Mit Auszeichnung und Anschluss. Ausbildung mit Behinderung

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Gespeichert von Arbeit.Meding am 31. Januar 2019
Junge Frau sitzt an Schreibtisch mit Computer und Arbeitspapieren, Kollegin am Regal im Hintergrund

Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze": Junge Frau schließt Ausbildung mit Auszeichnung ab und wird unbefristet übernommen

Berufsförderungswerk Oberhausen begleitet Ausbildung und kooperiert mit GSE gGmbH, ein Anbieter sozialer Dienste in Essen, Ausbildungsabschluss mit IHK-Auszeichnung

Nicht noch einmal scheitern, sondern weitermachen. Die intensive Unterstützung durch das ESF-Programm Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze" half Larissa Bergendahl, ihre Ängste zu überwinden – und einen hervorragenden Abschluss als Kauffrau für Büromanagement zu machen. Beim Kooperationsbetrieb GSE gGmbH in Essen hat sie inzwischen eine unbefristete Stelle, hier ist sie auch die erste Auszubildende mit IHK-Auszeichnung.

Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze" ermöglicht erfolgreiche Ausbildungen –  Auszeichnungen inbegriffen

Über die ESF-geförderte Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze" konnte die heute 27-jährige Larissa Bergendahl eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement absolvieren. Intensiv unterstützt und begleitet hat sie dabei das Berufsförderungswerk Oberhausen. Die Abschlussprüfungen bestand sie mit sehr guten Noten und wurde von der IHK Essen als eine der Jahrgangsbesten im Bezirk ausgezeichnet.

Absehbar war das nicht. Die junge Frau leidet an psychischen Belastungsstörungen und war deswegen beim ersten Ausbildungsversuch gescheitert. Nach dem Fachabitur hatte sie sich selbst einen Ausbildungsplatz organisiert, brach aber die Ausbildung wieder ab. „Ich hatte viel mit Zweifeln und Ängsten, auch Versagensängsten, zu kämpfen. Es war mein großes Glück, dass ich an der Aktion 100 teilnehmen und es noch einmal versuchen konnte“, sagt sie rückblickend. Dass sie die Ausbildung tatsächlich durchhalten und so gut abschließen würde, damit hat sie selbst am wenigsten gerechnet. „Ich habe definitiv viel für die Prüfungen gearbeitet, ich wollte nicht noch einmal scheitern. Das gute Ergebnis hat mich überrascht, aber natürlich habe ich mich dann auch gefreut.“

Für das Arbeits- und Berufsleben bin ich jetzt deutlich besser gerüstet. Ohne die Aktion 100 hätte ich es wohl nicht geschafft.

Anders als beim ersten Versuch stand Larissa Bergendahl jetzt mit ihrer Erkrankung nicht allein da. Über das Berufsförderungswerk hatte sie eine sozialpädagogische Ansprechperson an der Seite, mit der sie über alle Probleme nicht nur offen sprechen, sondern auch geeignete Lösungen zur Bewältigung entwickeln konnte. „Anfangs kostete es mich Überwindung, von meinen Ängsten, meiner Erkrankung zu erzählen. Genau das hat mir aber sehr geholfen und ich habe viel Unterstützung bekommen. Für das Arbeits- und Berufsleben bin ich jetzt deutlich besser gerüstet. Ohne die Unterstützung durch die Aktion 100 hätte ich es wohl nicht geschafft.“

Gelungener Anschluss – als Bürofachkraft in der Finanzbuchhaltung des Kooperationsbetriebs

Kooperationsbetrieb und heutiger Arbeitgeber der jungen Frau ist die GSE gGmbH, ein führender Anbieter sozialer Dienste in Essen mit rund 3.000 Beschäftigten. Zum Leistungsangebot gehören u.a. Wohn- und Pflegeeinrichtungen für Senioren und Pflegebedürftige und Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Larissa Bergendahl ist hier bislang die einzige Auszubildende mit IHK-Auszeichnung und arbeitet inzwischen als Mitarbeiterin der Verwaltung in der Finanzbuchhaltung. Nach Ausbildungsabschluss und Probejahr wurde kürzlich ihr Arbeitsvertrag entfristet. Das Aufgabengebiet gefällt ihr und sie sagt: „Ich lerne immer noch jeden Tag dazu.“

Mit der Aktion 100 haben wir so ermutigende Erfahrungen gemacht, dass wir auch in Zukunft gerne als Kooperationspartner bereitstehen.

Marina Wedde ist Ausbildungskoordinatorin bei der GSE. Die Teilnahme an der Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze" war auch aus Sicht des Kooperationsbetriebs ein voller Erfolg - und ermutigend dazu. „Wir bilden in verschiedenen Bereichen aus. Unser Ziel ist es, die Auszubildenden als Fachkräfte zu übernehmen. Bei Frau Bergendahl hat das wunderbar geklappt, sie hat sich sehr gut eingearbeitet.“
Und mit Blick auf die professionelle Unterstützung durch das Berufsförderungswerk ergänzt die Ausbildungskoordinatorin: „Mit der Aktion 100 haben wir so ermutigende Erfahrungen gemacht, dass wir auch in Zukunft gerne als Kooperationspartner bereitstehen.“

Berufsförderungswerk begleitet Auszubildende und Betriebe – psychische Erkrankungen nehmen zu

Das Berufsförderungswerk Oberhausen bietet im Rahmen der Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze" unterstützte betriebliche Ausbildung für Menschen mit Behinderung: Die Einrichtung schließt einen Ausbildungsvertrag mit den Teilnehmenden, sucht geeignete Kooperationsbetriebe für die praktische Ausbildung und stellt als Coaches sozialpädagogisch geschulte Ansprechpersonen, die Auszubildende und Betriebe begleiten.

„Durch die intensive sozialpädagogische Unterstützung sind wir nah am Ausbildungsgeschehen und können ein gutes Vertrauensverhältnis aufbauen“, sagt Sabine Lauer, Projektkoordinatorin und Stabsstellenleiterin im BFW Oberhauen. In den letzten Jahren, so ihre Erfahrung, habe die Zahl der Teilnehmenden mit psychischen Erkrankungen deutlich zugenommen.

Da sei es besonders wichtig, die Ausbildungsprozesse behutsam zu begleiten. Bei Bedarf werde auch der ärztliche und psychologische Dienst im Berufsförderungswerk hinzugezogen, so Sabine Lauer. „Ausbildungen scheitern oft deshalb, weil die Betroffenen nicht auffallen wollen und ihre Erkrankung verbergen. Wir unterstützen dann beide Seiten dabei, die Situation zu klären und Lösungen zu finden, etwa beim Wechsel der Abteilung, um sich auf die neuen Kollegen vorzubereiten, oder bei Prüfungsangst, um geeignete Bewältigungsstrategien zu entwickeln.“

„Sie werden schon keine Fünfen und Sechsen schreiben“ - diesen Satz, so erinnert sich Projektkoordinatorin Sabine Lauer, habe sie der Auszubildenden mehr als einmal gesagt. Und sie hat Recht behalten, die IHK-Auszeichnung belegt das eindrücklich.

Ausbildung Kaufmann/-frau für Büromanagement

Kaufmann/-frau für Büromanagement ist ein dreijähriger anerkannter Ausbildungsberuf in Industrie und Handel sowie im öffentlichen Dienst. Die Ausbildung findet auch im Handwerk statt. Kaufleute für Büromanagement organisieren und bearbeiten bürowirtschaftliche Aufgaben. Außerdem erledigen sie kaufmännische Tätigkeiten in Bereichen wie Auftragsbearbeitung, Beschaffung, Rechnungswesen, Marketing und Personalverwaltung.

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