitten in einem digitalen Wandel, der nach und nach alle betrieblichen Bereiche durchdringe: Fahrdienst, Werkstätten, Service und Marketing/Vertrieb sowie Verwaltung und Infrastruktur. Nicht zuletzt habe der ÖPNV mit rund 40.000 Beschäftigten in NRW und 150.000 Beschäftigten bundesweit eine wichtige volkswirtschaftliche Bedeutung und erfülle zentrale Aufgaben in der Daseinsfürsorge wie z.B. räumliche Erreichbarkeit und soziale Inklusion.

Zusammen mit sechs öffentlichen Unternehmen des Personen-Nahverkehrs werden im Rahmen von Fallstudien zentrale Schlüsselfelder der Digitalisierung im ÖPNV bearbeitet. Die Ziele sind dabei klar definiert und orientieren sich am sozialpartnerschaftlichen Vorgehen: übertragbare Gestaltungsmodule und Bewältigungsstrategien bereitstellen, einen Kriterienkatalog für „Gute Arbeit ÖPNV 4.0“ und ein Leitbild einschließlich sozialpartnerschaftlich verabschiedeter Zukunftsszenarien entwickeln sowie den Transfer u.a. durch geeignete Qualifikations- und Schulungskonzepte sichern. Mit Hilfe eines innovativen, partizipativ angelegten Werkstattkonzepts werden Best-Practice-Beispiele und direkt anwendbare Lösungsinstrumente entwickelt und erprobt.

"Markt der digitalen Transformation" - Öffentliche Verkehrsbetriebe bearbeiten zentrale Themen der Digitalisierung

Auf einem "Markt der digitalen Transformation" bot die Fachtagung den beteiligten Verkehrsunternehmen die Gelegenheit, ihre jeweiligen Schlüsselfelder vorzustellen und mit den teilnehmenden Fachleuten den Umsetzungsstand zu diskutieren, ein Angebot, das engagiert angenommen wurde. Im Einzelnen waren das:

  • Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn AG (Bogestra): 3D-Druck in Werkstatt und Lager
  • Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB): Weiterbildung 4.0, Einführung digitaler Lernprojekte und -Formate
  • Märkische Verkehrsgesellschaft GmbH (MVG): Komplexe Wertschöpfungssysteme und Einführung eines integrierten Vertriebshintergrundsystems
  • Rheinbahn AG: Human Ressource Management 4.0 – Cloud-Work/Homeoffice, Einführung eines digitalisierten Personalmanagementsystems
  • Wuppertaler Stadtwerke mobil GmbH (WSW): Digitale Ferndiagnose und vorausschauende Wartung
  • Aktiv Bus Flensburg AG: Mobile Devices – Arbeitssteuerung 4.0 u.a. durch digitalisierte Fahrerbücher

In der abschließenden Diskussionsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner und des ebenfalls ESF-geförderten Modellprojekts "Arbeit 2020" zur Digitalisierung im Industriebereich wurde noch einmal das ambitionierte Anliegen der ESF-geförderten Modellprojekte deutlich. „Wir wollen nachhaltige Lösungen und hoffen auf bundesweite Strahlkraft und Impulse, auch mit Blick auf Tarifgestaltung und Mitbestimmung“, so die Projektpartner in ihrem Ausblick. „Digitalisierungsprozesse lassen sich nur gut bewältigen, wenn die Beschäftigten mitgenommen werden. Das wollen wir stärken.“

Relevante

Pressemitteilungen

Weiteres

zum Thema