"Arbeit 2020 in NRW" – Digitale Zukunft gestalten in Rheine

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Drei Männer in Showroom der Firma Autopstenhoj mit Unterlagen zur Unterzeichnung

„Vor der Digitalisierung hat bei uns niemand Angst.“ Handwerksbetrieb unterzeichnet Zukunftsvereinbarung für den digitalen Wandel

Das ESF-geförderte Projekt "Arbeit 2020 in NRW" unterstützt Betriebsräte bei der Gestaltung der Digitalisierung – Zukunftsvereinbarung als Handlungsplan für gute Arbeit 4.0

Die Autopstenhoj GmbH in Rheine ist eine der wenigen Handwerksbetriebe, die sich am ESF-geförderten Projekt "Arbeit 2020 in NRW" beteiligen. Betriebsrat und Geschäftsführung haben mit Hilfe des Projekts eine Zukunftsvereinbarung erarbeitet, um künftige Digitalisierungsprozesse gemeinsam zu gestalten. Der Einsatz hat sich gelohnt und Vertrauen in die Zukunft geschaffen: „Vor der Digitalisierung hat bei uns niemand Angst.“

Betriebsrat und Geschäftsführung entwickeln Handlungsplan für Digitalisierungsprozesse – Unterstützung durch Gewerkschaft und TBS NRW

Die Autopstenhoj GmbH in Rheine ist auf die Herstellung und Lieferung von hydraulischen Hebebühnen spezialisiert und wurde vor einigen Jahren von der dänischen Stenhoj-Gruppe übernommen, einem führenden Anbieter von KFZ-Werkstattausrüstung. Der vorwiegend industriell arbeitende Handwerksbetrieb ist mit 110 Beschäftigten der bislang kleinste Betrieb, der sich am Gemeinschaftsprojekt "Arbeit 2020 in NRW" unter Leitung der IG Metall Bezirksleitung NRW beteiligte.

Über ein Jahr lang haben hier Betriebsrat und Geschäftsführung einen Fahrplan zur betrieblichen Gestaltung des digitalen Wandels erarbeitet und die Maßnahmen und Schritte abschließend in einer gemeinsamen Zukunftsvereinbarung festgehalten. Die Unterzeichnung fand im Rahmen einer kleinen Veranstaltung statt. Betriebsrat und Geschäftsführung nahmen ebenso teil wie Vertreter der IG Metall NRW und der Technologieberatungsstelle TBS NRW, die den Handwerksbetrieb im Rahmen von "Arbeit 2020 in NRW" begleiteten.

Qualifizierung und Weiterbildung ganz oben auf der To-do-Liste - Hilfe zur Selbsthilfe

„Für uns war das Projekt ein voller Erfolg, wir hätten das nicht allein auf die Beine stellen können“, sagt Andreas Prior, Vorsitzender des siebenköpfigen Betriebsrats. Die Unternehmensleitung habe das Projekt aktiv unterstützt und auch Freistellungen für die mehrtägigen Workshops seien „kein Problem“ gewesen. „Mit der Zukunftsvereinbarung haben wir nun zwei Jahre Zeit, die entwickelten Maßnahmen Schritt für Schritt umzusetzen“, so Andreas Prior. Als Teamleiter im Bereich Ersatzteillogistik ist er als gutes Beispiel schon mal vorangegangen und hat für seinen Bereich das „papierlose Büro“ organisiert.

Konkrete Aktionen und Maßnahmen sieht die Zukunftsvereinbarung für vier zentrale Bereiche vor: Ganz oben auf der To-do-Liste stehen Qualifizierung und Weiterbildung, die grundsätzlich allen Beschäftigten ermöglicht werden. Darüber hinaus sollen Kommunikation und Information sowie der betriebliche Gesundheitsschutz verbessert und laufende Prozesse optimiert werden.

Denn im Hintergrund läuft bereits vieles digital und mit Einführung der umfangreichen Business-Software „Office 365“ hat die Arbeitswelt 4.0 im Betrieb längst Einzug gehalten. Mit Hilfe der Projektberater konnte u.a. im Interesse der Belegschaft nachgesteuert und eine Vereinbarung zu Einsatzmodalitäten der Software aufgenommen werden. Angesichts des kommenden Umsetzungsprozesses ist man in Rheine jedenfalls optimistisch und sieht sich mit dem vorliegenden Handlungsplan gut vorbereitet: „Vor der Digitalisierung hat bei uns niemand Angst. Alle wollen!“, sagt Betriebsrat Andreas Prior.

„Das Projekt Arbeit 2020 soll angesichts der Herausforderungen der Digitalisierung Hilfe zur Selbsthilfe geben“, so Jens Göcking. Als Berater der TBS-Regionalstelle Dortmund hat er den Betrieb in Rheine begleitet und gemeinsam mit dem Betriebsrat verschiedene Workshops und Interviews mit den Beschäftigten durchgeführt. In der Belegschaft und bei der Geschäftsführung sei die Wertschätzung für die Projektarbeit immer sehr hoch gewesen. „Von Anfang an war die Zusammenarbeit ungewöhnlich offen und kollegial und die Aktivitäten waren gleichzeitig eng mit der betrieblichen Strategieentwicklung verzahnt. Ich bin zuversichtlich, dass die Umsetzung der Zukunftsvereinbarung bei Autopstenhoj weiter erfolgreich verfolgt wird.“

Betriebslandkarte für den sozialpartnerschaftlichen Dialog

"Arbeit 2020 in NRW" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gewerkschaften IG Metall NRW, IG BCE Nordrhein, NGG NRW und des DGB NRW. Betriebsräte, Beschäftigte und Unternehmen werden dabei unterstützt, die mit der Digitalisierung einhergehenden Entwicklungen und Veränderungen zu erkennen und sozialpartnerschaftlich zu gestalten. Rund 60 Unternehmen und Betriebe haben bereits teilgenommen, davon hat rund ein Drittel mit einer konkreten Zukunftsvereinbarung die weitere Zusammenarbeit zur Gestaltung der Digitalisierung verbindlich gemacht.

Neben der Durchführung von mehrtägigen Workshops ist ein Kernstück des Projekts die Erstellung einer Betriebslandkarte. Mit diesem Instrument gewinnen Betriebsräte und Unternehmen Klarheit über unternehmensspezifische Auswirkungen der Digitalisierung und können gemeinsam entscheiden, wie gute und sichere Arbeit im Unternehmen weiterzuentwickeln ist. „Davon profitieren beide Seiten, sie haben valide und belastbare Ergebnisse und können dann auf gleicher Wissensbasis entscheiden und handeln“, sagt Reinhard Röhrig, der das Projekt auf Seiten der IG Metall NRW begleitet. Bei Autopstenhoj sei die Umsetzung des Projekts in bewundernswerter Weise gelungen, nicht zuletzt dank der großen Aufgeschlossenheit der Geschäftsführung, die den Vorteil einer sozialpartnerschaftlichen und beteiligungsorientierten Gestaltung des Digitalisierungsprozesses schnell erkannt habe.

Das Projekt "Arbeit 2020 in NRW" wird jetzt in dritter Runde bis Ende 2021 fortgesetzt. Vor allem Schulungen und Transfer sollen weiter intensiviert werden, so Reinhard Röhrig. Und für die Betriebslandkarte werde demnächst eine App bereit stehen, die kostenlos heruntergeladen werden kann. Besonders erfreulich ist für Gewerkschafter Röhrig aber auch, dass die Erfahrungen aus dem nordrhein-westfälischen Projekt in den „Transformationsatlas“ eingeflossen sind, den die IG Metall inzwischen als bundweites Angebot bereitstellt.

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